12. Etappe des Giro d´Italia 2002

Heppner stellte neuen deutschen Rekord im Rosa Trikot auf

Von Christoph Adamietz

Foto zu dem Text "Heppner stellte neuen deutschen Rekord im Rosa Trikot auf"
Jens Heppner in Rosa beim Giro 2002 | Foto: Cor Vos

21.05.2020  |  (rsn) – Mit heftigen Knieschmerzen, die später eine OP benötigten und letztlich nur als "Teamfüller" war Jens Heppner ins Rennen gegangen - die Erwartungshaltung vor dem Giro d`Italia 2002 waren dementsprechend äußerst gering. Was aber am Ende dabei heraussprang, war mehr als sich der damals 37-Jährige hätte erträumen können: nämlich zehn Tage im Rosa Trikot – so viele wie sonst kein Deutscher bis heute.

Auf der 12. Etappe verbrachte er seinen bereits sechsten Tag im Rosa Trikot und löste damit den bisherigen Rekordhalter Herman Buse ab, der 1932 für fünf Tage die Gesamtwertung der Italien-Rundfahrt anführte. "Natürlich macht mich das Stolz. Und es kann auch gerne noch beim Rekord bleiben“, so Heppner zu radsport-news.com

Ganz unerwartet kam Heppners Fahrt ins Rosa Trikot dann aber trotz der ungünstigen Vorzeichen doch nicht. Schon auf der 2. Etappe mit der Ankunft in Lüttich überzeugte der Routinier mit einem dritten Platz in der Tageswertung. Vier Tage später schaffte es "Heppe" schließlich in die Ausreißergruppe des Tages, die deutlich vor dem Feld ins Ziel kam. Da der damalige Telekom-Profi der mit Abstand beste Fahrer in der Gesamtwertung war, schlüpfte er in Varazze ins Rosa Trikot.

"Das Gefühl war unbeschreiblich schön. Es war einer meiner größten und schönsten Erfolge und Erinnerung in meiner Laufbahn", blickte Heppner zurück. Dabei hatte der Tag für den Allrounder zunächst gar nicht so gut begonnen.

"Es war eine Schlechtwetter-Etappe, auch wenn es warm war. Es gab am Anfang viel Regen. Ich fuhr am Ende des Feldes und hatte irgendwann die Nase voll, was mich dazu bewog, nach vorn zu fahren. Irgendwie hatte ich Frust wegen des Wetters und als ich vorn war, entstand die Gruppe", meinte Heppner . In der Gruppe selbst gab der Deutsche Vollgas, "weil ich einfach schnell ins Ziel wollte. Als ich merkte, dass ich virtuell in Rosa war, arbeitete ich schon gezielt auf das Trikot hin. Ich wollte keinen anderen Fahrer mehr wegfahren lassen und so viel wie möglich an Vorsprung ins Ziel bringen. Entsprechend habe ich auch die Hauptarbeit in der Gruppe geleistet", erinnerte sich Heppner

Über 3:30 Minuten wies Heppners Vorsprung gegenüber der namhaften Konkurrenz um Stefano Garzelli, Yaroslav Popovych, Paolo Savoldelli, Francesco Casagrande oder Gilberto Simoni aus. Dieser schmolz zwar an den nachfolgenden Tagen Stück für Stück zusammen, doch nach Etappe Nummer 15 hatte Heppner noch immer 48 Sekunden Vorsprung auf den Australier Cadel Evans. "Als ich das Trikot hatte, dachte ich tatsächlich von Tag zu Tag. Aber ich wusste auch, dass es einige Tage dauern würde, bis ich das Trikot verlieren würde. Meine Form war sehr gut und ich war immerhin ja schon mal Zehnter bei der Tour de France, was zeigte, dass ich kein schlechter Allrounder war", begründete Heppner seinen Optimismus.

Zehn Tage sollte letztlich die Fahrt im Rosa Trikot dauern, ehe er in Corvara in Badia sechs Minuten auf seine Kontrahenten verlor und auf Rang zwölf in der Gesamtwertung abrutschte. Doch der Absturz lag nicht daran, dass Heppner eingebrochen war. Vielmehr stürzte Heppner auf der Abfahrt vom Passo Pordoi gut 15 Kilometer vor dem Ziel bei Tempo 70, was zu dem großen Zeitverlust führte. Allerdings gab Heppner auch offen zu. "Ich hätte das Trikot auch ohne Sturz an diesem Tag verloren, wäre aber unter den ersten Fünf in der Gesamtwertung geblieben."

