Yates sticht, auch Vingegaard optimistisch

Halber Planerfolg für Visma vor dem ersten Ruhetag der Tour

Von Tom Mustroph aus Le Mont-Dore

Foto zu dem Text "Halber Planerfolg für Visma vor dem ersten Ruhetag der Tour"
Sepp Kuss und sein Visma-Team hatten im Zentralmassiv einen harten Arbeitstag. | Foto: Cor Vos

14.07.2025  |  (rsn) - Kurz vor dem ersten Ruhetag setzte der niederländische Rennstall Visma - Lease a Bike ein echtes Achtungszeichen. Im Peloton der schwer Ermüdeten erwies sich Simon Yates als der noch halbwegs Frischeste. Er holte aus der Fluchtgruppe des Tages heraus den Tagessieg. Es ist der erste Etappenerfolg für das Team von Jonas Vingegaard bei dieser Tour. "Und das nimmt auch Druck von uns. Denn es ist immer toll, einen Tour-Etappensieg zu erringen“, atmete Sepp Kuss beim Laktat aus den Beinen fahren gegenüber RSN auf.

Die Option mit dem Tagessieg hatte sich allerdings erst während der Etappe ergeben, gab Kuss zu. Und auch Yates selbst hatte nicht damit gerechnet. "Ich hatte eigentlich keine Chancen für mich selbst erwartet. Unser Fokus liegt voll und ganz auf Jonas und der Gesamtwertung“, blickte er zurück. "Aber die Etappe lief so, dass ich plötzlich in der Position war, sie gewinnen zu können. Die Chance habe ich dann mit beiden Händen ergriffen“, meinte er glücklich. Und betonte noch einmal: "Heute war der Hauptplan, dass ich im Falle, dass hinten etwas passiert, noch da bin. Dann aber war die Lücke zu groß – und ich bin für mich selbst gefahren.“

Größere taktische Flexibilität

Das ganze Procedere ist Beleg dafür, dass Visma – Lease a Bike taktisch flexibler geworden ist. Das Ziel bleibt weiterhin die Gesamtwertung mit Vingegaard. Sollten sich aus der Konstellation heraus aber Chancen auf Zwischenerfolge ergeben, werden die auch genutzt. "Auf Etappen wie heute kann man schon etwas kreativ sein“, meinte daher auch schmunzelnd Kuss, bevor er sich mit Head of Performance Grischa Niermann abklatschte.

Ein wenig war die Option Etappensieg aber auch eingespeist in den Matchplan. Denn nicht nur Yates schaffte es in die Gruppe, auch Teamkollege Victor Campenaerts war präsent. Der Belgier war weniger als zweite Relaistation für Vingegaard geplant, falls in der Favoritengruppe etwas anbrennen sollte. "Es war gut, einen Fahrer wie Victor vorn zu haben. Wir wollten zwei Fahrer dabei haben, eben für den Fall, dass es um den Etappensieg gehen würde. Victor ist auf allen Terrains stark. Er war wichtig für den Fall, dass jemand zu Simon vorgefahren wäre, denn es war eine große Gruppe. Victor sollte es dann taktisch angehen, falls es nötig gewesen wäre“, erklärte Kuss diesen Teil des Matchplans.

Yates Giro-Form kommt zurück

Der funktionierte, weil Yates nach Schwierigkeiten in den ersten Tourtagen so langsam wieder in die Form hineinfindet, die ihn in den letzten Maitagen zum Giro-Sieg getragen hatte. "Ich bin hier etwas eingerostet angekommen nach dem Giro. Die ersten paar Etappen haben mir ziemlich viel abverlangt. Aber ich werde immer besser“, meinte er. Ambitionen, auch bei der Frankreichrundfahrt im Klassement zu glänzen, hat er nicht mehr. Mit fast 20 Minuten Rückstand auf Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) ist da auch wenig realistisch. Und mit Matteo Jorgenson als Gesamtfünfter mit nur 20 Sekunden Rückstand auf Kapitän Vingegaard hat der Rennstall ein anderes ganz heißes Eisen im Feuer. Auch deshalb kann Yates mal Kräfte verbrennen, ohne gleich ans Morgen zu denken.

Der zweite Teil des Tagesplans, ja eigentlich der Hauptplan, ging allerdings nicht so recht auf. "Wir wollten Druck ausüben auf Pogacar“, sagte ganz ohne Ausflüchte Vingegaard. Er musste aber zugeben, dass das nicht ganz geklappt hatte, bestenfalls minimale Anzeichen zu sehen waren. "UAE hat ein starkes Team. Sie haben sich heute sehr gut verteidigt“, gestand er ein. Ein wenig Hoffnung machte ihm aber der Umstand, dass "Pogacar selbst auch ein wenig Arbeit verrichten“ musste. Noch optimistischer stimmte ihn ein anderer Umstand: "Bisher konnte ich all seinen Attacken folgen. Das ist mir in der Dauphiné nicht geglückt. Das zeigt, dass ich jetzt besser bin als bei der Dauphiné“, meinte der Däne. Tatsächlich ist seine neue Explosivität bemerkenswert. Es ändert allerdings nichts daran, dass er weiter unter Zugzwang steht. “Ich liege noch hinter Tadej und werde irgendwann Zeit auf ihn gewinnen müssen“, konstatierte der Däne ganz richtig.

