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10.08.2023 | (rsn) – Mit der Startnummer 66 von 86 Fahrerinnen ging Chloe Dygert früh ins Rennen. Gut zwei Stunden später hatte die US-Amerikanerin daraus die eins gemacht. Nach 2019 in Harrogate feierte die 26-Jährige ihren zweiten Weltmeistertitel im Einzelzeitfahren der Frauen. Lediglich die Australierin Grace Brown konnte ihr dabei auf den Zahn fühlen und wurde mit sechs Sekunden Rückstand Zweite. Überraschend konnte Christina Schweinberger (+1:13) aus Österreich am Ende Bronze entgegennehmen.
Das Rennen im Rennen um den U23-Weltmeistertitel entschied Antonia Niedermaier für sich. Die 20-Jährige holte im zweiten Teil der 36,2 Kilometer langen Strecke rund um Stirling den zuvor kassierten Rückstand auf die Französin Cedrine Kerbaol und Julie De Wilde aus Belgien wieder auf und verwies ihre Konkurrentinnen mit 8 bzw. 40 Sekunden auf den Silber- und Bronzerang, während sie sich Gold sicherte.
Die Top-Favoritin auf den Titel der Elite dagegen beendete das Rennen nicht. Marlen Reusser hatte bereits an der ersten Zwischenzeit 30 Sekunden Rückstand auf Dygert und stieg vor der zweiten vom Rad. Zunächst wurde über Rückenschmerzen, resultierend aus ihrem Sturz in der Mixed-Staffel, spekuliert. Am Abend nannte die Schweizerin dann mentale Erschöpfung als Grund für ihren unvermuteten Ausstieg.
Doch auch Dygert war nicht ohne Sorgen in das Rennen gestartet. Zum Auftakt der Super-WM in Glasgow noch Weltmeisterin in der Einerverfolgung über 3000 Meter auf der Bahn geworden, konnte schon zwei Tage später in der Mannschaftsverfolgung krankheitsbedingt nicht mehr an ihr Limit. “Ich war wirklich besorgt“, sagte die neue Weltmeisterin, immer noch erkältet. “Wäre das Rennen gestern gewesen, wäre ich wohl nicht gestartet. Ich habe die letzten vier Tage zu Gott gebetet, dass ich heute okay sein werde. Ich bin nicht bei hundert Prozent, aber ich bin heute gestartet, um alles zu geben, was ich habe“, so die Zeitfahr-Spezialisten, die beim Team Canyon – SRAM unter Vertrag steht.
Während sich Brown eher über die am Ende knapp verpasste Chance ärgern dürfte, hatte sie von ihrem Maximal-Rückstand von einer halben Minute im Ziel fast wieder alles abgeknabbert, war Schweinberger mehr als zufrieden mit ihrem Auftritt. “Das kommt sehr unerwartet“, so die 26-Jährige, die vor lauter Aufregung bei der Siegerehrung auch erstmal bei den Offiziellen nachfragen musste, auf welche Seite sie sich denn zu stellen habe.
“Als ich heute Morgen aufgewacht bin, waren die Top 20 mein Ziel. Die Zeitfahren, die ich für gewöhnlich fahre, sind alle kürzer. Deswegen hatte ich einen Riesenrespekt vor der Strecke“, sagte Schweinberger nach dem längsten Kampf gegen die Uhr ihrer Karriere. “Nachdem ich 25 Kilometer gefahren war, wusste ich, dass es ein guter Tag wird. Meine Kraft ließ nicht nach, deswegen bin ich einfach weitergefahren.“
Ähnliche Glücksgefühle hegte auch die neue U23-Weltmeisterin. “Es bedeutet mir unglaublich viel, bei dieser WM ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Noch vor drei, vier Wochen hätte ich nicht gedacht, dass ich nach dem Sturz beim Giro so schnell zurückkommen könnte“, sagte die immer noch von dem bösen Sturz gekennzeichnete Niedermaier. “Ich bin umso glücklicher, dass ich heute hier stehen kann. Man durfte bei diesem Zeitfahren nicht überpacen, ich habe mir für die zweite Hälfte noch etwas übriggelassen."
In der Tageswertung reichte es für Niedermaier zu Platz elf. Mieke Kröger als zweite deutsche Starterin belegte den 18. Platz mit 3:07 Minuten Rückstand auf Dygert, zeitgleich mit U23-Bronze-Gewinnerin De Wilde. Kerbaol wurde Gesamt-13. Dazwischen sortierte sich noch die zweite Österreicherin, Anna Kiesenhofer, auf Rang 15 ein.
