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20.11.2025 | (rsn) – Auch wenn Nils Politt in diesem Jahr zum ersten Mal seit der verkürzten Coronasaison 2020 keinen Sieg einfahren konnte, so muss 2025 für den 31-jährigen Kölner als voller Erfolg gewertet werden.
Schließlich ist Politts Job weniger das Gewinnen, sondern vielmehr, dafür zu sorgen, dass seine Teamkollegen um Tadej Pogacar, Isaac Del Toro & Co. jubeln können. Und das gelang dem UAE-Rennstall in den vergangenen zehn Monaten so häufig, wie noch nie einem Profi-Radteam zuvor: 97 UCI-Siege feierte UAE – Emirates – XRG, bei immerhin 17 davon war Politt dabei.
"Die Erfolge mit Tadej, gerade der Tour-Sieg wieder, das war sehr speziell – oder die ganze Tour überhaupt", blickte Politt nun gegenüber radsport-news.com glücklich zurück und hob dabei auch gleich das Highlight hervor: fünf Etappensiege und den vierten Gesamtsieg für Pogacar bei der Frankreich-Rundfahrt, wobei Politt wie schon 2024 durch starke Auftritte nicht nur als Tempobolzer im Flachen, sondern auch an langen Anstiegen wie dem Col du Tourmalet glänzte. ___STEADY_PAYWALL___
"Ich hatte bei der Tour wieder ein Top-Level, auch danach war es noch sehr, sehr gut und ich bin sehr zufrieden, wie die Saison insgesamt gelaufen ist", sagte er. "Wir haben mit den über 90 Siegen und dem Rekord kaum ein Rennen gehabt, bei dem ich am Start stand, wo wir danach sagen mussten: Das war nix! Von daher können wir nur zufrieden sein, wie wir als Team gefahren sind und miteinander und füreinander gefahren sind."
Natürlich das Highlight: Politt feierte mit Pogacar 2025 erneut dessen Tour-de-France-Sieg in Paris. | Foto: Cor Vos
Nur einen einzigen Makel konnte er in seinem Jahr ausmachen – und das ausgerechnet bei den Rennen, bei denen er auch selbst Ergebnisse einfahren wollte: den Klassikern. "Das Frühjahr war so lala – da waren einfach drei Stürze zu viel, in den Rennen, die ich auf eigene Rechnung fahren konnte. Dwars door Vlaanderen zum Beispiel, und bei Roubaix war es nach dem Sturz nach dem Wald von Arenberg für mich komplett vorbei. Aber gut, da steckt man nicht drin, das hat man auch mal", so der Rheinländer.
Rückblickend verriet Politt nun auch, dass der Start von Pogacar bei der 'Königin der Klassiker' doch etwas langfristiger geplant war, als es sein Rennstall im Frühjahr erscheinen ließ, als man die Teilnahme des Weltmeisters beim Kopfsteinpflaster-Monument spät bekanntgab. Deshalb sei es auch für Politt keine unangenehme Überraschung gewesen, dass ihm die Kapitänsrolle dort kurzfristig weggenommen wurde – wie es nach außen gerade für deutsche Fans ausgesehen hatte.
"Tadej hatte den Roubaix-Start natürlich schon vorher geplant und wir wussten das auch. Von daher war das eben einfach so. Er ist ein Leader und da gucke ich auch mit keinem weinenden Auge drauf", meinte Politt nun. "Letztendlich macht es mir immer großen Spaß, mit ihm und für ihn die Rennen zu fahren. Er ist einfach die Nummer 1 der Welt, da steckt man auch seine eigenen Ambitionen gerne mal zurück."
Paris-Roubaix war für Politt nach seinem Sturz nach Arenberg gelaufen. | Foto: Cor Vos
Nach den Klassikern, auf die sich Politt über die Mallorca Challenge, die Algarve-Rundfahrt und Paris-Nizza vorbereitet hatte, bestritt der Kölner im Mai die beiden deutschen Klassiker Eschborn-Frankfurt und Rund um Köln aus dem Training heraus ohne gezielte Vorbereitung – die lief da nämlich bereits mit Blick auf die Tour de France im Sommer. Er fuhr dann an Pogacars Seite das Critérium du Dauphiné und trat eine Woche vor Tour-Start noch bei den Deutschen Meisterschaften an.
