Heizomat holt erhoffte Top Ten im Weltcup

Van Aert bleibt in Dendermonde ungeschlagen

Von Kevin Kempf

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Wout van Aert (Jumbo - Visma) hat den Cross-Weltcup von Dendermonde gewonnen. | Foto: Cor Vos

05.01.2025  |  (rsn) – Wie erwartet hat Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) auf einem seiner Lieblingskurse das Feld dominiert. Beim Weltcup in Dendermonde schüttelte der Belgier in Abwesenheit von Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck) zu Beginn des zweiten Renndrittels seinen letzten Begleiter Emiel Verstrynge (Crelan – Corendon) ab und kam 1:20 Minuten vor seinem Landsmann ins Ziel. Dessen Teamkollege Joran Wyseure wurde Dritter (+1:41) vor Toon Aerts (Deschacht – Hens – FSP / +1:52), der im Gesamtklassement einen Zähler auf Michael Vanthourenhout (Pauwels Sauzen – Cibel) gutmachte. Der fünftbeste Belgier des Tages behauptete seine Weltcupführung.

“Das sind die Crossrennen, an die man sich später noch erinnert. Aber unterwegs fragt man sich schon, warum man sich das eigentlich antut“, lachte der der dreckverschmierte van Aert, der bei seinen bisher drei Teilnahmen in Dendermonde noch ungeschlagen ist. Nur Pim Ronhaar (Baloise – Glowi Lions), der Tagessechster wurde, taucht bei dem noch jungen Rennen ebenfalls in der Siegerliste auf.

Einen Tag nach seinem Triumph in Gullegem war van Aert auch bei seinem dritten Saisoneinsatz erfolgreich. “Das bedeutet mir viel. Ich bin besser als erwartet. Das gibt mir viel Selbstvertrauen, um weiter in Richtung Straßensaison zu arbeiten“, so der 30-Jährige, der diesen Winter Crossrennen nur zur Vorbereitung auf die Frühjahrsklassiker bestreitet. “Körperlich hilft ein Rennen wie heute schon, auch wenn so ein Wettkampf natürlich etwas komplett anderes ist als Paris-Roubaix und die anderen Klassiker. So explosive Kurse wie gestern oder Loenhout sind da schon mehr mit zu vergleichen. Aber der Faktor Spaß zählt natürlich auch mit. Und heute war einer der Tage, wegen dem ich schon immer crossen wollte“, strahlte der Sieger.

Der 22-jährige Verstrynge, der seit fünf Tagen Straßenprofi für Alpecin – Deceuninck ist, stand zum zweiten Mal nach Namur, wo der Dritter wurde, auf einem Weltcup-Podium. “Es war ein hartes Rennen und ich wusste, dass ich ein schnelles Tempo finden musste. Das von Wout war etwas zu schnell für mich, aber ich bin stolz auf mein Ergebnis. Es liegt mir zwar, ein stetiges Tempo zu fahren, trotzdem hatte ich das heute nicht erwartet“, meinte der junge Belgier, der im Cross für Crelan – Corendon, einem weiteren Team der Roodhooft-Brüder, denen auch Alpecin – Deceuninck gehört, antritt.

Hendrikx erfüllt Heizomats Saisonziel

Der für das deutsche Team Heizomat – Hermann fahrende Niederländer Mees Hendrikx konnte mit seinem ersten Top-Ten-Ergebnis im Weltcup seit drei Jahren die Zielsetzung der Teamleitung für diese Saison erfüllen. Wie so oft erwischte der 24-Jährige einen guten Start und konnte sich die erste Rennhälfte unter den besten Sechs behaupten, bevor er einige bekannte Namen an sich vorbeiziehen lassen musste.

Hendrikx konnte aber Eli Iserbyt (Pauwels Sauzen – Cibel) in die Schranken weisen und Zehnter vor dem Belgier werden. Auch der 22-jährige Schweizer Lars Sommer überzeugte. Er verbuchte als 18. sein zweitbestes Weltcup-Ergebnis nach Rang zwölf in Val di Sole 2023, wo allerdings viele Topfahrer gefehlt hatten.

