RSNplusRSN-Rangliste, Platz 45: Tobias Müller

Schritt nach Belgien und erster Sieg ermöglichten Profivertrag

Von Felix Mattis

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Tobias Müller beim Prolog der D-Tour 2025 auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. | Foto: Cor Vos

24.11.2025  |  (rsn) – Nach zwei Jahren im vertraut-familiären Umfeld des rad-net-Teams, das von seinem Vater Ulrich Müller geleitet wurde, hat sich Tobias Müller in der Saison 2025 bei Wanty – Nippo – ReUz, dem Development-Team von Intermarché – Wanty, international freigestrampelt.

"Ich habe mir gesagt, dass ich das als nächsten Schritt brauche, um mich weiterzuentwickeln – so einen Tapetenwechsel: Team, Trainer, frischer Wind", blickte der 21-Jährige nun gegenüber RSN auf seinen für die Karriere wohl wichtigen Schritt von vor einem Jahr zurück. Für den Mut heraus aus der Komfortzone belohnte sich Müller im September mit seinem ersten UCI-Sieg und im Herbst nun folgte auch die Unterschrift unter seinem ersten Profivertrag: 2026 und 2027 fährt Müller für die Unibet – Rose Rockets.

radsport-news.com sprach mit ihm, während er am Wochenende im Rahmen des Sechstagerennens von Gent am Frühstückstisch seines Hotels saß, über das vergangene Jahr und blickte auch bereits voraus in Richtung Neoprofi-Saison 2026. ___STEADY_PAYWALL___

"Insgesamt fällt meine Bilanz eigentlich gut aus. Ich war zwar zwischendurch nicht ganz zufrieden, weil es mit einigen meiner angedachten Highlights nicht so geklappt hat. Aber insgesamt war es schon ein gutes Jahr", meinte Müller und konkretisierte:

Tobias Müller fuhr 2025 für Wanty – Nippo – ReUz, absolvierte aber auch viele Rennen für die WorldTour-Formation Intermarché – Wanty. | Foto: Cor Vos

"Ich wäre gerne bei den Klassikern besser gewesen. Das hatte ich mir vorgenommen, hatte dann aber viel Pech. Bei Roubaix bin ich gestürzt, bei der Youngster Coast Classic hatte ich einen Defekt. Da bin ich zwar trotzdem noch Achter geworden, aber das ist dann schon eher so ein bitterer Erfolg, weil man dann denkt: Was wäre vielleicht sogar möglich gewesen ohne den Defekt?"

Müller hatte seine Saison im Februar bei der Figueira Champions Classic (1.Pro) mit einem Gaststart im WorldTour-Kader von Intermarché – Wanty begonnen und zeigte Anfang März, dass er eine gute Frühform hatte, als er bei zwei französischen 1.2-Rennen in der Nähe von Lille 14. und Siebter wurde – gefolgt von jenem achten Rang beim U23-Klassiker Youngster Coast Challenge im Rahmen des Profirennens Bredene-Koksijde sowie dem Sturz-Aus bei der U23-Variante von Paris-Roubaix im April.

Nach dem 'Baby-Giro' etwas krank, sonst fit

Ende April wurde er auf der 1. Etappe der Tour de Bretagne (2.2) noch Fünfter, schied aber auch dort auf Etappe 7 schließlich aus. Anfang Juni folgte bei der U23-Variante des Omloop Het Nieuwsblad, die aber nicht als UCI-Rennen ausgetragen wird, sondern als nationales belgisches Rennen, ein zweiter Platz im Sprint und auch beim Giro Next Gen konnte sich Müller zu Beginn zeigen: als Fünfter auf der mittelschweren 2. Etappe und Zehnter der sogar bergigen 4. Etappe.

Auf die Italien-Rundfahrt der U23 folgte dann ein kleines Tief: "Ich war nach dem Giro etwas krank, weshalb ich auch die Elite-DM auslassen musste. Aber sonst bin ich gesundheitlich gut durch die Saison gekommen", erzählte er RSN. Bei der Tour Alsace (2.2) kratzte Müller noch zwei Mal an den Top 10 und bei der Lidl Deutschland Tour (2.Pro), die er mit dem WorldTour-Team bestritt, wurde er auf der 1. Etappe in Herford als 13. gewertet.

