RSNplusOmloop van het Hageland im Porträt

Belgischer wird´s nicht: Der kleinste Akt des Openingsweekends

Von Kerstin Börß

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Der elf Meter hohe Vlooybergturm, die “Treppe zum Himmel“ von Tielt-Winge, liegt nicht weit von der Strecke auf den letzten Kilometern des Rundkurses entfernt. | Foto: Kerstin Börß

25.02.2026  |  (rsn) - Eine Treppe, die ins Nichts führt, fordernde "klimmetjes“ (kurze Anstiege) und immer wieder Marta Bastianelli: So lässt sich der Omloop van het Hageland (1.1) in aller Kürze beschreiben. Die schwebende Stahltreppe ist ein touristisches Highlight im Hageland und spielt eine prominente Rolle bei der TV-Übertragung des Rennens, das den wohl unbekanntesten Teil des Openingsweekends bildet – vor allem über belgische Grenzen hinaus. Ein Frauenrennen mit viel Herzblut auf Veranstalterseite, das aber 2024 bereits vor dem Aus stand und sich heute im Wandel befindet.

Während am Samstag beim großen Omloop Nieuwsblad die Teams im 't Kuipke, dem rappelvollen Velodrom von Gent, begrüßt werden, und die Männer tags drauf im Herzen von Kortrijk für Kuurne-Brüssel-Kuurne auch noch recht viel Getose erleben, geht es am Sonntag 140 Kilometer weiter östlich in Aarschot ruhiger zu.

Der Startpunkt des Omloop van het Hageland ist das Café Knoet in der Kleinstadt nordöstlich von Brüssel, in der Hügellandschaft von Flämisch-Brabant. Normalerweise treffen sich hier sonntags vor dem roten Backsteinhaus Leute aus der Region mit ihren Rädern für gemeinsame Ausfahrten. An diesem speziellen Sonntag aber steht auf einer Bühne vor dem Café die internationale Rad-Elite. ___STEADY_PAYWALL___

Belgisches Bier und Fachwissen

Auch die Gegend rund um die Zielpassage in Tielt-Winge wirkt auf den ersten Blick verschlafen. Ein Brotautomat am Straßenrand ist dort sonntags die einzige Möglichkeit, sich zu stärken. Doch sobald am Renntag die Klappstühle aus den Häusern getragen und an die Strecke gestellt werden, ändert sich die Stimmung. Vielleicht huscht die eine oder der andere noch schnell in den Festsaal von Tielt-Winge. Die ehemalige Scheune ist normalerweise der Proberaum des lokalen Harmonieorchesters, am Omloop-Tag gibt es hier gezapftes belgisches Bier und Bildschirme an der Wand, die das Renngeschehen zeigen.

Das Peloton am Marktplatz von Aarschot kurz nach dem Start 2025. | Foto: Cor Vos

Auf den Klappstühlen am Streckenrand wird schon gefachsimpelt: Wird es zum Massensprint kommen, wird es eine Ausreißerin schaffen? In der Gemeinde, wo einst Eddy Merckx auf die Welt kam, kennt man sich aus mit Radsport. Im Jahr 2005 rief das lokale Team ein Rennen für Radsportlerinnen ins Leben. Heute gehört dieses Event fest zum belgischen Openingsweekend – einen Tag nach dem großen Omloop Nieuwsblad, welcher seit 2006 eine Ausgabe für Frauen hat.

Sprinterin, Puncheurin, Rouleurin – ein Omloop für alle

Marta Bastianelli ist mit drei Erfolgen Rekordsiegerin in Tielt-Winge. Die Weltmeisterin von 2007 gewann das Rennen in den Jahren 2016, 2019 und 2022. Außerdem wurde die Italienerin zweimal Zweite. Von den aktiven Fahrerinnen war bisher Lorena Wiebes am erfolgreichsten – zwei Siege bei den Ausgaben 2020 und 2023. Wer bei den Namen vermutet, dass der Sonntags-Omloop immerzu in Sprints entschieden wird, liegt allerdings falsch. Mit einem Mix aus kurzen, punchy Anstiegen und Kopfsteinpflasterpassagen spricht das Rennen Fahrerinnen mit unterschiedlichen Profilen an.

Der Roeselberg (1,3 km, 4%) und das Kopfsteinpflaster der Kerkstraat sind die Schlüsselorte. "Klimmetjes", die schon große Radsport-Momente kreierten. 2018 zog die damals 20-jährige Liane Lippert am Roeselberg das Tempo an – mit ihrer Team-Sunweb-Kollegin Ellen van Dijk im Schlepptau. Das Duo setzte sich ab, van Dijk attackierte über die Kuppe und fuhr mit all ihren Zeitfahrkünsten die letzten knapp acht Kilometer solo ins Ziel. Das erreichte die Niederländerin mit zwölf Sekunden vor dem ausgedünnten Peloton. Kristen Faulkner gewann 2024, fünf Monate vor ihrem Olympiasieg in Paris, sogar mit einem Solo von über 50 Kilometern.

