RSNplusNur halb entspannter Tour-Tag für UAE

Pfiff die Sportliche Leitung Pogacar zurück?

Von Tom Mustroph aus Vire Normandie

Foto zu dem Text "Pfiff die Sportliche Leitung Pogacar zurück?"
Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) auf der 6. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos

10.07.2025  |  (rsn) - Eigentlich wollte es das Team von Tadej Pogacar gemächlich angehen lassen auf dieser 6. Etappe der Tour de France. So durfte man auch den Kapitän höchstpersönlich verstehen, als er vor dem Start erklärte, mit einer Fluchtgruppe ohne wie auch einer mit Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck) zufrieden zu sein.

Bei einer Gruppe ohne den Niederländer hätten seine Mannen mit Hilfe von Alpecin - Deceuninck rechnen können, lautete die Prognose des Slowenen. Und wenn van der Poel in der Gruppe sei, könne der auch gerne Gelb übernehmen. Es gibt wohl keinen anderen Rennfahrer, dem Pogacar mehr für eine paar Tage in der ersten Tourwoche das Maillot Jaune gönnen würde als eben van der Poel. 

“Ja, beide haben sehr großen Respekt voreinander und auch die Teams respektieren sich“, bestätigte Pogacars Sportlicher Leiter Matxin Fernandez im Ziel gegenüber RSN.

___STEADY_PAYWALL___ Und von außen sah es auch lange so aus, als hätte die Nähe zwischen beiden Kapitänen und den Sportlichen Leitern zur Konstellation mit van der Poel vorn und dem Peloton mit Pogacar entscheidend beigetragen.

Aus dem rotierenden Bauch des Pelotons sah es aber komplett anders aus. “Es war ein extrem anstrengender Tag heute, richtiges Radrennen“, sagte etwa der Deutsche Zeitfahrmeister Max Schachmann (Soudal – Quick-Step) RSN im Ziel, wo er erstmal durchatmen musste. “Die ersten zwei Stunden waren echt schwer. Wir waren uns nicht sicher, was heute passieren wird“, meinte er weiter.

Tadej Pogacar (in Gelb) hoffte am tart der 6. Tour-Etappe darauf, am Ende des Tages das Maillot Jaune abgeben zu können. | Foto: Cor Vos

Schachmanns Eindruck war, dass einerseits Pogacar nach der Demütigung, die er im Zeitfahren Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) zufügen konnte, nun jede weitere Etappe gewinnen wolle. Ein Kannibale eben, der erwachsen geworden ist. “Und dann wollte auch Visma heute, glaube ich, ein Zeichen setzen. Die haben das Rennen extrem schwer gemacht und am Anfang mit zahlreichen Leuten versucht, in die Gruppe zu gehen“, beschrieb der gebürtige Berliner den zweiten Unruheherd im Feld. Und wenn es danach nach Business as usual ausschaute, mit einer Gruppe die kontrolliert weggelassen wurde, so täuschte auch das.

Wollte Pogacar Gelb doch nicht abgeben?

Denn offenbar wollte Pogacar dann doch nicht Gelb abgeben und auf den finalen Wellen in Vire Normandie mal wieder seine Beine sprechen lassen. “Von (Tim) Wellens weiß ich, Tadej wollte zufahren und gewinnen. Das Team hat aber gesagt: ‚Mach mal ruhig“, erklärte er. Einen solchen Dissenz zwischen Sportlicher Leitung und Kapitän wollte im UAE-Lager dann allerdings niemand öffentlich machen. 

Cheftaktiker Fernandez machte einfach den Rennverlauf verantwortlich für all das Auf und Ab. Letztlich konnte er zufrieden sein mit dem Ausgang. “Für uns war die Gruppe ok, wenn die Lücke nicht zu groß wird. Wir wollten heute nur kontrollieren und Tadej nicht sprinten lassen, da das Gelbe heute nicht unser Fokus war. Mathieu ist kein Konkurrent für die Gesamtwertung und aus diesem Grunde konnten wir ihn auch fahren lassen“, erklärte Fernandez.

Pogacar selber schob Visma – Lease a Bike die Verantwortung für das schnelle Finale zu. "Am Ende hat Visma ich weiß nicht was versucht und ist hart gefahren. Wir sind nur gefolgt. Visma kam an den letzten zwei Kickern mit Vollgas. Vielleicht hatten sie die Info, dass van der Poel vorne Zeit verliert und sie wollten, dass ich heute im Gelben Trikot bleibe. Aber er hat es um eine Sekunde bekommen – Chapeau an ihn!", sagte der 26-Jährige, der die Verteidigung des Gelben Trikots dann aber nur um eine Sekunde verpasste.

