Down Under: Massensturz im Sprintfinale

Welsford jubelt mit letzter Kraft und dem Glauben des neuen Teams

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Welsford jubelt mit letzter Kraft und dem Glauben des neuen Teams"
Sam Welsford (Ineos Grenadiers) schreit die Freude über seinen ersten Saisonsieg 2026 heraus. | Foto: Cor Vos

23.01.2026  |  (rsn) – Sam Welsford (Ineos Grenadiers) hat in Nairne nach 140,8 Kilometern und einem welligen Finale seine letzten Kräfte mobilisiert und dank eines perfekt getimten Leadouts seines neuen Teams die 3. Etappe der Tour Down Under 2026 gewonnen. Der Australier setzte sich im Massensprint vor dem Dänen Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM) durch, der zwei Tage zuvor die erste Massenankunft der Woche für sich entschieden hatte. Dritter in Nairne wurde der Neuseeländer Lewis Bower (Groupama – FDJ United) vor dem Briten Jake Stewart (NSN) und Bowers Landsmann Aaron Gate (XDS – Astana).

"Mir fehlen die Worte. Das war so hart heute! Wir hatten hinten wirklich Probleme, wurden an der letzten Welle durchgereicht und ich war an meinem absoluten Limit. Aber ich hatte Kwiat (Michal Kwiatkowski, Anm. d. Red.) die ganze Zeit bei mir und er sagte: 'Sei geduldig, wir kommen drüber!'", berichtete Welsford im Sieger-Interview vom hügeligen Etappenfinale und bekam feuchte Augen:

"Dass die Jungs nach meinem so schweren letzten Jahr so sehr an mich glaubten, und dass ich dann hier gewinne, an einem Tag, der mir nicht wirklich liegt – ich bin überglücklich! Ich wollte mit dem neuen Team unbedingt gut ins Jahr kommen – und wie gesagt: Sie haben wirklich an mich geglaubt, haben gesehen, was ich kann. Das zu spüren, nachdem ich diesen Glaube wahrscheinlich auch selbst schon verloren hatte, das ist wirklich schön!"

Welsford hatte in den vergangenen beiden Jahren für Red Bull – Bora - hansgrohe jeweils drei Etappen bei der Tour Down Under gewonnen, danach im Saisonverlauf aber jeweils nicht mehr viel erreicht – vor allem nicht, wenn es etwas hügeliger wurde. Sein Vertrag beim deutschen Team wurde nicht verlängert und er heuerte im Spätherbst bei Ineos an. "Die nächsten zwei sind wahrscheinlich die härtesten Etappen der Woche. Ich werde daher nur noch Flaschen holen, die Jungs in die Anstiege bringen und so ein bisschen etwas zurückzahlen", blickte er auf den Willunga Hill, der zu diesem Zeitpunkt noch zur Etappe gehörte, und den schweren Rundkurs von Stirling voraus.

Auf der Zielgerade in Nairne kam es inmitten des Feldes zu einem Massensturz, der auch einige nicht gestürzte Top-Sprinter – darunter Tim Torn Teutenberg (Lidl – Trek) und Casper van Uden (Picnic – PostNL) - davon abhielt, in die Entscheidung einzugreifen. Der Sturz sorgte bei der Zeitnahme zunächst auch für eine 19-Sekunden-Lücke im Peloton, die von der Jury aufgrund der 3-Kilometer-Regel aber annulliert wurde.

Dadurch behielt auch Jay Vine (UAE – Emirates – XRG), der ebenfalls vom Sturz aufgehalten worden war, sein ockerfarbenes Führungstrikot mit weiterhin sechs Sekunden Vorsprung vor Teamkollege und Titelverteidiger Jhonatan Narvaez sowie 1:05 Minuten vor dem Schweizer Mauro Schmid (Jayco – AlUla), 1:12 vor Harry Sweeny (EF Education – EasyPost) aus Australien und 1:14 vor dem Deutschen Marco Brenner (Tudor).

