Erster Weltcup-Sieg für Luxemburgerin in Hulst

Schreiber startet am schnellsten und bleibt bis zum Schluss vorn

Von Kevin Kempf

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Marie Schreiber (SD Worx – Protime) feiert den größten Sieg ihrer Karriere. | Cor Vos

21.12.2024  |  (rsn) – Schnellstarterin Marie Schreiber (SD Worx – Protime) hat den Cross-Weltcup in Hulst mit einem Start-Ziel-Sieg für sich entschieden. Lucinda Brand (Baloise – Trek Lions) baute als Zweite ihre Gesamtführung aus. Puck Pieterse (Fenix – Deceuninck) komplettierte das Podium. Annemarie Worst (Reds) wurde vor Inge van der Heijden (Corendon – Crelan) Vierte.

Nach dem zweiten Rang in Flamanville im Dezember 2023 und dem dritten Platz in Antwerpen vor vier Wochen hat es für die 21-Jährige in der niederländischen Provinz Zeeland zum ersten Erfolg im Weltcup gereicht. “Ich habe keine Wort hierfür, ich kann es wirklich gar nicht glauben. Ich hatte einen guten Start und lag vorn – und plötzlich lag ich weit vorn!“, blickte die überglückliche Siegerin zurück.

Scheinbar mühelos hatte sie sich nach wenigen Meter von der Konkurrenz abgesetzt. “Ich hatte erwartet, dass die alle wieder rankommen. Aber zwei Runden vor Schluss dachte ich ‘Shit! Ich kann hier echt gewinnen‘. Das hat mich nervös gemacht und ich habe probiert keine Fehler zu machen“, so die Führende in der U23-Wertung des Weltcups nach ihrem vierten Saisonsieg.

Zwölf Siege hat sie in ihrer Karriere gesammelt, jener in Hulst war dabei der erste in einem Wertungscross. “Ich hatte super Beine, habe in der letzten Runde aber ein paar Fehler gemacht, weil ich realisiert habe, dass ich gewinne“, meinte Schreiber, die “eine ziemlich schwere Woche“ erfolgreich abschloss. “Mein Hund ist Mittwoch gestorben. Ich war die letzten Tage echt nicht bei der Sache, nur auf dem Rad war ich voll im Tunnel.“

Wie bei ihrem Debüt in Namur schloss Pieterse auch ihren zweiten Saisoneinsatz auf dem dritten Rang ab. “Ich habe mich schon etwas besser gefühlt, aber in der ersten Rennhälfte habe ich immer einen dummen Fehler gemacht, wenn ich in guter Position war - und dann musste ich wieder jagen. Das hat mich zu viel Kraft gekostet“, fasste die Niederländerin ihren Wettkampf zusammen. So kam auch sie nie in die Nähe der Siegerin. “Jeder weiß, dass sie schnell starten kann. Es ist wirklich cool zu sehen, dass sie das jetzt auch in der zweiten Rennhälfte durchziehen kann“, freute sie sich für Schreiber.

Elisabeth Brandau (EBE Racing) startete aus der vierten Reihe und musste ihre Position als beste Deutsche direkt an die junge Kaija Budde (Peter Pane -Nagel), die drei Reihen dahinter losgefahren war, abgeben. Ende der zweiten Runde schlug die 39-Jährige zurück, als sie ihre Landsfrau auf Platz 40 wieder überholte. Die Deutsche Meisterin fuhr bis auf Rang 32 vor, büßte in den letzten beiden Runden aber auffällig viel Zeit und einige Positionen ein und wurde 41..

Nach vier Weltcups führt Brand mit 25 Punkten Vorsprung auf Schreiber. Fem van Empel (Visma – Lease a Bike), die wegen einer Sturzverletzung auf den Start verzichten musste, rutschte auf Position drei ab. Das fünfte von elf Events findet bereits morgen in Zonhoven statt.

So lief der Weltcup in Hulst:

Schreiber kam erneut am besten aus den Blöcken und setzte sich auf dem extrem technischen Kurs sofort ab. Bei der ersten Zielpassage hatte sie elf Sekunden Vorsprung auf Zoe Bäckstedt (Canyon – Sram) herausgefahren. Sieben Sekunden dahinter folgten Brand, Kata Blanka Vas (SD Worx – Protime) und Pieterse, die nach mäßigem Start durchs Feld gepflügt kam. Ihre Teamkollegin Ceylin del Carmen Alvarado hatte zum Auftakt ihre Probleme und folgte erst in der nächsten Gruppe.

Acht Verfolgerinnen fanden sich anschließend in der Verfolgung der Luxemburgerinnen zusammen. Die fuhren sich auf den vielen technischen Passagen gegenseitig im Weg herum, wodurch Schreiber sich weiter absetzte. Hinter ihr fiel ihre Mannschaftsgefährtin Vas durch technische Probleme zurück. Die Führende hingegen nahm die dritte von sechs Runden 28 Sekunden vor Brand, Pieterse, van der Heijden, Bäckstedt und Worst in Angriff. Alvarado hatte den Anschluss kurz zuvor erneut verloren.

Während Brand nun Ernst machte und sich absetzte, stürzte Amandine Fouquenet (Arkea – B&B Hotels) in der steilsten Abfahrt. Die Französin blieb liegen, was Schreiber dazu verleitete, die Passage zu laufen. Brand hingegen bewältigte sie auf dem Rad und gewann so acht Sekunden. Auf die zweite Rennhälfte ging sie letztendlich aber wieder 23 Sekunden hinter Schreiber. Zur Niederländerin waren deren Landsfrauen van der Heijden und Pieterse erneut hinzugestoßen.

Worst machte aus dem niederländischen Trio anschließend ein Quartett. Obwohl Fouquenet weiterhin am Ende der Abfahrt lag, fuhren nun alle Frauen nach unten. Mit 19 Sekunden Vorsprung auf Brand, die den anderen erneut ein paar Sekunden enteilt war, ging Schreiber in die Vorschlussrunde. Hinter ihr schafften Pieterse und Worst wieder den Anschluss an Brand, die auch Boden nach vorn eingebüßt hatte. Dies hatte aber nur kurz Bestand, denn die Spitzenreiterin im Weltcup ließ ihre beiden Landsfrauen wenig später erneut stehen. Derweil wurden Zeitlupen Einstellungen von Alvarado gezeigt, auf denen sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Leistengegend hielt.

Die Glocke wurde für Schreiber 16 Sekunden vor Brand und derer 24 vor Pieterse geläutet. Die Luxemburgerin leistete sich nun einige kleine technische Fehler. Damit war sie aber nicht allein – auch Brand und deren Verfolgerinnen kamen nicht problemlos über den Parcours, wodurch nie wirklich Spannung aufkam. Schreiber feierte ihren ersten Sieg in einem Wertungscross. Pieterse näherte sich im Finale noch Brand, das Hinterrad der Frau im Weißen Trikot erreichte sie aber nicht mehr.

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