“Ich hätte fast geweint“

Down-Under-Nachwuchstrikot gibt Czapla viel Selbstbewusstsein

Von Sebastian Lindner

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Justyna Czapla feiert zum ersten Mal in ihrer Profikarriere den Gewinn eines Wertungstrikots. | Foto: Cor Vos

19.01.2026  |  (rsn) – Nachdem sie das Trikot gleich am ersten Tag erobert hatte, wollte sie es unbedingt verteidigen. Und nach drei Etappen Tour Down Under lässt sich sagen: Mission erfolgreich abgeschlossen. Justyna Czapla (Canyon – SRAM – zodacrypto) ist Siegerin der Nachwuchswertung und als 14. im Gesamtklassement zudem beste ihre Teams geworden. 44 Sekunden trennten sie in der Endabrechnung von Rundfahrt-Siegerin Noemi Rüegg. “Ich bin einfach nur glücklich“, sagte Czapla in einem Statement ihres Teams. “Das ist etwas ganz Besonderes, denn ich habe dieses Gefühl noch nie zuvor erlebt – ein weißes Trikot oder überhaupt ein Trikot zu gewinnen. Ich hätte fast geweint, weil ich es nicht glauben konnte.“

Tatsächlich war Down Under für Czapla ein riesiger Schritt nach vorne. In ihren bisherigen beiden Profijahren war die 21-Jährige, die am Wochenende Geburtstag feiern wird, für Canyon ausschließlich als Helferin unterwegs gewesen. Nun nutzte sie ihre Chance famos. Dem Druck, ein Ergebnis verteidigen zu müssen, war sie im Profibereich erstmals ausgesetzt, ebenso wie dem Umstand, Unterstützung vom Team zu bekommen, statt selbst die Arbeit zu leisten.

Die Entscheidung um das Weiße Trikot fiel dabei erst auf der Zielgeraden der letzten Etappe in Cambelltown. Im Kampf um die Nachwuchswertung lagen vor der Etappe noch Rosita Reijnhout (Visma – Lease a Bike) und Paula Ostiz (Movistar) zeitgleich mit Czapla. Andere prominente Namen wie Marion Bunel (Visma – Lease a Bike) oder Stina Kagevi (EF Education – Oatly) hatten zum Etappenstart bereits mehrere Sekunden Rückstand, wenngleich der auch noch nicht unüberbrückbar war. Der Corkscrew-Anstieg, der im Finale der Etappe doppelt überquert wurde, konnte den Kreis der Kandidatinnen zunächst weiter einengen.

Entscheidung um Weiß erst auf der Zielgeraden

Nach der ersten Überquerung, 27 Kilometer waren es noch bis ins Ziel, befand ich Czapla gemeinsam mit Teamkollegin Neve Bradbury in der dritten Gruppe, 50 Sekunden hinter einem Spitzentrio mit Mavi Garcia, Dominika Wlodarczyk (beide UAE – ADQ) und Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike), das von sieben Frauen verfolgt wurde. In der Anfahrt zur zweiten Überquerung der Corkscrew Road bildete sich eine größere Verfolgergruppe, in der zunächst auch noch Juniorenwelt- und Europameisterin Ostiz und Reijnhout saßen. “Ich würde sagen, beim zweiten Mal auf dem Corkscrew fühlte ich mich etwas besser als beim ersten Mal – ich glaube, ich war mental besser darauf eingestellt“, schilderte Czapla.

Sie konnte gemeinsam mit Bradbury zwar auch nicht die Spitzenfrauen halten, aber immerhin die direkte Konkurrenz. Zwischenzeitlich konnte sie alle abschütteln, doch Reijnhout schaffte die Rückkehr zu Czapla. “Ich habe versucht, in der Abfahrt richtig schnell zu sein und sie nicht zur Gruppe aufschließen zu lassen, aber dann habe ich gesehen, dass sie schon da war, also habe ich einfach versucht, im Windschatten zu bleiben und nicht zu sehr im Wind zu fahren.“ Da bei Zeitgleichheit die besseren Etappenergebnisse zählen würden, galt es für Czapla, um jeden Preis vor der Überraschungssiegerin des Great Occean Races von 2024 zu bleiben. “Ich wusste, dass ich gegen sie sprinten muss. In der letzten Kurve war ich vor ihr und bin einfach bis zur Ziellinie weitergefahren, ohne mich umzusehen. Ich habe einfach alles gegeben.“ 500 Meter auf einem leichten Gefälle waren das. Doch Czapla sollte sich behaupten, kreuzte den Zielstrich als 17. genau eine Position vor ihrer direkten Konkurrentin um Weiß.

Saisonvorbereitung auf eigene Kosten zahlt sich aus

In der Vorbereitung auf die Saison hatte Czapla viel investiert – auch aus eigener Tasche. Weil Canyon im Dezember kein Teamtrainingslager abhielt, verbrachte die Bayerin ein paar Wochen auf eigene Rechnung in Spanien, um sich auf den Saisonstart vorzubereiten. Das zahlte sich jetzt schon aus.

“Ich denke, dass ich für den Rest der Saison sehr zuversichtlich sein kann, denn ein so guter Start im ersten Rennen ist ein großer Schritt nach vorne“, so Czapla, die damit auch auf den Geschmack gekommen ist. “Ich glaube, dass ich auch bei anderen Rennen um das Trikot des besten Nachwuchsfahrers kämpfen kann.“

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