Alvarado und Pieterse komplettieren Oranje-Podium

Brand krönt überragende Cross-Saison mit WM-Gold in Hulst

Von Jens Claussen

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Lucinda Brand ist in Hulst Cross-Weltmeisterin geworden. | Foto: Cor Vos

31.01.2026  |  (rsn) - Nachdem sie sich bei den letzten beiden Weltmeisterschaften jeweils mit der Silbermedaille begnügen musste, hat sich Lucinda Brand in Hulst ihren zweiten WM-Titel nach 2021 gesichert. In einem packenden WM-Rennen konnte sich die 36-jährige Niederländerin auf der letzten Runde von ihrer ärgsten Widersacherin Ceylin del Carmen Alvarado lösen und kam mit 21 Sekunden Vorsprung ins Ziel.

Das niederländische Podium bei der Heim-WM komplettierte Puck Pieterse (+0:51) vor der Ungarin Blanka Vas (+0:56) und der Französin Amandine Fouquenet (+0:58). Die Schweizerin Joland Neff (+1:02) belegte Rang sechs, die Luxemburgerin Marie Schreiber wurde Zehnte (+1:37).

Nachdem Pieterse in einer Abfahrt gestürzt war, lieferten sich ihre beiden Landsfrauen einen packenden Zweikampf, ehe sich die überragende Akteurin des Cross-Winters 2025/26 durchsetzte. Wie wohl sich Brand im anspruchsvollen Gelände von Hulst fühlt, zeigte sie schon bei vorangegangenen Weltcupsiegen in der kleinen niederländischen Gemeinde. 

Das wichtigste Rennen des Jahres zu gewinnen, fühle sich großartig an, meinte die neue Weltmeisterin dann auch im Ziel-Interview. Als Erleichterung wollte sie ihren Sieg aber nicht bezeichnen. “Ich hatte den Weltmeistertitel ja schon, aus diesem Grunde ist Erleichterung nicht das richtige Wort. Aber natürlich ist es ein Traum, dann auch dieses Rennen in der Saison zu gewinnen, wenn es vorher schon so gut lief“, konstatierte sie. “Aber es ist schon etwas ganz Besonderes, die WM in meinem Heimatland zu gewinnen. Alle Leute haben mich angefeuert, sonst sind es manchmal bei anderen Rennen nur die fünf aus meinem Staff“, musste sie lachen.

Auf Platz sechs war Neff die bestplatzierte Fahrerin aus dem deutschsprachigen Raum. Die Schweizerin saß über die gesamte Renndauer in der Gruppe, die bis kurz vor Schluss um die Bronzemedaille kämpfte. Ihre Landsfrau Rebekka Estermann erreichte nach einem Kettenabwurf in der Auftaktrunde noch Platz 21, Nadja Heigl aus Österreich kam nicht ins Ziel. German Cycling war nach der Absage der Deutschen Meisterin Judith Krahl nicht im Frauenrennen vertreten.

So lief das Frauenrennen der Cross-WM:

Als sich die 36 Starterinnen aus 15 Nationen auf den 3,2 Kilometer langen Rundkurs begaben, fehlte die Weltmeisterin der vergangenen drei Jahre: Fem van Empel hatte sich unlängst auf unbestimmte Zeit aus dem Radsport verabschiedet. Top-Favoritinnen waren Brand, Pieterse und Alvardo, wobei vor allem Pieterse, die Doppel-Weltcupsiegerin vom letzten Wochenende, das Gaspedal an der Spitze mächtig durchdrückte. Fouquenet erwischte den schlechtesten Start aller Top-Fahrerinnen und fand sich gegen Ende der ersten Runde auf Platz sieben mit einem Rückstand von sieben Sekunden wieder. Überraschend im Führungssextett, zu dem auch Vas und Zemanova gehörten, mit dabei war die Schweizerin Neff.

Danach schienen Pieterse und Alvarado mit konstant hohem Tempo ihre Landsfrau Brand, die sich kürzlich eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte, unter Druck setzen zu wollen. Doch die hielt mit, so dass sich die drei Niederländerinnen zu Beginn der dritten von sechs Runden absetzen konnten.

Zwölf Sekunden dahinter folgten Vas, Kristyna Zemanova und Neff, wogegen Fouquenet immer noch nicht aufschließen konnte. Offensichtlich hatte die 24-jährige Französin Mühe, am wichtigsten Tag des Jahres an die Form der letzten Wochen anknüpfen zu können. Als Brand dann nach knapp 20 Minuten Renndauer beschloss, das Zepter doch zu übernehmen, entstand eine komplett neue Rennsituation. Pieterse stürzte nach einer Abfahrt auf die linke Schulter, musste das Rad wechseln und fand sich prompt in der Verfolgerinnengruppe wieder.

Pieterse bekommt nach Sturz die zweite Luft

Vorne blieben Brand und Alvarado, die sich nicht von der Tempoverschärfung ihrer Kontrahentin abschütteln lassen wollte. Die Entscheidung um Gold und Silber schien zu diesem Zeitpunkt schon gefallen, denn die Gruppe von sechs Fahrerinnen hinter dem Duo hatte bereits einen Rückstand von 38 Sekunden. Als Brand dann Mitte der vierten Runde gegen einen Streckenpfeiler knallte und kurz vom Rad musste, übernahm Alvarado zwischenzeitlich die Führung. Mittlerweile musste eine Fahrerin aus dem erweiterten Podiumskreis frühzeitig die Segel streichen. Aus bislang unbekannten Gründen sah man die Italienerin Sara Casasola in den Pits vom Rad steigen.

Während der Kampf um das Regenbogentrikot mit stetigen Führungswechseln offenblieb, konnten sich Marion Norbert-Riberolle und Zoe Bäckstedt an die Verfolgungsgruppe klemmen. Wenig später stürzten Zemanova und Riberolle  in einer Linkskurve, wonach die Belgierin ihre tschechische Rivalin barsch anging. Mit der Konsequenz, dass Norbert-Riberolle kurz darauf ein DSQ (Disqualifikation) von der Rennjury erhielt.

Von diesen Scharmützeln bekamen die beiden Spitzenreiterinnen nichts mit. Brand beschleunigte erneut und konnte mit diesem Vorstoß die rennentscheidende Lücke reißen. Alvarado war nicht in der Lage zu kontern, wusste aber um ihren sicheren Vorsprung auf die Fahrerinnen hinter ihr. In dieser Gruppe schien Pieterse die zweite Luft zu bekommen, attackierte und fuhr alleine mit Vas am Rad Richtung Ziellinie. 

Der Kampf um Bronze entbrannte, ehe Vas in einer Rechtskurve wegrutschte und büßte die entscheidenden Sekunden ein. Während Brand ihr Rad jubelnd über die Ziellinie trug, kam hinter ihr Alvarado auf Platz zwei, gefolgt von Pieterse, deren Kampfgeist noch mit einem Podiumsplatz belohnt wurde.

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