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15.06.2022 | (rsn) – Die Möglichkeiten der direkten Tour de France-Vorbereitung sind in den letzten Jahren immer größer und vielfältiger geworden. Standen vor rund zehn Jahren – grob gesagt - Critérium du Dauphiné oder Tour de Suisse für die Kletterer und in erster Linie die ZLM Tour für die Sprinter im Programm, so verteilen sich die Protagonisten inzwischen deutlich breiter auf verschiedene Rennen. Für die schnellen Männer ist ein beliebter Weg zur Tour inzwischen der über die Baloise Belgium Tour (2.Pro).
So standen hier 2021 beispielsweise Caleb Ewan, Mark Cavendish, Tim Merlier, Giacomo Nizzolo und Dylan Groenewegen sowie Pascal Ackermann am Start – auch wenn die letzteren dann nicht zur Tour fuhren.
2022 steht die Startliste bei dem fünftägigen Event dem kaum nach: Jasper Philipsen (Alpecin – Fenix) und Fabio Jakobsen (Quick-Step – Alpha Vinyl), Sam Bennett (Bora – hansgrohe) sowie Mads Pedersen (Trek – Segafredo) holen sich in Belgien ihren Tour-Feinschliff und treffen auf den Mann der Stunde, Arnaud De Lie (Lotto Soudal), der aber in Frankreich im Juli fehlen wird, weil Lotto Soudal dort Ewan einsetzt.
Die schnellen Männer sollten auf den Etappen 2 und 5 in Knokke-Heist beziehungsweise Beringen zum Zug kommen. Doch die Baloise Belgium Tour ist alles andere als ein reines Sprinterrennen: Ein 11,8 Kilometer langes Einzelzeitfahren auf der 3. Etappe und zwei schwere Etappen über die Hellinge von Flandern und in den wallonischen Ardennen werden das Gesamtklassement formen – viel kompletter kann ein fünftägiges Rennen in einem Land ohne Hochgebirge kaum sein.
Neben den genannten Top-Sprintern geben sich daher auch einige bergfestere Fahrer in Belgien die Ehre – wenn auch keiner, der bei der Tour de France das Gesamtklassement anpeilt. Für diese Fahrer sind andere Rennen der bessere Weg in der Vorbereitung auf den Juli.
Die Favoriten auf den Rundfahrtsieg in Belgien sind eher Tim Wellens und seine Lotto Soudal-Teamkollegen Victor Campenaerts und Florian Vermeersch sowie das Quick-Step-Duo Yves Lampaert und Mauro Schmid. Eine wichtige Rolle spielen dürfte außerdem der Lüttich-Bastogne-Lüttich-Zweite Quinten Hermans (Intermarché – Wanty – Gobert). Interessant wird sein, wie gut sich Fahrer wie Pedersen und Max Walscheid (Cofidis) schlagen, die sich im Zeitfahren etwas Vorsprung erarbeiten könnten.
Die Strecke:
1. Etappe, 15. Juni: Merelbeke – Maarkedal, 165 km
Gleich beim Auftakt am Mittwoch wird Klassement gemacht werden. Von Merelbeke vor den Toren von Gent geht es in die flämischen Hügel hinein und über einige der berühmten Hellinge von Flandern-Rundfahrt und Co.: Leberg, Berendries, Elverenberg und Tenbosse stehen in der ersten Rennhälfte auf dem Programm, bevor es rund 80 Kilometer vor Schluss erstmals durchs Ziel in Maarkedal geht. Dort warten noch vier 20-Kilometer-Runden über die Fortstraat – eine Nebenstraße am Taaienberg – die Ellestraat und Berg Ten Houte.
2. Etappe, 16. Juni: Beveren – Knokke-Heist, 175,6 km
Der erste Tag für die Sprinter führt an die belgische Küste und ist beinahe topfeben. Wie schon am Mittwoch wartet auch am Donnerstag ein Rundkurs von etwa 20 Kilometern zum Abschluss, der diesmal aber nur zweimal gefahren werden muss – und genauso flach ist wie der Rest der Etappe, dafür aber gerade auf den letzten Kilometern sehr winklig. Höher als 20 Meter über dem Meer geht es nie hinaus.
3. Etappe, 17. Juni: Sherpenheuvel-Zichem – Averbode, 11,8 km (EZF)
Ganz, ganz leicht wellig geht es am dritten Tag auf dem Zeitfahrkurs dahin – aber auch hier sind die leichten Steigungen kaum spürbar. Entscheidender werden die Kurven sein: Zu Beginn zeichnet sich das Zeitfahren durch lange Geraden aus, doch etwa zur Rennmitte warten ein paar enge Richtungswechsel und vor allem die letzten zwei Kilometer haben es mit fünf 90-Grad-Ecken in sich.
4. Etappe, 18. Juni: Durbuy – Durbuy, 172,3 km
Die Königsetappe: In den Ardennen wird es steil und schmerzhaft für das Peloton. Rund um den Start- und Zielort Durbuy sind vier Runden auf einem 44 Kilometer langen Parcours zu absolvieren, der ganze sechs Steigungen beinhaltet – wobei vor allem das Finale brutal ist: Die Cote de Hermanne (2,2 km bei 5,8%), die Cote Grand Houmart (1 km bei 4,9%) und die Mur de Durbuy (1,2 km bei 6,2%), an deren Ende der Zielstrich liegt, warten allesamt auf den letzten zwölf Kilometern dieser Runden und somit auch der Etappe.
5. Etappe, 19. Juni: Gingelom – Beringen, 179,9 km
Zum Abschluss dürfen voraussichtlich nochmal die Sprinter glänzen. Die Schlussetappe führt in die Region Limburg, allerdings nicht in deren hügeligen Osten, sondern den flacheren Westen Limburgs. So ist vor allem die zweite Rennhälfte ähnlich flach wie die 2. Etappe. Rund um Beringen warten vier Runden auf einer 17-Kilometer-Schleife, die auch durch Jasper Philipsens Heimatort Ham führen. Das Finale in Beringen ist, abgesehen von einem Kreisverkehr kurz nach der 1.000-Meter-Marke, für eine Sprintankunft gemacht.
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