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10.09.2008 | Nur geringfügige Verschiebungen in der Ü35-Wertung auf dem 10. Abschnitt der Spanienrundfahrt. Schade eigentlich, dass Sebastien Hinault nicht ein paar Monate früher zur Welt gekommen ist. Dann wäre der gestrige Tagessieger auch ein Mann fürs Graue Trikot. So hat ein anderer Senior die dicksten Schlagzeilen geliefert.
Lance Armstrong schockte die Radsportwelt mit der Androhung, er wolle die Tour 2009 bestreiten. Und gewinnen, ist ja klar. Er ist das nun mal so gewohnt. Die Journalisten haben leider nicht genau nachgefragt, was er denn bei der Tour 2009 gewinnen möchte. Sympathien? Einen Rechtsstreit mit irgendeinem Fahrer, der ihm mal den Stinkefinger gezeigt hat? Oder einen Blumentopf? Oder am Ende doch die Trophäe, die ihm noch fehlt - das Graue Trikot?
Da müsste sich der diesjährige Sieger, Stéphane Goubert, aber warm anziehen. Es gibt diese Tage. Man ahnt nichts böses, denkt: "Och, die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern. Das wird ein schöner Tag." Dann geht man zum Postkasten, nimmt ein paar Briefe heraus, und plötzlich wird einem heiß und kalt. "Mahnung" schreien einen grelle Lettern auf dem Umschlag an. Aufmachern, lesen. "Ach ja. Der Vermieter der Wohnung, aus der wir schon vor drei Jahren ausgezogen sind, verlangt ja noch Heiz- und Stromkosten für volle zwei Jahre zurück. Malediven-Urlaub adé."
So ging es mir, als ich gestern am späten Abend Radsport News besuchte und von des Lenzens Comeback las. Das darf doch nicht wahr sein. Jetzt geht das wieder los. All die Armstrong-Krankheiten, an denen der Radsport sieben verflixte Jahre lang litt, brechen wieder aus. Da wäre das Simeoni-Syndrom: Sobald ein noch so namenloses Helferli dem Amerikaner (oder einem seiner Kumpels) etwas Böses in einer Doping-Untersuchung nachsagt, darf der nicht mehr ausreißen, wenn der Lance im Feld dabei ist. Schon gar nicht auf dem Champs Elysees.
Noch öder das Klöden-Syndrom: Die Etappensiege in den Bergen verteilt der Lance dann immer noch selbst, liebe Hilde. Oder das Hollywood-Syndrom: Wenn den Lance der Hafer sticht und es ihm alles viel zu leicht geht, mimt er 'nen Hungerast, kämpft vermeintlich um den Anschluss, um dann am Schlussaufstieg allen davon zu fahren. Läuft es anders herum mal nicht so optimal, wird eine schleifende Bremse erfunden. Lästig ist auch das Bestseller-Syndrom: Pünktlich zur Tour de France wird künftig wieder eine Welle von Buchveröffentlichungen auf die Radsportwelt zurollen. Es gibt ja bestimmt noch etliche Jung-Autoren, die meinen, genau zu wissen, was Herr Armstrong so alles vor und nach den Rennen treibt. Auf die nächsten Räuberpistolen bin ich schon mächtig gespannt.
Und dann gibt es ja auch die alljährlichen Armstrong-Biografien. Die nächste soll "Der Blechtrommler" heißen. Herrlich. Dann wäre da noch das Glamour-Syndrom. Mit Sherry Kraul, pardon, Sheryl Crow hat es ja nicht so gut geklappt. Also wird Lance mit einem anderen Pfau an seiner Seite bei der Tour auftauchen. Es gibt da auch schon Gerüchte. Amy Winehouse soll seit der Comeback-Ankündigung ständig an Lances Seite 'rumschleichen. Freunde haben Amy erzählt, bei der Tour gebe es mehr Drogen, als sie in zehn Jahren verdrücken könne. Das hat die Winehouse vielleicht als Herausforderung verstanden. Nun wittert sie die Chance ihres "Lebens", endlich als Groupie zur Tour kommen zu dürfen.
Alles Spaß, versteht sich. Und absoluter Quatsch. Ich lehne mich jetzt mal wieder ganz weit aus dem Fenster. Des Lenzens Wiederkehr ist ein Riesen-PR-Gang. Der ist über den Zenit, übergewichtig, überaltert, überholt und überhaupt außer Form. Der wird seine Verpflegung nicht vom Mannschaftswagen sondern von "Essen auf Rädern" beziehen müssen. Aber vielleicht hat Team Kukident ja noch einen Platz für ihn frei. Kurzum: Der gewinnt keine Tour mehr. Aber vielleicht tatsächlich das Graue Trikot. Dafür sollte er sich auch eine standesgemäße Begleiterin aussuchen. Wie wäre es mit Uschi Glas? Oder Katja Epstein? Oder - um sich doch noch in die Herzen der Franzosen zu schleimen - Mireille Mathieu? Und wenn es der Lance doch ernst meinen sollte, dann, liebe Fans, haltet Eure Einkaufstaschen gut fest, wenn ihr in den Pyrenäen unterwegs seid, schafft Platz im Bücherregal, und seht Euch vor, was Ihr sagt, wenn der Amerikaner in der Nähe ist.
SN-Wertung Graues Trikot:
1. Tintin Rebellin
2. Chechu Rubiera + 7:01
3. Inigo Cuesta + 12:45
4. Ete Zabel + 36:50
5. Jose-Luis Arrieta + 43:20
6. Michi Blaudzun + 43:34
7. Bingen Fernandez + 59:09
8. Txente Garcia Acosta + 1:09:40
9. Gorazd Stangelj + 1:16:18
Etappensiege "Grau": Tintin (4), Ete (3), Blaudzun (1), Rubiera (1)
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