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06.02.2026 | (rsn) – Wenn am 1. Mai in und um Frankfurt am Main sowie im Taunus wieder zigtausende Hobby-Radsportler und Hobby-Radsportlerinnen – für 2026 wurden 12.000 statt bisher 10.000 Startplätze ausgeschrieben - sowie das WorldTour-Peloton beim deutschen Radklassiker Eschborn-Frankfurt unterwegs sind, müssen die deutschen Kontinental-Teams der Männer und die Profi-Frauen in diesem Jahr wieder zuschauen.
Während letztere das gewohnt sind, weil sie nie Teil des Frankfurter Programms am 'Tag der Arbeit' waren, müssen sich die U23-Fahrer aus dem KT-Bereich daran nun wieder gewöhnen. Das von der ASO Germany organisierte Traditionsrennen nämlich wird in diesem Jahr ohne die U23-Ausgabe stattfinden, nachdem es 2023 aus dreijähriger Corona-Pause in den Rennkalender zurückgekehrt war. Jetzt aber ist wieder Schluss für Deutschlands bislang höchstklassiges Nachwuchsrennen.
"Was uns natürlich im Herzen wehtut, sind die deutschen Konti-Teams, die zuerst schon nicht mehr im Profirennen mitfahren konnten, weil es zum WorldTour-Rennen geworden ist. Dann hatten sie in der U23 ihre Plattform", erklärte Organisationschef Nathanael Bank im Gespräch mit radsport-news.com, dass ihm die Bedeutung gerade für diesen Bereich durchaus bewusst sei, und betonte: "Das Rennen ist sicher nichts, was wir für immer gestrichen haben. Wir haben es ja auch nach der Coronazeit wieder mit reingeholt. Aber wir brauchen auf jeden Fall Partner, die das wollen und dann ist es unsere Aufgabe zu schauen, wie wir es im Zeitplan möglich machen können." ___STEADY_PAYWALL___
Damit sprach Bank auch die beiden Hauptgründe für den Wegfall des U23-Rennens an. Einfach ausgedrückt: Es fehlen Geld und Zeit. Eschborn-Frankfurt vereint am 1. Mai das Hobby-Event ADAC Velotour mit nun 12.000 Teilnehmenden sowie das WorldTour-Profirennen auf den Strecken hinaus in den Taunus sowie auf dem Innenstadt-Rundkurs um die Alte Oper in Frankfurt Nachwuchs-Lizenzrennen der U11 bis U17, Handbike- und Inklusionsrennen und auch ein Laufradrennen für die Allerjüngsten – ein Mammutprogramm, gerade auf dem Rundkurs minutiös getaktet.
"Es ist auch in den letzten Jahren schon passiert, dass wir in den Nachwuchsrennen am Tag selbst kurzfristig eine Runde rausnehmen mussten, weil es zu eng wurde. Es ist seit Jahren ein Minutenspiel", erklärte Bank gegenüber RSN. Durch Cut-Off-Zeiten sei die Velotour gut planbar, bei den Nachwuchsrennen wisse man aber vorher nie, wie schnell sie seien und ganz besonders die in den Taunus hinausführenden Rennen der Profis und U23 seien schwer berechenbare Variablen. "Der Schnitt bei den Profis ist zwar über die Jahre recht konstant, aber es ist schon immer die Frage, wie schnell die Teams das Rennen machen. Da müssen wir uns im Zeitplan Flexibilität wahren."
Im vergangenen Jahr gewann der Däne Conrad Haugsted (ColoQuick) das U23-Rennen von Eschborn-Frankfurt. | Foto: Eschborn-Frankfurt/Henning Angerer
Hinten raus sei schließlich terminbedingt wenig Möglichkeit, das Event auszudehnen. "Am 1. Mai ist gerade in Frankfurt natürlich auch eine Demonstrationslage da und wird später am Tag auch mehr. Das begrenzt das Zeitfenster", erwähnte Bank einen Faktor am Mai-Feiertag, den man aus radsportlicher Perspektive kaum bedenkt. "Man sieht die parallele Einsatzlage von außen nicht wirklich und es funktioniert seit Jahrzehnten ja auch, dass Radrennen und Demonstrationen parallel laufen können. Aber für die Einsatzkräfte ist es natürlich ein zusätzlicher Kraftakt, für den wir sehr dankbar sind."
