RSNplusWomen`s WorldTeams 2026: Liv - AlUla - Jayco

Mehr als Mittelmaß trotz großer Ambitionen kaum realistisch

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Mehr als Mittelmaß trotz großer Ambitionen kaum realistisch"
Liv - Jayco - AlUla 2026 sieht fast genauso so aus wie 2025: Weder am Trikot noch am Kader hat sich viel getan. | Foto: Cor Vos

16.01.2026  |  (rsn) – Wim Stroetinga zeigte sich mit Hinblick auf die neue Saison kämpferisch. Der neue Sportdirektor von Liv – AlUla - Jayco, der die Rolle vom zum Männerteam wechselnden Gene Bates erbte, sagte im Zuge der Vorstellung seiner Mannschaft: "Mit diesen Fahrerinnen können wir definitiv in jedem Rennen, in jeder Aufstellung eine Rolle spielen."

Eine echte Ansage war das. Zumindest für ein Team, das in den vergangenen Jahren immer wieder im Mittelfeld der UCI-Mannschaftswertung landete und in Mavi Garcia, die sich auch mit 42 Jahren noch jung und fit genug fühlt, um nochmal einen Schritt nach vorne zu machen, eine der erfolgreichsten Frauen in diesem Winter an UAE abgeben musste.

Immerhin stimmte die Tendenz im vergangenen Jahr: Nachdem Garcia bei der Tour de France den ersten Saisonsieg – und den ersten Sieg für das Team bei der Tour überhaupt – eingefahren hatte, folgten in den letzten Wochen der Saison 2025 noch vier weitere, was die Gemüter in den Chefetagen und vor allem ganz oben bei Teambesitzer und Finanzier Gerry Ryan etwas beruhigt haben dürfte. Eine gewisse Unzufriedenheit diesseits soll letztlich auch ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Greenedge Cycling als Betreibergesellschaft im Oktober noch keine Bankgarantien bei der UCI für die WorldTour-Lizenz hatte vorlegen können. ___STEADY_PAYWALL___

Aber das Problem wurde ausgeräumt und so geht Liv – AlUla - Jayco in seine 15. Saison, wodurch die Mannschaft im Frauenkosmos eines der traditionsreichsten Teams überhaupt ist. An die sehr erfolgreichen ersten Jahre, als unter dem Namen Orica – AIS unter anderem Judith Arndt, Emma Johannson und später auch Annemiek van Vleuten für ganz andere Erfolgsbilanzen sorgten, wird der Kader in dieser Saison aber nicht anknüpfen können. Die Leistungsträgerinnen heißen Monica Trinca Colonel, Letizia Paternoster, Silke Smulders, Georgia Baker und Caroline Andersson. Mehr als fünf Karrieresiege konnte bisher aber keine von ihnen verbuchen.

Monica Trinca Colonel sammelte 2025 die meisten UCI-Punkte für Liv - ALUla - Jayco und ist auch im neuen Jahr die größte Hoffnungsträgerin für Erfolge in den großen Rennen.| Foto: Cor Vos

“Unsere Philosophie lautet: Gemeinsam sind wir stark. Diese Stärke nutzen wir, um als Team die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen“, sagte deswegen auch Stroetinga, der allerdings mit 15 Fahrerinnen neben Visma – Lease a Bike das kleinste Aufgebot in der Women’s WorldTour anführt.

Eine absolute Top-Sprinterin wie Lorena Wiebes, Charlotte Kool oder Elisa Balsamo hat Jayco nicht im Kader, die endschnellsten sind Paternoster und Baker. Wenn alles optimal läuft, kann es für sie auch mal weit nach vorne gehen. Das gilt auch für die Kopfsteinklassiker, wo sie gemeinsam die violetten Trikots auch in der Endphase der Rennen präsentieren können. Podiumsplatzierungen sollte das Team aber eher nicht einplanen.

Die Stärken im Kader zeigen sich vor allem dann, wenn es bergauf geht. Andersson hat bei zahlreichen hügeligen Eintagesrennen im Vorjahr Top-10-Ergebnisse eingefahren, war auch WM-Elfte in Ruanda. Auch Smulders kann das und dürfte perspektivisch für Spitzenergebnisse bei Rundfahrten in Frage kommen. Zumindest dann, wenn keine Zeitfahren auf dem Programm stehen. Dort hat die 24-Jährige den größten Nachholbedarf.

