RSNplusRSN-Rangliste, Platz 21: Romy Kasper

WorldTour adé – Vertrag bei Gravel-Team schon unterschrieben

Von Jens Claussen

Foto zu dem Text "WorldTour adé – Vertrag bei Gravel-Team schon unterschrieben"
Romy Kasper geht 2026 neue Wege | Foto: www.humanpoweredhealthcycling.com

10.12.2025  |  (rsn) – Nur wenige Fahrerinnen im Peloton erlebten in den vergangenen Jahren die rasante Entwicklung im internationalen Frauenradsport derart hautnah mit wie Romy Kasper (Human Powered Health). Die 37-Jährige bestritt ihre 18. Saison als Radprofi und zählte damit zu den Urgesteinen in den Reihen der WorldTeams. 

Kaspers Karriere ist durch viele Teamwechsel gekennzeichnet, in den letzten sechs Jahren heuerte sie bei vier unterschiedlichen Rennställen an. Ein Indiz dafür, dass bei der tempofesten Fahrerin primär ihre wertvolle Erfahrung gefragt war, die sie im Aufbau oder Umbruch einzelner Teams miteinbringen sollte. ___STEADY_PAYWALL___

So auch wieder in der abgelaufenen Saison, in der Kasper überwiegend in der Rolle des Road Captains für den amerikanischen Rennstall unterwegs war. Bei den Frühjahrsklassikern erhielt Kasper allerdings auch durchaus ihre Chancen, auf eigene Rechnung zu fahren. 

Bei Paris-Roubaix nahe dran am großen Wurf 

Dass sie noch zu Top-Resultaten fähig ist, bewies die 37-Jährige eindrucksvoll bei Paris-Roubaix (1.WWT), wo sie auf den Kopfsteinpflasterpassagen sowohl ihre Routine als auch Kraft voll ausspielen konnte. Dort war die gebürtige Lausitzerin bis zum letzten Pflastersektor in einer Spitzengruppe dabei und konnte sich berechtigte Hoffnungen auf einen Top-Ten Platz machen, ehe sie durch eine Tempoverschärfung doch noch abgehängt wurde.

 “Paris-Roubaix ist ein optimales Rennen für meinen Fähigkeiten und war wie in den Jahren zuvor mein persönliches Highlight”, blickte Kasper voller Begeisterung zurück. “Ich war noch nie so gut vorbereitet wie in diesem Jahr, aber leider wurde mir im letzten Sektor kurzzeitig der Stecker gezogen. Wenn die dann vorne weiter drauftreten, fährst du im Finale auch ein Loch von ein paar Metern nicht mehr zu”, erklärte sie im Gespräch mit RSN die rennentscheidende Situation. 

Dennoch erreichte sie im Vélodrome von Roubaix mit Platz 16 ihre bis dato beste Platzierung seit der Premiere des Rennens im Jahr 2021.

Romy Kasper (li.) hier noch in der Spitzengruppe bei Paris-Roubaix | Foto: Cor Vos

Obwohl Kasper immer noch als Athletin mit großem Motor im Peloton geschätzt wird, trat sie in diesem Jahr doch deutlich kürzer. Während 2024 noch rekordverdächtige 61 Renntage inklusive aller drei großen Rundfahrten in ihrem Programm standen, waren es in dieser Saison 15 weniger. “Ich hatte immer wieder kleine Pausen nach Stürzen, Krankheiten oder familiär bedingt”, erklärte Erklärung. 

