Eikings Plan ging um zwei Sekunden nicht auf

Arctic Race: Hermans diesmal mit dem Glück im Bunde

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Ben Hermans (Israel Start-Up Nation) | Foto: Cor Vos

09.08.2021  |  (rsn) – Vor sechs Jahren stand Ben Hermans schon einmal vor dem Gesamtsieg beim Arctic Race of Norway (2.Pro). Damals nahm der Belgier sieben Sekunden Vorsprung gegenüber dem Esten Rein Taaramäe mit auf die Schlussetappe. Doch wegen Materialpech im Finale fiel Hermans noch auf Platz sieben zurück.

Bei der diesjährigen Ausgabe der Rundfahrt befand sich der Kapitän der Israel Start-Up Nation in einer ähnlichen Ausgangssituation. Hermans musste das Gelbe Trikot bei der über hügeliges Terrain nach Harstad führenden Schlussetappe verteidigen. Diesmal betrug sein Vorsprung sogar nur vier Sekunden. Am Ende wurde es zwar noch mal eng, doch schließlich konnte er einen Vorsprung von zwei Sekunden gegenüber dem Norweger Odd Christian Eiking (Intermarché – Wanty Gobert) ins Ziel bringen und so seinen Frieden mit dem Arctic Race schließen.

“Das Glück war heute auf meiner Seite“, gab Hermans zu. Zunächst hatten er und seine Equipe taktisch alles richtig gemacht, ließ die Ausreißergruppe um Philipp Walsleben (Alpecin – Fenix) am langen Zügel, so dass diese es vor dem Feld ins Ziel schaffte und den Sieg sowie die Bonussekunden unter sich ausmachte. Somit war Eiking darauf angewiesen, Hermans im Rennen um mindestens vier Sekunden zu distanzieren. “Dass die Ausreißer vorne raus waren“, spielte uns in die Karten“, so der Routinier.

Bis auf die letzten 500 Meter fuhren die beiden Konkurrenten Seite an Seite, doch im bergaufführenden Finale attackierte der Norweger seinen Rivalen und konnte sogar eine kleine Lücke herausfahren. “Eikings explosivem Antritt hatte ich nichts entgegenzusetzen“, gab Hermans zu. Allerdings waren es nur zwei Sekunden statt der benötigten vier, die Eiking zwischen sich und den Spitzenreiter bringen konnte - zu wenig, um dem Spitzenreiter noch das Gelbe Trikot abzunehmen.

Fast wäre Eikings Plan aufgegangen

Auch wenn der Plan noch fast aufgegangen wäre, bereute Eiking nicht seine Taktik. “Ich habe den Feldsprint mit einem schönen Vorsprung gewonnen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich selbstbewusster hätte sein müssen und meine Teamkollegen hätte anweisen sollen, die Lücke zu den Ausreißern zu schließen“, sagte der Lokalmatador. “Wir hatten auf einen größeren Abstand zwischen Odd und Hermans gehofft, aber die Jury sagte uns, dass ihrer Ansicht nach nur zwei Sekunden gewesen wären. Rückblickend hätten wir aber dafür sorgen müssen, dass Odd die Möglichkeit auf die Zeitbonifikation gehabt hätte“, ergänzte Sportdirektor Frederik.

Dabei war zunächst auch Eikings Teamkollege Aimé De Gendt in der Spitzengruppe dabei. Intermarché sah den Belgier wohl als ernsthaften Anwärter auf den Tagessieg, weshalb man zögerte, die Gruppe zurückzuholen. Allerdings konnte De Gendt im Finale nicht mit Walsleben und Niki Terpstra (TotalEnergies) mithalten, die den Sieg unter sich ausmachten.

So stand Intermarché – Wanty Gobert nach starken vier Tagen mit leeren Händen da. “Das Rennen war so unglaublich spannend – und wieder einmal hatte es nicht den Ausgang, den wir uns gewünscht hatten“, spielte Eiking auch auf die Clasica San Sebastian an, wo er Siebter geworden war und sein viertplatzierter Teamkollege Lorenzo Rota kurz vor dem Ziel stürzte und so aller Podiumschancen beraubt wurde.

Diesmal war es jedoch kein Pech, sondern die falsche taktische Entscheidung, die Intermarché den großen Coup gekostet haben dürfte. “Ich habe mir den Sieg durch die Finger rutschen lassen“, meinte Eiking, um kämpferisch anzufügen: “Das gibt mir nur zusätzliche Motivation für die nächsten Rennen.“

Während Eiking weiter auf seinen ersten Rundfahrtsieg der Karriere warten muss, war es für Hermans bereits der vierte. “Ich bin mit dem Ziel Gesamtsieg hier angereist und werde mit nichts weniger zufrieden gewesen. Entsprechend glücklich bin ich über den Ausgang“, so der Arctic-Gewinner, der hofft, sich trotz seiner mittlerweile 35 Jahren mit diesem Erfolg für einen neuen Vertrag empfohlen zu haben. “Ich fahre jetzt seit 13 Jahren auf dem gleichen Niveau, weshalb sollte ich das nicht noch zwei oder vier weitere Jahre tun können. Ich hoffe, dass ich beim Team bleiben kann“, sagte Hermans.

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