--> -->
24.12.2025 | (rsn) – Wenn man dem Begriff 'Beständigkeit' im deutschen Profiradsport in den letzten Jahren einen Namen geben sollte, dann sicherlich den von Franziska Koch (Picnic – PostNL). Mittlerweile gehört die erst 25-Jährige zu den arrivierten Fahrerinnen im Peloton.
Wie schon 2023 begann Kochs - nunmehr siebte - Saison als Berufsradfahrerin in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bei der UAE Tour (2.WWT) legte sie, wie sie im Gespräch mit RSN meinte, mit Platz 44 einen soliden Einstieg hin. Ähnlich solide ging es bei den großen Klassikern Mailand-Sanremo (41.), Flandern-Rundfahrt (41.) und Paris-Roubaix (42.) weiter.
“Auch die Klassiker waren ok; nichts, was heraussticht, außer, dass ich sturzfrei und ohne Krankheiten aus dieser Zeit herausgekommen bin”, fasste Koch die ersten ihrer insgesamt 49 Renntage zusammen. Wie Koch betonte, ist es ihr großer Wunsch, bei den Klassikern ganz vorne mitzufahren. “Dort einmal auf dem Podium zu stehen, bleibt ein allgemeiner Traum von mir, den ich auch ins nächste Jahr wieder mitnehmen werde”, formulierte sie erste Ziele für 2026. ___STEADY_PAYWALL___
Nachdem in den Vorjahren immer der Giro d'Italia (2.WWT) fester Bestandteil von Kochs Rennkalender war, schickte sie ihr Team diesmal erstmals zur Vuelta Espana (2.WWT). Bei der ersten Grand Tour des Jahres konnte sie mit zwei Top-Ten Platzierungen (Platz 6 im Mannschaftszeitfahren und Rang sieben auf der 2. Etappe) Selbstvertrauen tanken.
Franziska Koch (Picnic - PostNL, li.) neben Ex-Weltmeisterin Lotte Kopecky (SD Worx – Protime) bei Mailand-Sanremo | Foto: Cor Vos
“Mal ein neues Rennen auszuprobieren, war ganz cool, aber die Vuelta ist hinsichtlich der Aufmerksamkeit nicht mit Giro oder gar Tour vergleichbar. Da hat man das Gefühl, die läuft in Spanien so ein wenig nebenher…..”, fasste sie ihre Erfahrungen auf der Iberischen Halbinsel zusammen.
Zur unmittelbaren Vorbereitung auf die Deutschen Straßenmeisterschaften absolvierte Koch ein Trainingslager in Andorra. Generell profitiere sie von den dortigen Aufenthalten nicht nur in sportlicher Hinsicht, "sondern auch, weil mein Freund (Riley Pickrell, Anm. d. Red.) in Andorra lebt. Das ist dann für mich kein Trainingslager, in dem ich die Tage herunterzähle, sondern Andorra ist mein 'happy place'; es ist, wie in der Höhe nach Hause kommen", schwärmte Koch.
Der Gedanke an die Titelverteidigung habe sie schon seit Saisonbeginn begleitet. “Ich finde das Trikot sehr schön und es macht mich sehr stolz, dieses tragen zu dürfen. Wenn man es hat, möchte man es natürlich nicht hergeben", erzählte sie. Druck habe sie sich aber nicht gemacht. "Obwohl mir im Voraus bewusst war, dass Antonia (Niedermaier) und Liane (Lippert) auf dem Kurs schwer zu schlagen sein würden, bin ich trotzdem mit einem entspannten Kopf in das Rennen gegangen. Auch wenn ich nicht gewänne, würde mir die Armstreifen keiner mehr nehmen können”, lachte sie.
Bei der Baloise Ladies Tour konnte Koch erstmals das neue Meistertrikot präsentieren. | Foto: Cor Vos
Als Koch auf dem anspruchsvollen Kurs von Linden im Finale nur noch mit Niedermaier unterwegs war, standen die Chancen auf die Titelverteidgung dann ausgesprochen gut. Zwei Kilometer vor dem Ziel attackierte die Mettmannerin nochmals und fuhr solo zum zweiten Titelgewinn in Folge. “Ich war sehr glücklich, wie ich das Rennen gewinnen konnte. Solo zu gewinnen, ist immer nochmal etwas ganz Besonderes und hat mir zusätzliches Selbstvertrauen gegeben, was eigentlich noch in mir steckt“, beschrieb sie diesen Moment als “Boost“ für die weitere Saison.
