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15.09.2020 | (rsn) - Mit einem Rückstand von 1:34 Minuten auf Primoz Roglic (Jumbo – Visma) und 54 Sekunden auf Tadej Pogacar (UEA - Team Emirates) ist Rigoberto Uran (EF Pro Cycling) bei der 107. Tour de France der erste Verfolger der beiden bislang überragenden Slowenen. 2017 landete der Kolumbianer schon einmal auf dem Podest des bedeutendsten Radrennens der Welt. Damals fehlten Uran als Gesamtzweitem gerade einmal 54 Sekunden auf Chris Froome. Nun bietet sich dem Mann aus Urrao im Norden Kolumbiens eine weitere große Chance auf das Tour-Podium.
"Das Wichtigste ist, dass ich mich gut fühle. Wir sind in einer guten Position und wissen, dass es zwei ganz starke Kontrahenten gibt", erklärte Uran am zweiten Ruhetag in seiner Videokonferenz. Eine Prognose auf das, was für ihn in den Alpen noch möglich ist, wollte der 33-Jährige aber nicht geben. "Ihr wisst, dass ich den Tagen und Ergebnissen nicht gerne voraus bin. Wir werden hart bis Paris weiterarbeiten und uns von Tag zu Tag neu konzentrieren", erklärte er den Journalisten.
Zwei schwere Bergetappen durch die Alpen stehen in der dritten Woche noch an, und Uran vermutet, dass es dabei noch Abstände im Gesamtklassement geben könnte. Im Gegensatz zu vielen der jüngeren Fahrer vertraut der erfahrene Kapitän von EF Pro Cycling aber nicht auf technische Hilfsgeräte, sondern vertraut auf sich und seinen Körper. "Aus Gewichtsgründen nehme ich in den Bergen gerne den Wattmesser ab. In der dritten Woche der Tour ist jeder am Limit und da sollte man sich nicht durch die angezeigten Werte durcheinanderbringen lassen", erklärte Uran.
"Ich habe eh bereits viel zu viele Informationen. Wir sammeln das ganze Jahr über Daten. Du kannst nicht immer nach Werten fahren, geht es um Sekunden, dann musst du auch einmal über dich hinaus wachsen und eine Überraschung abliefern", erläuterte der Südamerikaner.
Nach dem Vuelta-Crash 2019 drohte das Karriereende
Die Tour ist erst der dritte Renneinsatz von Uran in diesem Jahr. Vor der Corona-Pause startete er bei der Tour Colombia 2.1 in seiner Heimat, im August folgte die Dauphiné, die er nach unauffälligen Vorstellungen auf Rang 22 beendete und die sein Daniel Martinez gewann. Der 24-Jährige bezwang am Freitag am Puy Mary Lennard Kämna (Bora - hansgrohe) und bescherte EF den ersehnten Etappensieg bei dieser Tour.
Für Uran ist 2020 ist ein Comeback-Jahr, nachdem er sich auf der 6. Etappe der Vuelta a Espana 2019 bei einem Massencrash involviert mehrere Knochenbrüche zuzog und sich am linken Lungenflügel verletzte.
"Nach einer siebenstündigen Operation hat der Doktor meiner Familie gesagt, dass das Puzzle jetzt wieder komplett sei", blickte der Gesamtdritte der Tour 2020 zurück.
Sogar ein vorzeitiges Karriereende stand im Raum: "Letztes Jahr wollte ich mit dem Radsport aufhören. Es war aber hart, denn ich trainiere gerne und es war schwierig die große Leidenschaft zu beenden. Deshalb habe ich meiner Frau und meiner Mutter gesagt, dass ich weiterfahren werde", erinnerte sich Uran, der über seine Entscheidung froh ist: "Es macht mich sehr glücklich, wieder mit den Besten der Welt auf dem Berg zu sein. Nach so vielen Jahren als Profi machst du das schon aus Leidenschaft."
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