Nach Wechsel zu Bahrain von den Fans beschimpft

Lenny Martinez: “Als hätte ich jemanden getötet!“

Von Matthias Seng

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Lenny Martinez (Bahrain Victorious) nach seinem Etappensieg bei Paris-Nizza | Foto: Cor Vos

14.03.2025  |  (rsn) – Mit seinem Etappensieg bei Paris-Nizza hat der Franzose Lenny Martinez bei seinen Landsleuten große Hoffnungen geweckt, dass ein heimischer Fahrer bei der Tour de France künftig wieder mit um das Podium wird kämpfen können. Doch der 21-Jährige musste nach seinem Wechsel von Groupama – FDJ zu Bahrain Victorious im vergangenen Winter nicht nur Kritik ertragen, sondern sah sich im Netz auch üblen Beschimpfungen ausgesetzt.

“Ich galt als der junge Franzose, der sich in einer französischen Mannschaft weiterentwickelte. Ein neuer Thibaut Pinot. Plötzlich ging dieser Typ ins Ausland. Sogar meine Familie wurde beleidigt. Als hätte ich jemanden getötet“, sagte Martinez gegenüber der Sportzeitung L’Equipe.

Viele Fans warfen dem Top-Talent vor, dem Lockruf des Geldes gefolgt zu sein. “Natürlich habe ich einen guten Vertrag. Aber ich habe irgendwo gelesen, dass ich 2,5 Millionen Euro im Jahr verdienen würde. Das ist völlig falsch“, sagte der in Andorra lebende Martinez, der bei Bahrain Victorious einen Dreijahresvertrag unterschrieben hatte. 

Nachdem ihm in seiner zweiten Profisaison mit immerhin fünf Siegen – seinen ersten bei den Profis hatte er bereits 2023 beim Eintagesrennen CIC - Mont Ventoux (1.Pro) gefeiert – der Durchbruch gelungen war, seien die Erwartungen regelrecht durch die Decke gegangen, berichtete nun sein Trainer Loic Segaert. “Wenn wir in Frankreich an einem Rennen teilnehmen, sind immer dreißig oder vierzig Leute am Bus, die Sprechchöre singen. ‘Lenny! Lenny! Lenny!‘ Man darf nicht unterschätzen, wie viel Druck die französischen Medien auf ihn ausüben. Die Anzahl der Interviewanfragen ist kaum zu zählen, und immer ist ein Kamerateam dabei, das ihn verfolgt“, so Segaert.

In diesem Zusammenhang habe sich Bahrain Victorious dazu entschieden, seinen Neuzugang überwiegend in Frankreich einzusetzen. “Unter anderem, um die französischen Herzen wieder zu erobern, bestreitet er nun ganz bewusst sein großes französisches Programm. Was nicht zwangsläufig gewesen sein, schließlich habe Martinez im vergangenen Jahr in Italien die Trofeo Laiguelia gewonnen und kurz darauf bei Strade Bianche Rang acht belegt.

Seine dritte Profisaison begann Martinez zwar in Spanien bei der Classica Comunitat Valenciana (1.1) und der Volta a la Comunitat Valenciana (2.Pro), doch danach ging es in die Heimat zur Classic Var (1.1), wo der gerade mal 168 Zentimeter große Kletterspezialist Achter wurde, und zur Tour des Alpes-Maritimes (2.1 / Gesamtdritter).

Nun gelang ihm bei Paris-Nizza der erste Sieg auf WorldTour-Niveau, nachdem er auf dem vierten Teilstück bereits Vierter geworden war. “Hoffentlich wird dadurch die Kritik an ihm endlich zum Schweigen gebracht“, sagte Segaert dazu.

Welche Rennen nach Paris-Nizza in Martinez‘ Kalender stehen, ist noch nicht bekannt. Fest steht aber, dass er sich beim Critérium du Dauphiné den letzten Schliff für seine zweite Tour de France holen wird.

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