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24.01.2022 | (rsn) - Auch diesmal nehmen wir zu Saisonbeginn die 18 WorldTour-Teams unter die Lupe: Wie lief es im vergangen Jahr, welche Veränderungen gibt es in den Aufgeboten, was ist in der neuen Saison von den Teams zu erwarten?
Die Equipe TotalEnergies sorgte mit der Verpflichtung von Peter Sagan für Schlagzeilen. Ob der Transfer den französischen Zweitdivisionär nach vorne bringt, scheint jedoch fraglich. Denn ein guter Fahrer macht noch kein gutes Team aus – zumal auch Sagan sportlich zuletzt doch nachließ.
Rückblick auf die Saison 2021
Viel zu feiern gab es nicht. Von den gerade einmal sechs Saisonsiegen wurden drei bei der unterklassigen Tour de Rwanda eingefahren: Der junge Valentin Ferron gewann dort ein Teilstück als Ausreißer, der Spanier Cristian Rodriguez sicherte sich die Schlussetappe und den Gesamtsieg. In Europa gab es durch Niccolo Bonifazio einen Sieg beim belgischen Rennen Grote Prijs Jef Scherens, außerdem gewann Lorrenzo Manzin das spanische Eintagesrennen Classica Comunitat Valenciana und Pierre Latour eine Etappe der Asturien-Rundfahrt.
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Pierre Latour scheint auch in diesem Jahr wieder ein Lichtblick im Team zu werden. Der 28-jährige Franzose belegte in der Gesamtwertung der Tour de la Provence Rang 5 und beim Etoile de Bessèges Platz 4. | Foto: Cor Vos
Bei den großen Rennen setzte das Team von Jean-René Bernaudeau hingegen kaum Akzente. Insbesondere die Tour de France war eine einzige Enttäuschung: Gute Etappenplatzierungen blieben aus und Latour erfüllte als Klassementfahrer die Erwartungen nicht. Auch andere namhafte Profis wie Alexis Vuillermoz, Niki Terpstra, Edvald Boasson Hagen oder Alexandre Geniez waren im Saisonverlauf kein Faktor.
Als beste Leistung ist Platz acht von Anthony Turgis bei der Flandern-Rundfahrt zu bewerten. Der Franzose holte weitere Top-Ten-Platzierungen bei Gent-Wevelgem (Neunter), Dwars door Vlaanderen (Achter) sowie Mailand-San Remo (Zehnter) und war damit der einzige Lichtblick in einer enttäuschenden Saison.
Die wichtigsten Zu- und Abgänge
Ein Neuzugang überragt alle – Peter Sagan. Der dreimalige Weltmeister schmückt für die kommenden beiden Jahre das Aufgebot der französischen Mannschaft und bringt von Bora - hansgrohe seine treuen Helfer Maciej Bodnar, Daniel Oss und Bruder Juraj mit. Außerdem sind die beiden Franzosen Sandy Dujardin und Alan Jousseaume mit Profiverträgen ausgestattet worden.

Niki Terpstra war in der letzten Saison wohl nur beim Arctic Race of Norway in guter Form. Der immerhin schon 37-jährige Niederländer belegte am Ende der 4. und letzten Etappe Platz zwei, ebenso in der Gesamtwertung des Bergtrikots. | Foto: Cor Vos
Nicht mehr zum Team gehört Adrien Petit, der zu Intermarché - Wanty - Gobert wechselte. Damien Gaudin, Jerome Cousin, Leonardo Bonifazio und Marlon Gaillard erklärten das Ende ihrer Laufbahnen.
Im Fokus: Peter Sagan
TotalEnergies hat nun einen Superstar im Team. Bleibt nur die Frage, ob die Mannschaft darauf vorbereitet ist und ob Sagan sportlich noch zu Großtaten fähig ist. Der Slowake verglich den Transfer zuletzt mit seinem Wechsel 2017 zu Bora - hansgohe, damals ebenfalls ein Zweitdivisionär. Der Unterschied: Bora war zu jener Zeit ein aufstrebendes Team mit großen Ambitionen und einem talentierten Kader - und hatte zudem die WorldTour-Lizenz gelöst.
Das alles trifft auf TotalEnergies nicht zu: Viele Fahrer sind über ihrem Zenit hinaus, sportlich gab es zuletzt kaum Fortschritte zu vermelden. Die französische Equipe verfügt längst nicht über die Stärke wie damals Bora - hansgrohe. Es muss sich daher zeigen, ob der 32-Jährige bei TotalEnergies das richtige Umfeld und die nötige Motivation findet, um seiner Karriere noch einmal Auftrieb zu verleihen. Dazu strahlt auch die “Werbemarke Sagan“ nicht mehr so grell und aufregend wie vor einigen Jahren. Mit der kostspieligen Verpflichtung geht TotalEnergies ins Risiko.
Ausblick auf die Saison 2022

