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19.01.2026 | (rsn) – Die Tour Down Under (2.UWT) war schon immer ein Sekundenspiel. Selten lagen mehr als 20 davon zwischen ihrem Sieger und dem Zweitplatzierten, häufig deutlich weniger. Und ähnlich oft waren es die Bonifikationen, die letztlich über die Reihenfolge auf dem Podium entschieden. Das war schon so, als der Rundfahrtsieg noch über die Sprinter ging. André Greipel, mit 18 Etappensiegen mit deutlichem Abstand Rekordhalter in Australien, gewann das Rennen 2008 und 2010.
Allerdings ist Greipel auch der letzte Sprinter, dem das gelang. Nach ihm schaffte es von den schnellen Männern nur noch Matthew Goss überhaupt aufs Podium, das war direkt im Jahr danach. Fortan aber war die Tour Down Under eine Angelegenheit für Kletterer oder bergfeste Klassikerspezialisten. Zwar bekamen die Sprinter auch in jüngerer Vergangenheit ihre Chancen auf Etappensiege. 2024 und 2025 konnte Sam jeweils drei Tagessiege einfahren. Doch auch das liegt in diesem Jahr im Normalfall außer Reichweite. Grund dafür ist vor allem, der Prolog, der das Rennen statt einer klassischen Etappe eröffnet.
Das ist zur 26. Austragung – 1999 wurde die Tour Down Under erstmals ausgefahren, zwei Austragungen fielen aufgrund der Covid-Pandemie aus – nach 2023 erst das zweite Mal der Fall. Darüber hinaus heißt es vonseiten der Organisation um Ex-Profi Stuart O`Grady, dass die bevorstehende Auflage die schwerste in der Geschichte wird.
In den nackten Zahlen wird das aber gar nicht so deutlich. Mit knapp 760 Kilometern ist die Rundfahrt kürzer als in den vergangenen beiden Jahren. Und auch beim Blick auf die Höhenmeter ergibt sich kein Bild, das Extreme zeigt. Letztlich liegt das aber daran, dass der kurze Prolog diesbezüglich für Relativierung sorgt. Auf der anderen Seite fehlt die 90 Kilometer lange kriteriumsartige Abschlussetappe in Adelaide aus dem Vorjahr.
Prolog
Adelaide ist dieses Mal dafür aber Schauplatz des Prologs über 3600 Meter. Knapp die erste Hälfte kommt komplett ohne Kurven aus, danach warten ein paar rechtwinklige, aber auch einige langgezogene Kurven, auf denen sich durchaus Zeit verlieren – oder eben gewinnen – lässt. Zeitfahrräder bleiben außen vor, nur klassische Straßensetups sind zulässig.
1. Etappe
Die 1. Etappe führt über 1201 Kilometer von Tanunda genau dorthin wieder zurück. Drei Runden über den Menglers Hill werden gefahren. Die 2100 Meter bei weniger als vier Prozent durchschnittlicher Steigung sollten allerdings noch nicht ausreichen, um den Sprintern den Zahn zu ziehen, zumal noch mehr zehn Kilometern bis zur Ziellinie zu fahren sind. Es ist die beste Chance für Sprinter im Verlauf der Rundfahrt auf einen Etappensieg.
Das Profil der 1. Etappe der Tour Down Under 2026 | Grafik: Veranstalter
2. Etappe
Die 2. Etappe bringt das Rennen in die Adelaide Hills, wo auch der Rest des Rennens ausgetragen wird. 148 Kilometer stehen auf dem Plan, die von Norwood gleich vom Start weg hinauf zum Mount Lofty führt. Im weiteren Verlauf Richtung Uraidla muss zweimal die bei den Frauen mitentscheidende Corkscrew Road gemeistert werden. Bei etwas mehr als drei Kilometern Lange warten da im Schnitt 9,7 Prozent Steigung. Ins Ziel selbst geht es nach der zweiten Überfahrt aber überwiegend abschüssig, gespickt sind die letzten Kilometer mit ein paar kleinen Wellen.
Das Profil der 2. Etappe der Tour Down Under 2026 | Grafik: Veranstalter
3. Etappe
Die 3. Etappe zwischen Henley Beach und Nairne bietet im Normalfall die zweite Sprintankunft. Größtes Hindernis des Tages ist der Wickham Hill, der aber schon nach etwa 30 der 141 Kilometer wartet. Hintenraus wartet nur noch der Mount Baker, der eventuell einem Ausreißer die Chance geben könnte, sich zu profilieren.