Alles wartet auf den Visma-Angriff

Das gelang ihm am französischen Nationalfeiertag auch nicht. Verblüfft waren viele, dass er es gar nicht versuchte. "Nach all der Vorbereitung, all den Attracken des Teams hatte ich eigentlich einen Angriff von Vingegaard selbst erwartet. Aber der kam nicht“, sagte UAE-Teamchef Mauro Gianetti RSN. So bleibt unklar, ob Vingegaard sich einen Angriff noch nicht zugetraut hatte oder er ihn angesichts der nur kurzen Rampen für zu wenig erfolgversprechend gehalten hatte.

Team Visma – Lease a Bike kann mit leichtem Optimismus in den ersten Ruhetag gehen. Das Ergebnisprotokoll listet aber immer noch 77 Sekunden Rückstand auf Pogacar auf. Und der Slowene muss in den nächsten Tagen auch nicht Gefahr laufen, Energie mit Pressekonferenzen zu vergeuden. Ben Healy (EF Education - EasyPost) will in die ersten Pyrenäengipfel gern noch mit Gelb fahren. Mit Lenny Martinez (Bahrain Victorious) hat ein junger Bursche das Bergtrikot übernommen, der es mit Zähnen und Klauen verteidigen wird. Und in der Punktewertung hat Pogacar mittlerweile einen solchen Sicherheitsabstand auf den Führenden Jonathan Milan, der ihm sogar einen Etappengewinn erlaubt, ohne automatisch Grün übernehmen zu müssen. Vingegaard muss also schon selbst dafür sorgen, dass Pogacar erschöpft wird.

Vorzeichen auf ein Zusammenbrechen Pogacars konnte Teamkollege Kuss jedenfalls nicht erkennen. "Wir konnten sie heute nicht brechen. Es war aber schön, es zu probieren“, meinte er. In den Pyrenäen will er selbst dann eine stärkere Brecherrolle spielen als bisher. "Ich mag die Pyrenäen besonders. Ich hoffe auf gute Beine und es wird bestimmt schön“, blickte er auf die nächste Woche voraus. Die Tour ist weiterhin offen. Das ist doch ein gutes Zeichen.

Mehr Informationen zu diesem Thema

12.11.2025Arensman: “Letztendlich ist Radsport nur eine Nebensache“

(rsn) – Bei der vergangenen Tour de France feierte Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) die bisher größten Erfolge seiner Karriere. Aber nicht die auf der 14. Und 19. Etappe eindrucksvoll herausgef

04.11.2025Wellens erzählt von Pogacars Knieproblemen bei der Tour

(rsn) – Tim Wellens hat in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung L´Equipe konkreter über die Schwierigkeiten von Teamkollege Tadej Pogacar in der Schlusswoche der Tour de France

11.08.2025Gianetti: “Pogacar zu sein ist schön, aber nicht einfach“

(rsn) – Mauro Gianetti, der Teamchef von UAE – Emirates – XRG hat sich zum kommenden Rennkalender und zum Vuelta-Verzicht von Tadej Pogacar geäußert. Am Ende der Tour de Pologne sagte er gege

03.08.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrerinnen / 9. Etappe

(rsn) - 154 Profis aus 22 Teams sind am 26. Juli im westfranzzösischen Vannes zur 4. Tour de Frances Femmes (2.WWT) angetreten, darunter sieben Deutsche, sechs Schweizerinnen und drei Österreicheri

31.07.2025Pogacar “langweilte“ sich in der zweiten Hälfte der Tour

(rsn) – Neben dem Gelben und dem Gepunkteten Trikot sicherte sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bei der Tour de France 2025 vier Etappensiege. Den letzten davon feierte der Slowene ab

30.07.2025Häuslicher Unfall: Vauquelin bricht sich den Knöchel

(rsn) – Spätestens mit seinem siebten Platz bei der 112. Tour de France hat Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) auch international seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. Die Freude über das

29.07.2025Zwei Tage nach der Tour: Aldag verlässt Red Bull - Bora - hansgrohe

(rsn) – Rolf Aldag und Red Bull – Bora – hansgrohe gehen ab sofort getrennte Wege. Das kündigte der deutsche WorldTour-Rennstall überraschend zwei Tage nach Ende der Tour de France an, bei der

28.07.2025Lipowitz: “Manchmal ist der Sportchef nicht glücklich mit mir“

(rsn) - Nur Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) konnte in den Bergen der Tour de France ansatzweise mit Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und dem Zweitplat

28.07.2025Im Überblick: Alle Gelbe Karten bei der 112. Tour de France

(rsn) – Drei Tage hat es gedauert, bis die UCI-Jury bei der Tour de France 2025 zum ersten Mal hart durchgegriffen und Gelbe Karten verteilt hat: Im Sturzchaos von Dünkirchen bestraften die Kommiss

