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01.02.2026 | (rsn) – Am Freitag beginnen im niederländischen Hulst mit dem Team Relay die Cyclocross-Weltmeisterschaften (30. Januar - 1. Februar). Am Sonntag kulminiert das Event im Eliterennen der Männer, in dem Mathieu van der Poel vor heimischer Kulisse seinen achten Titel gewinnen will. Damit würde er den Belgier Erik de Vlaeminck hinter sich lassen und zum alleinigen Rekordhalter avancieren. Dass dieser Fall eintreten wird, bezweifelt kaum jemand. Mit mehr Spannung darf in den anderen Kategorien gerechnet werden.
Die Niederländer könnten schon am Freitag zum ersten Mal jubeln. Beim oft verpönten Staffelrennen ist im Gegensatz zum Vorjahr ein Oranje-Team dabei. Das ist mit der Juniorin Isis Versluis, U23-Fahrerin Leonie Bentveld, der Elite-Frau Shirin van Anrooij, dem Junior Delano Heeren, dem U23-Fahrer Guus van den Eijnden sowie dem Elite-Mann Tibor Del Grosso in allen Kategorien mit Topfahrern besetzt und somit klarer Favorit auf Gold.
Belgien, Italien und Frankreich werden um die weiteren Medaillen fahren, Der nicht auf allen Positionen stark besetzte Titelverteidiger Großbritannien dagegen geht nur als Außenseiter ins Rennen. German Cycling bringt kein Sextett an den Start.
Beim ersten individuellen Wettkampf der WM geht Titelverteidigerin Lise Revol als Favoritin ins Rennen der Juniorinnen. Die Französin war diesen Winter bei zehn Einsätzen sieben Mal erfolgreich, musste zuletzt in Hoogerheide aber mit Platz vier und davor in Benidorm mit dem zweiten Rang zufrieden sein. Beide Male holte sich die Italienerin Giorgia Pellizotti den Sieg. In Hoogerheide war die Tochter des ehemaligen Giro-Vierten Franco Pellizzotti acht Sekunden schneller als die tschechische Europameisterin Barbora Bukovska, die sich ebenfalls begründete Hoffnungen auf Gold machen kann.
Die Schweizerin Shana Huber, die Niederländerinnen Versluis und Nynke Jochems sowie die Französin Lale Pichon können ebenfalls in die Medaillenränge fahren. Für Deutschland gehen Amandine Jakob und Beatrix Attelmann ins Rennen. Beide gehören dem jüngeren Jahrgang an, Jakob wusste beim Weltcup in Hoogerheide als Neunte zu gefallen.
Die Reihe der Medaillenanwärter ist groß. Der Niederländer David Haverdings ist in seinem letzten U23-Jahr durch die Saison immer eine Konstante gewesen und war fünfmal erfolgreich. In Hoogerheide wurde er vom Franzosen Aubin Sparfel geschlagen, der auf der Straße als Decathlon-Gastfahrer die Tour du Finistere (1.1) gewinnen konnte. Der explosive 19-Jährige feierte beim Abschlussweltcup seinen siebten Saisonsieg, wobei er die meisten am Anfang der Saison holte.
Sowohl die Niederländer, die außerdem auf van der Eijnden, Keije Solen, Alpecin-Straßenprofi Senna Remijn und Red-Bull-Nachwuchsfahrer Michiel Mouris zählen, als auch die Franzosen, mit Romain Debord und Decathlon-Profi Leo Bisiaux, haben weitere Eisen im Medaillenfeuer. Ebenfalls starke Blöcke stellen die Italiener mit den Juniorenweltmeistern der letzten beiden Jahre, Stefano Viezzi und EF-Profi und U23-Europameister Mattia Agostinacchio, und die Belgier mit Yordi Corsus. Kay de Bruyckere, Mats Vanden Eynde und Arthur Van den Boer.
German Cycling schickt den Deutschen Meister Eike Behrens, Silas Kuschla, Hannes Degenkolb und Max Heiner Oertzen ins Rennen. Das Quartett ist das ganze Jahr über schon auf vergleichbar hohem Niveau unterwegs, alle vier Fahrer dürfen sich Hoffnungen auf die Top 15 machen.
