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19.12.2025 | (rsn) – Es ist noch gar nicht so lange her, da avancierte Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe) kurzzeitig zur deutschen Klassikerhoffnung - ohne allerdings jemals in seiner Karriere entsprechende Ergebnisse geliefert zu haben. Vielmehr waren es seine beiden Etappensiege beim Giro d`Italia 2023, die zeigten, dass der Mann vom Rande des Schwarzwaldes an der deutsch-schweizerischen Grenze generell zum Siegfahrer bei großen Rennen taugt.
“Alle haben immer gemeint, ich sei vom Typ Klassikerfahrer. Und ich hatte auch immer Interesse daran gehabt“, sagte Denz nun im Gespräch mit radsport-news.com. “Ich habe das über viele Jahre mitgemacht und muss leider sagen: Der Erfolg ist ausgeblieben. Das war dann auch ein Learning von mir in diesem Jahr.“ ___STEADY_PAYWALL___>
Keine Klassiker für Denz im Jahr 2025, und auch im kommenden Frühjahr wird er aller Voraussicht einen Bogen um Belgien machen. Dabei, das zeigte die abgelaufene Saison, hätte ihn sein Team sicher gut auf dem Kopfsteinpflaster gebrauchen können. Doch auch an anderer Stelle wurden Denz` Dienste benötigt und geschätzt. Vor allem bei Rundfahrten. Und dort lieferte er nicht nur als Helfer ab, sondern auch als Ergebnislieferant.
“Ich habe eine Etappe beim Giro gewonnen. Und wir sind als Team eine super Vuelta gefahren. Also war es ein gutes Jahr“, brachte er seine wichtigsten Rennen auf den Punkt. Zwei weitere Grand Tours hat er damit auf dem Buckel und steht damit nun bei 13. In John Degenkolb, Emanuel Buchmann und Nikias Arndt kommen nur noch drei aktive Deutsche auf mehrere Teilnahmen an den dreiwöchigen Rundfahrten. Gemessen an Etappensiegen ist es nur noch Degenkolb.
Die entscheidende Kurve zum Etappensieg beim Giro. Hier holt sich Nico Denz den Vorsprung zu seinen Mitausreißern, die die Lücke bis zum Zielstrich nicht mehr schließen können. | Foto: Cor Vos
Warum Denz, wenn er denn mal gewinnt, zuletzt immer große Siege eingefahren hat, lässt sich relativ einfach erklären. “Immer, wenn ich gewonnen habe, ging dem eine spezifische Vorbereitung voraus. Allerdings mit dem Fokus auf Support fürs Gesamtklassement. Das war in diesem Jahr nicht anders“, sagte er. Jedoch kam jeweils noch ein anderer Faktor hinzu. “Wir haben beide Male unseren Leader verloren, erst danach habe ich die Siege eingefahren.“
2023 war das Aleksandr Vlasov, der beim Giro für Bora – hansgrohe als Klassementleader angedacht war, 2025 Primoz Roglic. “Es klingt vielleicht ein bisschen blöd, aber im Grunde habe ich immer vom Pech anderer profitiert“, so Denz.
“Freie Fahrt“ für den Allrounder gab es, “nachdem die ursprünglichen Ziele nicht mehr erreicht werden konnten. Und dann ist es eine Stärke von mir, im Kopf vom Helfer zum Siegfahrer umzuswitchen. Dass es nun aber immer der Giro ist, muss mehr oder weniger Zufall sein.“ Doch auch bei seiner zweiten Grand Tour des Jahres konnte sich Denz in Szene setzen – selbst mit den Kapitänen Jai Hindley und Giulio Pellizzari im Rennen.
“Auch in Spanien durfte ich fahren, aber die Etappenprofile kamen mir nicht entgegen. Ich hab dann auf semi-passenden Etappen versucht, etwas rauszuholen.“ Vier Mal ging Denz in die Gruppe, darunter an zwei Tagen mit veritablen Bergankünften. Am Alto de Castro de Herville fuhr er als Vierter sein bestes Ergebnis der Rundfahrt heraus. Dazu kam noch ein sechster Platz.“Ich behaupte, das war erfolgreich. Ich habe nicht gewonnen, mich aber gut verkauft und das Maximum herausgeholt.“
Dass Denz trotz zweier Kapitäne im Rennen überhaupt seine Chance bekam, liegt auch an seinem immer besserem Standing im Team. Vom Ruf des “mitdenkenden Tretschweins“, wie er es selbst sagte, hat er ich mittlerweile emanzipiert. Im Team wisse man mittlerweile, wozu er fähig sei. “Das gibt Selbstvertrauen“, so Denz. “Und ich weiß jetzt auch selbst, dass ich keine Eintagsfliege bin“.
Auch bei der Vuelta präsentierte sich Nico Denz neben seinen Helferdiensten als Ausreißer. Die 16. Etappe beendete der so als Vierter. | Foto: Cor Vos
Im Grunde erlebte Denz in diesem Jahr das Gegenteil von dem, was als Teufelsspirale bezeichnet wird. Die positiven Faktoren potenzierten sich. Das daraus kaum weitere Ergebnisse entstanden sind – Rang fünf bei den Deutschen Zeitfahrmeisterschaften und Platz neun bei Eschborn-Frankfurt stechen noch hervor – liegt vor allem daran, dass er für den Großteil der Saison in der Helferrolle unterwegs war.
Als Highlight hob er in dieser Funktion noch die Katalonien-Rundfahrt mit dem siegreichen Primoz Roglic hervor. Weniger, weil auch da noch ein acht Platz auf einer Etappe bei herumkam. Sondern vielmehr, “weil sie ein Schlüsselrennen in der Vorbereitung (auf den Giro) war, vor allem für mich“, so Denz. “Ich hatte im Februar eine Leistenbruch-OP. Und da war die Frage, wie ich die wegstecke. Das war dann aber zum Glück überhaupt kein Problem.“
Zumal der Eingriff keine Not-Operation war. “Es war ein schleichender Prozess. Es heiß, wenn wir nichts machen, wird es schlimmer. Und außerdem geistert das dann immer so rum. Ich wollte es aus dem Kopf haben. Der Zeitpunkt ist zwar immer blöd, aber wir wollten vermeiden, dass irgendetwas beim Giro passiert", erklärte Denz.
Ansonsten blieb er von Verletzungen oder größeren Krankheiten verschont. Binche-Chimay-Binche Anfang Oktober war der letzte seiner 68 Renntage in einem Jahr, das in gewisser Hinsicht schon richtungsweisend war, weil es die Stärken des Nico Denz nochmal untermauerte und für die Zukunft Vorbildcharakter haben könnte.
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