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08.08.2011 | (rsn) - Der letzte Tag der Vuelta a Burgos begann traditionell am Sitz von Areniscas de los Pinares, eines der Hauptsponsoren der Rundfahrt. Ein nicht sehr einladender Ort zwischen Fabrikgebäuden, aber nach ein paar Jahren gewöhnt man sich daran.
Da unser Auto am Vortag Opfer eines Steins geworden war, der seine Unterseite demoliert hatte, muss meine spanische Kollegin Teresa und ich uns nach einer anderen Möglichkeit umsehen, zum 80 Kilometer entfernten Startort zu kommen. Glücklicherweise hat Caja Rural noch Platz im Auto, und so darf ich auf 1,5 höchst amüsanten Stunden mit anhören, wie sich zwei Basken (!) darum streiten, ob Real Madrid oder der FC Barcelona die bessere Mannschaft sei.
Kaum am Start angekommen, zieht mich sofort Rafa, ein befreundeter Fotograf, beiseite und bittet mich, für ihn etwas für Yoann Offredo (FDJ) zu übersetzen. Bis der Franzose jedoch aus dem Bus steigt, vergeht eine ganze Weile. Rafa und ich vertreiben uns die Zeit damit, Bekannte zu begrüßen, ein paar Fotos zu schiessen und dem Sprecher der Vuelta, Juan Mari Guajardo zu lauschen, der die Fahrer, die sich einschreiben, vorstellt und mit dem Publikum scherzt. Nachdem wir Offredo endlich erwischt haben, mache ich mich auf zur “Verpflegung”, wo ich wie jeden Morgen von den liebenswerten Mitarbeitern eines Cateringunternehmens eine Tüte mit zwei “bocadillos” (belegte Brote), Wasser, Obst und etwas Süßem überreicht bekomme. Danach schaue ich kurz bei den Kolumbianern vorbei und bekomme gleich eine Massage verpasst, da Schultern und Nacken bei der gestrigen Auseinandersetzung zwischen dem Auto und dem Stein nicht ganz unbeschädigt geblieben sind.
Kurz vor dem Start dann plötzlich kein Durchkommen mehr: Eine Menschentraube hat sich um Samuel Sánchez (Euskaltel – Euskadi) gebildet. Alle wollen ein Foto oder ein Autogramm, bis einer der Organisatoren schließlich Mitleid hat und den Spanier, der stellvertretend für Joaquín Rodríguez (Katjuscha) das grüne Trikot der “regularidad” trägt, nach vorne an die Startlinie lotst.
Nach dem Start fahre ich mit zwei Freunden weiter: zunächst zum zweiten Zwischensprint des Tages, nach Salas de los Infantes. Dort haben wir etwa eine Stunde Zeit, die wir mit Kollegen in einer Bar verbringen (natürlich nur mit alkoholfreien Getränken). Zwischenzeitlich werden wir informiert, dass ab dem Start vielfache Attacken stattfanden und der erste Zwischensprint des Tages bei Kilometer 55 von Jordi Simón (Caja Rural) vor Jesús Rosendo (Andalucía Caja GRANADA) und Danilo Napolitano (Acqua e Sapone) gewonnen wurde. Nach 40 Rennkilometern schaffen es Juan José Oroz (Euskaltel - Euskadi), Jose Luis Roldán (Andalucía Caja GRANADA), Víctor Cabedo (Orbea) und Cyril Bessy (Saur Sojasun) auszureißen. Wir sehen sie mit einem Vorsprung von 5:20 in Salas de los Infantes. Bessy gewinnt den Sprint vor Oroz und Roldán.
Danach geht es für uns auf zum Zielberg, dem Alto de Rozavientos, der zwei Mal gefahren werden muss. Beim zweiten Mal geht es allerdings noch weiter bis zu Lagunas de Neila, Bergseen in einem Naturschutzgebiet. Das Rennen gelangt allerdings nicht ganz bis zu diesen Seen. Während wir es uns auf einem Parkplatz unterhalb des Zielanstiegs bequem machen, fahren die Ausreißer mit 4:20 Vorsprung über den Alto del Collado (3. Kat.). Roldán gewinnt die Bergwertung vor Cabedo und Bessy. 47 km vor dem Ziel fahren die Fahrer den dritten Zwischensprint in Quintanar de la Sierra (am Fusse des Anstiegs) aus: Cabedo gewinnt vor Bessy und Roldán.
Als die Fahrer bei uns am Alto de Rozavientos (1. Kat.) ankommen, ist eine Gruppe von acht Fahrern, unter anderem bestehend aus Mikel Landa, Samuel Sánchez und Igor Antón (alleEuskaltel), Juanjo Cobo (Geox), Joaquín Rodríguez (Katjuscha) und Sergio Pardilla (Movistar), vorne, welche die Ausreißer im Anstieg gestellt haben. Das Feld ist in viele kleine Gruppen zerfallen, die von den Zuschauern begeistert empfangen und angefeuert werden. In der schwierigen Abfahrt können weitere Fahrer in die Spitzengruppe aufschließen, aber Euskaltel arbeitet hart und immer mehr Fahrer fallen zurück.
Fünf Kilometer vor dem Ziel, im finalen Anstieg, sind nur noch Landa, Sánchez, Rodríguez, Dani Moreno, Cobo, Pardilla und Fabrice Jeandebosz (Saur Sojasun) übrig. Pardilla fällt wenig später zurück.
Zwei Kilometer vor dem Ziel kann auch Sánchez nicht mehr mithalten. Sofort greift nach Absprache Mikel Landa an und wird von Rodríguez und Cobo verfolgt, die ihn auf den letzten 500 Metern einholen. Rodríguez kann aber kaum mithalten, und so entscheidet sich die Etappe zwischen Landa und Cobo zugunsten des Euskaltelfahrers, der somit seinen ersten Profisieg feiern kann. Den Gesamtsieg sichert sich Joaquím Rodríguez vor seinem Teamkameraden Dani Moreno und Juanjo Cobo.
“Ich bin sehr glücklich, es war eine schwere Etappe. Wir hätten die Rundfahrt natürlich gerne mit Samuel (Sánchez) gewonnen, aber ich denke, unser Team kann mit zwei Etappensiegen überaus zufrieden sein. Als Samuel gemerkt hat, dass er sich nicht so gut fühlt, hat er mich fahren lassen. Auf dem Podium hat man mir gesagt, dass selbst Joaquín Rodríguez meinem Rhythmus kaum folgen konnte, ich war heute einfach sehr gut in Form und freue mich wahnsinnig, auch über den Gewinn des Bergtrikots”, so der 21jährige Landa im Ziel.
Nach dem abschließenden Interview geben wir alle unsere Fotowesten ab, bekommen von der Organisation ihren Dank ausgesprochen, den wir nur von Herzen zurückgeben können, und verabschieden uns, bis zum nächsten Jahr. ¡Hasta el año que viene!
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