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07.02.2017 | (rsn) - Zu Beginn seiner zweiten Saison bei den Profis sprach Nils Politt mit radsport-news.com über die zahlreichen Veränderungen in seinem Team Katusha-Alpecin und seine Vorliebe für die Frühjahrsklassiker. Zudem äußerte sich der 22-jährige Kölner zu seinen Zielen - darunter im Sommer die Tour de France, die im kommenden Jahr für Politt gleich um die Ecke in Düsseldorf startet.
Herr Politt, wie viel Katusha steckt 2017 noch in ihrem Team drin?
Nils Politt: Verglichen mit dem Vorjahr wirklich nicht mehr viel. Mit Katusha Sports ist der Namensgeber geblieben, aber wir fahren jetzt mit schweizerischer Lizenz. Und mit Alpecin als deutschen Co-Sponsor ist das Team auch internationaler geworden. Man sieht es auch am Aufgebot: Es ist viel gemischt worden, wir haben weniger russische und dafür deutlich mehr internationale Fahrer in der Mannschaft. Insgesamt steckt also nicht mehr so viel Russland im Team.
Was spürt man als Fahrer von dieser neuen Ausrichtung?
Politt: Das habe ich schon vergangene Woche bei meinem ersten Rennen, dem Etoile de Bessèges, gemerkt. Wir hatten zum Beispiel gar keinen russischen Fahrer dabei. Das war vergangenes Jahr halt sehr selten. Im Vorjahr wurde auch noch viel russisch gesprochen und teilweise war man dann mit sieben Kollegen aus einer Nation unterwegs. Mittlerweile wird alles auf Englisch kommuniziert.
Wie verlief Ihre Saisonvorbereitung? Haben Sie irgendetwas verändert im Vergleich zum Vorjahr?
Politt: Anfang November habe ich bereits wieder angefangen zu trainieren. In der Vorbereitung ist alles gleich geblieben, ich bin zweimal ins Trainingslager gefahren und war viel im Süden. In diesem Jahr habe ich allerdings – anders als im Vorjahr – auf ein Sechs-Tage-Rennen verzichtet. Insgesamt bin ich aber gut über den Winter gekommen, das haben die ersten Ergebnisse beim Etoile de Bessèges bestätigt (Politt war Gesamtsechster, Anm. d. Red).
Welche Saisonpläne haben Sie mit Ihrem Team für 2017 vereinbart?
Politt: Bislang ist die Saison nur bis zum Ende der Klassiker besprochen. Für die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix bin ich im erweiterten Kader und möchte im Frühjahr meine Leistungen aus der vergangenen Saison wiederholen. Und danach wird man sehen, wo die Reise hingeht.
Wo liegen Ihre eigenen Ziele?
Politt: Natürlich will ich auch das eine oder andere Resultat einfahren. Das Problem in diesem Frühjahr ist allerdings, dass wir ziemlich stark aufgestellt sind. Vergangenes Jahr gab es nur Alexander Kristoff als Leader. Und wenn er nicht dabei war, konnte man auch mal auf eigene Rechnung fahren. Dieses Jahr ist es anders. Wir haben viele gute Klassiker-Leute wie Reto Hollenstein, Mads Würtz Schmidt sowie Tony Martin oder Rick Zabel. Aber sicher werde auch ich die eine oder andere Chance bekommen.
Sehen Sie sich zukünftig denn in der Rolle eines Klassiker-Spezialisten?
Politt: Das auf jeden Fall. Da habe ich schon Interesse dran. Und ich denke auch, dass ich das Potenzial dafür habe. Aber bei den Klassikern muss man viel lernen. Ich brauche bestimmt noch zwei oder drei Jahre, um die Strecken richtig zu kennen und auch die Fahrweise zu erlernen, um wesentlich mehr Kraft zu sparen.
Was macht für Sie die Faszination an den Pavé-Klassikern aus?
Politt: Es ist wie ein Ausscheidungsfahren auf der Bahn. Irgendwann merkt man im Feld, dass jeder angeschlagen und kaputt ist. Jeder kämpft, um auch über den nächsten Berg noch mit drüber zu kommen, und das Feld wird immer kleiner und kleiner und zerreißt. Das sind die Rennen, die ich mag. Ich mag es nicht, mit hundert Mann zum Zielstrich zu fahren, sondern, wenn das Rennen hart ist und nach vorne heraus weggeht.
In Ihrer ersten Profi-Saison konnten Sie bemerkenswert schnell Fuß fassen. Was haben Sie aus ihrem ersten Jahr mitgenommen?
Politt: Mein Saisoneinstieg lief damals gut und ich bin im Anschluss ein relativ gutes Frühjahr gefahren. Mein Team hat mir zudem die nötige Ruhe gegeben, um mich zu erholen. Ich habe aber auch gemerkt, dass es viele Rennen gibt, wo ich noch beißen muss. Krass war, wenn die Spezialisten am Berg einmal richtig Gas geben – da wird bei mir die Luft ziemlich knapp, selbst im Gruppetto. Das habe ich auf dem Level eindeutig zu spüren bekommen.
Spürt man als Neo-Profi mit den ersten Ergebnissen auch eine wachsende Akzeptanz im Team?
Politt: Das merkt man schon. Gerade wenn man neu ist, wird man von vielen Fahrern beobachtet: Wie fährt er? Wie verhält er sich? Besonders von denen, die schon wesentlich länger dabei sind. Aber das merke ich jetzt auch an mir: Ich habe relativ viele neue Fahrer dabei, zum Beispiel Mads Würtz Schmidt, der gleich Gesamtdritter bei seiner ersten Rundfahrt (Etoile de Bessèges, Anm. d. Red) als Neo-Profi wurde. Da schaue ich natürlich jetzt auch genauer auf die anderen Fahrer.
Welcher Teamkollege hat Sie in Ihrer ersten Saison am meisten beeindruckt?
Politt: Am meisten ist es immer noch Alexander Kristoff. Er ist ein Kämpfer, das fasziniert mich. Er gibt nie auf, egal, ob es jetzt die Flandern-Rundfahrt ist oder die Tour de Fjords. Ich habe mehrmals gedacht: Wow, dafür braucht man Charakter und Stärke. Er ist einfach für jedes Rennen hochmotiviert. Der Kontakt ist auch ganz gut, weil die ganze Klassiker-Fraktion sich bei uns richtig gut versteht.
Sprechen wir noch einmal über das Jahr 2017. Ist in den Saisonplänen auch das Wort "Tour de France" gefallen?
Politt: Ich werde eine Grand-Tour fahren, aber welche, das ist noch nicht klar. Nur der Giro d’Italia wird es wohl nicht. Das wird man aber erst nach den Klassikern abschätzen können, wie es um meine Form steht. Dann wird die Teamleitung entscheiden, wer zur Tour de France fährt.
Also ist ein Start bei der Tour nicht komplett ausgeschlossen?
Politt: Nein. Mein Ziel ist es auf jeden Fall – besonders als deutscher Fahrer. Ich wohne in Köln, und wenn die Tour de France so nahe vor deiner Haustür startet, wäre es natürlich etwas Großes, dabei zu sein.
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