RSNplusWomen´s WorldTeams 2026: UAE Team ADQ

Angriff auf die Nr. 1 der Welt mit enormer Tiefe im Kader

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Angriff auf die Nr. 1 der Welt mit enormer Tiefe im Kader"
Die Fahrerinnen des UAE Team ADQ und des UAE Development Teams im Dezember-Teamcamp in Benidorm. | Foto: UAE Team ADQ

27.01.2026  |  (rsn) – Zur Saison 2022 hat das UAE Team Emirates den italienischen Rennstall Alé – BTC Ljubljana übernommen und daraus sein eigenes Frauen-Team gemacht: UAE Team ADQ. Das klare Ziel ist, langfristig auch bei den Frauen zur Nummer 1 der Welt zu werden und 2025 ist man vom fünften bereits auf den dritten Rang der Team-Weltrangliste geklettert. 2026 ist der Mannschaft zuzutrauen, dass man sich der Spitze einen weiteren Schritt nähert. Denn kaum ein Frauen-Team ist in der Breite des Kaders mit dem Blick in die Zukunft so vielversprechend, wie das aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Unter der Leitung von Melissa Moncada und der 2024 von der Spitze des belgischen Lotto-Rennstalls zu UAE gekommenen Team-Managerin Yana Seel sowie vor allem auch der erfahrenen Sportdirektorin Cherie Pridham, die seit 2023 bereits an Bord ist, wurde ein Kader zusammengestellt, der von Jahr zu Jahr stärker geworden ist und 2025 nach der Verpflichtung von Elisa Longo Borghini als echtem Zugpferd auch immer mehr Erfolge feierte.

Mit der 34-jährigen Italienerin, die im vergangenen Sommer zum zweiten Mal den Giro d'Italia gewann und den UAE-Frauen damit ihren ersten Grand-Tour-Triumph bescherte, sowie Neuzugang Mavi Garcia und auch der Weißrussin Alena Amialiusik verfügt man über drei Fahrerinnen, die schon mehr als zehn Profijahre auf dem Buckel haben und den jungen Talenten mit ihrer Erfahrung viel helfen können – und gerade im Fall von Longo Borghini und Garcia auch noch einiges an Ergebnis-Erwartungen schultern. ___STEADY_PAYWALL___

Elisa Longo Borghini gewann 2025 zum zweiten Mal in Folge den Giro d'Italia. | Foto: Cor Vos

Neben ihnen stehen gewachsene Fahrerinnen wie Brodie Chapman, Erica Magnaldi, Silvia Persico und die im Winter von Fenix – Deceuninck verpflichtete Tour-de-France-Dritte von 2024, Pauliena Rooijakkers, sowie auch die endschnelle Allrounderin Karlijn Swinkels, um der Mannschaft eine stabile Basis mit Ergebnisgarantien zu geben und damit weiterhin Druck von der jungen Garde zu nehmen, die aber den Großteil des Kaders ausmacht:

Elf von 20 Fahrerinnen im UAE-Kader waren zu Jahresbeginn unter 25, neun dieser elf aber auch über 21. Gerade von diesem Block ist in diesem und den nächsten Jahren ein großer Leistungsschub zu erwarten – wie etwa bei der ältesten davon, Dominika Wlodarczyk, im vergangenen Sommer mit Gesamtrang vier und mit Maeva Squiban mit zwei Etappensiegen bei der Tour de France bereits erlebt.

Dominika Wlodarczyk hat die Saison 2026 bereits wieder stark begonnen – mit einem Solo auf der Corkscrew-Etappe bei der Tour Down Under und Gesamtrang vier dort. | Foto: Cor Vos

Während Wlodarczyk und Squiban sowie die U23-Europameisterin Paula Blasi, die 2025 bereits das Bergzeitfahren der Tour de Romandie gewann und dort Gesamtvierte wurde, vor allem auf schwerem Terrain brillieren, hat man bei UAE auch für die flacheren Klassiker und Sprintankünfte viel Potential in der Hinterhand:

Die Irin Lara Gillespie und die Niederländerin Sofie van Rooijen sowie Neuzugang Megan Jastrab können perspektivisch alle auch WorldTour-Sprints gewinnen – van Rooijen gelang das sogar schon. Dazu kommt die vielseitig auch bei hügeligen Rennen endschnelle Eleonora Gasparrini und mit Elynor Bäckstedt, Alena Ivanchenko und Federica Venturelli auch viel Zeitfahrpower für die Arbeit im Feld.

Eines der aktuell größten Sprint-Talente der Welt: Sofie van Rooijen wurde 2024 U23-Europameisterin im Massensprint von Hasselt. | Foto: Cor Vos

Interessant wird, wie sich die Fahrweise des Teams 2026 möglicherweise ändert. Denn im Hintergrund wurde umstrukturiert: Mit dem 34-jährigen Nicolas Marche und dem 38-jährigen Alejandro Gonzalez-Tablas sind zwei der wichtigsten Sportlichen Leiter aus den vergangenen Jahren, die beide trotz ihres jungen Alters schon zehn beziehungsweise sechs Jahre in dieser Rolle im Frauenradsport gearbeitet haben, zu Uno-X gewechselt. Dafür kam Michel Cornelisse mit Rooijakkers von Fenix herüber und auch Lionel Marie wurde verpflichtet – zwei 60-Jährige, die auf mehr als zwei Jahrzehnte im Männer-Radsport zurückblicken.