Danach fuhr sie mit einem 38. Platz in der Gesamtwertung ihre bislang stärkste Tour de France Femmes (2.WWT). Auch wenn sich das in den Tagesergebnissen nicht widerspiegelte, konnte Koch einigen Etappen ihren Stempel aufdrücken. “Mir kam sehr zugute, dass wir bei der Tour nicht auf GC gefahren sind und ich dadurch von Beginn an mehr Freiheiten hatte“, erzählte sie.
“Ich hatte beschlossen, auf ausgewählten Etappen mein Herz früh in die Hand zu nehmen und in Ausreißergruppen mein Glück zu versuchen; mit der Erfahrung im Hinterkopf, dass diese Taktik bei der Tour 2024 für einige erfolgreich aufgegangen war." Ein Top-Ten-Ergebnis sprang dabei zwar nicht heraus, dennoch stand Koch bei zwei Tagesabschnitten doch noch auf dem Podium: am Ende der 1. und 4. Etappe ernannte sie die Jury zur Kämpferischten Fahrerin.
Erstes Tour-Podium ihrer Karriere; wenn auch “nur“ als Kämpferischte Fahrerin | Foto: Cor Vos
Zudem war Koch selbst - noch mehr als im Vorjahr, als sie schon in Fluchtgruppen im Gebirge unterwegs war – überrascht von ihren Bergqualitäten. “Wenn man mir im Vorfeld gesagt hätte, dass ich für unsere Kapitänin Nienke (Vinke) in den letzten drei Tage der Tour die wichtigste Helferin am Berg sein würde, hätte ich auch nur gelacht“, so die Deutsche Meisterin.
Völlig überrascht von ihrer “Transformation“ war sie jedoch nicht. “Ich habe in den letzten zwei Jahren gelernt, meinen Körper besser zu lesen und nicht auf die Trends zu hören“, erklärte sie. “Ich wusste, wo ich mit meinem Gewicht noch hinmöchte, um bergauf eine höhere Watt/Kg-Leistung zu erreichen. Aber nur durch eine ausgewogene Ernährung, ohne ein Runterhungern!, betonte sie.
Mit einem zweiten, dreiwöchigen Trainingslager holte sich Koch den Feinschliff für die Straßen-WM in Kigali, bei der sie mit Bestform antreten wollte. Im Gegensatz zu vielen anderen Athletinnen und Athleten von German Cycling blieb sie, aufgrund eigener strenger Vorsichtsmaßnahmen, wie sie meinte, glücklicherweise von Erkrankungen verschont. Elementar für das Rennprogramm, dem sie sich in der ungewohnten Umgebung stellen musste. Denn nur drei Tage, nachdem sie mit dem deutschen Team im Mixed-Relay auf Rang fünf einfuhr, war sie vom Verband noch für das 165 Kilometer lange Straßenrennen vorgesehen.
“Mit meiner Vorstellung dort bin ich super glücklich“, fasste Koch ihre Leistung auf dem extrem schweren WM-Kurs zusammen. “Wir hatten ja mit der Mannschaft Antonia (Niedermaier) vorne in der ersten Gruppe und für mich persönlich ist ein zwölfter Platz mein bestes WM-Ergebnis. Wenn ich im Nachgang sehe, mit welchen Leuten ich da ankam, kann ich definitiv mit meiner Leistung sehr zufrieden sein", sagte sie mit Blick auf Fahrerinnen wie Marlen Reusser, Kasia Niewiadoma oder Kimberley Le Court.
In Top-Form fuhr Koch ihr bislang bestes WM-Rennen | Foto: Cor Vos
Wie für viele andere Profis, die in Ruanda im Einsatz waren, ging es danach ohne Pause auch für Koch zu den Straßen-Europameisterschaften in die Ardèche. Da sie um ihre noch starke Form wusste, hatte sie in Frankreich mit keinerlei Motivationsproblemen zu kämpfen. “Und zum wiederholten Male habe ich mich selbst überrascht“, musste sie schmunzeln.
“Der Kurs mit dem 25 Minuten langen Anstieg lag mir auf dem Papier eigentlich nicht wirklich. In der letzten Runde habe ich aber meine Chance gewittert; nämlich dann, wenn dieser Berg nicht von Beginn an Vollgas hochgefahren wird.“ Und tatsächlich kam sie mit den starken Kletterinnen Juliette Berthet, Elise Chabbey und Mavi García in der zweiten Gruppe über die Kuppe und sicherte sich im Sprint aus diesem Quartett heraus den fünften Platz. “Ich bin in diesem Rennen meine Bestwerte gefahren, was mich sehr zuversichtlich für die kommenden Saison stimmt“, schloss sie ihr sportliches Jahr rundum zufrieden ab.