Das Profil der 3. Etappe der Tour Down Under 2026 | Grafik: Veranstalter
4. Etappe
Mit 176 Kilometern und drei Anstiegen am Willunga Hill ist das vierte Teilstück die Königsetappe. Gleichzeitig ist es die erste und einzige Bergankunft der Rundfahrt, denn auf dem Willunga Hill endet der Tag auch. Nach dem Start in Brighton wird der Hügel mit seinen mehr als drei Kilometern bei 7,5 Prozent Steigung erstmals nach 50 Kilometern überquert. Dann bleibt es lange flach, ehe 20 Kilometer vor dem Ende die zweite Querung wartet. Nach ein paar Kilometern auf dem Plateau geht es wieder runter und dann dann sofort wieder hoch zum finalen Anstieg.
Das Profil der 4. Etappe der Tour Down Under 2026 | Grafik: Veranstalter
5. Etappe
Auch zum Abschluss der Rundfahrt warten nochmal 170 Kilometer. Sie verteilen sich auf acht Runden mit Start und Ziel in Stirling. Ebene Kilometer gibt es an diesem Tag nicht – es ist ein Kurs, bei dem so mancher Klassiker vor Neid erblasst. Das kontinuierliche Auf und Ab, das mit ansteigenden Kilometern endet, soll das Rennen bis zum letzten Moment offenhalten. Und sind die Abstände so eng, wie es in den letzten Jahren der Fall war, dürfte dieser Wunsch auch in Erfüllung gehen.
Das Profil der 5. Etappe der Tour Down Under 2026 | Grafik: Veranstalter
Das Podium aus dem Vorjahr mit Sieger Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG), Javier Romo (Movistar) und Finn Fisher-Black (Red Bull – Bora – hansgrohe) ist so wieder komplett beim WorldTour-Auftakt vertreten. Der frühe Zeitpunkt der Saison, in der abgesehen von den heimischen Profis kaum einer schon Renntage aufzuweisen hat, an den eine Form abzulesen wäre, machen es jedoch schwierig, klare Favoritenrollen zu verteilen.
Zu den größeren Namen auf der Starterliste zählen zumindest Narvaez und Fisher-Black aber doch. Auch Santiago Buitrago (Bahrain Vcitorious) und Lennert Van Eetvelt (Lotto – Intermarché) weilen derzeit Down Under und haben den Weg sicher nicht nur aus touristischen Gründen auf sich genommen. UAE hat neben Narvaez zudem Adam Yates und Jay Vine am Start. Und gerade der Australier dürfte Interesse haben, zu Hause nach dem nationalen Titel im Zeitfahren gleich nachzulegen.
Doch Vine ist nicht der einzige Australier, der zum Favoritenkreis zählt. Auch Ben O`Connor (Jayco – AlUla) steht auf dieser Liste, zumal er in einem australischen Team noch etwas mehr Extramotivation haben dürfte. Ihm fehlt ein Podium in der Heimat noch. Mit Luke Plapp und Mauro Schmid, dem einzigen Nicht-Aussie im Team, hat Jayco zumindest auf dem Papier noch zwei weitere Asse, die um den Titel mitkämpfen könnten.
Auch Jack Haig (Ineos Grenadiers) könnte aus australischer Sicht ein Eisen im Feuer sein. Für eine echte Überraschung könnte derweil sogar die Nationalmannschaft sorgen. Patrick Eddy, im Vorjahr noch bei Picnic – PostNL, nun für das Kontinental-Team Brennan unterwegs, hat mit dem Gewinn des Straßentitels schon für ein Ausrufezeichen gesorgt. Am Berg etwas stärker sind im Normallfall noch Chris Harper und Damian Howson einzuschätzen, die ansonsten für Pinarello – Q36.5 unterwegs sind.
Eine mindestens mal zahlenmäßig starke Fraktion stellen auch die neun deutschen Profis. Ob Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) oder Marco Brenner und Florian Stork (beide Tudor) mitmischen können, wird sich zeigen. Mit Spannung erwartet wird daneben auch der erste Auftritt von Anton Schiffer im Trikot von Visma – Lease a Bike). Nicht im Kampf um die Gesamtwertung, aber um Tagessiege, dürfte vor allem Tim Torn Teutenberg (Lidl – Trek) mitreden wollen. Das eher schwere Profil der vermeintlichen Sprintetappen dürfte ihm entgegenkommen.
Allerdings gilt das auch für die anderen endschnellen Männer, die den Weg nach Australien gemacht haben. Auch Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM), Corbin Strong und Ethan Vernon (beide NSN) sowie Danny van Poppel (Red Bull – Bora – hansgrohe) sind nicht die klassischen Flachlandsprinter. Bei Welsford ist es grundsätzlich schwer zu sagen, was zu erwarten ist. Besondere Beachtung gilt darüber hinaus noch Matthew Brennan (Visma - Lease a Bike). Der Shootingstar der vergangenen Saison, der in seinem Neo-Jahr zwölf Siege einfuhr, steht nach seiner starken Premiere fast schon unter Zugzwang und in der Beweispflicht, seine Supersaison zu bestätigen.
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