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27.05.2011 | (rsn) – Nach der turbulenten 3. Etappe der Bayern-Rundfahrt kommen nur noch neun Fahrer für den Gesamtsieg in Frage. Auf dem 180 Kilometer langen Abschnitt von Bad Gögging nach Aichach mussten viele der Favoriten eine schwere Schlappe einstecken – allen voran der Schweizer Fabian Cancellara, der wohl den Gesamtsieg vergab, und sein favorisiertes Leopard-Trek-Team. Obwohl drei Fahrer – neben Cancallara noch der Freiburger Fabian Wegmann und der Australier Stuart O’Grady – in der zwischenzeitlich rund 40-köpfigen Spitzengruppe dabei waren, hatten die Leoparden letztlich nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun.
Der viermalige Zeitfahrweltmeister kam mit der abgehängten ersten großen Verfolgergruppe ins Ziel und kann auf der entscheidenden 4. Etappe am Samstag in seiner Paradedisziplin zwar noch den Sieg einfahren. Im Kampf um das Gelbe Trikot spielt Cancellara allerdings keine Rolle mehr – ebenso wie etwa der Norweger Edvald Boasson Hagen, der bisherige Gesamtführende, dessen Teamkollege Bradley Wiggings (Sky) oder der letztjährige Zweite, der Italiener Adriano Malori (Lampre-ISD).
Tagessieger und neuer Träger des Gelben Trikots ist Michael Albasini (HTC-Highroad). Der 30 Jahre alte Schweizer setzte sich nach 180 schweren Kilometern von Bad Gögging nach Aichach im Sprint einer neun Fahrer starken Spitzengruppe vor dem Briten Geraint Thomas (Sky) und dem Australier Wesley Sulzberger (FDJ) durch. Dahinter folgten der Franzose Blel Kadri Ag2R), Fünfter wurde der Dänische Meister Nicki Sörensen (Saxo Bank-SunGard) vor den beiden Deutschen Andreas Klier (Garmin-Cervélo) und Johannes Fröhlinger (Skil-Shimano). Auf den Plätzen acht und neun landeten der Belgier Pieter Serry (Topsport-Vlaanderen) und der Franzose Thibaut Pinot (FDJ).
„Ende gut, alles gut. Klar war es hart am Schluss. Ich hab’s auch ein bisschen mit der Brechstange probiert. Aber wenn man gewinnt, ist das schnell vergessen. Eine Runde vor Schluss hab ich es mal alleine versucht. Ich habe gedacht, wenn sich nicht zwei finden, die nachfahren, könnte es klappen, auch um ein bisschen einen Vorsprung fürs Zeitfahren zu haben. Aber da die Franzosen zu zweit waren, haben sie das Loch immer wieder zugefahren“, kommentierte Albasini im Ziel das Finale. Am Schluss gab’s dann den Sprint und ich hatte noch die meisten Körner.“
„Das Minimalziel war ein Etappensieg – jetzt haben wir zwei und das Gelbe Trikot“, ergänzte Albasinis Sportlicher Leiter Jan Schaffrath. „Es wird unheimlich schwer, das Gelbe Trikot morgen zu verteidigen, denn Geraint Thomas und Nicki Sörensen sind unheimlich stark im Zeitfahren. Wenn ein Podiumsplatz dabei herausspringt, sind wir schon hoch zufrieden.“
„Es war so unglaublich kalt“, sagte der noch lange nach dem Rennen bibbernde Thomas. „Die Etappe war wirklich schwer, mit harten Anstiegen und es wurde sehr aggressiv gefahren. Ich wusste, dass ich im Sprint ganz gut bin, aber durch die Kälte und die Müdigkeit war nicht mehr drin. Es war ein verdienter Sieg für Michael. Morgen werde ich alles geben und versuchen in der Gesamtwertung ganz vorne zu sein und dann sehen wir, was dabei heraus kommt.“
Als die 120 Fahrer sich in Bad Gögging um 11 Uhr morgens auf den Weg machten, begleitete sie noch ein Mix aus Wolken und Sonne. Bei hohem Tempo folgte zunächst Attacke auf Attacke, doch es dauerte bis zum Kilometer 45, bis sich mit dem Belgier Pieter Serry (Topsport Vlaanderen) und dem Franzosen Tony Hurel (Europcar) zwei Fahrer absetzen konnten. Bis zur 1. Bergwertung (1. Kategorie) in Eichstätt hatte das Duo rund fünf Minuten an Vorsprung herausgefahren. Im bis zu 20 Prozent steilen Anstieg sicherte sich Serry die Maximalpunktzahl vor dem bereits mit Abstand folgenden Hurel, während dahinter das Feld auseinander brach.
Rund um das Gelbe Trikot machte sich eine rund 40 Fahrer starke Gruppe auf die Verfolgung der beiden Ausreißer, die sich noch über die zweite Bergwertung (1. Kat.) retteten. Kurz danach wurde zunächst Hurel gestellt, nach gut 90 Kilometern verschwand Serry, der auch die zweite Bergwertung für sich entschieden hatte, in der Verfolgergruppe.
Doch der 22-Jährige zeigte großen Kampfgeist und war auch dabei, als sich bei mittlerweile strömendem Regen, teils böigem Wind und immer weiter sinkenden Temperaturen – im Ziel wurden nur noch elf Grad gemessen - nach der zweiten Sprintwertung 60 Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe nochmals elf Fahrer lösten. Schnell fuhren die Ausreißer einen zweiminütigen Vorsprung heraus. Noch bevor es auf die beiden Zielrunden nach Aichach ging, war klar, dass der Tagessieger und neue Träger des Gelben Trikots aus der Spitzengruppe kommen würden. Den Rundkurs nahmen nur noch neun Fahrer gemeinsam in Angriff, nachdem der Fuldaer Dirk Müller (Nutrixxion) und der Schweizer David Loosli (Lampre-ISD) zurückgefallen waren.
Albasini war im Finale der aktivste Fahrer, attackierte eingangs der letzten Runde, trat auch im Zielsprint früh an und fuhr einen ungefährdeten Sieg ein. Mehr als fünf Minuten dahinter kam das erste Feld mit den geschlagenen Leopard-Fahrern ins Ziel. Die Pleite vollkommen machte die Disqualifikation O’Gradys, der von der Rennleitung wegen Haltens am Fahrzeug aus dem Rennen genommen wurde.
In das morgige Zeitfahren nimmt Albasini je sieben Sekunden Vorsprung auf Thomas und Sulzberger mit. Fröhlinger, Klier und Sörensen folgen mit den 12 Sekunden Rückstand auf den Plätzen vier bis sechs.
In der Bergwertung verdrängte Serry den Aachener Matthias Bertling (Eddy Merkx-Indeland) von der Spitze. Er hat jetzt zehn Zähler auf seinem Konto, zwei mehr als Bertling. Wegmann folgt punktgleich auf Rang drei. Serry eroberte zudem das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. „Mein sportlicher Leiter sagte mir, dass ich heute das Bergtrikot holen könnte und deshalb habe ich attackiert“, sagte Serry im Ziel. „Es hat geklappt, ich bin mit einem Europcar-Fahrer aufgebrochen und es war eigentlich relativ leicht, das Trikot zu holen. Das Wetter war schlecht, aber meine Beine waren richtig gut und ich wurde sogar Achter – damit bin ich wirklich zufrieden.“
Neuer Führender in der Punktewertung ist der Franzose Maxime Bouet (Ag2R), der nach der 1. Etappe das Bergtrikot getragen hatte.
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