Zu dem Zeitpunkt wusste Koch bereits, dass sie in der kommenden Saison im Trikot von FDJ United – Suez unterwegs sein wird. “Ich hatte keinen Streit oder dergleichen in meinem alten Team, sondern brauchte nach sieben Jahren einfach einen Tapetenwechsel, um den nächsten Schritt in meiner Karriere gehen zu können“, nannte sie die Gründe für ihren Wechsel.
Trotz Trikotwechsels im kommenden Jahr fährt Koch weiterhin mit Schwarz-Rot-Gold auf der Brust | Foto: Cor Vos
“Als ich meinem Manager sagte, er solle sich mal umhören, war das eigentlich unnötig. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte nahezu schon jedes WorldTeam bei mir angeklopft. FDJ zeigte schon seit 2023 an mir Interesse und einige Ex-Teamkolleginnen von mir fahren dort“, berichtete Koch.
Die Philosophie des Teams gepaart mit der Rolle, die die Franzosen für die Deutsche vorsehen, hätten auf Anhieb gepasst. “Sie sehen in mir eine selbstbewusste und aggressive Fahrerin", freut sich Koch auf die Zusammenarbeit. Dem Traum, bei einem Klassiker mal ganz vorne auszuschwingen, könnte sie einen Schritt näher gekommen sein.
31.12.2025Reusser in neuen Sphären: “Glück ist Realität minus Erwartung“(rsn) – Mehr als doppelt so viele Punkte wie die nun zweitplatzierte Vorjahresgewinnerin Elise Chabbey (FDJ – Suez): Marlen Reusser (Movistar) war 2025 die unangefochtene Nummer 1 im RSN-Jahresran
31.12.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Frauen 2025(rsn) – Seit dem Jahr 2013 blicken wir am Ende der Straßenradsaison neben der Jahresrangliste der Männer auch auf das Jahr der Frauen mit entsprechendem RSN-Ranking zurück. Berücksichtigt werden
31.12.2025Die Strassacker-Trophäe zur RSN-Jahresrangliste 2025(rsn) – Seit inzwischen 18 Jahren blicken wir von radsport-news.com in Form unserer RSN-Jahresrangliste auf die Saison der Radprofis aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zurück u
30.12.2025Tour-Bergtrikot, erster Rundfahrtsieg und zwei Holzmedaillen(rsn) – Elise Chabbey (FDJ - Suez) machte 2025 in der Weltrangliste einen großen Sprung bis auf den sechsten Platz. Schon in den vergangenen Jahren gehörte die Schweizerin zu den weltbesten Klas
29.12.2025Giro-Siege, Flandern-Podium und ein bitteres Saisonende(rsn) – Den Deutschen Meistertitel musste sie zum zweiten Mal in Folge Franziska Koch (Picnic – PostNL) überlassen und krankheitsbedingt endete die Saison 2025 für Liane Lippert (Movistar) bei d
28.12.2025Saisonstart-Spezialistin mit Top-Frühjahr und gutem Herbst(rsn) – Sie war die fleißigste Punkte- und Ergebnissammlerin des Frauenradsports in den ersten zweieinhalb Monaten der Saison 2025: Als das Peloton aus Italien von Mailand-Sanremo zurück nach Belg
27.12.2025Windkante und Magenkrämpfe verhinderten das i-Tüpfelchen(rsn) – Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM – zondacrypto) hatte hohe Erwartungen an ihre dritte WorldTour-Saison, wie sie es RSN noch im März dieses Jahres anlässlich eines langen Interviews
26.12.2025Mit Uno-X bei den Topsprinterinnen angeklopft(rsn) – Linda Zanetti (Uno-X Mobility) ist 2025 zu einem der Shootingstars im internationalen Peloton geworden. Nach zwei Jahren beim UAE-Team und einem bei Human Powered Health schloss sich die Sch
25.12.2025In Chongming um den WorldTour-Sieg gebracht(rsn) – Zum dritten Mal in ihrer Karriere eroberte Kathrin Schweinberger (Human Powered Health) das Trikot der Österreichischen Meisterin, nachdem sie sich im Burgenland aus einer frühen Gruppe he
23.12.2025Manche Dinge “stimmten voll zufrieden, manche halt gar nicht“(rsn) – Seit Jahren gehört Christina Schweinberger (Fenix – Deceuninck) zu den Aushängeschildern des österreichischen Radsports. Sie sorgt für Topergebnisse in der WorldTour, aber auch im Trik
