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12.08.2016 | (Rio de Janeiro / rsn) - Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind nicht nur eine sportliche Leistungsschau. Wenn am Freitag Kristina Vogel und Miriam Welte im Teamsprint erneut Gold holen wollen, steht auch Hightech der neuesten Generation auf der Bahn. B16-1 heißt die neue "Wunderwaffe“.
Auf den ersten Blick sieht Kristina Vogels Sportgerät aus wie immer. Rahmen in Dreiecks-Geometrie mit Lenker, zwei Räder, vorzugsweise Scheiben. Auf den zweiten Blick erinnert der nagelneue, knapp sieben Kilogramm schwere Renner eher ein bisschen an einen Stealth-Tarnkappenbomber der US-Army. Deutlich verändert Geometrie, bullige, abgeflachte Rohre, ein futuristisch anmutender Lenkerkopf. Auch der Name scheint eine Anleihe beim Militär: B16-1.
"Das neue Rad ist richtig, richtig geil geworden. Ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Vogel bewundernd, während Mechaniker Udo Knepper die Gänge umbaut. Zumal fast alle Wünsche der Teamsprint-Olympiasiegerin von 2012 und siebenfachen Weltmeisterin umgesetzt wurden. Den Rahmen, der laut Reglement des Weltverbandes UCI nicht mehr kleiner ausfallen darf, passten die Ingenieure der nur 1,60 Meter großen Athletin auf Maß an. "Und das Fitting durfte ich selber machen“, freut sich die 25-Jährige. Schriftzüge und Sattel sind deshalb – natürlich – in knalligem Pink.
Entstanden ist das neue Rennrad wieder im Labor des Institutes für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin. Projektleiter Ronny Hartnick aus Cottbus – nicht verwandt oder verschwägert mit dem Friedensfahrt-Sieger Hans-Joachim Hartnick – und sein zehnköpfiges Team haben fast vier Jahre an der Verbesserung der Steifigkeit gearbeitet, die 25 Prozent über dem Vorgängermodell liegen soll. "Und der Vorbau kommt aus dem 3-D_Drucker“, verrät Hartnick. Im Windkanal wurde die angeströmte Fläche weiter verringert, um im Kampf um Tausendstel Sekunden den möglicherweise entscheidenden Vorteil zu erlangen. Die Aerodynamik hat sich laut Hartnick um zehn Prozent verbessert.
Viel mehr kann und will Hartnick, der in Rio nicht dabei sein kann, nicht verraten. Kostenpunkt für den neuen Renner: "Der Vorgänger wurde für 15. 000 Euro versichert. Da sind wir jetzt deutlich drüber." Von 35.000 Euro ist die Rede. Beim abschließenden Trainingslager in Colorado Springs in den USA mussten Vogel & Co. als Vorsichtsmaßnahme auf die Räder verzichten. Patrick Moster, Sportdirektor im Bund Deutscher Radfahrer (BDR), ist froh, dass neben Vogel die gesamte Mannschaft mit neuem Material versorgt wurde. "Mit dem FES haben wir einen Partner, der weltweit auf Top-Niveau arbeitet. Das kann ein kommerzieller Hersteller gar nicht leisten“, sagt Moster.
Trotzdem wird Vogel in den Einzelwettbewerben Sprint und Keirin wie sonst auch wieder umsteigen – von FES auf Look. "Ich bin Profi“, sagt die Erfurterin, die beim Chemnitzer Team Erdgas.2012 unter Vertrag steht – und das arbeitet seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit dem französischen Hersteller zusammen. Zum Nachteil muss der Wechsel aber Vogel nicht gereichen: "Mit dem Look-Rad bin ich noch ein bisschen schneller. Die Lenkerbauweise kommt mir etwas mehr entgegen“, erklärt sie. Bei der WM in diesem Jahr in London fuhr Vogel zum WM-Titel im Keirin auf Look.
Moster sieht Vogels Rad-Wechsel etwas skeptischer. "Die Sportler sollten immer mit dem besten Material ausgestattet werden. Aber das ist natürlich auch immer ein bisschen Geschmackssache“, sagt der BDR-Sportdirektor betont diplomatisch. Letztendlich entscheiden aber im Wettstreit auf der Bahn, in den auch die Briten (Cervelo), Australier (BT) und US-Amerikaner (Felt) jeweils mit dem "besten Rad der Welt“ ziehen, die Sportler das Rennen. Und da ist Kristina Vogel längst mehr als eine Wunderwaffe.
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