RSNplusSimmons über Milan: “Leicht, für ihn zu leiden“

Lidl - Trek hat den Giro-Spirit nun auch bei der Tour

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Lidl - Trek hat den Giro-Spirit nun auch bei der Tour"
Jonathan Milan (Lidl - Trek) | Foto: Cor Vos

23.07.2025  |  (rsn) – Jonathan Milan war längst im Ziel und hatte seinen zweiten Sieg bei der diesjährigen Tour de France und einen Riesenschritt im Kampf um das Grüne Trikot bejubeln können, als sich kurz vor dem Zielstrich in Valence die Szene abspielte, die sinnbildlich dafür war, dass es bei Lidl – Trek wieder läuft. Gemeinsam erreichten die Milan-Helfer Thibau Nys, Toms Skujins und Quinn Simmons das Ziel. Letzteren nahmen die beiden anderen in die Mitte und deuteten gestenreich auf den US-amerikanischen Meister, feierten ihn ab.

Das Bild steht für die Rückkehr des Lidl-Spirits, danke dem Mads Pedersen & Co. beim Giro d’Italia gleich sechs Etappensiege feiern konnten. Und dass es ausgerechnet Simmons ist, der im Mittelpunkt der neuen alten Stärke steht, macht die ganze Sache umso bemerkenswerter. Keine vier Tage ist es her, da hatte der 24-Jährige noch öffentlich Kritik am Team und dessen Taktik geübt. Nun war er es, der die meiste Zeit des Tages im Wind verbrachte.

___STEADY_PAYWALL___ Zu Beginn der Etappe sorgte Simmons dafür, dass der Vorsprung der Ausreißergruppe im Rahmen blieb. Nach dem ersten Anstieg des Tages ließ er sich zurückfallen, als Kapitän Milan nicht mehr das Tempo des ersten Hauptfeldes mitgehen konnte. Gemeinsam mit Jasper Stuyven nahm er raus, spannte sich vor die Gruppe der Sprinter und fuhr sie wieder nach vorne – um dann an der Spitze wieder Tempoarbeit zu verrichten. Zuvor war Simmons noch einem Ineos-Trio und Ivan Romeo (Movistar) hinterhergejagt, als die sich absetzen wollten. Als die Lücke da war, verweigerte er es, mitzuführen.

Überragend bei der Jagd nach den Ausreißern: Quinn Simmons (Lidl – Trek) | Foto: Cor Vos

“Ich war sehr zufrieden damit, heute die ersten 150 Kilometer meine Arbeit getan zu haben und die großen Jungs dann ihr Ding im Finale machen zu lassen“, sagte Simmons bei Eurosport. “Und dann nach so einem Tag voller Arbeit im Funk zu hören, dass er (Milan) gewonnen hat, ist toll! Meine Freundin hat mich heute früh gefragt, warum ich so nervös bin. Es war schließlich eine Sprintetappe und ich musste nur das Feld ziehen“, erzählte Simmons. “Ich sagte ihr, dass, wenn ich einen wirklich guten Tage habe, ich für einen Sprint sorgen kann und dass ich denke, dass Johnny den dann gewinnt.“

Milan beherrscht die Kunst des Lobens so gut wie Pedersen

“Johnny“ tat genau das, was von ihm erwartet wurde, und zeigte sich danach “wirklich glücklich und eigentlich sprachlos. Ich habe die Berge nicht allein überlebt, ich habe sie nur mit Hilfe meiner Teamkollegen überleben können“, sagte er in seinem Siegerinterview. “Ohne sie wäre ich jetzt nicht hier, da wäre ich heute auch wieder an einem der Anstiege abgehängt worden. Sie haben mir jeden Tag geholfen und deswegen haben wir heute dieses Ergebnis erzielt.“

Milan beherrscht es genauso perfekt wie Pedersen, seine Leute ins rechte Licht zu rücken. Und deswegen sind die auch bereit, für ihn an ihre Grenzen zu gehen. Oder sogar darüber hinaus. “Er ist einer dieser Fahrer, die es einem leicht machen, für sie zu leiden. Er will Spaß haben und verbraucht vielleicht etwas zu viel Energie zu sein, wie er ist. Aber so haben wir eine tolle Arbeitsumgebung. Es ist fantastisch mit ihm hier zu sein“, betonte Simmons. Auch Stuyven unterstrich das bei Eurosport: “Heute waren wir eine Einheit. Wir haben die Arbeit gut verteilt und das hat sich ausgezahlt.“

Jonathan Milan und seine Teamkollegen von Lidl – Trek haben nun auch bei der Tour ihren Spaß. | Foto: Cor Vos

Der Belgier war im Finale Milans letzter Mann, hatte den Cut beim Crash geschafft. “Ich habe den Sturz noch gesehen und hörte dann über Funk, dass wir nur noch mit zehn oder fünfzehn Mann sprinten werden. Das verändert viel, denn von hinten kann niemand mehr kommen. Johnny konnte deswegen abwarten. Er hat mir vertraut und ich habe ihm im Finale auch noch geholfen.“ Ohne Vertrauen geht es im Sprint ohnehin nicht, doch dass der Fakt bei Lidl – Trek nochmal so herausgestellt wird, spricht für sich.

Milan: “Momentan haben wir viel Spaß“

Milans Aussagen unterstützen das. “Wegen des Wetters war das Finale schwer. Es gab viele Kreisverkehre und ich hatte schon etwas Angst. Auch da haben mich meine Teamkollegen aber unterstützt. Und dann wurde ich auch noch an perfekter Position abgesetzt. Es ist ein fantastischer Team-Sieg und ich muss meiner Mannschaft vom Grunde meines Herzens danken. Momentan haben wir viel Spaß und ich freue mich darüber, wie es zurzeit läuft.“

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