Fragwürdige Phase nach Massensturz auf Etappe 15

Van Aert reagiert auf Sticheleien von Pogacar: “Schon witzig“

Von Felix Mattis

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Wout van Aert (Visma - Lease a Bike) auf der Pressekonferenz seines Teams am zweiten Ruhetag der Tour de France. | Foto: Cor Vos

22.07.2025  |  (rsn) – Die turbulente Anfangsphase der 15. Etappe bei der Tour de France 2025 nach Carcassonne hat einige Fahrer auch am folgenden Ruhetag noch beschäftigt. Nachdem Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) sich bereits am Sonntagabend verwundert über die Fahrweise von Visma – Lease a Bike in jener Phase, als Jonas Vingegaard durch den Massensturz zurücklag, gezeigt hatte, reagierte auf der Pressekonferenz des niederländischen Rennstalls am Morgen danach Wout van Aert (Visma - Lease a Bike) auf die Aussagen des Slowenen.

Doch was war passiert? Früh auf der 15. Etappe kam es zu einem Massensturz mitten im Peloton und sehr viele Fahrer, darunter auch Vingegaard und Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) wurden aufgehalten. Sie kämpften anschließend lange um den Anschluss zurück an die Spitze des Feldes, obwohl das Teamfahrzeug von UAE Pogacar und seine Helfer aufgefordert hatte, Fair-Play walten zu lassen, die Konkurrenten dort zu beruhigen und so das Tempo zu drosseln.

Das Problem: Zu dieser Zeit hagelte es an der Spitze Attacken, weil sich die Ausreißergruppe des Tages noch nicht formiert hatte. So gab es sehr unterschiedliche Interessenslagen. An den Angriffen vorne beteiligten sich Vingegaards Teamkollegen van Aert, Matteo Jorgenson und Victor Campenaerts, was Pogacar nach dem Rennen zu folgenden Aussagen verleitete:

"Tim (Wellens) und ich versuchten, die Situation zu beruhigen, damit Jonas und die anderen Gesamtwertungsfahrer wieder aufholen konnten. Aber plötzlich ging Van Aert, gefolgt von Campenaerts und Jorgenson. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Ich bin dann nachgegangen, so dass die drei nicht wegfahren konnten. Vielleicht habe ich Jonas damit geholfen? Ich fand die Situation seltsam. Wenn ich an Jonas' Stelle wäre, wäre ich heute Abend nicht der Glücklichste am Esstisch."

"Es ist schon witzig, dass Tadej das sagt"

Pogacar meinte, dass Vingegaards Teamkollegen mit ihren Versuchen, eine Spitzengruppe zu kreieren, ihrem Kapitän die Rückkehr nach vorne erschwert und unnötig verlängert hätten. Van Aert sah die Problematik aber eher darin, dass der Mann im Gelben Trikot sich in die Ausreißversuche eingemischt hatte.

"Es ist schon witzig, dass Tadej das sagt. Es war ja ganz klar, dass UAE Tim Wellens in der Ausreißergruppe haben wollte. Sie haben genau dasselbe getan. Die Lösung wäre ganz einfach gewesen: Wenn Tadej einfach wieder in die Gruppe von Jonas zurückgefallen wäre, wäre das wirklich sportliches Verhalten gewesen. Jetzt beklagt er etwas, was nicht da war", so der Belgier.

Der kleine, aber feine Unterschied: Vingegaard ist Teamkollege von van Aert, Campenaerts und Jorgenson und nach Pogacars Meinung dürfte deren offensive Fahrweise in dieser Situation allen anderen signalisiert haben, dass es in Ordnung sei, Vollgas zu geben. Doch van Aert betonte: "25 Mann wollten in die Gruppe. Jeder, der in diesem Moment da vorne war, wollte das. Und auch wir wollten um den Etappensieg kämpfen."

Niermann übernimmt Verantwortung für Attacken

Rückendeckung bekam der Belgier von seinem Sportdirektor Grischa Niermann, der erklärte, er habe diese Taktik vorgegeben und übernehme dafür die volle Verantwortung. Er betonte aber auch, dass er die Situation richtig eingeschätzt habe und Vingegaard im Konvoi mühelos wieder zur Gruppe um Pogacar aufschließen konnte.

Van Aert ließ dann auch noch eine Bemerkung in Richtung Pogacar fallen, weil der mit seiner Verfolgungsarbeit dafür gesorgt habe, dass Jorgenson schließlich nicht zu den Ausreißern gehörte. "Vielleicht hatte Tadej nicht mitbekommen, dass Matteo am Vortag bereits eine halbe Stunde verloren hatte. Gut möglich. Vielleicht sollte ihm das jemand sagen", lachte der 30-Jährige.

Was nun wirklich richtig und was eher fragwürdig gewesen ist in der Phase nach dem Massensturz um Vingegaard, Lipowitz und auch den späteren Etappendritten Julian Alaphilippe (Tudor), der nach dem Sturz am längsten auf der Straße saß und schließlich doch noch zur Spitzengruppe gehörte, ist wahrscheinlich eine Frage, die sich objektiv überhaupt nicht beantworten lässt.

Sicher scheint nur: Die Psychospielchen zwischen den Teams UAE und Visma bei dieser 112. Frankreich-Rundfahrt, sie gehen auch bei 4:13 Minuten Vorsprung für Pogacar in der Gesamtwertung noch weiter.

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