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16.12.2025 | (rsn) – Wenngleich er an Siegen gemessen eine magere Saison in hinter sich hat, wird Pascal Ackermann mit gehörig Rückenwind ins kommende Jahr gehen. Nach einem zweijährigen Gastspiel beim zuletzt politisch äußert umstrittenen Team Israel - Premier Tech kann der Pfälzer künftig nochmals beweisen, dass er den Anschluss an die Weltspitze der Sprintelite nicht verloren hat.
Diesen Eindruck musste man in den letzten Monaten zwangsläufig gewinnen. Der Gewinner des Maglia Ciclamino beim Giro 2019 hat im zu Ende gehenden Jahr als bestes Sprintresultat gegen Tim Merlier, Jasper Philipsen, Jonathan Milan & Co. lediglich einen vierten Platz auf der 8. Etappe der Tour de France (2.UWT) vorzuweisen.
Dementsprechend “not amused“ war Ackermann als RSN ihn in einem Gespräch auf seine Saison ansprach. "Es ging schon gleich beim ersten Rennen in der Provence (Tour de la Provence, Anm. d. red.) mies los, als ich mir bei einem schweren Sturz eine Prellung der Kniescheibe zugezogen hatte. Die hat mich dann richtig viel Zeit gekostet. Ich konnte erst wieder bei der Classique Dunkerque – da allerdings in Topform – starten. Die habe ich dann ja auch gewonnen“, beschrieb er seinen mühsamen und verzögerten Einstieg in das Radsportjahr. ___STEADY_PAYWALL___
Vor seinem ersten Saisonsieg, dem dann keine weiteren mehr folgen sollten, hatte Ackermann wegen der Knieverletzung schon Tirreno-Adriatico (2.UWT) und den deutschen Klassiker Eschborn-Frankfurt (1.WWT) vorzeitig aufgeben müssen.
Pascal Ackermann (li.) konnte bei der Tour nicht aufs Podium sprinten | Foto:
Beim Eintagesrennen in Dünkirchen gerade wieder so richtig in Fahrt gekommen, ereilte Ackermann dann aber das nächste Pech: Bei den Vier Tagen von Dünkirchen (2.Pro) konnte er nach einem Sturz zur letzten Etappe nicht mehr antreten. “Da hatte ich eine große Platzwunde am Ellenbogen, bei der sich die Heilung ebenfalls lang hingezogen hat. Trotzdem habe ich es noch rechtzeitig zum Critérium du Dauphiné geschafft, wo ich dann abermals auf den lädierten Ellenbogen gestürzt bin und das Rennen nach der fünften Etappe verlassen musste“, fasste er sein verkorkstes Frühjahr recht nüchtern zusammen.
Denkbar ungünstige Voraussetzungen also für den dreimaligen Giro-Etappensieger, um sich endlich seinen langgehegten Wunsch zu erfüllen, bei der Tour de France (2.UWT) einen ebensolchen Erfolg einzufahren. Nachdem er auch schon bei der Vuelta a Espana 2020 zwei Tagesabschnitte gewonnen hatte, fehlte ihm nur noch ein Etappensieg in Frankreich, um das Grand-Tour-Triple komplett zu machen.
In diesem Jahr mit lediglich zwölf Renntagen Vorbereitung war das aber nahezu unmöglich, wie er zugab. “Bei der Tour fehlte mir einfach die Rennhärte, um im Sprint gegen die Besten einen Unterschied machen zu können“, schätzte Ackermann die Situation auch im Nachhinein realistisch ein.
Der Sprinter will bei Grand Tours wieder Freude verspüren - wie hier am Mont Ventoux (li. im Bild), als er die Zuschauermassen genießt | Foto:
Seine nach UCI-Punkten (355) schwächste Saison seit 2017 stufte Ackermann letztendlich als durchwachsen ein. Und dennoch konnte er diesem “Seuchenjahr“ noch etwas Positives abgewinnen. Anfang November nämlich teilte sein Management mit, dass der er nach zwei Jahren das israelische Team verlassen würde und einen Vertrag beim WorldTeam Jayco – AlUla unterzeichnet habe. Dort soll Ackermann seinen langjährigen Sprintrivalen Dylan Groenewegen ersetzen, der sich zur kommenden Saison Unibet – Rose Rockets (UCI Pro Team) angeschlossen hat.