Andresen ist mit 55 Punkten weiterhin Spitzenreiter im Kampf um das Blaue Trikot, allerdings nur noch mit drei Zählern Vorsprung auf Welsford. Das Bergtrikot behauptete auch am Freitag der Norweger Martin Urianstad Bugge (Uno-X Mobility), der am dritten Tag in Folge in der Ausreißergruppe saß und sein Konto bis auf 41 Punkte aufstockte – bei 17 für den Zweitplatzierten Pepijn Reinderink (Soudal – Quick-Step) aus den Niederlanden und noch maximal 58 zu ergatternden Zählern im weiteren Rundfahrtverlauf. Bester Nachwuchsfahrer und Träger des Weißen Trikots ist weiterhin Michael Leonard (EF Education – EasyPost) aus Kanada.

So lief die 3. Etappe der Tour Down Under 2026:

Schon direkt nach dem Start bei knapp 30 Grad am Henley Beach in Adelaide setzte sich mit Bergtrikotträger Urianstad Bugge sowie Enzo Paleni (Groupama – FDJ United) und Baptiste Veistroffer (Lotto – Intermarché) eine erste Gruppe ab. Im Peloton reagierte man nicht und ließ das Trio schnell auf zwei Minuten davonfahren, so dass die Ausreißergruppe des Tages stand.

Nach rund 15 Kilometern übernahmen hinten dann Lucas Hamilton (Ineos Grenadiers) und Tim Rex (Visma – Lease a Bike) die Nachführarbeit und hielten den Rückstand lange Zeit bei rund zwei Minuten recht konstant – es wurde eine eher  eintönige Etappe. An der Spitze holte sich Urianstad Bugge zehn Punkte am ersten Bergpreis am Wickham Hill nach 32 Kilometern und Veistroffer strich jeweils die drei Bonussekunden und Punkte an den Zwischensprints in Meadows und Echunga nach 58 beziehungsweise 100 Kilometern ein.

An den Wellen nach dem Zwischensprint in Echunga entstand 40 Kilometer vor dem Ziel etwas Hektik im Peloton, weil mehrere Fahrer nacheinander attackierten. Ineos und UAE aber schlossen innerhalb der nächsten fünf Kilometer alle Lücken wieder und so beruhigte sich das Rennen noch einmal. Urianstad Bugge sicherte sich am Mount Barker 24 Kilometer vor dem Ziel auch den zweiten Bergpreis des Tages und der zuvor bis auf 15 Sekunden geschmolzene Rückstand zum Spitzenreiter-Trio wuchs wieder auf 1:25 Minuten an.

Das Streckenprofil der 3. Etappe der Tour Down Under. | Grafik: Tour Down Under

An einem nicht kategorisierten, 1,5 Kilometer langen 5-Prozent-Anstieg 13 Kilometer vor dem Ziel löste sich die Spitzengruppe in ihre Einzelteile auf und Paleni fuhr bei noch 50 Sekunden Vorsprung allein weiter. Doch auch Veistroffer steckte nicht auf und kam fünf Kilometer später sogar nochmal zu Paleni nach vorne. Mit noch immer 40 Sekunden Vorsprung erreichte das Duo die letzten sechs Kilometer.

An der letzten steilen Welle des Tages musste der Lotto-Mann seinen Landsmann Paleni 3,5 Kilometer vor dem Ziel aber wieder ziehen lassen und das Hauptfeld näherte sich nun in großen Schritten. Eingangs des Schlusskilometers wurde Paleni gestellt und das Peloton rauschte auf den Massensprint zu – wenn auch mit durch die letzten Rampen arg dezimierten Sprintzügen und sichtbar angeknockten Sprintern.

Decathlon – CMA CGM führte das Rennen auf die Zielgerade, doch Tord Gudmestad war diesmal als letzter Anfahrer des französischen Teams deutlich früher im Wind als zwei Tage zuvor beim Sieg von Andresen, und diesmal war es Ineos, das mit dem besten Timing von hinten kam: Ben Swift kam gut 300 Meter mit sehr hohem Tempo an die Spitze und scherte dann vor Welsford aus, so dass der mit Geschwindigkeitsüberschuss dem Sieg entgegenrauschte und deutlich gewann.

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