Das Tour-Podium rückt immer näher

Lipowitz und Roglic werden mit vereinten Kräften Onley los

Von Joachim Logisch (Mont Ventoux) und Christoph Niederkofler

Foto zu dem Text "Lipowitz und Roglic werden mit vereinten Kräften Onley los"
Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe, links) schüttelte am Mont Ventoux seinen schärfsten Gegner Oscar Onley (Picnic - PostNL) ab. | Foto: Cor Vos

22.07.2025  |  (rsn) – Red Bull – Bora – hansgrohe ist auf der 16. Etappe der Tour de France 2025 ein Statement der besonderen Art gelungen. Im berüchtigten Schlussanstieg hinauf zum Mont Ventoux zogen Florian Lipowitz und Primoz Roglic an einem Strang und versetzten der Konkurrenz im Kampf um das Podest einen empfindlichen Schlag. Nach der geglückten Reifeprüfung in den Voralpen der Provence rückt der Traum vom Podest für den 24-jährigen Tour-Debütanten immer näher.

Zum Zünglein an der Waage wurden die finalen Kilometer der Etappe. Lipowitz, Roglic und Oscar Onley (Picnic - PostNL) lieferten sich einen Schlagabtausch, letzteren vermochte das Bora-Duo bis dahin einfach nicht abzuschütteln. Abseits der TV-Kameras setzten sich Lipowitz und Roglic dann doch von Onley ab und knöpften dem jungen Schotten mehr als eine halbe Minute ab.

"Ein Plan sieht immer gut aus, wenn er aufgeht. Wir haben (Mick) van Dijke vorne. Den haben wir dann zurückgerufen als es etwas flacher wurde. In erster Linie auch, um die Jungs noch mal zu kühlen. Das hat er auch gemacht“, erklärte der Sportliche Leiter Bernie Eisel gegenüber dem ZDF die Taktik seines Teams. "Wir haben dann gesehen, nach vorne zu Pogacar und Vingegaard ging nichts mehr, deshalb haben wir versucht, auf Onley Zeit gutzumachen. Wenn Lipo das erste Mal attackiert hätte, hätte das wenig Sinn gemacht. Deshalb hat es Roglic probiert und beim zweiten Mal saß der Angriff. So musste Onley nachsetzen und Lipo konnte an seinem Hinterrad bleiben", beschrieb der Österreicher die entscheidende Szene.

Lipowitz: "Können mit dem heutigen Tag sehr zufrieden sein"

"Als Pogacar und Vingegaard wegfuhren, mussten wir schauen, wie wir den Kampf um Platz drei hinkriegen. Primoz und ich haben dann Oscar immer wieder attackiert, um eine Distanz zu uns reinzubringen“, schilderte Lipowitz gegenüber dem ZDF, was im TV nicht zu sehen war. "Irgendwann konnte Primoz wegfahren und ich bin bei Oscar geblieben und habe es dann 1,7 Kilometer vor dem Ziel noch mal probiert, bin weggekommen und konnte wieder zur Gruppe von Primoz aufschließen. So sind wir zusammen ins Ziel gefahren. Wir können mit dem heutigen Tag sehr zufrieden sein“, bilanzierte Lipowitz.

Eisel ergänzte: Alles ging perfekt auf. Beide haben Zeit gutgemacht. Lipowitz hat Platz drei gesichert und ausgebaut und Roglic ist Richtung Podium und Platz vier unterwegs". Tatsächlich hat Roglic auf Rang fünf nur noch 38 Sekunden Rückstand auf Onley, dessen Rückstand auf Lipowitz nun auf 2:01 Minuten angewachsen ist.

Fünf Etappen vor Schluss ist das Tour-Podium für den Deutsche zum Greifen nah. "Ich bin stolz auf die Mannschaft, wir haben heute eine gute Teamleistung gezeigt", schwärmte Team-Manager Ralph Denk. "Man hat es gesehen, Roglic hat auch im Zieleinlauf immer wieder nach Florian geschaut."

 

Auch im Anstieg zum Mont Ventoux bewiesen die beiden wieder, dass die Kapitänsfrage keine Rolle spielt, bei Red Bull zählt aktuell nur eine Devise: Gemeinsam sind wir stark. Am Ende kann voraussichtlich nur ein Fahrer aus der deutschen Equipe auf dem Podium stehen. Wer das ist, ist den Protagonisten offenbar egal – das ließ zumindest Lipowitz erst am Montag verlauten. Die Ansage spiegelte sich auch in der Taktik wider.