Tobias Müller im Profi-Peloton bei der Lidl Deutschland Tour 2025. | Foto: Cor Vos

Das war zwar nicht ganz so gut, wie die zwei neunten Plätze im Nationaltrikot im Vorjahr, die Müller vielleicht auch seinen Vertrag bei Wanty gebracht hatten, trotzdem angesichts der Konkurrenz aber ordentlich – und vor allem war es der Weg zu einem starken Herbst mit Platz zwei beim flachen Sprinterrennen GP Rik Van Looy (1.2) in Herentals am 14. September und schließlich zwei Wochen später seinem ersten UCI-Sieg: im Bergaufsprint beim GP Cerami (1.2) in Frameries südlich von Mons. "Klar, das war im Rückblick das Highlight dieses Jahr", meinte Müller. "Ich bin zwar auch andere gute Rennen gefahren, aber so ein Sieg ist eben dann nochmal etwas anderes."

Allrounder mit starkem Sprint: "Ich brauche schwere Rennen"

Passend ist, dass dieser Sieg eben dort in Frameries gelang und nicht zwei Wochen zuvor in Herentals. Denn etwas hügeligere Rennen liegen Müller, so seine Selbsteinschätzung, besser, als reine Sprintertage. "Ich würde mich eher als Allrounder bezeichnen, brauche schwere Rennen. Aber dann bin ich schon schnell, ja", erklärte der 21-Jährige, für den der Herbst trotz seiner Leistungen zunächst mit Ungewissheit begann.

Denn nach der Ankündigung der Verschmelzung der Teams Lotto und Intermarché – Wanty unter der Lotto-Lizenz war Müllers noch bis Ende 2026 laufender Vertrag zunächst wertlos, obwohl der Youngster sich beim belgischen Wanty-Team wohlgefühlt hatte und gerne dort weitergemacht hätte. "Dort hat alles gut gepasst. Es ist ja auch eher ein familiäres Team und hat mir gut gefallen", so Müller, der sich dann aber umschauen musste.

Während seine Rennstall-Kollegen Jonas Rutsch (links) und Georg Zimmermann (rechts) sich keine Sorgen machen mussten, wo es nach der Wanty-Auflösung hingeht, sah das für Tobias Müller (2. von links) etwas anders aus. | Foto: Cor Vos

"Das war schon nicht ganz einfach, klar, als junger Fahrer, der noch nicht zu den Etablierten im WorldTour-Kader gehört hat", gab er zu. "Aber durch die guten Ergebnisse gerade zum Saisonende ergaben sich dann noch Möglichkeiten."

Eine dieser Möglichkeiten war der Aufstieg in die ProSeries und damit der erste Profi-Vertrag bei den Unibet – Rose Rockets. Erst Mitte November hat sich das ergeben und am Wochenende konnte Vollzug gemeldet werden. Deshalb konnte Müller im Gespräch mit RSN noch nicht allzu viel in die Saisonplanungs-Details einsteigen und ob er einen Platz im Sprintzug von Dylan Groenewegen einnehmen oder eher bei kleineren Rennen auf eigene Kappe fahren wird.

Bei Unibet – Rose Rockets wartet Kittel als Sprint-Coach

"Potentiell bin ich sicher auch für den Sprintzug geeignet, weil ich das renntaktisch ganz gut kann. Aber bei kleineren Rennen, die im Vergleich zu bisher dann auch gar nicht 'kleiner' sind, denke ich, dass ich vielleicht auch selbst mal sprinten kann. Ganz genau haben wir das noch nicht besprochen und ich mache mir auch keinen Stress: Es ist mein Neo-Jahr und ich will mich einfach weiter entwickeln", erklärte er, freute sich aber schon auf einen anderen Deutschen im Team: den ebenfalls am Wochenende vorgestellten Sprint-Coach der Rockets, Marcel Kittel.

"Das ist für mich auch etwas Neues. So viel Erfahrung dabei zu haben, das ist ein Privileg fürs Team – und für mich als Deutschen natürlich ganz besonders. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit."

Ob Müller künftig übrigens neben seinen Rennen für die Rockets auch noch auf der Bahn unterwegs sein wird, das ist offen und hängt wohl vor allem von seinem neuen Arbeitgeber ab. Momentan gehört der 21-Jährige jedenfalls noch zum Nationalkader von German Cycling.

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