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23.04.2023 | (rsn) – Demi Vollering (SD Worx) hat das Ardennen-Triple perfekt gemacht. Die 26-jährige Niederländerin bezwang bei der 7. Ausgabe von Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.WWT) nach 142,8 Kilometern von Bastogne nach Lüttich im Sprintduell die Italienerin Elisa Longo Borghini (Trek – Segafredo), mit der sie sich auf den letzten rund zehn Kilometern abgesetzt hatte und wiederholte damit ihren Sieg von 2021. Mit 22 Sekunden Rückstand entschied ihre Schweizer Teamkollegin Marlen Reusser den Sprint der ersten fünf Verfolgerinnen für sich und rundete als Dritte damit eine erneut dominante Vorstellung von SD Worx ab.
“Fantastisch! Ich kann es gar nicht glauben. Ich bin meinen Teamkolleginnen so dankbar! Ich bin super stolz“, strahlte Vollering im Ziel. “Ich war sehr froh, dass Elisa mitarbeiten wollte. Auf dem letzten Kilometer haben wir dann taktiert. Ich wusste, dass ich pokern konnte, denn ich hatte Marlen hinter mir. Das hat es leichter gemacht für mich. Ich wollte hier wirklich gewinnen, vor allem wegen des Triples. Die Chance bekommt man nicht jeden Tag, ich wollte zu wirklich nutzen.“
Damit ist Vollering die zweite Fahrerin nach ihrer ehemaligen Teamkollegin und aktuellen Sportdirektorin Anna van der Breggen, die das Amstel Gold Race, den Flèche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich in einer Saison für sich entscheiden konnte. “Anna ist leider heute nicht hier, aber sie hat es sicher am Fernseher verfolgt und ist vor Freude rumgesprungen. Sie ist meine Trainerin und wir arbeiten eng zusammen“, sagte die Siegerin über ihre Landsfrau, die 2017 das Triple bejubeln konnte.
"Es war zum Schluss ein taktisches Spiel. Letztendlich kam es zum Sprint. Der verlief für mich ziemlich unbefriedigend, aber sie war einfach stärker Chapeau“, erkannte die geschlagene Longo Borghini Vollerings Überlegenheit an. “Ich hoffe, wieder gegen sie zu sprinten, wir werden bis dahin an meinen Spurtfähigkeiten feilen“, sagte die Lüttich-Dritte von 2021 nach ihrem bisher besten Ergebnis beim dritten der Ardennenklassiker, in dem sich Trek – Segafredo wie schon zuvor als stärkstes Team hinter SD Worx präsentierte. “Wir hatten eine gute Ardennenwoche mit zwei dritten Plätzen - Shirin van Anrooij beim Amstel und Gaia Realini beim Flèche. Jetzt wurde ich Zweite. Wir haben ein sehr starkes Team und viele Trümpfe. Das macht uns stark“, betonte die 31-Jährige.
Hinter der Niederländischen Meisterin Riejanne Markus (Jumbo – Visma) wurde Reussers Landsfrau Elise Chabbey (Canyon – SRAM) Fünfte vor Titelverteidigerin Annemiek van Vleuten (Movistar) und der Italienerin Gaia Realini (Trek – Segafredo). Die Deutsche Meisterin Liane Lippert (Movistar), von vielen als Geheimfavoritin gehandelt, führt die nächste Verfolgerinnengruppe ins Ziel und wurde Siebte. Zeitgleich mit Lippert belegte die U23-Meisterin Ricarda Bauernfeind (Canyon – SRAM) Rang 21.
139 Fahrerinnen aus 24 Teams machten sich am Vormittag um 8:40 Uhr bei Sonnenschein, aber noch frischen Temperaturen in Bastogne auf den Weg durch die Ardennen in Richtung Lüttich. Nach fünf Kilometern attackierte Séverine Eraud (Cofidis) und sah sich plötzlich als Solistin vor dem Feld, aus dem 28-jährige Französin keine Begleitung mehr erhielt. Die circa 2:30 Minuten Maximalvorsprung, die Eraud zugestanden bekam, hatten die Verfolgerinnen allerdings an der Côte de Mont-le-Soie, dem ersten der neun kategorisierten Anstiege des Tages rund 90 Kilometer vor dem Ziel, bereits wettgemacht und die Französische Zeitfahrmeisterin von 2019 wieder eingefangen.