"Primoz und ich haben uns heute super ergänzt und immer wieder attackiert", führte der 24-Jährige aus. "Dann habe ich meine Attacke nochmal gesetzt, konnte eine Lücke reißen und gab danach nur noch Vollgas bis ins Ziel."

Vor den beiden Alpenetappen schaut es "ganz gut aus"

Nach 16 Etappen knallen aber noch keine Sektkorken, unter anderem steht am Donnerstag noch die Königsetappe dieser Tour auf den Col de la Loze bevor. "Ich kenne in den Alpen alle Anstiege. Es ist wirklich schwer und dort kann alles passieren", brachte Denk seinen Respekt vor den letzten Herausforderungen der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt auf den Punkt.

In dieselbe Kerbe schlug Lipowitz. "Ich habe jetzt mit meinem dritten Platz schon Vorfreude auf Paris, aber es kommen noch zwei Tage in den Alpen, wo noch so viel passieren kann", mahnte der gebürtige Ulmer. "Das Wichtigste ist jetzt, gesund zu bleiben. Wir sind im Kampf ums Podium gut vertreten. Soweit schaut es ganz gut aus“, sagte Lipowitz und machte deutlich, dass er auch die beiden Bergankünfte nach Courchevel (Donnerstag) und La Plagne (Freitag) nicht fürchtet.

Mehr Informationen zu diesem Thema

03.03.2026Van der Poel: “So weiß man die guten Momente mehr zu schätzen“

(rsn) - Mathieu van der Poels Domäne sind die Klassiker, wie der Niederländer mit seinem perfekten Saisoneinstieg beim Omloop Nieuwsblad (1.UWT) am vergangenen Samstag ein weiteres Mal bewiesen hat.

12.11.2025Arensman: “Letztendlich ist Radsport nur eine Nebensache“

(rsn) – Bei der vergangenen Tour de France feierte Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) die bisher größten Erfolge seiner Karriere. Aber nicht die auf der 14. Und 19. Etappe eindrucksvoll herausgef

04.11.2025Wellens erzählt von Pogacars Knieproblemen bei der Tour

(rsn) – Tim Wellens hat in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung L´Equipe konkreter über die Schwierigkeiten von Teamkollege Tadej Pogacar in der Schlusswoche der Tour de France

11.08.2025Gianetti: “Pogacar zu sein ist schön, aber nicht einfach“

(rsn) – Mauro Gianetti, der Teamchef von UAE – Emirates – XRG hat sich zum kommenden Rennkalender und zum Vuelta-Verzicht von Tadej Pogacar geäußert. Am Ende der Tour de Pologne sagte er gege

03.08.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrerinnen / 9. Etappe

(rsn) - 154 Profis aus 22 Teams sind am 26. Juli im westfranzzösischen Vannes zur 4. Tour de Frances Femmes (2.WWT) angetreten, darunter sieben Deutsche, sechs Schweizerinnen und drei Österreicheri

31.07.2025Pogacar “langweilte“ sich in der zweiten Hälfte der Tour

(rsn) – Neben dem Gelben und dem Gepunkteten Trikot sicherte sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bei der Tour de France 2025 vier Etappensiege. Den letzten davon feierte der Slowene ab

30.07.2025Häuslicher Unfall: Vauquelin bricht sich den Knöchel

(rsn) – Spätestens mit seinem siebten Platz bei der 112. Tour de France hat Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) auch international seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. Die Freude über das

29.07.2025Zwei Tage nach der Tour: Aldag verlässt Red Bull - Bora - hansgrohe

(rsn) – Rolf Aldag und Red Bull – Bora – hansgrohe gehen ab sofort getrennte Wege. Das kündigte der deutsche WorldTour-Rennstall überraschend zwei Tage nach Ende der Tour de France an, bei der

28.07.2025Lipowitz: “Manchmal ist der Sportchef nicht glücklich mit mir“

(rsn) - Nur Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) konnte in den Bergen der Tour de France ansatzweise mit Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und dem Zweitplat