 

Dann packte den Slowenen aber wohl doch der Ehrgeiz: Im Ziel verpasste er die Verteidigung des Gelben Trikots um nur eine Sekunde. | Foto: Cor Vos

Nils Politts Auskunft gegenüber Eurosport bestätigte auf alle Fälle Schachmanns Eindrücke von der Härte der Kämpfe, bevor die Gruppe überhaupt zustande kam. “Es war viel Arbeit, die richtige Gruppe fahren zu lassen, weil auch mal Fahrer wie Vauquelin (Gesamtdritter vor dem Start. d. Red.) attackiert haben. Im Endeffekt haben wir uns dann entschieden, die Gruppe fahren zu lassen und das Trikot abzugeben. Das nimmt natürlich ein wenig den Druck von den Schultern und spart uns ein bisschen Energie“, meinte der Kölner.

UAE kann die 7. Etappe entspannter in Angriff nehmen

Und mit Blick auf die 7. Etappe mit der Mur-de-Bretagne konstatierte er: “Wir sind alle froh, dass wir da etwas entspannter reingehen können, ohne das Gelbe Trikot.“ Es gibt sogar einen Bonuseffekt: Van der Poel könnte einerseits von der Rückeroberung des Gelben Trikots so sehr erfreut sein, dass er an der Mauer gar nicht mehr so siegeshungrig wie gewohnt ist. Zweitens könnte er von der Anstrengung in der Fluchtgruppe derart geschlaucht sein, dass er dort gar nicht mehr sein ganzes explosives Potenzial abrufen kann.

Diese Befürchtung äußerte der Niederländer auch in der Pressekonferenz in Vire Normandie. Die möglicherweise von außen verordnete Zurückhaltung könnte sich für Pogacar also begünstigend auswirken. Neue Lektion für den Slowenen: Zuweilen kann weniger auch mehr sein.

Mehr Informationen zu diesem Thema

12.11.2025Arensman: “Letztendlich ist Radsport nur eine Nebensache“

(rsn) – Bei der vergangenen Tour de France feierte Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) die bisher größten Erfolge seiner Karriere. Aber nicht die auf der 14. Und 19. Etappe eindrucksvoll herausgef

04.11.2025Wellens erzählt von Pogacars Knieproblemen bei der Tour

(rsn) – Tim Wellens hat in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung L´Equipe konkreter über die Schwierigkeiten von Teamkollege Tadej Pogacar in der Schlusswoche der Tour de France

11.08.2025Gianetti: “Pogacar zu sein ist schön, aber nicht einfach“

(rsn) – Mauro Gianetti, der Teamchef von UAE – Emirates – XRG hat sich zum kommenden Rennkalender und zum Vuelta-Verzicht von Tadej Pogacar geäußert. Am Ende der Tour de Pologne sagte er gege

03.08.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrerinnen / 9. Etappe

(rsn) - 154 Profis aus 22 Teams sind am 26. Juli im westfranzzösischen Vannes zur 4. Tour de Frances Femmes (2.WWT) angetreten, darunter sieben Deutsche, sechs Schweizerinnen und drei Österreicheri

31.07.2025Pogacar “langweilte“ sich in der zweiten Hälfte der Tour

(rsn) – Neben dem Gelben und dem Gepunkteten Trikot sicherte sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bei der Tour de France 2025 vier Etappensiege. Den letzten davon feierte der Slowene ab

30.07.2025Häuslicher Unfall: Vauquelin bricht sich den Knöchel

(rsn) – Spätestens mit seinem siebten Platz bei der 112. Tour de France hat Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) auch international seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. Die Freude über das

29.07.2025Zwei Tage nach der Tour: Aldag verlässt Red Bull - Bora - hansgrohe

(rsn) – Rolf Aldag und Red Bull – Bora – hansgrohe gehen ab sofort getrennte Wege. Das kündigte der deutsche WorldTour-Rennstall überraschend zwei Tage nach Ende der Tour de France an, bei der

28.07.2025Lipowitz: “Manchmal ist der Sportchef nicht glücklich mit mir“

(rsn) - Nur Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) konnte in den Bergen der Tour de France ansatzweise mit Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und dem Zweitplat

