Rüegg in wildem Finale Zweite

Coles-Lyster feiert trotz Sturz endlich den ersten Profisieg

Von Felix Mattis

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Maggie Coles-Lyster (Human Powered Health) freut sich über ihren Sieg in Tanunda. | Foto: Cor Vos

21.01.2026  |  (rsn) – Maggie Coles-Lyster hat beim 2025 neu eingeführten Women's One Day Race (1.Pro) zwei Tage nach dem Ende der Tour Down Under ihren ersten Profisieg im vierten Jahr als WorldTour-Profi gefeiert.

Die 26-jährige Kanadierin setzte sich in Tanunda nach 96 Kilometern im Sprint eines durch zwei Stürze auf den letzten 1,5 Kilometern arg reduzierten Feldes vor Tour-Down-Under-Gesamtsiegerin Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) aus der Schweiz sowie der Polin Marta Lach (SD Worx – Protime) durch. Vierte wurde Alexandra Manly (AG Insurance – Soudal) aus Australien, Rang fünf ging an die Italienerin Sofia Bertizzolo (FDJ United – Suez).

Coles-Lyster, die vom Bahnradsport kommt und schon seit Beginn ihrer Straßenkarriere als sprintstark gilt, war in den vergangenen drei Jahren acht Mal in die Top 5 von WorldTour- oder ProSeries-Rennen gespurtet, ein Sieg aber blieb ihr bislang verwehrt. Und auch in den vergangenen Tagen lief es nicht ideal für sie: Bei der Tour Down Under gab die Kanadierin auf Etappe 2 auf.

"Das ist verrückt! Ich hatte das Gefühl, dass ich noch Probleme in den Beinen habe – vielleicht als Nachwirkung von meiner Operation an der Iliakalarterie im letzten Jahr. Das hat mich nervös gemacht. Auch wenn das Team gesagt hat 'alles gut, bleib ruhig, entspann Dich', kriecht einem das in den Kopf", sagte die Siegerin im Ziel. "Und dann bin ich hier auch noch zwei Runden vor Schluss gestürzt! Auch da musste ich wieder ruhig bleiben. Es ist wirklich einfach verrückt und sickert gerade erst so richtig durch."

In den Sturz auf dem 8,5 Kilometer langen Rundkurs von Tanunda war auch die Deutsche Justyna Czapla (Canyon – SRAM – zondacrypto) verwickelt. Die Gewinnerin des Weißen Trikots der Tour Down Under musste danach das Rennen aufgeben. Coles-Lyster dagegen fuhr weiter, kam nochmal nach vorne und gewann doch noch. "Es war auf jeden Fall mehr wie ein Kriterium – und damit bin ich aufgewachsen. Es war ein schnelles Rundstreckenrennen mit vielen Attacken, so wie ich es mag", erzählte sie und auch Rüegg berichtete von viel Chaos:

"Es war ein superhektisches Finale und auch der Wind hat es recht schwer gemacht, eine gute Position zu halten und sich aus dem Stress rauszuhalten. Dann gab es auf den letzten zwei Kilometern noch zwei Stürze im Feld und ich bin nur noch meinem Instinkt und irgendwelchen Hinterrädern gefolgt und hatte ehrlich gesagt auch nicht immer alles unter Kontrolle", so die Schweizerin. "Manchmal muss man seine Augen schließen und aufs Beste hoffen und braucht etwas Glück. Aber es ist gut ausgegangen und ich bin happy."

Rüegg: "Manchmal muss man seine Augen schließen"

Rüegg hatte am Sonntag in einem 1-gegen-3 gegen das UAE-Team den Gesamtsieg bei der dreitägigen Tour Down Under perfekt gemacht und setzte mit ihrem Podestplatz im Sprint von Tanunda nun noch ein Sahnehäubchen auf ihren Ausflug nach Adelaide oben drauf. "Nach der Tour Down Under war ich etwas müde und musste mich gestern erstmal erholen, um auch all die Emotionen sacken zu lassen. Heute nochmal aufs Podium zu fahren, damit bin ich wirklich happy. Denn ich hatte nicht viele Ambitionen, wollte nur Spaß haben – und dass es dann so rauskommt ist toll", so Rüegg.

Coles-Lyster übrigens hat mit ihrem Sieg auch in die immer länger werdende Liste der kanadischen Profis weiter ausgebaut, die im Radsport aktuell erfolgreich sind – angeführt von Weltmeisterin Magdeleine Vallieres über die Paris-Roubaix-Siegerin von 2023, Alison Jackson, bis zu Nachwuchs-Assen wie den Holmgren-Schwestern bei Lidl – Trek. "Es ist großartig, wie viele Kanadierinnen momentan gewinnen oder auf Podestplätze fahren. Das ist wirklich inspirierend, als eine Nation, in der Eishockey einfach Sportart Nr. 1 und der Radsport kaum auf dem Radar ist", freute sich Coles-Lyster zu Beginn des Jahres mit der Heim-WM Ende September in Montréal als Highlight.

So lief das Women's One Day Race der Tour Down Under 2026:

An einem sonnigen Nachmittag mit angenehmen 26 Grad begann das 2025 erstmals veranstaltete und in diesem Jahr in Tanunda auf einem zwölf Mal zu fahrenden, 8,5 Kilometer langen Rundkurs ausgetragene Eintagesrennen sofort mit einer Start-Attacke bei Kilometer 0. Loes Adegeest (Lidl – Trek) und die Australische Meisterin Mackenzie Coupland (Liv – AlUla – Jayco) setzten sich zu zweit ab, wurden aber nach zehn Kilometern schon wieder gestellt.

Und so verlief dann auch das weitere Rennen: Immer wieder bildeten sich kleine bis teilweise auch größere Gruppen, wie etwa eine Zwölfergruppe um Czapla gegen Ende des ersten Renndrittels, doch alle Ausreißerinnen wurden nach einigen Kilometern immer wieder zurückgeholt. Nie gingen Lücken von mehr als einer halben Minute auf.

Das Streckenprofil des Women's One Day Race bei der Tour Down Under. | Grafik: Tour Down Under

Eindrucksvoll war, wie schon auf der 1. Etappe der Tour Down Under Women (2.WWT) am Samstag, die Italienerin Alessia Vigilia (Uno-X Mobility), die sich 29 Kilometer vor dem Ziel allein aus dem Feld löste und zwölf Kilometer später, eingangs der vorletzten Runde, immer noch 20 Sekunden Vorsprung hatte und den sogar nochmal weiter ausbaute.

Vigilia gewann eingangs der 8,5 Kilometer langen Schlussrunde nach dem vorletzten auch den letzten der alle zwei Runden bei der Zielpassage ausgetragenen Zwischensprints und damit auch die Sonderwertung. Vier Kilometer vor dem Ziel wurde die Italienerin dann aber gestellt und die Sprint-Vorbereitungen konnten beginnen.

Lidl – Trek führte das Feld mit Adegeest und Emma Norsgaard Bjerg auf die letzten 1,5 Kilometer, wo dann aber SD Worx und Movistar das Zepter übernahmen. Kurz vor der Flamme Rouge kam es zu zwei heftigen Stürzen und so blieben nur noch knapp 20 Frauen zusammen, die den Sieg unter sich ausmachten. Der 19-jährige Movistar-Youngster Carys Lloyd fuhr dabei früh von vorn und Lach wartete am Hinterrad der Britin zu lange. 

Denn als Coles-Lyster und Rüegg auf den letzten 100 Metern von weiter hinten losspurteten, saß die Polin immer noch hinter der langsamer werdenden Lloyd und konnte so trotz perfekter Position nichts mehr ausrichten.

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