So aber war Heppner das Rosa Trikot los und ein Tag später, nachdem er im Grupetto ins Ziel gekommen war, war auch das Abenteuer Giro beendet, die letzte GrandTour seiner Karriere. "Ich hatte durch den Sturz große Schmerzen an der Hüfte. Auf der 17. Etappe konnte ich aufgrund der vielen kleinen Brüche am rechten Hüftknochen kaum treten und dann kam auch noch hohes Fieber dazu", erklärte Heppner seinen Ausstieg.

Trotz des abprupten Endes ist Heppner der Giro 2002 in bester Erinnerung geblieben. Ungewohnt war für ihn, der über Jahre hinweg im Schatten von Jan Ullrich und Erik Zabel gestanden hatte, der Trubel um seine Person. "Der Rummel, egal ob Medien oder italienische Radsportfans, war enorm. Sie bestürmten mich immer nach der Siegerehrung und wollten mir irgendetwas als Souvenir entreißen. Ich hatte bereits nach dem ersten Tag in Rosa vier Bodyguards an meiner Seite, sonst wäre ich nie zum Bus gekommen", schloss Heppner.

 

Mehr Informationen zu diesem Thema

09.05.2023Wegmanns großer Coup mit dem Bergtrikot

(rsn) - Ehe Pascal Ackermann im Mai 2019 das Maglia Ciclamino nach Verona trug und somit die Punktewertung des 102. Giro d´Italia für sich entschied, war es der größte Erfolg, den je ein Deutscher

31.05.2020Arndt krönte seinen Giro über einen kleinen Umweg

(rsn) – Die Schlussetappe bei einer GrandTour zu gewinnen, ist immer etwas Besonderes. Beim Giro d`Italia 2016 gewann Nikias Arndt (Sunweb) das letzte Teilstück, das damals in Turin zu Ende ging.

31.05.2020Video- Rückblick: Als Lopez einem Zuschauer eine knallte

(rsn) - Am entscheidenden Tag des Giro d´Italia 2019 lagen die Nerven blank. Miguel Angel Lopez (Astana) befand sich in einer Verfolgergruppe die einem Trio Spitzenreiter Richard Carapaz (Movistar) n

31.05.2020Ackermann nimmt als erster Deutscher das Ciclamino mit heim

(rsn) – Gleich bei seiner ersten GrandTour überhaupt hat Pascal Ackermann (Bora – hansgrohe) geschafft, was vor ihm noch keinem seiner Landsleute beim Giro gelungen war. Der Landauer gewann 2019

30.05.2020Der Beginn von Marco Pantanis langem Leiden

(rsn) - Am Valentinstag, dem 14. Februar 2004, verstarb Marco Pantani in einem Hotelzimmer in Rimini an einer Überdosis Kokain. Doch so plötzlich sein Tod auch eingetreten ist, so elendig lang war d

29.05.2020“Il Falco“ demonstriert am Finestre seine Abfahrtskünste

(rsn) – Was haben Paolo Savoldelli, Alberto Contador und Simon Yates gemeinsam? Richtig, sie alle gewannen mindestens eine GrandTour. Alle trugen das Maglia Rosa beim Giro d’Italia. Und alle drei

28.05.2020Video-Rückblick: Simon Yates schlägt auch in Sappada zu

(rsn) - Nach der 15. Etappe des Giro d’Italia 2018 schien Simon Yates (Mitchelton - Scott) auf dem Weg zu seinem ersten Gesamtsieg bei einer GrandTour nicht mehr zu stoppen zu sein. In überragender

28.05.2020Bölts gewinnt überraschend die Königsetappe und rettet Telekom

(rsn) - Udo Bölts ist der Prototyp des selbstlosen Helfers, der Jan Ullrich durch die tiefsten mentalen Täler auf die schwersten Berge führte. Der Heltersberger ist aber auch ein großer Kämpfer.