Bei den Frauen schien die Lage klar: Lucinda Brand dominierte fast nach Belieben und gewann 13 Mal in Folge. In Zonhoven aber stürzte die Niederländerin und musste sich ihrer Landsfrau Ceylin del Carmen Alvarado geschlagen geben. Bei der Niederländischen Meisterschaft stürzte Brand ein weiteres Mal und musste sich bei Alvarados Titelgewinn mit Bronze begnügen. Beim Weltcup in Benidorm war Brand noch mal vorn, doch in Maasmechelen erwischte die 36-Jährige einen ganz schwachen Tag und wurde beim Sieg ihrer Landsfrau Puck Pieterse nur Zehnte. Als die auch tags drauf in Hoogerheide gewann, war die angeschlagene Brand nicht am Start.
So ist das Rennen um den WM-Titel wieder offen. Obwohl die Niederländerinnen wie immer klar favorisiert sind, scheint es dieses Mal nicht unmöglich, dass im Ziel eine andere Hymne als die "Wilhelmus" gespielt wird. Die Französin Amandine Fouquenet etwa ist seit Mitte Dezember immer unter die besten Fünf gefahren und verlangte den Oranje-Frauen zuletzt immer alles ab.
Auch die Italienerin Sara Casasola ist nach längerer Pause wieder da und wurde in Hoogerheide nur durch einen Sturz zurückgeworfen. Die Ungarin Kata Blanka Vas wurde von Rennen zu Rennen stärker. Die Tschechin Kristyna Zemanova erzielte als Zweite beim Weltcup-Abschluss ihr bestes Karriereresultat in dieser Serie und als Vierte bewies die Britin Zoe Bäckstedt auch endlich ansteigende Form.
Deutsche Starterinnen sind in Hulst nicht am Start. Judith Krahl hatte ihre Saison mit dem nationalen Meistertitel beendet. Österreich schickt Nadia Heigl ins Rennen, für die Schweiz starten Jolanda Neff und Rebekka Estermann. Marie Schreiber wird die luxemburgischen Farben erstmals in der Eliteklasse vertreten. Letzten Winter gewann sie den Weltcup in Hulst, die damalige Form scheint Schreiber momentan aber zu fehlen.
Zwei Titel in Folge holten die Italiener bereits – und der dritte ist alles andere als unmöglich. Mit Patrik Pezzo Rosola haben sie den Weltranglistenersten und Weltcup-Gesamtsieger im Team. Europameister und Zweiter der Weltrangliste ist Filippo Grigolini, der letztes Jahr Bronze gewann. Auch Tomasso Cingolani und Francesco dell’Olio sind immer vorn dabei und sorgen dafür, dass die Azurblauen den stärksten Block stellen. Der ist bei den Franzosen ungewohnt schwach besetzt. Immerhin haben sie Sören Bruyere Joumard, der in Hoogerheide gewann und letzten Winter als Topfavorit und Weltcup-Gesamtsieger zu WM-Silber fuhr.
So bleiben für die erfolgsverwöhnten Niederländer und Belgier nur Außenseiterchancen. Oranje hofft vor allem auf Delano Heeren, den aktuell wohl besten Fahrer seines Jahrgangs. Mit Cas Timmermans, Noël Goijert und Jop van den Biggelaar erhält er starke Unterstützung. In der Breite sind auch die Belgier stark, doch wirklich stechen konnten die Spitzen Giel Lejeune, Jari van Lee und Lars Corsus nur selten.
Angst und Schrecken verbreiten könnte bei den großen Nationen der Spanier Benjamin Noval. Der Sohn des ehemaligen Armstrong-Helfers hat für 2027 schon bei Ineos Grenadiers unterschrieben und verpasste in Hoogerheide den Sieg als Dritter nur knapp. Für German Cycling werden Jan Prell, Alwin Beyer und der Deutsche Meister Niclas Look antreten.
Da Bäckstedt, die Siegerin der letzten beiden Jahre, sich für einen Start bei der Elite entschieden hat und die Vorjahreszweite Schreiber dort wegen ihres Alters teilnehmen muss, scheint der Weg frei für die Nummern 3 und 4 der letzten WM: Europameisterin Leonie Bentveld aber tat sich zuletzt bei der Elite in den Weltcups zunehmend schwer und erreichte die Top Ten nicht mehr. Den Gesamtweltcup sicherte sie sich trotzdem. Das liegt auch daran, dass die Französin Celia Gery einige Events ausgelassen hatte, außerdem ist die 20-Jährige recht schwankend in ihren Leistungen.