Im Einzelzeitfahren wurde der Titelverteidiger von Max Schachmann (Soudal - Quick-Step) entthront und verpasste als Vierter sogar eine Medaille, was mit einer Mischung aus schwerer Strecke und gefährlicher Abfahrt zu erklären war. Politt betonte nach dem Rennen gegenüber RSN, er habe eine Woche vor der Tour bloß nicht stürzen wollen.
Zwei Tage später dann fuhr er ein starkes Straßenrennen und prägte das in Linden eingangs der Schlussrunde noch entscheidend mit, als er der Verfolgergruppe um den späteren Meister Georg Zimmermann sowie Lennard Kämna ein regelrechtes Leadout in die Schlussrunde hineinfuhr und den Rückstand zur Spitzengruppe dadurch nochmal deutlich verkleinerte. Politt selbst, der sich zu diesem Zeitpunkt schon keine Chance mehr ausrechnete, wurde am Ende noch Siebter.
Was folgte, war die erneut starke Tour als Pogacar-Helfer, während der Politt gerade von französischer Seite harsche Kritik einstecken musste, weil er auf der Etappe zum Mont Ventoux unnötig Ausreißer gejagt habe und ihnen gegenüber auch allzu lautstark aufgetreten sei. Doch Politt ließ das kalt.
Politt bei seinem Hauptjob in Frankreich: Tempobolzen für Kapitän Pogacar. | Foto: Cor Vos
"Die Kritik kam vor allem von Voeckler (Nationalcoach der Franzosen und TV-Experte, Anm. d. Red.), der meinte, er könnte da was Großes draus drehen. Aber im Endeffekt, denke ich, hat er den Hintergrund einfach nicht gesehen, nämlich dass wir zum Pinkeln angehalten hatten und das halbe Feld noch in der Fahrzeugkolonne war und vorne weiter attackiert wurde", blickte Politt nun entspannt zurück. "Ich habe mal gelernt, dass es ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass man das nicht tut. Aber wenn das mittlerweile anders ist, dann weiß ich das ja jetzt…"
Nach der erfolgreichen Titelverteidigung von Pogacar bei der Tour ging es für Politt Mitte August mit den ADAC Cyclassics in Hamburg und der Lidl Deutschland Tour weiter, bei der er 13. wurde, vor allem aber auch Teamkollege Jhonatan Narvaez im Kampf um den Gesamtsieg unterstützte – der Ecuadorianer wurde schließlich Zweiter hinter Sören Waerenskjold.
Politt begleitete anschließend Pogacar & Co. nach Kanada zum GP Québec und GP Montréal, den der slowenische Kapitän gewann, und reiste von dort direkt nach Luxemburg zur nur drei Tage später beginnenden Skoda Tour de Luxembourg. Auch dort verhalf Politt einem Teamkollegen zum Sieg: Brandon McNulty sicherte sich die Gesamtwertung und der Deutsche wurde Siebter im Einzelzeitfahren. Zu Ende ging Politts Saison dann im Oktober mit Binche-Chimay-Binche und der Teilnahme an den Gravel-Weltmeisterschaften, bei denen er in Maastrich 16. wurde.
Bei der Gravel-WM wurde Politt trotz dieses Sturzes 16. und damit bester Deutscher. | Foto: Cor Vos
Die Straßen-WM in Ruanda hingegen ließ der 31-Jährige aus, was dem deutschen Team angesichts der kurzfristigen Krankheitsausfälle vor allem mit Blick auf die Mixed Staffel schließlich doch weh tat. Doch Politt erklärte radsport-news.com: "Ich denke, wenn man zu einer WM anreist, dann sollte man in Top-Form sein und das war zu dem Zeitpunkt bei mir nicht mehr der Fall. Mit der Höhe und mit der Vorbereitung, die man dafür hätte absolvieren müssen, war es für mich dieses Jahr kein Thema."
Wie Politts Saison 2026 aussehen wird, das entscheidet sich erst im Dezember im Teamcamp seiner Mannschaft in Spanien. Doch man darf wohl davon ausgehen, dass sich am Programm nur wenig ändern wird. Die Klassiker dürften wieder der erste Saisonhöhepunkt werden, und anschließend gilt es, Pogacar Eintritt in den Club der fünfmaligen Tour-de-France-Sieger zu verschaffen.
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