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01.02.2026 | (rsn) – Mit einer ähnlich souveränen Darbietung, mit der er vor Wochenfrist den Gesamtweltcup in Hoogerheide gewann, ist Mathieu van der Poel im niederländischen Hulst zum vierten Mal in Folge Cross-Weltmeister geworden. Dieses Kunststück gelang zuletzt dem Schweizer Albert Zweifel, der von 1976 bis 1979 in Folge erfolgreich bei Welttitelkämpfen war. Ähnlich der Regelmäßigkeit, mit der der Niederländer die Rennen des Crosswinters dominierte, zog er auch auf dem anspruchsvollen WM-Kurs seine Runden, um die Konkurrenz nach Belieben zu dominieren.
Nach einem Viertel der Renndistanz hatte sich der neue Weltmeister bereits von Tibor del Grosso und Thibau Nys absetzen können und überquerte mit einem Vorsprung von 35 Sekunden auf seinen Landsmann die Ziellinie. Neun Sekunden hinter Del Grosso musste sich nach langem Kampf um die Silbermedaille der Belgier Nys mit Platz drei zufriedengeben. Aus einer zersplitterten Verfolgergruppe, die über den gesamten Rennverlauf der Spitze chancenlos hinterherfuhr, sicherte sich Joris Nieuwenhuis (+0:55) im Sprint Platz vier vor dem “Überraschungs-Italiener“ Filippo Fontana (+0:55).
Mit dem erneuten Titelgewinn katapultierte sich der alte und neue Weltmeister nun endgültig an die Spitze der Cross-Historie – und zog mit seiner Landsfrau Marianne Vos gleich, die ebenfalls acht Mal im Gelände Weltmeisterin wurde. Er darf sich nun als alleiniger Spitzenreiter vor dem Belgier Erik De Vlaeminck bezeichnen, der sich das Regenbogentrikot sieben Mal überstreifen konnte. Entsprechend gelöst präsentierte er sich nur wenige Minuten nach seinem Triumph im Ziel-Interview.
“Das ist schon sehr speziell“, fasste er seine Emotionen zusammen. “Als ich mit Cross angefangen habe, war es mein Ziel, einmal Weltmeister in der Elite zu werden“, erinnerte er sich. “Nun die meisten Titel aller Zeiten errungen zu haben, ist einfach unglaublich.“ Auf seine Siegespose à la Ronaldo angesprochen, meinte er schmunzelnd: “Ich hatte mir im Vorfeld verschiedene Dinge für diesen besonderen Jubel überlegt und dann entschieden, dass der “Ronaldo Move“ für mich in diesem Moment der richtige wäre.“
Die Aussage, dass er sich am letzten Weltcup-Wochenende besser gefühlt habe, dürfte die Konkurrenz noch mehr frustrieren als seine sportliche Überlegenheit. “Auch wenn ich heute den besten Tag des Jahres haben wollte, fühlte ich mich letztes Wochenende noch etwas stärker. Der Kurs war komplett anders, aber ich habe trotzdem alles versucht, so gut wie möglich durchzuziehen“, schloss er recht sachlich seine Analyse des Rennens ab.
German Cycling wurde durch den Deutschen Meister Marcel Meisen sowie Fabian Eder im Elite-Rennen vertreten. Ob Meisen seine kurzfristige Entscheidung, doch bei der WM zu starten, im Nachhinein bereut hat, war kurz nach Rennende noch unklar. Mit einem Rückstand von 4:28 Minuten auf den Sieger belegte er Platz 26. Acht Sekunden und einen Rang vor ihm kam Eder ins Ziel. Als bestplatzierter deutschsprachiger Fahrer verfehlte der Schweizer Kevin Kuhn (+1:44) als Elfter die Top-Ten nur knapp.
Aufgrund einer Viruserkrankung in der belgischen Mannschaft, kristallisierte sich schon vor Rennbeginn heraus, dass die Hauptkonkurrenz für Top-Favorit van der Poel aus den eigenen Reihen kommen könnte. So waren es auch die Niederländer, die am besten aus den Startlöchern fanden und mit Del Grosso und van der Poel durch die ersten Kurven des Kurses surften. Unmittelbar dahinter Mit-Favorit Nys gefolgt von seinen Landsleuten Vandeputte, Vanthourenhout und Toon Arts.
Del Grosso für seinen Kapitän van der Poel, so schien die Taktik der Oranjes schon nach wenigen Minuten zu lauten. Die beiden Profis von Alpecin - Deceuninck beendeten nur noch mit Nys am Hinterrad die Auftaktrunde, dahinter folgte eine Verfolgergruppe von etwa 20 Fahrern mit einer Lücke von 20 Sekunden. Fortan wurde Nys von seinen zwei Kontrahenten ins Sandwich genommen, wobei van der Poel versuchte, sich Meter um Meter an der Spitze davonzuschleichen.
Wie schon so häufig in diesem Winter mit Erfolg. Zu Beginn der dritten Runde hatte der kompletteste Crosser seiner Zeit bereits eine Lücke von elf Sekunden herausgefahren. Das Schaulaufen des 31-Jährigen vor dem Heimatpublikum konnte beginnen, da Landsmann Del Grosso dahinter keinerlei Interesse daran hatte, Nys bei der Verfolgung van der Poels zu unterstützen. Mit einem “Sicherheitsabstand“ von fünf Metern hinter dem Belgier kontrollierte Del Grosso nunmehr die Situation. Nach vorne wurde der Abstand immer größer und hinter dem Verfolgerduo tat sich bei Rennhälfte schon eine Lücke von 30 Sekunden zur nächsten Gruppe auf. Diese schien zu diesem Zeitpunkt schon raus aus dem Rennen um die Podiumsplätze und nur noch um die Holzmedaille zu kämpfen.
Mit einer beeindruckenden Konstanz und einer Durchschnittgeschwindigkeit von 26,5 km/h zog van der Poel wie auf Schienen im weiteren Rennverlauf seine Runden – während sich Del Grosso, angesichts des zwischenzeitlichen Rückstands von 30 Sekunden auf seinen Teamkollegen dazu entschied, immer mal wieder die Führungsarbeit von Nys zu übernehmen. Mehr als eine Alibiführung konnte man seine Moves aber nicht bezeichnen.
Auch ein Radwechsel des Spitzenreiters in Runde fünf änderte nichts an dem stetig wachsenden Vorsprung, den sich van der Poel Runde für Runde erarbeitete. Zu Beginn des letzten Renndrittels blieb die Uhr bei 44 Sekunden Abstand zu Del Grosso und Nys stehen, der seinen Begleiter immer wieder aufforderte, sich an der Verfolgung zu beteiligen. Mittlerweile schien Del Grosso vermehrt Probleme mit dem unteren Rücken zu bekommen und musste in Folge dessen auf der vorletzten Runde Nys im Kampf um Platz zwei ein wenig ziehen lassen.
Auch als es zehn Minuten vor dem Finale anfing leicht zu regnen, entschied sich keiner der Fahrer noch das Rad zu wechseln. Während van der Poel die achte und letzte Runde schon als Ehrenrunde auf dem Weg zum Titel genießen konnte, hatte sich Del Grosso wieder gefangen. Als die Glocke für die finalen 3,2 Kilometer läutete, nahm der 22-jährige Niederländer sein Herz nochmals in beide Hände. Er attackierte Nys im letzten steilen Anstieg und konnte mit diesem Antritt noch die entscheidende Lücke zum Gewinn der Silbermedaille reißen.
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