So bieten sich anderen U23-Frauen Chancen – und da springt nach Hoogerheide sofort der Name Viktoria Chladonova ins Auge. Die Slowakin wurde dort Sechste in der Elite und musste die Besten erst im Finale fahren lassen. Ihre U23-Gegnerinnen hat sie dabei alle hinter sich gelassen. Am nächsten kam ihr als Elfte die Belgierin Fleur Moors. Die 20-Jährige fährt eine konstant starke Saison und unterstrich ihre Klasse in Benidorm als Siebte. Für die Kanadierin Raffaele Carrier ist der Kurs in Hulst vielleicht etwas zu leicht, aber auch sie könnte eine Rolle im Kampf um Gold spielen. Mit Lidia Cusack haben die US-Amerikanerinnen ebenfalls eine Außenseiterchance auf Edelmetall. Ein deutsches Trikot wird nicht am Start zu sehen sein.
Die Konkurrenz resigniert bereits, zu groß ist van der Poels Dominanz. Freund und Feind sind sich einig, dass nur ein Sturz, mehrere Defekte oder eine Krankheit den Titelverteidiger stoppen können. Umso größer ist der Kreis der Anwärter auf die weiteren Medaillen, denn hinter dem Superstar sind die Niveauunterschiede umso geringer.
Den besten Eindruck hinterließen zuletzt van der Poels Alpecin-Teamkollege Del Grosso und der Belgier Thibau Nys. Beim Abschlussweltcup setzten die beiden sich mit dem Belgier Niels Vandeputte im Finale von den anderen van-der-Poel-Verfolgern ab, da Nys die Beine zu früh stillhielt, wurde Vandeputte hinter Del Grosso Dritter. Dieselben Top Vier hatte es bereits tags zuvor in Maasmechelen gegeben, wo Nys auf den letzten Metern offenbar keine Lust mehr hatte und den beiden Alpecin-Fahrern den Vortritt ließ.
Hinter diesem Quartett setzte sich zuletzt der Spanier Felipe Orts am besten in Szene. Aber auch der belgische Europameister Toon Aerts zeigte, dass er aus dem Tief, in das er aus familiären Gründen nach dem Titelgewinn gefallen war, rechtzeitig wieder herauszukommen scheint. Sollte sein Landsmann Gerben Kuypers einen guten Start hinlegen, dürfte auch er im Finale ein Wörtchen mitreden können.
Wie Kuypers muss auch Lars van der Haar auf einen guten Start hoffen, der zuletzt nur selten gelang. Sein niederländischer Landsmann Joris Nieuwenhuis war in den letzten Wochen etwas von Pech verfolgt, die starke Form, die er zu Saisonbeginn zeigte, hat er wohl aber auch nicht mehr. Für die Schweiz könnte Kevin Kuhn eine Top-Ten-Platzierung erreichen. Für Deutschland stehen zwar Marcel Meisen und Fabian Eder auf der Meldeliste. Altstar Meisen, der sich zuletzt seinen zehnten nationalen Meistertitel holte, wird nach Angaben von German Cycling aber nicht mehr aus dem Ruhestand zurückkehren.
Die Rennen werden auf dem aus dem vom Weltcup her bekannten Festungsgelände von Hulst ausgetragen. Die Strecke wurde allerdings grundlegend verändert. Einige Abschnitte werden in entgegengesetzter Richtung gefahren, die Passage an der Mühle muss nun bergauf absolviert werden.
Neu ist eine tief gelegene Wiese, auf der eine rund 400 Meter lange Schleife vor den VIP-Zelten platziert wurde. Nach derzeitigem Wetterstand, wird dieser neue Abschnitt aber keinen Einfluss auf den Rennverlauf nehmen. Insgesamt bleibt der Parcours mit seinen vielen extrem steilen Anstiegen und Abfahrten sehr technisch.
Freitag, 30. Januar
13:30 – Team Relay
Samstag, 31. Januar
11:00 – Juniorinnen
13:00 – U23 Männer
15:00 – Elite Frauen
Sonntag, 1. Februar
11:00 – Junioren
13:00 – U23 Frauen
15:00 – Elite Männer
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