28.07.2025Im Überblick: Alle Gelbe Karten bei der 112. Tour de France

(rsn) – Drei Tage hat es gedauert, bis die UCI-Jury bei der Tour de France 2025 zum ersten Mal hart durchgegriffen und Gelbe Karten verteilt hat: Im Sturzchaos von Dünkirchen bestraften die Kommiss

28.07.2025Angst, natürlicher Schwund und finanzielle Ungleichheit

(rsn) – Die Tinte in den Radsport-Geschichtsbüchern ist gerade erst getrocknet: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat bei der Tour de France 2025 im direkten Duell mit seinem großen Widersa

28.07.2025Vingegaards “merkwürdige Tour“ endet auf Platz zwei

(rsn) – Das große Ziel hat Visma – Lease a Bike bei dieser Tour de France verfehlt. Jonas Vingegaard musste in Paris mit der zweiten Stufe auf dem Podium vorliebnehmen, der ewige Rivale Tadej Po

Weitere Radsportnachrichten

11.03.2026Max Bock: Über Umweg durch Frankreich näher an den Profitraum

(rsn) – Aktuell lässt es Max Bock etwas ruhiger angehen. Das liegt weniger daran, dass der frischgebackene 21-Jährige am 10. März Geburtstag gefeiert hat, als dass noch ein wenig Restkrankheit au

11.03.2026Van Aert “am wichtigsten Punkt des Rennens völlig falsch positioniert“

(rsn) – Aus dem erhofften Etappensieg in San Gimignano wurde nichts. Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) kam auf dem zweiten Teilstück von Tirreno-Adriatico (2.UWT) 41 Sekunden hinter Etappengew

11.03.2026Trofeo Alfredo Binda im Rückblick: Die letzten zehn Jahre

(rsn) - Das erstmals 1974 ausgetragene italienische Eintagesrennen Trofeo Alfredo Binda - Comune di Cittiglio (1.WWT) zählt zu den prestigeträchtigsten Rennen im Rennkalender der Frauen. Das hügel

11.03.2026Il Lombardia ab 2027 auch mit Frauenrennen?

(rsn) – Il Lombardia ist das einzige der fünf Monumente, das noch kein Frauenrennen in seinem Programm hat. Laut Het Laatste Nieuws soll sich das aber bald ändern. Demnach plant der Veranstalter R

11.03.2026Paris-Nizza: Wird die Königsetappe erneut ein Opfer des Winters?

(rsn) – Bereits bei den beiden vergangenen Austragungen von Paris-Nizza musste die jeweilige Bergetappe nach Auron aufgrund von winterlichen Wetterbedingungen verkürzt werden. Vor zwei Jahren wurde

11.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

11.03.2026Ayuso strahlt in Gelb: “Gibt Selbstvertrauen auch für Barcelona“

(rsn) – Den Sieg hat Lidl – Trek im 23,5 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT) zwar um 2,5 Sekunden verpasst, trotzdem aber gab es im Lager des deutschen

10.03.2026Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel & Co.

(rsn) – Nach dem fulminanten Auftakt mit einem dritten und einem fünften Platz durch Max Walscheid und Jonathan Milan im topfebenen Auftakt-Einzelzeitfahren von Lido di Camaiore hat der deutsche Wo

10.03.2026Highlight-Video der 3. Etappe von Paris-Nizza

(rsn) – Ineos Grenadiers hat das Mannschaftszeitfahren von Paris-Nizza (2.UWT) für sich entschieden. Das von Kevin Vauquelin angeführte britische Team benötigte für die 23,5 Kilometer der 3. Eta

10.03.2026Perfekt auf Schotter: Pellizzari in bestechender Frühform

(rsn) – Nach einer soliden Vorstellung kam Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico in der ersten Verfolgergruppe 17 Sekunden hinter Tagessieger Mathie

10.03.2026Highlight-Video der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico

(rsn) – Der routinierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat bei Tirreno-Adriatico die beiden Youngster Gesamtführende Isaac Del Toro (UAE Emirates – XRG) und Giulio Pellizzari (Re

10.03.2026Ineos im Teamzeitfahren knapp vor Lidl - Trek, Ayuso in Gelb

(rsn) – Es war enger als erwartet, doch am Ende hatten die Favoriten die Nase vorn. Ineos Grenadiers hat das Mannschaftzeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza für sich entschieden – es war d