Im Vergleich zu den Vorjahren gelang ihr jedoch keine Top-Ten Platzierung mehr. Persönliche Ergebnisse auf der Straße schienen für die Frau, die in ihrer langen Karriere zwei Profisiege (Etappen bei der Tour de Feminin 2011 und Thüringen-Rundfahrt 2014) erlang, zur Nebensache geworden zu sein. “Genau!”, bestätigte sie auf Nachfrage. “Außer bei Roubaix sind mir eigene Erfolge schon seit Jahren nicht mehr wichtig. Ich weiß um meine Stärken und Aufgaben für die Mannschaft.“

“Gravel ist für mich ein Paris-Roubaix Ersatz“

Umso erfolgreicher war Kasper aber in ihrer neuen Leidenschaft, dem Gravel-Sport. Wie so viele (Ex-) Profis zog es die Allrounderin, die zum Saisonende gemeinsam mit Franziska Brauße noch beim Sechstagerennen in London in Madison Platz vier belegt hatte, mehr und mehr vom Asphalt auf den Schotter. Nachdem sie im Jahr 2024 bei der Gravel-WM im belgischen Leuven mit Rang fünf knapp das Podest verpasst hatte, war sie in dieser Saison vermehrt auf dem rauen Untergrund unterwegs. 

Auch wenn ihr ein Sieg verwehrt blieb, sprangen gute Resultate wie Platz sechs bei der Gravel-EM oder aber ein zehnter Rang bei den Weltmeisterschaften in Limburg  heraus, die Lust auf mehr machen. “Die Gravel-WM war definitiv eines meiner Saisonhighlights und wenn es da nicht Unstimmigkeiten mit meinem Team hinsichtlich meines Rennprogrammes gegeben hätte, wäre ich auch noch mehr Gravel-Rennen gefahren“, so Kasper.

Angesprochen auf ihren starken WM-Auftritt, bei dem sie über eine lange Phase den Rennverlauf in einer Spitzengruppe mit der späteren Siegerin Lorena Wiebes dominiert hatte, analysierte sie recht nüchtern, warum es dann letztendlich für ein Podium nicht gereicht hätte. “Für mich war die WM wie ein Amstel Gold Race, nur auf Schotter. Es ging ständig rechts, links und rauf und runter; man musste sich gut positionieren können“, beschrieb Kasper die Anforderungen des Kurses.

 “Als ich in der Fünfergruppe mit den vier Holländerinnen vorne weg war, dachte ich: ok, da kommt keiner mehr von hinten und ich werde hier minimal Fünfte. Dass die Holländerinnen sich dann die Löcher gegenseitig zufahren, damit konnte man nicht unbedingt rechnen“, schmunzelte sie im Rückblick auf die dubiose Fahrweise der Oranjes.

  Kasper bei der Gravel-WM in Limburg | Foto: Cor Vos

 Am Gravel-Sport liebt Kasper die "Ehrlichkeit der Rennen" und zog auch einen Vergleich zu ihrem Lieblingsrennen Paris-Roubaix. “Bei den Schotterrennen stehst du permanent auf dem Gas. Das sind ehrliche Wettkämpfe, bei denen man nicht nur hinten draufliegen kann, um dann am Ende jemanden abzusprinten“, meinte sie.

Auf zu neuen Ufern

Ihre Faszination ging so weit, dass sie schon zu Saisonmitte entschieden hatte, ihre Karriere als WorldTeam-Profi auf der Straße ausklingen zu lassen. Der Radsport wird im Jahr 2026 eine Transformation der Romy Kasper erleben: vom Fulltime-Straßenprofi hin zur Schwerpunktverlagerung auf Gravel-Events. “Ich habe bereits einen Vertrag bei einem Gravel-Team unterschrieben, für das ich beispielsweise auch so namenhafte Rennen wie Unbound oder The Traka fahren werde“, hob sie den Vorhang, wir es mit ihrer Zukunft weitergeht. An Angeboten anderer Straßenteams hatte es nicht gefehlt, doch die Zeit schien reif für etwas Neues.