27.05.2020Kluges verrückte letzte Minute in Cassano d´Adda

(rsn) - Beim Giro d’Italia 2016 räumten die deutschen Sprinter mit gleich sieben Etappensiegen groß ab. André Greipel war mit drei Tagessiegen dabei am erfolgreichsten, gefolgt von Marcel Kittel

26.05.2020Wütender Contador rächt sich für die Astana-Taktik

(rsn) – Im Sport gibt es zahlreiche Regeln, die für einen fairen Wettkampf sorgen sollen. Im Radsport werden diese Maßgaben vom Weltverband UCI vorgegeben. Sogar die Sockenlänge ist im Regelwerk

25.05.2020Video-Rückblick: Schachmann gelingt Giro-Coup in Prato Nevoso

(rsn) - Vor zwei Jahren fuhr Maximilian Schachmann beim Giro d’Italia den bis dahin größten Erfolg seiner Karriere ein. Der damals für das belgische Team Quick-Step Floors fahrende Berliner gewan

24.05.2020Video-Rückblick: Dumoulin muss “austreten“, Nibali schlägt Landa

(rsn) – Die Königsetappe des Giro d`Italia 2017 hielt eine der skurrilsten Szenen der vergangenen Jahre parat. Der Gesamtführende Tom Dumoulin musste wegen eines menschlichen Bedürfnisses 33 Kil

Weitere Radsportnachrichten

14.02.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

14.02.2026Morgado schlägt Aranburu und feiert Titelverteidigung

(rsn) – Die Nummer 1 auf dem Rücken, die Nummer 1 im Ziel: Antonio Morgado (UAE – Emirates – XRG) hat seinen Titel bei der Figueira Champions Classic (1.Pro) verteidigt. Der Portugiese, der dam

14.02.2026Vandeputte zündet den Turbo und fängt Vanthourenhout noch ab

(rsn) – Der Belgier Niels Vandeputte (Alpecin – Premier Tech) hat beim Waaslandcross in Sint-Niklaas mit einem bärenstarken Sprint auf den letzten Metern noch seinen Landsmann Michael Vanthouren

14.02.2026Rodriguez düpiert: Riccitello mit perfektem Decathlon-Einstand

(rsn) – In einem packenden Bergaufsprint hat Matthew Riccitello (Decathlon - CMA CGM) die Königsetappe der 10. Tour de la Provence (2.Pro) für sich entschieden und mit seinem ersten Saisonsieg auc

14.02.2026Murcia: Liepins Sieger ohne Wert, Etappe neutralisiert

(rsn) – Aufgrund extremer Windverhältnisse wurde die abschließende 2. Etappe der 46. Murcia-Rundfahrt (2.1) auf einen Zehn-Kilometer-Rundkurs im Zielort Santomera reduziert – allerdings bis auf

14.02.2026Brand in Sint-Niklaas mit später Offensive zum Hattrick

(rsn) – Weltmeisterin Lucinda Brand (Baloise – Glowi Lions) hat sich beim Waaslandcross in Sint-Niklaas ihren 20. Saisonsieg gesichert. Die 36-jährige Niederländerin setzte sich im letzten Lauf

14.02.20263. Valencia-Etappe abgesagt, Murcia und Figueira Classic abgeändert

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

13.02.2026Voß, Kasper und Co.: Deutsche mit gemischten Gefühlen

(rsn) - Nachdem die Straßensaison schon in vollem Gange ist, steht für die Gravel-Pros mit Santa Vall by The Traka nun auch das erste namhafte Rennen im europäischen Kalender auf dem Programm. Am

13.02.2026Van der Poel will seine Karriere bei Alpecin ausklingen lassen

(rsn) - Mathieu van der Poels Langzeitvertrag mit Alpecin - Premier Tech läuft noch bis Ende 2028. In jenem Jahr hat der Niederländer große Ziele: Bei der Cyclocross-Weltmeisterschaft in Hoogerheid

13.02.2026Provence: Buchmann, Kragh Andersen und Mollema nicht im Ziel

(rsn) – Gleich drei bekannte Namen kamen nicht ins Ziel der 1. Etappe der Tour de la Provence. Bei seinem Saisoneinstieg beendete Cofidis-Kapitän Emanuel Buchmann aus noch unbekanntem Grund das Ren

13.02.2026Ferguson überrascht die Konkurrenz 600 Meter vor dem Ziel

(rsn) – Cat Ferguson (Movistar) hat die Sprinterrinnen auf der 2. Etappe der Valencia-Rundfahrt der Frauen (2.Pro) mit einer Attacke 600 Meter vor dem Ziel überrascht und so ihren zweiten Saisonsie

13.02.2026UAE-Doppelsieg beim Windspektakel zum Murcia-Auftakt

(rsn) – Marc Soler und Julius Johansen (beide UAE – Emirates – XRG) haben den stark vom Wind beeinflussten ersten von zwei Renntagen der Murcia-Rundfahrt (2.1) dominiert. Die auf 83,5 Kilometer