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18.09.2020 | (rsn) - Michal Kwiatkowski (Ineos Grenadiers) war schon Weltmeister (2014), Mailand-Sanremo-Sieger (2017) und Gewinner zahlreicher kleinerer Mehretappenrennen wie etwa Tirreno-Adriatico (2018). Ein Etappensieg bei einer GrandTour fehlte dem mittlerweile 30 Jahre alten Polen bisher aber noch. Und das lag nicht an fehlender Klasse, sondern beruhte im Gegenteil gerade auf Kwiatkowskis überragenden Qualität als Allrounder und auf der Tatsache, dass er bei Ineos Grenadier unter Vertrag steht.
Kwiatkowski war vor allem bei der Tour de France immer dann zur Stelle, wenn die Teamkolleggen Chris Froome, Geraint Thomas und Egan Bernal erfolgreich um das Gelbe Trikot kämpften und konnte deshalb keine eigenen Ambitionen verfolgen. Als aber Vorjahressieger Bernal nach der 16. Etappe die Tour völlig entkräftet verlassen wurde, wurden beim Team die Karten neu gemischt. Und Kwiatkowski nutzte die Chance auf der 18. Tour-Etappe, als Ineos Grenadiers einen denkwürdigen Doppelsieg einfuhr.
Nach 175 Kilometern von Méribel nach La Roche-sur-Foron rollte er Arm in Arm mit Richard Carapaz über die Ziellinie, wobei zunächst kaum festzustellen war, wer denn nun der Tagessieger war, ehe kurz darauf das Ergebnis offiziell bestätigte: Michal Kwiatkowski hatte erstmals in seiner Karriere eine Etappe bei einer der drei großen Rundfahrten gewonnen.
“Ich habe den Sieg nie so früh vor der Ziellinie schon genießen könne. Wir wussten, dass wir es schaffen würden. Es waren so viele Leute um uns herum, die uns anfeuerten und auch im Teamradio wurde es ganz emotional. Ich hatte Gänsehaut den ganzen Weg runter vom letzten Berg. Wir wussten, wie hart wir dafür gearbeitet haben. Speziell die letzten Tage, als wir die Taktik geändert haben. Ich weiß nicht, ob es die Magie der Tour war oder die Art, wie wir gefahren sind. Wir haben eine richtige Show geliefert“, sprudelte es aus Kwiatkowski auf der Pressekonferenz heraus.
“Es war meine letzte Chance auf einen Etappensieg“
Dabei bestätigte er auch, dass ihm Carapaz aus Dankbarkeit den Sieg überlassen hatte. “Für Richard war die erste Aufgabe, Punkte fürs Bergtrikot zu sammeln. Als Hirschi stürzte, rückte das Ziel viel näher und wir wussten, dass er das Trikot holen würde. Er sagte dann, dass ich die Etappe haben kann unter einer Bedingung, nämlich, dass er das Bergtrikot in Paris holt“, berichtete der Tagessieger, auf den jetzt doch noch Arbeit zukommt, da Tadej Pogacar (UAE - Team Emirates) in der Sonderwertung nur zwei Punkte hinter Carapaz liegt. “Jetzt spreche ich viel vom Feiern, aber ich muss mir überlegen, wie ich mich am besten erhole und ihm helfen kann, das Bergtrikot zu verteidigen. Nun….shit“, fügte Kwiatkowski lachend an.
Der Coup von La Roche-sur-Foron war im Übrigen von langer Hand geplant. “Die letzten zwei Tage habe ich im Grupetto verbracht. Aber heute habe ich mir gesagt, dass ich in die Gruppe gehe, wenn schon ein paar meiner Teamkollegen drin sind. Ich wusste auch, dass es meine letzte Chance auf einen Etappensieg sein würde“, sagte Kwiatkowski, der gemeinsam mit Carapaz, Jonathan Castroviejo, und Dylan van Baarle eine vierköpfige Ineos-Fraktion in der Gruppe des Tages bildete. Zunächst sorgten van Baarle und Castroviejo für das Tempo, ehe sich Kwiatkowski in der schließlich nur noch vierköpfigen Gruppe, die sich nach einer Attacke von Hirschi gebildet hatte und zu der noch Pello Bilbao (Bahrain - McLaren) gehörte, vor Carapaz spannte.
Als der Giro-Sieger von 2019 erfolgreich den Angriff auf das Bergtrikot abgeschlossen hatte, nachdem Hirschi gestürzt war und Bilbao den Anschluss verloren hatte, teilte der Ecuadorianer seinem Teamkollegen mit, dass er ihm die Etappe überlassen würde.
“Ich bin stolz, dass wir geliefert haben“
Für Kwiatkowski war es die Anerkennung nicht nur für eine wieder solide Tour de France, sondern für jahrelange selbstlose Helferdienste. “Ich glaube, dass wenn man im großartigsten Radteam mit so großen Erwartungen fährt, geht es immer ums persönliche Gewinnen. Ich wollte für viele Jahre einfach im Siegerteam sein. Früher hieß das, Gelb zu holen“, sagte er und benannte dann den Unterschied: “Dieses Jahr bedeutete es, eine Etappe in der letzten Woche zu gewinnen. Wir wollen immer erfolgreich auf die Tour zurückblicken können. Ich bin stolz auf dieses Team, stolz, dass wir heute geliefert haben“, betonte er nach dem Tour-Doppelschlag, der übrigens bereits der fünfte in der Geschichte des britischen Rennstalls ist.
Bei der Tour de France 2012 gewann Bradley Wiggins die beiden Zeitfahren jeweils vor Chris Froome, im Jahr darauf holte sich Froome den Sieg auf der 8. Etappe vor Richie Porte, und auf der 10. Etappe der Tour 2015 lautete die Reihenfolge auf den Plätzen eins und erneut Froome vor Porte - Kunststücke, die keinem anderen Team bei der Frankreich-Rundfahrt der vergangenen zwölf Jahre gelangen.
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