Bei der Frage, wohin es sie in Zukunft zieht, wird sich die Öffentlichkeit noch ein wenig gedulden müssen. Erst Ende Dezember wird ihre Verpflichtung vom neuen Team offiziell in einer Pressemitteilung bekannt gegeben werden. Und so endgültig den Rücken kehren wird sie der Straße auch nicht, denn eines weiß sie nur zu gut: “Fürs Gravel kann ich mir auch die nötige Rennhärte auf der Straße holen.“

Mehr Informationen zu diesem Thema

31.12.2025Reusser in neuen Sphären: “Glück ist Realität minus Erwartung“

(rsn) – Mehr als doppelt so viele Punkte wie die nun zweitplatzierte Vorjahresgewinnerin Elise Chabbey (FDJ – Suez): Marlen Reusser (Movistar) war 2025 die unangefochtene Nummer 1 im RSN-Jahresran

31.12.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Frauen 2025

(rsn) – Seit dem Jahr 2013 blicken wir am Ende der Straßenradsaison neben der Jahresrangliste der Männer auch auf das Jahr der Frauen mit entsprechendem RSN-Ranking zurück. Berücksichtigt werden

31.12.2025Die Strassacker-Trophäe zur RSN-Jahresrangliste 2025

(rsn) – Seit inzwischen 18 Jahren blicken wir von radsport-news.com in Form unserer RSN-Jahresrangliste auf die Saison der Radprofis aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zurück u

30.12.2025Tour-Bergtrikot, erster Rundfahrtsieg und zwei Holzmedaillen

(rsn) – Elise Chabbey (FDJ - Suez) machte 2025 in der Weltrangliste einen großen Sprung bis auf den sechsten Platz. Schon in den vergangenen Jahren gehörte die Schweizerin zu den weltbesten Klas

29.12.2025Giro-Siege, Flandern-Podium und ein bitteres Saisonende

(rsn) – Den Deutschen Meistertitel musste sie zum zweiten Mal in Folge Franziska Koch (Picnic – PostNL) überlassen und krankheitsbedingt endete die Saison 2025 für Liane Lippert (Movistar) bei d

28.12.2025Saisonstart-Spezialistin mit Top-Frühjahr und gutem Herbst

(rsn) – Sie war die fleißigste Punkte- und Ergebnissammlerin des Frauenradsports in den ersten zweieinhalb Monaten der Saison 2025: Als das Peloton aus Italien von Mailand-Sanremo zurück nach Belg

27.12.2025Windkante und Magenkrämpfe verhinderten das i-Tüpfelchen

(rsn) – Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM – zondacrypto) hatte hohe Erwartungen an ihre dritte WorldTour-Saison, wie sie es RSN noch im März dieses Jahres anlässlich eines langen Interviews

26.12.2025Mit Uno-X bei den Topsprinterinnen angeklopft

(rsn) – Linda Zanetti (Uno-X Mobility) ist 2025 zu einem der Shootingstars im internationalen Peloton geworden. Nach zwei Jahren beim UAE-Team und einem bei Human Powered Health schloss sich die Sch

25.12.2025In Chongming um den WorldTour-Sieg gebracht

(rsn) – Zum dritten Mal in ihrer Karriere eroberte Kathrin Schweinberger (Human Powered Health) das Trikot der Österreichischen Meisterin, nachdem sie sich im Burgenland aus einer frühen Gruppe he

24.12.2025In einem Bilderbuchjahr “mich immer wieder selbst überrascht“

(rsn) – Wenn man dem Begriff ´Beständigkeit´ im deutschen Profiradsport in den letzten Jahren einen Namen geben sollte, dann sicherlich den von Franziska Koch (Picnic – PostNL). Mittlerweile g

23.12.2025Manche Dinge “stimmten voll zufrieden, manche halt gar nicht“

(rsn) – Seit Jahren gehört Christina Schweinberger (Fenix – Deceuninck) zu den Aushängeschildern des österreichischen Radsports. Sie sorgt für Topergebnisse in der WorldTour, aber auch im Trik

22.12.2025Die Puzzleteile fügen sich langsam zu einem Ganzen zusammen

(rsn) – Ganze acht Rundfahrten mit 51 Renntagen im Sattel werden nicht viele Profis im Frauen-Peloton in der vergangenen Saison absolviert haben. Für Petra Stiasny, die bis zum Jahresende noch bei

Weitere Radsportnachrichten

20.01.2026Teutenberg kann als Prolog-Achter sogar aufs Führungstrikot schielen

(rsn) – Für Tim Torn Teutenberg hat die Tour Down Under (2.UWT) 2026 beim Prolog in Adelaide begonnen, wie sie 2025 im Sprint auf der Schlussetappe in Adelaide zu Ende gegangen ist: mit Platz acht.