Der Top-Transfer: Mavi Garcia

Fünf Neuverpflichtungen hat UAE für die Saison 2026 an Bord, darunter mit Rooijakkers die Tour-Dritte von 2024, mit Jastrab ein großes Sprint-Talent aus den USA sowie aus dem eigenen Development-Kader die 21-jährigen Zeitfahr-Spezialistinnen Febe Jooris und Federica Venturelli, die im Herbst U23-Europameisterin und U23-WM-Dritte im Kampf gegen die Uhr wurde. Die prominenteste 'Neue' aber ist sicher Margarita Victoria Garcia Canellas, kurz: Mavi Garcia.

Mai Garcia ist von Liv – AlUla – Jayco zum UAE Team ADQ gekommen, um dort ihre letzte Profisaison zu bestreiten. | Foto: Cor Vos

Inzwischen 42 Jahre alt kehrt die Spanierin, die nur 'Mavi' gerufen wird, für ihre letzte Profisaison – ihr Karriereende nach dieser Saison hat sie bereits angekündigt – noch einmal in das Team zurück, für das sie bereits von 2020 bis 2022 unterwegs war. Doch Garcia will nicht nur eine Abschiedstournee bestreiten, sondern ist nach wie vor auf allerhöchstem Level unterwegs, erreichte mit ihrem Tour-Etappensieg sowie der Bronze-Medaille bei der WM in Kigali in der Saison 2025 vielleicht sogar die größten Erfolge ihrer Karriere. Man darf die extrem zähe Kletterspezialistin also längst nicht abschreiben oder nur als Mentorin für die Youngster betrachten.

Im Fokus: Maeva Squiban

Sie war mit ihren zwei Etappensiegen als Ausreißerin in Ambert und Chambéry die Sensation der Tour de France 2025, doch aufmerksame Beobachter hatten die junge Bretonin da längst auf dem Schirm. Schon bei der Tour 2024 feierte das Arkéa-Team bei der Bergankunft in Le Chinaillon oberhalb von Le Grand-Bornand den zweiten Etappenrang seines Talents. Bei UAE erkannte man das und nahm Squiban für die zwei folgenden Jahre unter Vertrag.

Sieg gegen Marlen Reusser am Sant Salvador: Maeva Squiban bei ihrem Saisonauftakt auf Mallorca. | Foto: Cor Vos

2026 nun wird spannend: Startet die Französin richtig durch? Ihr großes Potential bei schweren, hügeligen Rennen hat sie bereits gezeigt und so ist Squiban gerade für die Ardennen-Klassiker eine Kandidatin. Doch ihr ist auch zuzutrauen, dass sie sich an längeren Anstiegen entwickelt. Einen ersten Vorgeschmack bot die 23-Jährige schließlich bereits gleich an ihrem ersten Renntag der Saison, als sie bei der Mallorca Challenge am fünf Kilometer langen Anstieg zum Sant Salvador oberhalb von Felanitx mehrfach Marlen Reusser attackierte und die Schweizerin schließlich sogar schlug.

Das Aufgebot:

Alena Amialiusik (Belarus / 36), Elynor Bäckstedt (Großbritannien / 24), Paula Blasi (Italien / 22), Brodie Chapman (Australien / 34), Mavi García (Spanien / 42), Eleonora Camilla Gasparrini (Italien / 23), Lara Gillespie (Irland / 24), Alena Ivanchenko (Russland / 22), Megan Jastrab (USA / 23), Febe Jooris (Belgien / 21), Elisa Longo Borghini (Italien / 34), Erica Magnaldi (Italien / 33), Greta Marturano (Italien / 27), Silvia Persico (Italien / 28), Pauliena Rooijakkers (Niederlande / 32), Maeva Squiban (Frankreich / 23), Karlijn Swinkels (Niederlande / 27), Sofie van Rooijen (Niederlande / 23), Federica Venturelli (Italien / 21), Dominika W?odarczyk (Polen / 24)

Davon Neuzugänge:

Mavi Garcia (Liv – AlUla – Jayco), Megan Jastrab (Picnic – PostNL), Febe Jooris (UAE Development Team), Pauliena Rooijakkers (Fenix – Deceuninck), Federica Venturelli (UAE Development Team)

Teamleitung:
Manager: Yana Seel / Melissa Moncada
Sportdirektor: Cherie Pridham
Sportliche Leiter: Cristina San Emeterio, Michel Cornelisse, Michele Devoti, Lionel Marie, Aida Nuno, David Povall, Paolo Slongo

Material:
Rahmenhersteller: Colnago
Gruppe: Shimano
Laufräder: Enve
Reifen: Continental
Trikot: Pissei
Helm: MET

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