RSNplusRSN-Rangliste, Platz 48: Mathieu Kockelmann

Mit einer späten Zündung in die Geschichte

Von Christoph Niederkofler

Foto zu dem Text "Mit einer späten Zündung in die Geschichte"
Mathieu Kockelmann bejubelt seinen Sieg bei der Tour de l´Avenir. | Foto: Cor Vos

22.11.2025  |  (rsn) - Sensation, Coup, Paukenschlag – geschieht in der Welt des Sports ein unerwartetes Ereignis, gibt es vielerlei Begriffe, um es ihn Worte zu fassen. In ein solches Rampenlicht rückte Mathieu Kockelmann (Lotto Development Team) im zurückliegenden September, als der 21-Jährige auf der 2. Etappe der Luxemburg-Rundfahrt (2.Pro) die Sprinter der WorldTour-Teams in seinem Heimatland düpierte und den ersten Profisieg seiner Karriere bejubelte. "Ich denke sehr, sehr gerne an diesen Moment zurück", erzählte er im exklusiven Interview mit RSN. "Dieser Tag motiviert mich, weiter hart zu arbeiten. Und er soll ja nicht der letzte Sieg bleiben."

Es war ein aufregender Spätsommer für den Luxemburger, der nach einem Jahr im belgischen Lotto Development Team zu den Großen in die WorldTour aufsteigen wird. Exakt drei Wochen vor seinem spektakulären Triumph in Mamer schwang sich Kockelmann nämlich auch auf der Tour de l’Avenir (2.Ncup) zum Sieger auf – und schrieb damit ganz nebenbei Geschichte.

___STEADY_PAYWALL___

"Das war ein großer Schock für mich – vor allem weil es so lange her war", blickte er auf die Tatsache, dass er mit seinem Tagessieg in Val-Suran eine 27-jährige Durststrecke für luxemburgische Radfahrer bei der Tour de l’Avenir beendet hatte. "Ich wusste schon, dass ich einer von wenigen Luxemburgern sein würde, die gewonnen haben. Aber an so eine Zahl hätte ich im Leben nicht gedacht", unterstrich er.

Mathieu Kockelmann schrieb mit seinem Sieg bei der Tour de l'Avenir Geschichte. | Foto: Cor Vos

Jener Erfolg hat in seinem Herzen einen besonderen Platz. "Es hat alles geklappt und lief reibungslos", schwärmte Kockelmann. Die Harmonie in der luxemburgischen Nationalmannschaft habe dabei eine gewichtige Rolle gespielt. "Jeder würde für den anderen alles geben. Das war in der vergangenen Saison unser Erfolgsrezept." Doch nicht nur die Teamkollegen seien außergewöhnlich, auch Trainer Jempy Drucker habe er viel zu verdanken.

"Er unterscheidet sich maßgeblich von anderen Nationaltrainern, davon bin ich überzeugt", schwärmte Kockelmann. "Er versteht einen, kann sich in dich hineinversetzen. Es fühlt sich an, als wäre er auch einer von uns - nur dass er eben im Auto sitzt. Ich habe eine extrem besondere Verbindung zu ihm. Seine Meinung bedeutet mir enorm viel."

Letzten Endes habe diese einzigartige Erfahrung mit Drucker, der Kockelmann bereits in dessen Jugend ein Vorbild war, große Nachwirkung gehabt und zu einer Spätzündung geführt, die schließlich im Premierensieg auf der WorldTour gegipfelt war. Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg. "Mein Start war nicht optimal, ich hatte keine richtige Vorbereitung", räumte Kockelmann. "Ich habe die ersten Rennen noch vor einem richtigen Trainingslager absolviert."

Mathieu Kockelmann stellte im Spätsommer sein ganzes Potenzial unter Beweis. | Foto: Cor Vos

Ein Umstand, der freilich nicht günstig war – ihm im Nachhinein jedoch mentale Stärke für zukünftige Schwächephasen verleiht. Immerhin war er bei seinen ersten Einsätzen im Jahr 2025 - etwa beim Gran Premio Castellon (1.1) oder bei der Classica Comunitat Valenciana (1.1) - fernab der Top 50 zu finden. Unterkriegen ließ er sich davon nicht. "Jetzt weiß ich, dass mehr möglich ist. Das gibt mir Motivation im Training", so der Youngster. In seiner noch jungen Laufbahn habe Kockelmann schon Höhen und Tiefen erlebt. "Bei den Junioren war ich weit oben, aber auch schon mal ganz unten", erinnerte er sich. "Und jetzt bin ich wieder auf einem Weg, nach oben zu gelangen. Auf dem richtigen, dem guten Weg. Ich habe schon gelernt, wie schnell es hoch und wie schnell es runter gehen kann."