20.01.2026Radsport live im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die w

20.01.2026Katalonien-Rundfahrt: Picnic und Tudor verzichten auf Teilnahme

(rsn) – Picnic – PostNL verzichtet in dieser Saison auf die Katalonien-Rundfahrt (23. – 29. März). Das geht aus einer von den Organisatoren des spanischen Traditionsrennens veröffentlichten Pr

20.01.2026Brennan nach Blitzstart im Prolog von Adelaide abgestürzt

(rsn) – Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) legte im Prolog der Tour Down Under einen Blitzstart hin, auf der zweiten Hälfte des 3,6 Kilometer langen Zeitfahrens von Adelaide stürzte der Bri

20.01.2026Specialized Off-Road Team gibt Gas im Profi-Gravel

(rsn) – Ein weiterer großer Player in der Fahrradindustrie hat kürzlich seine Ambitionen für die stark wachsenden Anzahl an internationalen Gravelrennen offengelegt. In einer Pressemitteilung vo

20.01.2026Roglic zum dritten Mal am Start von Mailand-Sanremo

(rsn) – Wird Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) zum dritten Mal in seiner Karriere bei Mailand-Sanremo dabei sein? Wie die belgische Zeitung Het Laatste Nieuws meldete, plane der Slowen

20.01.2026Merlier: Nach Knieproblemen läuft “im Moment alles gut“

(rsn) – Aufgrund von im Dezember aufgetreten Knieproblemen musste Tim Merlier seinen für die am 27. Januar beginnende AlUla Tour geplanten Saisoneinstieg verschieben. Auch wenn die Ursache trotz in

20.01.2026“2.0-Version von Cian“: Uijtdebroeks an die Spitze bringen

(rsn) – Der älteste Rennstall im WorldTour-Zirkus ist das spanische Team Movistar: Seine Wurzeln reichen bis in die 1970er Jahre zurück, als man unter dem Namen ´Reynolds´ begann. In den 1990er

20.01.2026Britischer Tag in Adelaide: Watson gewinnt Prolog vor Vernon

(rsn) – Samuel Watson (Ineos Grenadiers) hat den Auftakt in die WorldTour-Saison 2026 gewonnen. Der 24-jährige Brite benötigte für den 3,6 Kilometer langen Prolog der 26. Ausgabe der Tour Down Un

19.01.2026Tour Down Under: Rückblick auf die letzten zehn Jahre

(rsn) - Die Tour Down Under bildet Ende Januar traditionell den Start in die WorldTour-Saison. Die 26. Austragung der Rundfahrt durch den Bundesstaat South Australia startet am 20. Januar und führt

19.01.2026Tudor Down Under: Ohne große Erwartungen, aber mit Lust auf Australien

(rsn) – Für das Tudor Pro Cycling Team beginnt die Saison 2026 so früh, wie bisher noch keine in der jungen Geschichte des Schweizer Rennstalls: Erstmals ist eine Delegation der Mannschaft nach Au

19.01.2026Wüsten-Rundfahrt bestätigt Evenepoel-Start und stellt Strecke vor

(rsn) – Im Zuge ihrer Streckenvorstellung hat die UAE Tour (2.UWT, 16. bis 22. Februar) auch die Teilnahme von Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) an der zweiten WorldTour-Rundfahrt de

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Santos Tour Down Under (2.UWT, AUS)
  • Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Pune Grand Tour (2.2, IND)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)