Schon früh am Tag mischten sich zwischen die Exotinnen aus Afghanistan, China oder Nigeria gestandene Profis aus der Womens WorldTour. Lotta Henttala (Finnland), Marta Lach (Polen) und auch Cecilie Uttrup Ludwig (Dänemark) gehörten zu den ersten der insgesamt 86 Fahrerinnen, die ins Rennen gingen.
Während erste Zwischenzeiten eintrudelten, machte sich auch schon Dygert auf die Strecke. Die 26-Jährige stellte zunächst klare Bestzeiten an den Zwischenzeiten auf. Die erste Zeit im Ziel setzte Henttala, die auf dem Weg hinauf zur Festung aber auch noch stürzte. Nach 53:23 Minuten blieb bei ihr die Uhr stehen.
Kurz bevor Niedermaier von der Rampe rollte und gemeinsam mit den direkt folgenden Kerbaol, De Wilde und Alessia Vigilia aus Italien den Kampf um den U23-Titel eröffnete, erreichte Dygert schon das Ziel. Auf 46:59 Minuten drückte sie die Bestzeit und legte damit ein Pfund vor – und einen Schnitt von 46,2 km/h.
An der ersten Zwischenzeit bot sich daraufhin folgendes Bild: Kerbaol kam mit 50 Sekunden hinter Dygert dort an, De Wilde mit genau einer Minute. Weitere drei Sekunden hatte dagegen Niedermaier kassiert. Schweinberger kam so nahe an Dygert heran wie lange keine. Nur 35 Sekunden kassierte sie nach 12,9 Kilometern.
Das Profil des WM-Zeitfahrens der Frauen. | Foto: Veranstalter
Spätestens als Tour-Siegerin Demi Vollering an der ersten Zwischenzeit eintraf und 41 Sekunden Rückstand auf Dygert hatte, war klar, dass die Zeit der US-Amerikanerin eine echte Hausnummer vorgegeben hatte. Als Reusser dort ebenfalls mehr als eine halbe Minute Rückstand hatte, war klar, wohin die Reise geht. Lediglich Brown konnte noch an Dygert heranreichen, 17 Sekunden betrug ihr Rückstand, mit dem sie Zweite war. Nachdem alle Fahrerinnen durch waren, stand auch für Henderson mit acht Sekunden mehr Platz drei fest.
Der zweite Messpunkt bei Kilometer 22,7 schien den gesetzten Kurs auf allen Ebenen fortzuführen. Dygert fuhr weiter in ihrer eigenen Liga, Brown als ärgste Konkurrentin hatte eine halbe Minute Rückstand. Für Niedermaier rückte U23-Gold weiter aus dem Sichtfeld. 17 Sekunden betrug ihr Abstand auf Kerbaol, allerdings nur noch eine Sekunde auf De Wilde. Der Kampf um den Elite-Titel erhielt derweil einen herben Rückschlag, denn eine Fahrerin erreichte die Zeitmessung nicht. Reusser stieg kurz vor der Zeitnahme kopfschüttelnd vom Rad und brach kurz darauf am Straßenrand in Tränen aus.
Waren die Frauen im ersten Teil der Strecke noch mit Rückenwind unterwegs, kam er im letzten Abschnitt von vorne. Und das machte sich bemerkbar. Dygert führte zwar weiterhin, doch schrumpfte ihr Vorsprung auf Brown nun beständig. Und auch Niedermaier hatte De Wilde jetzt überholt und nur noch drei Sekunden Rückstand auf Kerbaol. Bis ins Ziel waren es keine vier Kilometer mehr.
Die Entscheidung in beiden Wettbewerben wurde also ins steile Finale hinauf zur Festung von Stirling verlagert. Nach dem frühen Start von Dygert hatte sich gezeigt, dass einige ihrer Konkurrentinnen am Berg Zeit auf die Spezialistin fürs Flache gutmachten. Schweinberger holte acht Sekunden heraus. Henderson hielt den Abstand zur US-Amerikanerin zwar konstant, verlor damit aber auf die Österreicherin, die damit noch an ihr vorbei aufs Podium zog.
Und so machte es auch Niedermaier. Im Ziel hatte die Skibergsteigerin, die in ihrer Parallel-Sportart auch die Olympischen Winterspiele 2026 anpeilt, knapp acht Sekunden Vorsprung auf Kerbaol, 40 auf De Wilde. Brown hingegen konnte ihre 25 Sekunden Rückstand zwar auf sechs reduzieren, doch das bedeutete wie im vergangenen Jahr bereits WM-Silber.
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