Peter Sagan könnte der Faktor sein, der das gesamte Team auf ein neues Level hebt. Der Slowake dürfte mit großer Motivation in seinen neuen Rennstall starten und mit seinem Charisma alle mitziehen. | Foto: Cor Vos
Mit Sagan ist die Erwartungshaltung gewaltig gestiegen. Bei aller Skepsis bieten sich nun Möglichkeiten, die das Team vorher nicht hatte. Bei den Frühjahrsklassikern sind Sagan auf dem Papier weiterhin Spitzenresultate von Mailand-San Remo bis Paris-Roubaix zuzutrauen, auch wenn er nicht mehr als einer der Top-Favoriten gilt. Mit Oss und Bodnar, dem Belgier Dries Van Gestel sowie dem erfahrenden Terpstra hat er fähige Leute an seiner Seite, Turgis könnte als Co-Kapitän sogar gute Ergebnisse einfahren.
Dazu sind mit Sagan die Aussichten auf prestigeträchtige Etappensiege in der WorldTour gestiegen, sei es bei Paris-Nizza, dem Critérium du Dauphiné oder sogar der Tour de France. Im Vorjahr gewann er immerhin eine Etappe beim Giro d’Italia. Mit Bonifazio und Geoffrey Soupe befinden sich auch zwei erfahrende Anfahrer im Team. Gewinnt Sagan bei der Tour ein Teilstück, wäre die Saison so gut wie gerettet. Zudem garantiert er zahlreiche diverse Einladungen zu großen Rennen, auch außerhalb Frankreichs.
Ein Top-Fahrer allein macht allerdings noch lange kein gutes Team aus. Namen wie Vuillermoz, Terpstra, Boasson Hagen, Geniez oder Julien Simon machen zwar Eindruck, sind aber sämtlich jenseits der 30 und waren zuletzt weit von ihrem früheren Leistungsvermögen entfernt. Mehr Potenzial verspricht Latour, der vor allem bei einwöchigen Etappenrennen ein Kandidat für Top-Ten-Platzierungen ist und bei Grand Tours zuletzt mit offensiver Fahrweise auffiel, wenn auch zumeist ohne Ertrag. Ihm ist noch am ehesten zuzutrauen, bei WorldTour-Rennen gute Ergebnisse zu erzielen.

Boasson Hagen dürfte sein Kämpferherz noch nicht verloren haben. Auch wenn seine letzten Etappensiege beim Criterium du Dauphiné und dem Arctic Race of Norway schon fast drei Jahre zurückliegen. Vielleicht kann er im Sagan-Team noch mal ein kleines Comeback feiern. | Foto: Cor Vos
Der Brite Chris Lawless und Lorrenzo Manzin sind passable Sprinter, könnten künftig aber auch in Sagans Sprintzug zum Einsatz kommen. Ansonsten stechen kaum Fahrer aus der Mannschaft heraus, vielversprechende Talente fehlen ebenfalls. Viel hängt also von Sagan ab. Und ob er halten kann, was sich die Teamleitung von ihm verspricht, wird sich erst noch herausstellen müssen. Die Saison könnte, gemessen an den Erwartungen, zu einer weiteren Enttäuschung für TotalEnergies werden.
Eckdaten:
Land: Frankreich
Hauptsponsor: TotalEnergies
Branche: Mineralölindustrie
Manager: Jean-René Bernaudeau
Radausrüster: Willier
Teamranking 2021: 22
Siege 2021: 6
Fahrer im Aufgebot: 26
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