Und dann ist da eben das Thema Geld. Es fällt auf, dass bis auf das WorldTour-Zugpferd und die U23 jedes Rennen seinen eigenen Titelsponsor hat: Die Hobby-Radler werden vom ADAC mitfinanziert, die U11 bis U17 von Süwag Energie, das Inklusionsrennen und die Handbiker von der Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF und das Laufradrennen stellt die Kinderschokolade auf die Beine. Für die U23-Kategorie aber gibt es kein explizites Sponsoring, dafür aber sorgt sie laut Nathanael Bank für "einen mittleren fünfstelligen Betrag" an Kosten.
"Es ist bitter und tut weh, aber es ist schwierig, in so einer Riesenveranstaltung den Fokus von Partnern und Sponsoren auf so ein Rennen zu legen. Du hast ein Breitensportrennen mit dieses Jahr wahrscheinlich 12.000 Teilnehmern. Das ist eine Masse an Menschen, die natürlich für Sponsoren interessant ist. Und Du hast ein Profirennen, das im Fernsehen läuft, was für andere Zielgruppen der Partner und Sponsoren sehr attraktiv ist. Die Kinder-Rennen werden dankenswerterweise von Sponsoren gut angenommen, aber es ist uns nie gelungen, einen Partner speziell für das U23-Rennen zu finden."
Klar ist, dass ein Privatunternehmen wie die ASO Germany Entscheidungen auch aufgrund derart wirtschaftlicher Betrachtungsweisen fällen muss, zumal die Kosten von Jahr zu Jahr steigen. Bank erklärte, dass die Ausgabenseite in der Bilanz "im Vergleich zu 2023 inzwischen um 400.000 Euro gestiegen" sei. "Da ist natürlich viel auch gegenfinanziert, weil es mit neuen Partnern und Branding zusammenhängt, aber viel sind auch einfach Sicherheitsauflagen und solche Dinge. Natürlich ist auch die Einnahmenseite gewachsen, aber es ist immer nur ein Wettlauf gegen die steigenden Kosten. Es ist selten so, dass man mit neuen Einnahmen wirklich überlegen kann, wie man das Event weiterentwickelt. Sondern es geht meistens nur darum, die steigenden Kosten zu decken."
Ein konkretes Beispiel seien die Sperrmaßnahmen in Frankfurt selbst. "Das wurde früher von städtischer Seite unterstützt, im letzten Jahr aber komplett in unsere Hand gegeben. Da mussten wir statt 20.000 dann 70.000 Euro bezahlen – und es stand exakt das gleiche Material da, vom gleichen Dienstleister wie vorher", so Bank.
Die Kosten und das Fehlen eines dedizierten Sponsors dafür sind seit Jahren auch ein Grund, warum in Frankfurt kein Profirennen für Frauen ins enge Programm aufgenommen wurde. Das erklärten die Veranstalter radsport-news.com in den letzten zehn Jahren immer wieder auf Nachfrage – egal ob der ehemalige Veranstaltungsleiter Bernd Moos-Achenbach, ASO-Germany-Geschäftsführer Matthias Pietsch oder nun Nathanael Bank. Interessant beim Thema Frauenrennen ist, dass die ASO in Frankreich auch die Tour de France Femmes und Paris-Roubaix erst einführten, als sich Zwift als Geldgeber konkret für die Frauen-Events dahinter stellte. Das ist also keine in Deutschland exklusiv vorgeschobene Begründung.