“Die Saison ist für mich dann doch noch mit meinem Wechsel zu Jayco – AlUla versöhnlich zu Ende gegangen; einem Team, mit dem ich wirklich happy bin“, freute er sich auf die kommenden zwei Jahre bei den Australiern, wo er gemeinsam mit dem ebenfalls endschnellen Michael Matthews eine schlagkräftige Doppelspitze für die Sprintfinals bilden wird. Der mittlerweile 35-jährige Australier hat in dieser Saison mit seinem Sieg bei Eschborn-Frankfurt und dem Weltmeistertitel in der Mixed-Staffeleindrucksvoll bewiesen, dass er trotz seines Alters noch nicht abgeschrieben werden darf.
Die Entscheidung, sich in seiner zehnten Saison als Profi nochmals in eine neue Umgebung zu begeben, sei allein sportlich begründet, so Ackermann. “Bei uns im Team hatte man sich entschieden, dass man in Zukunft noch mehr auf die Gesamtwertung gehen möchte und da ich unbedingt im nächsten Jahr wieder zur Tour will, habe ich mich für einen Umbruch entschieden“, ging der 31-Jährige detaillierter auf seinen Wechselwunsch ein.
Ackermann, hier noch im Dress von UAE – Emirates - XRG beim Giro 2023, will mit Jayco wieder in die Erfolgsspur zurück | Foto: Cor Vos
Dagegen werde er bei Jayco “der einzige reinrassige Sprinter sein und da das Team bei den Grand Tours immer einen Sprinter benötigt, sehe ich dort nochmal eine Riesenchance für mich“, betonte Ackermann. Schon als Kind habe er auf das australische Vorzeigeteam (damals Orica - GreenEdge) geschielt und sei von der lockeren Atmosphäre in der Mannschaft fasziniert gewesen.
Die schwierige Situation bei Israel – Premier Tech - jetzt NSN Cycling Team - habe seine Entscheidung für eine Veränderung zusätzlich vorangetrieben, obwohl Ackermann betonte, dass er im Guten die Equipe verlassen habe. “Mit den Mitarbeitern und Fahrern bin ich immer sehr gut ausgekommen, aber letztendlich war es meine Herzensangelegenheit, wieder unbedingt zur Tour zu fahren.“
Ackermanns letzter großer Sieg datiert aus dem Jahr 2023, als er die 11. Etappe des Giro d’Italia von Camaiore nach Tortona gewann; damals vor Milan, der sich in den vergangenen beiden Jahren zu einem der besten Sprinter der Welt entwickelte. “Wenn ich endlich mal ein Jahr ohne Verletzungen habe, in dem ich konstant mit einem geschlossenen Team hinter mir auf ein großes Ziel hinarbeiten kann, werde ich wieder nah an die Sprint-Weltspitze herankommen“, gab sich der Mann aus Kandel nun optimistisch, dass er künftig wieder konkurrenzfähig sein werde.
Nach zwei Jahren wird Pascal Ackermann Israel – Premier Tech verlassen und seine Karriere in Australien bei Jayco – AlUla fortsetzen. | Foto: Cor Vos
Auch die Strecke der 113. Tour de France sorgte bei Ackermann für Zuversicht. “Auch wenn ich von der Endschnelligkeit vielleicht nicht mehr ganz an einen Milan oder Merlier heranreichen kann, stimmt mich doch das hügelige Profil der ersten Tourwoche 2026 sehr zuversichtlich. Das sollte mir liegen.“
Eine noch größere Motivation als der Teamwechsel und das Wiedererlangen seines alten Levels dürfte für Ackermann die Geburt seines ersten Kindes sein. Am 20. November wurden er und seine Ehefrau Eltern eines gesunden Mädchens. “Wir sind überglücklich, allen geht es gut und die Geburt unserer Tochter wird das sein, was mir im nächsten Jahr Kraft gibt. Nochmal zu zeigen, was der Papa kann!“.
Einen schöneren Abschluss für einen Ausblick in die Zukunft kann es kaum geben.
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