28.07.2025Angst, natürlicher Schwund und finanzielle Ungleichheit

(rsn) – Die Tinte in den Radsport-Geschichtsbüchern ist gerade erst getrocknet: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat bei der Tour de France 2025 im direkten Duell mit seinem großen Widersa

28.07.2025Vingegaards “merkwürdige Tour“ endet auf Platz zwei

(rsn) – Das große Ziel hat Visma – Lease a Bike bei dieser Tour de France verfehlt. Jonas Vingegaard musste in Paris mit der zweiten Stufe auf dem Podium vorliebnehmen, der ewige Rivale Tadej Po

28.07.2025Montmartre wirklich einmalig? Prudhomme zieht Tourmalet-Vergleiche

(rsn) – Es sollte etwas Besonderes werden. Immerhin gab es ja auch einen runden Geburtstag zu feiern. Vor 50 Jahren endete die Tour de France erstmals in Paris auf den Champs-Élysées, Ex-Telekom-T

Weitere Radsportnachrichten

22.01.2026UAE-Doppelsieg: Vine zieht Narvaez mit sich und von allen davon

(rsn) – Jay Vine (UAE – Emirates – XRG) hat in Uraidla die schwere 2. Etappe der Tour Down Under 2026 vor seinem ecuadorianischen Teamkollegen Jhonatan Narvaez gewonnen. Das UAE-Duo setzte sich

21.01.2026Radsport live im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die w

21.01.2026Flèche Wallonne mit neuem Startort, Mur de Huy wieder im Triple

(rsn) – Die 90. Ausgabe des Flèche Wallonne wird am 22. April im Lütticher Vorort Herstal beginnen, nachdem der mittlere der drei Ardennenklassiker im vergangenen Jahr in Ciney gestartet war. Davo

21.01.2026Strade Bianche 2026 mit nur noch 64 Schotterkilometern

(rsn) – In den vergangenen Jahren packten die Organisatoren immer mehr Schwierigkeiten in den italienischen Frühjahrsklassiker Strade Bianche hinein. Zur am 7. März anstehenden 20. Ausgabe des üb

21.01.2026Omloop: Tenbosse-Parikeberg statt Elverenberg-Vossenhol

(rsn) – Auch in diesem Jahr wird die flämische Klassikersaison mit dem Omloop Het Nieuwsblad eröffnet. Wie die Organisatoren nun mitteilten, wird die am 28. Februar anstehende 81. Ausgabe auf eine

21.01.2026Im Jahr des Umbruchs “von neuen Möglichkeiten begeistert“

(rsn) – Obwohl nach wie vor im orange-blauen Trikot unterwegs, zeigt das Frauen-Team von Picnic - Post NL in diesem Jahr ein stark verändertes Gesicht. Die Equipe von General Manager Iwan Spekenbri

21.01.2026Nach Jakobsen auch Teamkollege Eekhof an Beckenarterien operiert

(rsn) – Mit Nils Eekhoff hat sich ein weiterer Profi Picnic - PostNL an den Beckenarterien operieren lassen müssen. Wie der 27-jährige Niederländer auf Instagram nun schrieb, sei der bereits in d

21.01.2026Highlight-Video der 1. Etappe der Tour Down Under

(rsn) – Tobias Lund Andresen hat in Australien seinem neuen Team Decathlon – CMA CGM einen frühen ersten Saisonsieg beschert. Der 23-jährige Däne entschied nach 120 Kilometern die 1. Etappe der

21.01.2026Prudhomme: Deutsche Tour-Bewerbung mit Berlin “stärker“

(rsn) – Bereits im vergangenen Jahr kursierten Meldungen über einen möglichen Start der Tour de France 2030 in Deutschland. Im April hatte der ehemalige BDR-Vorsitzende Rudolf Scharping die sächs

21.01.2026Mayrhofer bricht sich bei Tour Down Under mehrere Knochen

(rsn) – Für Marius Mayrhofer ist die Tour Down Under (2.UWT) bereits am zweiten Tag vorbei und auch seine Saison 2026 muss früh unterbrochen werden. Der Tudor-Profi kam knapp 44 Kilometer vor dem

21.01.2026Coles-Lyster feiert trotz Sturz endlich den ersten Profisieg

(rsn) – Maggie Coles-Lyster hat beim 2025 neu eingeführten Women´s One Day Race (1.Pro) zwei Tage nach dem Ende der Tour Down Under ihren ersten Profisieg im vierten Jahr als WorldTour-Profi gefei

21.01.2026Lund Andresen rauscht mit perfektem Decathlon-Timing zum Sieg

(rsn) – Tobias Lund Andresen hat schon im zweiten Renneinsatz nach dem Wechsel von Picnic – PostNL zu Decathlon – CMA CGM seinen ersten Sieg für den neuen Arbeitgeber eingefahren und sich im Hi

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Santos Tour Down Under (2.UWT, AUS)
  • Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Pune Grand Tour (2.2, IND)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)