Der Australier Michael Matthews (Jayco – AlUla holte 2025 sich den Sieg im Profirennen. | Foto: Eschborn-Frankfurt/Henning Angerer
"Ein Frauenrennen ist dem Männer-Profirennen natürlich nochmal ähnlicher, auch in der Kostenstruktur, als das U23-Rennen. Da geht es dann schnell in Richtung unterer sechsstelliger Betrag, den du stemmen musst – und da bist du natürlich noch mehr auf Partner angewiesen", erklärte Bank nun. Warum? Ganz einfach: WorldTour-Frauenrennen müssen wie die WorldTour-Männerrennen eine Live-TV-Übertragung produziert bekommen und die Rennveranstalter haben ganz andere Antritts- und Hotelkosten auch für die Teams zu übernehmen als auf U23-Niveau.
Doch es geht in der Frage nach einem Frauenrennen nicht nur ums Geld und den nötigen Platz im Zeitplan am 1. Mai in Frankfurt, sondern auch im Rennkalender an sich. "Es gab Jahre, da waren wir parallel mit der Frauen-Vuelta", erklärte Bank mit Blick auf 2023 und 2024. Auch 2026 beginnt die Spanien-Rundfahrt der Frauen bereits am 3. Mai und kollidiert daher terminlich, wenn man die Reiselogistik der mit weniger Fuhrpark ausgestatteten Frauen-Teams beachtet. "Nur um sagen zu können, dass wir auch ein Frauenrennen haben, muss ich das nicht auf den vollen Renntag draufpacken, wenn dann die Top-Teams und Top-Fahrerinnen gar nicht da sind."
Immerhin bestätigte er aber, dass es vom Land Hessen bereits die Frage nach der Möglichkeit eines Frauenrennens gab: "Da habe ich geantwortet, dass der Ansatz eher sein muss, einen Zeitpunkt zu finden, der in den Rennkalender passt und zu dem man losgelöst vom 1. Mai irgendwo in Hessen ein Frauenrennen machen kann, und unser Know-How dafür dann zu nutzen – vielleicht in einer Stadt, in der man es gut umgesetzt bekommt und die noch kein Event dieser Art hat."
Stand jetzt scheint es also nicht sehr wahrscheinlich, dass in allzu naher Zukunft ein Frauenrennen an die Stelle des weggefallenen U23-Rennens am 1. Mai rückt – und auch die Rückkehr des letzteren ist wohl nicht besonders realistisch. "Es entsteht ja auch die Frage, in welche Richtung sich die U23-Rennen generell entwickeln, weil viele junge Fahrer immer früher in die WorldTeams kommen. Was ist dann ein Format, bei dem man dem Nachwuchs eine Chance geben kann am 1. Mai? Einfach irgendwann auf das alte Format zurückzukehren, das aber für die deutschen Konti-Teams dann vielleicht auch gar nicht mehr gut passt, das bringt ja auch nichts. Da würde ich eher gucken, wie wir dem deutschen Radsport insgesamt etwas Gutes tun könnten", überlegte Bank, der auch auf Initiative vom deutschen Radsportverband German Cycling hofft.
Nach der Ausgabe von 2019 konnte das U23-Rennen wegen der Corona-Pandemie drei Jahre in Folge nicht ausgetragen werden. | Foto: Eschborn-Frankfurt/Henning Angerer
"Letztendlich ist Nachwuchsförderung an sich zwar immer etwas, was uns wichtig ist, aber per se jetzt nicht die Aufgabe von privatwirtschaftlichen Unternehmen. Da müsste man deshalb schon auch gucken, wie man zusammen an einem Strang ziehen kann, um solche Projekte auch realisieren zu können", fügte er an.
Das klingt, als sei man bei der ASO Germany durchaus bereit, gemeinsam mit dem deutschen Verband German Cycling auch an der Organisation und dem Aufbau von anderen Rennen für Nachwuchs und niedrigere Kategorien zu arbeiten – die Bundesliga winkt mit dem Zaunpfahl. Und man wird ja träumen dürfen: Mit dem ADAC, Lidl und vielleicht ja sogar Red Bull, Bora oder hansgrohe wären möglicherweise interessierte potente Geldgeber im deutschen Radsport sogar schon vorhanden.
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