Rekordsiegerin im Hageland: Marta Bastianelli (Mitte) gewann das Rennen drei Mal – zuletzt 2022 vor Emma Norsgaard (links) und Floortje Mackaij (rechts). | Foto: Cor Vos

Eine deutsche Siegerin gab es in der über 20-jährigen Historie des Rennens noch nicht. Die beste Platzierung fuhr 2008 Birgit Söllner als Zweitplatzierte ein. Deutsche Fahrerinnen waren aber immer wieder entscheidende Helferinnen. Während Lippert vor acht Jahren van Dijks Sieg vorbereitete, war Romy Kasper im Jahr 2020 Lorena Wiebes’ wichtigste Teamkollegin - damals noch für Parkhotel Valkenburg.

Das Aus war schon verkündet

Trotz der für ein Frauenrennen doch recht großen Historie sah es im Sommer 2024 so aus, als würde Faulkner die letzte Siegerin von Tielt-Winge bleiben. Der Omloop stand vor dem Aus. Wichtige Personen des lokalen Radteams (Cycling Team Tilt) waren aus der Organisation ausgestiegen. Im Juni 2024 verkündeten sie in einer Pressemitteilung das Ende des Rennens.

Doch es kam Hilfe aus der belgischen Radsportwelt. Die Roodhooft-Brüder, bekannt als Köpfe der World-Tour-Teams um Mathieu van der Poel und Puck Pieterse, ergriffen die Initiative. "Wir wollten auf keinen Fall, dass ein internationales Frauenrennen aus dieser Region verschwindet", erklärte Philip Roodhooft im Januar 2025 auf der Website des Rennens. Deshalb boten die Roodhoofts ihre Unterstützung an: logistisch, organisatorisch und finanziell. Mit ihrem Verein D.O.S. veranstalten sie nun seit 2025 in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Tielt-Winge das Rennen.

Die Szenerie in Tielt-Winge am Zielstrich 2023 – rustikales, belgisches Radsport-Flair. | Foto: Kerstin Börß

Mit dem neuen Wind kam auch ein neuer Name. Offiziell handelt es sich heute um den Fenix-Ekoï Omloop van het Hageland. Lange Namen sind in der Geschichte des Rennens nichts Ungewöhnliches. Noch 2024 hieß das Rennen Craywinckelhof Omloop van het Hageland. Neu ist allerdings die Größe der Namensgeber und ihre Nähe zum Radsport. Während sich zuletzt mit dem Craywinckelhof eine Familienbrauerei aus der Region engagierte, sind es nun die französische Radsportausrüstungsmarke Ekoï und die italienische Inneneinrichtungsfirma Fenix, die auch Hauptsponsor im Rennstall der Roodhooft-Brüder ist.

Ein Rennen mit Zukunft

Aus einem abgesagten Rennen ist in kurzer Zeit eines mit Zukunft geworden – und das in doppelter Hinsicht. Neben der Sicherheit durch neue Organisation und Sponsoren gibt es auch einen neuen Fokus auf belgischen Radsport-Nachwuchs. Internationale Top-Fahrerinnen der WorldTour sind weiterhin am Start, hinzu kommen seit diesem Jahr Startplätze für vier belgische Klub-Teams.

Entscheidender Streckenpunkt: Der Kopfsteinpflasteranstieg in der Kerkstraat aus Molenbeek-Wersbeek hinaus. | Foto: Cor Vos

Für die Strecke ist seit 2025 Dieter Clerx verantwortlich – ebenfalls ein Mann aus dem Roodhooft-Kosmos. Er setzt mit dem Roeselberg und der Kerkstraat auf die bekannten Highlights, bringt sie mit nun fünf lokalen Runden sogar noch mehr ins Rampenlicht. In diesem Jahr gibt es zudem einen Neuzugang am Streckenrand: die Basilika von Scherpenheuvel mit ihrer großen Kuppel. 

Durch einen Extra-Loop ist der Ort mit dem barocken Prachtbau nun Teil des Rennens. Für die Fahrerinnen im Rennmodus ist das keine wichtige Neuigkeit. Anders sieht das für die schwebende Treppe von Tielt-Winge aus, die aufgrund der neuen Konkurrenz wahrscheinlich etwas weniger Bildschirmzeit bekommen wird.

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