Die Nummer 1 für die Grand Tours wird aber Trinca Colonel sein. Die gelernte Optikerin, die zwar in der Jugend Rennen absolvierte, aber erst 2024 bei Bepink – Bongioanni auf der Kontinental-Tour ihren ersten Vertrag unterschrieb und ein Jahr später zu Jayco wechselte, kann schwere Rundfahrten potenziell vielleicht sogar in den Top 5 beenden. Rang 7 bei der Vuelta im Vorjahr war dafür ein erster Indikator. Neben ihr noch sehr zu beachten: Ella Wyllie (siehe unten).

Der Top-Transfer 2026: Mackenzie Coupland

Dass auch der hauseigene Nachwuchs dazu in der Lage ist, zur Erfolgsbilanz beizutragen, hat im kurzen Saisonverlauf bereits Mackenzie Coupland unter Beweis gestellt. Die 20-Jährige wechselte in diesem Winter aus dem seit 2024 existierenden Devo-Team ins Profilager und gewann nun Anfang Januar prompt den fürs Image der Mannschaft so wichtigen australischen Meistertitel im Straßenrennen. Schon im vergangenen Jahr absolvierte sie einige Rennen im Profiteam, ohne dort aber besonders aufzufallen. Die Tour de l`Avenir beendete sie jedoch als Neunte.

Zum Einstand gleich mal Meisterin: Mackenzie Coupland hat zum Auftakt ihrer Profikarriere für Liv - Jayco - AlUla den Titel im Straßenrennen von Australien geholt. | Foto: Greenedge Cycling / Sprintcycling

Neben Coupland haben auch Noä Jansen und Matilde Vitillo den Sprung aus dem eigenen Nachwuchs ins Profilager geschafft. Die beiden Frauen, die mit 25 bzw. 24 schon deutlich älter sind, haben aber ebenfalls schon Erfolge zu verzeichnen. Vitillo gewann im vergangenen Jahr zwei .2-Rennen und 2022 sogar schon mal eine Etappe der Burgos-Rundfahrt auf WorldTour-Niveau. Jansen sammelte einige Top-10-Resultate bei .1-Rennen und wird die Sprinterfraktion im Team stärken. Einziger externer Zugang ist Nadia Gontova, die sich im Gebirge am wohlsten fühlt.

Im Fokus: Ella Wyllie

Das gilt auch für Ella Wyllie. Die 23 Jahre alte Neuseeländerin ist die zweite Kraft unter Jaycos Rundfahrerinnen hinter Trinca Colonel. Noch. Wyllie hat sich als Achte in der Romandie und Zwölfte bei der Tour bewiesen. Wäre sie nur vier Monate jünger, hätte sie im Kampf um das Weiße Trikot ganz klar die Nase vorn gehabt. Im Team herrscht der Glaube, dass sie ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft hat und auch bei großen Rundfahrten weit nach vorne fahren kann. Größte Baustelle der Neuseeländerin: das Zeitfahren.

Ella Wyllie bei der Tour de France: Liv – AlUla – Jayco hofft, mit der Neuseeländerin bei den großen Rundfahrten ganze vorne abschneiden zu können. | Foto: Cor Vos

Das Aufgebot:
Caroline Andersson (Schweden / 24 Jahre), Georgia Baker (Australien / 31), Mackenzie Coupland (Australien / 20), Nadia Gontova (Kanada / 25), Noä Jansen (Niederlande / 25), Jeanne Korevaar (Niederlande / 29), Amber Pate (Australien / 30), Letizia Paternoster (Italien / 26), Ruby Roseman-Gannon (Australien / 27), Silke Smulders (Niederlande / 24), Josie Talbot (Australien / 29), Quinty Ton (Niederlande / 27), Monica Trinca Colonel (Italien / 26), Matilde Vitillo (Italien / 24), Ella Wyllie (Neuseeland / 23)

Davon Neuzugänge:
Mackenzie Coupland (Liv – ALUla – Jayco Continental), Nadia Gontova (Winspace – Orange Seal), Noä Jansen (Liv – ALUla – Jayco Continental), Matilde Vitillo (Liv – ALUla – Jayco Continental)

Teamleitung:
Manager: Brent Copeland
Sportdirektor: Wim Stroetinga
Sportliche Leiter: Jess Allan, Shawn Clarke, Wim Stroetinga

Material:
Rahmenhersteller: Liv
Gruppe: Shimano
Laufräder: Cadex
Reifen: Cadex
Trikot: Maap
Helm: Liv

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