Marcel Meisen (RTF) startete als Dreizehnter ausgezeichnet, doch dann fiel der Deutsche Meister zwischen der zweiten und dritten Zeitnahme um mehr als 30 Positionen zurück und gab schließlich früh auf. Eike Behrens (Stevens) kämpfte sich in der Auftaktrunde zwischenzeitlich bis auf Platz 19 vor, ehe es in Runde zwei für den 19-Jährigen zehn Plätze runter ging, und auch anschließend wurden die Rundenzeiten sukzessive langsamer. Am Ende der sechsten Runde wurde Behrens aus dem Rennen genommen und als bester von sieben deutschen Startern auf Platz 29 gewertet.

Vier Positionen dahinter belegte sein Teamkollege Silas Kuschla zum dritten Mal in seiner Karriere einen 33. Platz bei einem Weltcuprennen, weiter vorn landete er nie. Behrens hingegen verbesserte sein bestes Weltcup-Ergebnis um zwölf Positionen.

Vanthourenhout führt nach acht von elf Rennen die Weltcup-Gesamtwertung mit 24 Punkten Vorsprung gegenüber Aerts an. Der nächste Lauf findet am 19. Januar im spanischen Benidorm statt.

So lief der Weltcup in Dendermonde:

Aerts ging als Erster ins Gelände und lag damit zwölf Positionen vor van Aert, der sich danach schnell durchs Feld kämpfte. Als der Top-Favorit in die Top Ten vorgedrungen war, hatte Ronhaar das Peloton auseinandergerissen und die Führung übernommen. In der Materialzone erwischte es wieder einmal Pechvogel Ryan Kamp, der beim Radwechsel an vierter Position liegend von Thibau Nys (Baloise – Glowi Lions) behindert wurde. Der Niederländer stürzte dabei und verlor den Anschluss an die Spitze.

Aerts, Ronhaar und Verstrynge kamen sechs Sekunden vor vier Verfolgern um van Aert zur Zielpassage. Der dreimalige Weltmeister schloss die Lücke dann aber allein, aus seiner Gruppe fiel Nys derweil mit einem Platten zurück. Kurz bevor das Spitzenquartett die dritte von acht Runden in Angriff nahm, übernahm van Aert erstmals die erste Position. Er erhöhte den Druck und setzte sich mit Verstrynge ab. Als einziger Starter schaffte es van Aert, am Waschbrett auf dem Rad zu bleiben. Wie alle Konkurrenten musste Verstrynge die Passage laufen, wodurch er seinem Landsmann nicht mehr folgen konnte. Bei der nächsten Zielpassage lag er 15 Sekunden hinter dem Spitzenreiter und derer 19 vor Aerts und Ronhaar.

Van Aert auch durch Sturz nicht zu bremsen

Spannend wurde es in den nächsten Minuten vor allem im hinteren Bereich der Top Ten, wo Nys und Vanthourenhout auf dem Vormarsch waren. Durch ein nicht von der Kamera erfasstes Problem fiel Ronhaar plötzlich vom vierten auf den siebten Platz zurück. Vanthourenhout hatte eingangs der sechsten Runde Kevin Kuhn (Charles Liégeois Roastery) erreicht und auch der viertplatzierte Wyseure lag nur wenige Sekunden vor dem Duo. Aus dem fiel der Schweizer dann plötzlich zurück; auch hier bleiben die Gründe unklar. Ein Sturz in den Matsch von van Aert hingegen blieb der Regie nicht verborgen. Außer ein paar Sekunden Zeitverlust und noch mehr Schmutz am ohnehin nicht mehr Gelben Trikot blieb der Unfall aber folgenlos.

Wysere erwehrte sich derweil des Angriffs von Vanthourenhout und holte im siebten Umlauf seinerseits Aerts ein. Bei dem schien die Luft nun komplett raus zu sein. Er konnte seinem Landsmann nicht folgen und wurde auch von Vanthourenhout überholt. Auf Platz sechs liegend landete Nys danach schmerhaft im Matsch.

Van Aert nahm 1:20 Minuten Vorsprung gegenüber Verstrynge mit auf die Schlussrunde. Dort tat sich auf den ersten Positionen nichts mehr. Van Aert gewann vor Verstrynge und Wyseure. Aerts ließ Vanthourenhout dank eines guten Finales noch hinter sich.

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