Von spezifischen Zielen nimmt Kockelmann jedoch Abstand. "Natürlich würde ich den Erfolg der letzten Monate mitnehmen. Aber ich mache mir keinen Druck, sollte es im ersten Teil der Saison nicht klappen", sagte er. "Wir wissen ja, wie dieses Jahr gelaufen ist." Seine Qualitäten sieht er nach wie vor im Sprint, irgendwann will er auch bei den Klassikern vorne mitmischen. "Jetzt bin ich auf dem höchsten Niveau unterwegs und habe schon zweimal gezeigt, was möglich ist – selbst mit einem kleinen Team mit nur U23-Fahrern", hob er hervor. "Die Welt bricht aber nicht zusammen, wenn ich nicht direkt ein WorldTour-Rennen gewinne."

Mehr Informationen zu diesem Thema

31.12.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Männer 2025

(rsn) – Es ist inzwischen RSN-Tradition. Und auch wenn sich mit Christoph Adamietz der Vater der Idee vor einem Jahr aus unserem Autoren-Team verabschiedet hat, so soll diese Tradition fortgesetzt w

31.12.2025Lipowitz: “Meine Werte waren bei Dauphiné besser als in der Tour“

(rsn) – Erleichtert wirkt Florian Lipowitz, als er am späten Nachmittag des 10. Dezember die Halle der Central Studios in Binissalem auf Mallorca verlässt. In den letzten drei Stunden musste der 2

31.12.2025Die Strassacker-Trophäe zur RSN-Jahresrangliste 2025

(rsn) – Seit inzwischen 18 Jahren blicken wir von radsport-news.com in Form unserer RSN-Jahresrangliste auf die Saison der Radprofis aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zurück u

30.12.2025Eine konstante Tour mit Platz fünf gekrönt

(rsn) – Vor der Tour de Suisse ließ Felix Gall (Decathlon – AG2R La Mondiale)  mit seinem Ziel aufhorchen, die Tour de France unter den besten Fünf der Gesamtwertung abschließen zu wollen -

29.12.2025Von UAE-Stars und eigenem Anspruch zu Höchstleistungen gepusht

(rsn) – Es war erst sein zweites Profijahr und Jan Christen hat bereits fünf Profisiege auf seinem Konto. Dazu rangiert der 21-Jährige als bester Schweizer bereits auf Rang 52 der Weltrangliste. D

28.12.2025WM-Tiefpunkt kann Freude über “bestes Jahr“ nicht trüben

(rsn) – Auftakt in Australien, zum Abschluss noch Japan: Mauro Schmid (Jayco – AlUla) hat im Grunde die längste Saison hinter sich, die der internationale Rennkalender hergibt. Weil er zwischendu

27.12.2025Als Tudor-Aushängeschild deutlich hinter den Erwartungen zurück

(rsn) – Zunächst schien es so, als hätte sich zwar das Outfit von Marc Hirschi geändert, ansonsten aber nur wenig. Der zur Saison 2025 von UAE – Emirates zu Tudor gewechselte Schweizer gewann a

26.12.2025Ziel nach starkem Jahr: “Die zweiten Plätze in Siege umwandeln“

(rsn) – Das sei verraten: So weit vorne wie Max Kanter (XDS – Astana) landete in der RSN-Jahresrangliste 2026 kein anderer deutscher Sprinter. Das liegt zum einen daran, dass lange Zeit dominieren

25.12.2025“Harzige Saison“ ohne Sieg und Tour, aber mit Doppelbronze

(rsn) – Stefan Küng ist sicher kein Legionär. Nach insgesamt sechs Jahren bei BMC sowie derer sieben bei Groupama – FDJ steht 2026 erst zum zweiten Mal in seiner Profilaufbahn ein Tapetenwechsel

24.12.2025Saisonziel erster Profisieg schon früh im Jahr erreicht

(rsn) – Fabio Christen stammt aus einer radsportbegeisterten Familie. Der ältere Bruder von Jan Christen (UAE Emirates – XRG) hat bei Q36.5 Pro Cycling seine sportliche Heimat gefunden und ver

