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07.06.2008 | (rsn) - Am Rande der Luxemburg-Rundfahrt konnte Radsport News ein ausführliches Interview mit Erik Dekker führen, dem Sportlichen Leiter von Rabobank. Dekker zeigte sich mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden, "auch wenn ein paar Siege fehlen". Außerdem äußerte sich der 37-jährige Niederländer zur Entwicklung von Neuzugang Paul Martens, über die Tour-Chancen von GrischaNiermann und den großen Tour-Ambitionen von Denis Mentschow.
Wie fällt die bisherige Rabobank-Bilanz aus?
Dekker:Eigentlich ziemlich gut. Wir wurden mit Denis Mentschow Fünfter beim Giro und bei den Klassikern waren wir auch gut. Wir hatten leider ziemlich viele verletzte Fahrer, dafür können wir mit unserem Abschneiden bisher zufrieden sein. Unsere Kapitäne sind gut drauf und auch die jungen Fahrer haben überzeugen können. Das einzige, was ein bisschen fehlt, sind die Siege. Wir konnten noch nicht so viele Rennen gewinnen. Radsport geht über gewinnen, und wir gewinnen zur Zeit nicht besonders oft. Allerdings geht jetzt die Vorbereitung auf die Tour de France los, dem wichtigsten Rennen der Saison. Da wäre es sinnvoller, eine Bilanz erst Ende Juli zu ziehen. Dann wird abgerechnet.
Beim Giro d`Italia stand Graeme Brown im Mittelpunkt der Kritik von Erik Breukink. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?
Dekker:Ich habe schon in letzter Zeit gesehen, dass es bei Graeme im Sprint nicht so rund lief. Ich habe die Kritik von Breukink auch gelesen und wo er Recht hat, hat er Recht. Da müssen wir schauen, dass das nächstes Jahr besser läuft. Dennoch war der Giro aus unserer Sicht super. Wir sind dort eigentlich noch nie gut gefahren und mit Denis Mentschow auf Platz fünf können wir absolut zufrieden sein, zumal es nur Vorbereitung auf die Tour de France war.
Wer war bisher die positive Überraschung bei Rabobank, wer hat enttäuscht?
Dekker:Als leise Enttäuschung würde ich Graeme Brown nennen. Positiv überrascht haben mich die jungen Fahrer. Vor allem Sebastian Langeveld möchte ich hier namentlich heraushaben. Auch Robert Gesink ist stark gefahren. Das gilt auch für Thomas Dekker.
Wie bewerten Sie die Entwicklung von Paul Martens in seinen ersten Monaten bei Rabobank?
Dekker:Bei Paul läuft es mittlerweile sehr gut. Er hatte am Anfang ein paar Schwierigkeiten. Seit der Kalifornien-Rundfahrt ist er aber immer besser geworden. Im Moment macht er eine kleine Pause, dann geht es für ihn mit Veendahl-Veenendahl weiter, und speziell für die anschließende Ster Elektrotoer ist er sehr motiviert. Das ist ein Rennen, was ihm liegt. Dort werden wir sehen, ob er den Giro gut verkraftet hat. Er ist sehr aggressiv gefahren, hat schön für die Mannschaft gearbeitet und mit dem vierten Platz unsere beste Etappenplatzierung herausgefahren. Das hat mir gefallen.
Wie wird die Tour-Vorereitung aussehen und wie viele Fahrer sind schon fix?
Dekker:Wir haben 14 Fahrer im erweiterten Aufgebot. Natürlich hat man seine 9 oder 10 Fahrer im Kopf, die die Plätze bekommen. Man weiß aber nie, was passiert. Vielleicht stürzt noch jemand oder verliert seine Form. Zur Vorbereitung fahren wir natürlich die Dauphiné und die Tour de Suisse. Mentschow wird aber nicht mehr starten. Er geht stattdessen in die Pyrenäen und Alpen trainieren.
Wird Grischa Niermann in Brest am Start stehen?
Dekker:Seine Chancen würde ich zur Zeit bei 50 Prozent sehen.
Richtet Rabobank bei der Tour alles auf Mentschow aus oder bekommt Sprinter Oscar Freire noch den einen oder anderen Helfer zur Seite gestellt?
Dekker:Oscar braucht nicht zwingend einen Helfer an seiner Seite. Aber er wird schon die nötige Unterstützung erhalten. Im Mittelpunkt steht aber natürlich Mentschow.
Trauen Sie Denis Mentschow bei der Tour den Gesamtsieg zu?
Dekker:Ich traue ihm schon das Podium zu. Und wenn man aufs Podium fährt, dann kann man auch gewinnen. Von den 200 Startern hat noch keiner die Tour gewinnen können. Evans ist vielleicht der große Favorit, aber auch er hat noch nie die Tour, noch nie eine dreiwöchige Rundfahrt gewonnen. Ich glaube, Denis wird der einzige Tour-Starter sein, der bereits eine große Landesrundfahrt gewinnen konnte. Das könnte ein kleiner Vorteil sein.
Philippe Gilbert, an dem auch Rabobank interessiert war, wechselt zu Silence-Lotto. Wie groß ist die Enttäuschung?
Dekker:Die Enttäuschung ist nicht sehr groß, auch wenn Gilbert ein großer Fahrer ist. Wir hatten Interesse, aber sein Interesse an Rabobank hielt sich in Grenzen. Ich verstehe, dass er als Belgier zu einer belgischen Mannschaft wechseln wollte. Da hatten wir keine große Chance. Wir hätten nur Aussichten gehabt, wenn wir ihm viel mehr Geld geboten hätten. Das haben wir aber nicht getan.
Gibt es Gespräche mit anderen Fahrern für 2009?
Dekker:Es ist erst Juni und noch weit bis zur neuen Saison. Da gibt es noch keine konkreten Gespräche.
Wird Rabobank die Linie beibehalten und weiterhin auf Fahrer aus dem eigenen Nachwuchsteam setzen?
Dekker:Wir haben in den letzten drei Jahren aus der Nachwuchsmannschaft sehr gute Fahrer bekommen. Auch in diesem Jahr gibt es dort gute Fahrer. Es ist aber kein herausragender Fahrer dabei, der nächstes Jahr unbedingt zu den Profis muss. Wir werden noch einige Monate warten und dann sehen wir weiter. Vielleicht schafft es der eine oder andere. Das Problem ist aber: Wenn du fünf neue Fahrer holst, dann musst du auch fünf Fahrer abgeben. Wir sind mit den meisten Fahrern zufrieden, da gibt es nicht viel Spielraum.
Mit Erik Dekker sprach Christoph Adamietz
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