22.12.2025Die Puzzleteile fügen sich langsam zu einem Ganzen zusammen(rsn) – Ganze acht Rundfahrten mit 51 Renntagen im Sattel werden nicht viele Profis im Frauen-Peloton in der vergangenen Saison absolviert haben. Für Petra Stiasny, die bis zum Jahresende noch bei
21.12.2025Auf einem “megaguten“ Weg nach oben(rsn) – Würde die Schweiz nach einer Aufsteigerin des Jahres im Radsport suchen, sie würde bei Jasmin Liechti (Nexetis) fündig werden. Die 23-jährige Studentin aus Bern feierte drei Rennsiege un
05.02.2026Das Rose Shave FFX, Bastian Marks und der Renneinstieg (rsn) - Im Großteil der 120-jährigen Geschichte von Rose Bikes stand der professionelle Radsport als Werbemaßnahme nicht an erster Stelle. Zwar sponserte man über die Jahre das ein oder andere Tea
05.02.2026Wyllie und Fisher-Black sind neuseeländische Zeitfahrmeister (rsn) – Für Ella Wyllie (Liv – Jayco – AlUla) und Finn Fisher-Black (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat sich die Verlängerung ihrer Australien-Kampagne gelohnt. Die beiden WorldTour-Profis s
05.02.2026Mit neuer Leitung, Evenepoel und PR-Stunts attraktivstes Team der Welt? (rsn) – Es ist noch nicht allzu lange her, da sagte Ralph Denk, sein Team Bora – hansgrohe wolle einmal das beste Team der Welt werden. An dieser Zielsetzung hat man nun zusammen mit dem neuen Meh
05.02.2026Yates der Star beim Mittelteil der Orient-Trilogie (rsn) – Nach der Saudi Tour (2.Pro) ist vor der Tour of Oman (2.Pro) ist vor der UAE Tour (2.UWT). Seit die inzwischen nicht mehr stattfindende Tour of Qatar 2002 ins Leben gerufen wurde, finden sic
04.02.2026Pedersen bricht sich bei Saisonauftakt Handgelenk und Schlüsselbein (rsn) – Mads Pedersen muss seine Saison 2026 bereits nach seinem ersten Renntag unterbrechen. Wie das Team Lidl – Trek am Mittwochabend mitteilte, hat sich der Däne bei einem Sturz auf der 1. Eta
04.02.2026Richardson ringt Lavreysen im Duell der Sprint-Giganten nieder (rsn) – Matthew Richardson hat bei der Bahnrad-Europameisterschaft im türkischen Konya das Duell der Sprint-Giganten gewonnen und sich in der Königsdisziplin der Kurzzeit-Athleten im Finale gegen
04.02.2026Genesener Kluge holt sich im Omnium die Bronzemedaille (rsn) – Roger Kluge hat sich, zwei Tage nachdem er das Punktefahren noch krankheitsbedingt ausgelassen hatte, bei den Bahnrad-Europameisterschaften im türkischen Konya mit einer Medaille im Wettkam
04.02.2026Radsport live im TV: Die Rennen des Tages (rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die w
04.02.2026Pedersen nach Sturz beim Valencia-Auftakt ausgeschieden (rsn) – Laut einer Meldung der belgischen Zeitung Het Laatste Nieuws ist Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) am Mittwoch nach Spanien zu einem dreiwöchigen Höhentrainingslager in der Sierra Nev
04.02.2026Girmay feiert perfekten Einstand im NSN-Trikot (rsn) – Biniam Girmay (Lotto – Intermarché) ist eine perfekte Premiere im Trikot seines neuen Teams NSN gelungen. Der 25-jährige Eritreer entschied den Auftakt der 77. Valencia-Rundfahrt (2. Pro
04.02.2026Crabbe überrascht im Bergaufsprint von Bellegarde die Favoriten (rsn) – Tom Crabbe (Flanders – Baloise) hat überraschend den Auftakt des 56. Etoile de Bessèges - Tour du Gard (2.1) für sich entschieden. Der 20-jährige Belgier setzte sich auf der großteils
04.02.2026Reusser und van der Breggen fordern Longo Borghini heraus (rsn) – Erstklassig besetzt ist das Feld der am Donnerstag beginnenden4. UAE Tour Women (5. – 8. Februar). Die nach der Tour Down Under zweite Frauen-Rundfahrt der Saison wartet mit insgesamt 20 T