28.07.2025Im Überblick: Alle Gelbe Karten bei der 112. Tour de France

(rsn) – Drei Tage hat es gedauert, bis die UCI-Jury bei der Tour de France 2025 zum ersten Mal hart durchgegriffen und Gelbe Karten verteilt hat: Im Sturzchaos von Dünkirchen bestraften die Kommiss

28.07.2025Angst, natürlicher Schwund und finanzielle Ungleichheit

(rsn) – Die Tinte in den Radsport-Geschichtsbüchern ist gerade erst getrocknet: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat bei der Tour de France 2025 im direkten Duell mit seinem großen Widersa

28.07.2025Vingegaards “merkwürdige Tour“ endet auf Platz zwei

(rsn) – Das große Ziel hat Visma – Lease a Bike bei dieser Tour de France verfehlt. Jonas Vingegaard musste in Paris mit der zweiten Stufe auf dem Podium vorliebnehmen, der ewige Rivale Tadej Po

28.07.2025Montmartre wirklich einmalig? Prudhomme zieht Tourmalet-Vergleiche

(rsn) – Es sollte etwas Besonderes werden. Immerhin gab es ja auch einen runden Geburtstag zu feiern. Vor 50 Jahren endete die Tour de France erstmals in Paris auf den Champs-Élysées, Ex-Telekom-T

Weitere Radsportnachrichten

31.12.2025Hollmann gibt jeden Tag sein Bestes, um wieder fit zu werden

(rsn) – Mehr als sieben Monate nach seinem schlimmen Sturz beim Giro d’Italia, bei dem er auf der 6. Etappe gegen ein Verkehrsschild geprallt war und sich den Arm und das Becken gebrochen hatte, t

31.12.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Männer 2025

(rsn) – Es ist inzwischen RSN-Tradition. Und auch wenn sich mit Christoph Adamietz der Vater der Idee vor einem Jahr aus unserem Autoren-Team verabschiedet hat, so soll diese Tradition fortgesetzt w

31.12.2025Lipowitz: “Meine Werte waren bei Dauphiné besser als in der Tour“

(rsn) – Erleichtert wirkt Florian Lipowitz, als er am späten Nachmittag des 10. Dezember die Halle der Central Studios in Binissalem auf Mallorca verlässt. In den letzten drei Stunden musste der 2

31.12.2025Pogacar beendet ein weiteres Jahr der Superlative

(rsn) – Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) war – mal wieder – der überragende Fahrer der Saison. Der Slowene gewann im Sommer zum vierten Mal die Tour de France und verteidigte im Herbst

31.12.2025Edmondson hängt zum Jahresende das Rad an den Nagel

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

31.12.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Frauen 2025

(rsn) – Seit dem Jahr 2013 blicken wir am Ende der Straßenradsaison neben der Jahresrangliste der Männer auch auf das Jahr der Frauen mit entsprechendem RSN-Ranking zurück. Berücksichtigt werden

31.12.2025Reusser in neuen Sphären: “Glück ist Realität minus Erwartung“

(rsn) – Mehr als doppelt so viele Punkte wie die nun zweitplatzierte Vorjahresgewinnerin Elise Chabbey (FDJ – Suez): Marlen Reusser (Movistar) war 2025 die unangefochtene Nummer 1 im RSN-Jahresran

31.12.2025Die Strassacker-Trophäe zur RSN-Jahresrangliste 2025

(rsn) – Seit inzwischen 18 Jahren blicken wir von radsport-news.com in Form unserer RSN-Jahresrangliste auf die Saison der Radprofis aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zurück u

30.12.2025Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan

30.12.2025Van Aert: Cross-WM nur bei Chance auf den Titel

(rsn) – Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) wird kurz vor den Belgischen Cross-Meisterschaften über einen möglichen WM-Start entscheiden. Das bestätigte sein Trainer Mathieu Heijboer gegenübe

30.12.2025Del Grosso wird in Diegem zum ´Mini-Mathieu´

(rsn) – Das Trikot des Niederländischen Meisters mit dem Sponsorennamen Alpecin in großen Lettern auf der Brust, dazu die oft verpönte weiße Rennhose: Diese Beschreibung trifft in diesem Crosswi

30.12.2025Pieterse bleibt in Diegem trotz Platten vor Schreiber

(rsn) – Fünfmal startete Puck Pieterse (Fenix – Deceuninck) in dieser Crosssaison – jedesmal in Weltcuprennen, bei denen die Niederländerin jeweils unter die besten Fünf kam. Gleich bei ihrem

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)