Kopecky-Experiment beendet

SD Worx verabschiedet sich für 2026 von Grand-Tour-Ambitionen

Von Sebastian Lindner

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Lotte Kopecky wird sich 2026 wieder auf ihre Stärken konzentrieren. | Foto: Cor Vos

09.01.2026  |  (rsn) – Understatement oder neue Realittät? Danny Stam, Sportdirektor von SD Worx – Protime, hat bei der Präsentation des Teams in Antwerpen angekündigt, dass ein Grand-Tour-Sieg in der kommenden Saison nicht zu den großen Zielen der Mannschaft in 2026 gehört. Nach neun Jahren an der Spitze der UCI-Weltrangliste musste SD Worx im vergangenen Jahr erstmals wieder die Verfolgerrolle einnehmen. FDJ – Suez hatte am Ende mehr Punkte gesammelt. Da halfen auch 48 Saisonsiege und die gewohnte Dominanz in der Klassikersaison nicht.

Auch sechs Etappensiege bei Giro, Vuelta und Tour zählten in die Bilanz. Doch mit Blick auf die Gesamtwertung der großen Rundfahrten konnte SD Worx nicht an alte Erfolge, die in jüngerer Vergangenheit vor allem die zu FDJ gewechselte Demi Vollering eingefahren hatte, anknüpfen. Bei der Tour verpasste die zurückgekehrte Anna van der Breggen die Top 10, bei der Vuelta reichte es immerhin zu Rang drei, beim Giro zu Platz 6. Ansonsten konnte sich keine Fahrerin aus den Reihen des Teams vorne platzieren.

“Ich denke, jeder weiß, dass wir einige neue junge Talente haben, auf die wir uns bei den großen Etappenrennen in der Zukunft freuen können“, sagte Stam und meinte damit in erster Linie die Neuzugänge Nienke Vinke, die bei der Tour das Weiße Trikot gewonnen hatte, und Quereinsteigerin Valentina Cavallar, die vom aufgelösten Team Arkéa – B&B Hotels kam und vor zwei Jahren noch Ruderin war. “Ich hoffe, dass wir in zwei oder drei Jahren wieder auf dem Podium stehen und vielleicht sogar Siege einfahren können.“

Kopecky: “Wieder auf das konzentrieren, was ich gerne mache und worin ich gut bin“

Auch van der Breggen, die vor der abgelaufenen Saison noch Sportliche Leiterin war, wollte Stam noch nicht abschreiben. “Ich hoffe, Anna kann nochmal einen Schritt nach vorne machen. Aber insgesamt brauchen unsere Klassementfahrerinnen noch ein bisschen Zeit.“ Deswegen liege der Fokus im neuen Jahr auch erstmal wieder auf den Klassikern. “Diese Gruppe weiß, was sie braucht und was sie zu tun hat.“

Kein Wunder, wird sie doch von Lorena Wiebes und Lotte Kopecky angeführt. Während an Wiebes mittlerweile nicht nur in Massensprints kein Weg vorbeiführt, sondern auch die Kopfsteinklassiker und selbst Mailand-Sanremo, 2025 zum ersten Mal ausgetragen, nicht mehr zu schwer sind, rechnet SD Worx auch mit einer wieder erstarkten Kopecky, die aber auch ohne ihre absolute Spitzenform im vergangenen Jahr immerhin noch die Flandern-Rundfahrt gewinnen konnte.

Die für die Verhältnisse der 30-jährigen Belgierin aber trotzdem er maue Saison hatte auch damit zu tun, dass das Team versuchte, aus der ohnehin schon mit Allround-Qualitäten ausgestatteten Kopecky auch noch eine Grand-Tour-Siegerin zu machen, damit aber krachend scheiterte. “Ich finde es gut, dass wir es versucht haben und dass wir jetzt wissen: Schuster, bleib bei deinen Leisten“, sagte Stam im Interview mit Wielerflits. Kopecky stimmte dabei ein: "Ich werde mich jetzt wieder auf das konzentrieren, was ich wirklich gerne mache und worin ich gut bin. Ich denke, das ist das Positive an der ganzen Geschichte. Ich hoffe, dass ich all das Pech und die Rückschläge in einer Saison hinter mir habe und nun wieder nach vorne schauen kann.“

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