23.12.2025Unscheinbare Größe mit starker Saison und viel Grund zum Jubeln

(rsn) – 29 Saisonsiege durfte Felix Großschartner in der Saison 2025 mit seiner Mannschaft feiern und erstmals seit 2021 war auch ein eigener erster Platz außerhalb von Österreichischen Meistersc

21.12.2025Einen Schritt hinter den Schnellsten - aber der Tour-Traum lebt

(rsn) – Ein Jahr ohne Sieg – das kann für einen Sprinter nicht zufriedenstellend sein, räumte Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) unumwunden ein. Zumal 2025 die erste Saison seit 2015 war, in der

Weitere Radsportnachrichten

08.01.2026Soudal - Quick-Step bindet auch Magnier langfristig

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

08.01.2026Soudal bleibt Titelsponsor bis 2030, Dumoulin wird Renndirektor

(rsn) - Ex-Profi Tom Dumoulin wird neuer Renndirektor des Amstel Gold Race. Der 35-jährige Niederländer übernimmt den Job von Leo van Vliet, allerdings erst zur Austragung 2027. Es wird die 61. sei

08.01.2026Titelverteidiger Plapp fährt hinterher: Vine ist neue Zeitfahrmeister Australiens

(rsn) – Jay Vine (UAE – Emirates – XRG) hat sich zum zweiten Mal nach 2023 zum australischen Zeitfahrmeister gekrönt. Der 30-Jährige fuhr in Perth, wo auch die Straßenrennen ausgetragen

08.01.2026Als ProTeam: Tudor legt den Fokus auf die Grand Tours

(rsn) – Der Schweizer Rennstall Tudor Pro Cycling hat am Mittwoch im spanischen Moraira etwas östlich von Calpe an der Costa Blanca seinen Medientag vor der Saison 2026 abgehalten. Und Miteigentüm

08.01.2026Nach starker Saison startet erneut die Jagd auf den “Heiligen Gral“

(rsn) – Sechs Neuverpflichtungen nahm FDJ - Suez für das Jahr 2025 unter Vertrag und krempelte das Team damit maßgeblich um. Vom siebten Platz 2024 arbeitete sich die französische Mannschaft zum

07.01.2026Simon Yates beendet Karriere

(rsn) – Der amtierende Giro-Sieger Simon Yates hat am Mittwochmittag völlig überraschend und mit sofortiger Wirkung seine Karriere beendet. “Ich habe die Entscheidung getroffen, mich vom profess

07.01.2026Pidcock und Pinarello-Sextett zieht es nach Chile

(rsn) – Dass Radsportler vor Saisonbeginn ins Höhentrainingslager ziehen, ist nichts Besonderes. Dass ein Septett von Pinarello einen Monat nach Südamerika reist, ist dann aber doch sehr ungewöhn

07.01.2026Roodhooft: Van der Poel “war einfach so, wie er sein musste“

(rsn) – In der Weihnachtsperiode hat Niels Vandeputte zwei Crossrennen im Trikot von Alpecin – Deceuninck und im neuen Jahr dem von Alpecin – Premier Tech gewonnen. Doch Fahrer der belgischen Ma

07.01.2026Die Hoffnung auf Healy und Highlights

(rsn) – Auf dem Papier war die Saison 2025 eine durchschnittliche für das Team EF Education – EasyPost. Zehn Siege lagen unter der Norm für die US-amerikanische Equipe, Rang zwölf im UCI-Rankin

06.01.2026Mit “Mont Ventoux Norwegens“ und Finale an den Hängen der Ski-WM

(rsn) – Während es 2026 keine Tour of Norway geben wird, weil die öffentlichen Förderungen gestrichen wurden, steht das Arctic Race of Norway (2.Pro) auch in diesem Jahr wieder im Rennkalender. I

06.01.2026Diese WorldTour-Profis haben noch keinen Vertrag für die neue Saison

(rsn) – Das neue Jahr hat begonnen, doch noch immer stehen einige WorldTour-Profis ohne neuen Vertrag da. Nicht alle Fahrer, die 2025 noch in der Elite-Liga des Radsports angestellt waren, werden

06.01.2026Chirurg erwartet drei Monate Pause für van Aert

(rsn) - Ludovic Robeet kann seine Karriere als Radprofi fortsetzen. Der Belgier in Diensten von Cofidis, der im September 2025 einen Schlaganfall erlitten hatte, teilte die guten Nachrichten via Insta

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)