Kurz darauf formierte sich an der Côte de Stockeu gegen Rennmitte eine stark besetzte Gruppe. Mit dabei waren die Schweizerin Marlen Reusser (SD Worx), die Australierin Amanda Spratt (Trek – Segafredo), die Polin Katarzyna Niewiadoma (Canyon – SRAM), die Britin Anna Henderson (Jumbo – Visma) und die Niederländerin Esmée Peperkamp (DSM), die sich auf den folgenden Kilometern einen Vorsprung von rund zwei Minuten erarbeiten konnte.
Nach einem Reifendefekt fiel Niewiadoma knapp 50 Kilometer vor dem Ziel aus der Gruppe heraus. Diese fuhr am Col du Maquisard allerdings nur noch 30 Sekunden vor dem Feld, in dem Canyon – SRAM das Tempo vorgab. Das verbliebene Quartett um die herausragende Zeitfahrerin baute seinen Vorsprung bis in die Redoute 34 Kilometer vor dem Ziel dann aber wieder auf 45 Sekunden aus.
Im 1,6 Kilometer langen und 9,4 Prozent steilen drittletzten Anstieg des Tages schüttelte die Gent-Wevelgem-Siegerin ihre drei Begleiterinnen ab. Im Feld beschleunigte van Vleuten, wodurch ihre Teamkollegin Lippert zwischenzeitlich den Anschluss an die Favoritinnengruppe verlor. Im neuen Cornément- Anstieg probierte es die Weltmeisterin nochmals, ohne allerdings Unterstützung zu erhalten. Davon unbeeindruckt zog Reusser an der Spitze einsam ihre Kreise und baute ihren Vorsprung gegenüber Spratt auf fast 50 Sekunden und auf die Gruppe um van Vleuten und ihre Teamkollegin Vollering sogar auf 1:40 Minuten aus.
Bauernfeind) ging 28 Kilometer vor dem Ziel in die Offensive, ehe ihr Team im Feld auch Unterstützung von Jumbo – Visma erhielt. An der Côte de Forges attackierte Lippert, konnte dann dem Konter von Mavi Garcia (UAE Team ADQ) allerdings nicht folgen. Danach liefen die Gruppen aber wieder zusammen und fingen auch Spratt ein.
Das Profil des Liège-Bastogne-Liège Femmes | Foto: Cor Vos
Reusser nahm noch gut eine Minute Vorsprung mit auf die letzten 20 Kilometer, doch aufgrund der Tempoarbeit von Trek – Segafredo war der zur Côte de la Roche-aux-Faucons (1,3 km, 10,2%) nicht nur halbiert, Spratt, Shirin van Anrooij und Longo Borghini hatten sich mit Chabbey sogar aus dem Feld absetzen können, und kurz vor dem Gipfel war Reusser 13 Kilometer vor dem Ziel gestellt.
Die neue Spitzengruppe bestand aus der Zeitfahreuropameisterin, ihrer Teamkollegin Vollering, Chabbey, van Vleuten, Longo Borghini und deren Mannschaftsgefährtin Gaia Realini. Reusser war mit ihren Kräften aber längst nicht am Ende und zog in der Abfahrt gemeinsam mit Longo Borghini davon, ehe Vollering nach vorne fuhr und die zurückfallende Bernerin als Begleiterin der Italienerin ablöste.
Das Duo baute danach seinen Vorsprung auf die fünf Verfolgerinnen, zu denen mittlerweile auch Markus gehörte, auf mehr als 20 Sekunden aus. Während sich das Duo an der Spitze ablöste, erhielt van Vleuten dahinter kaum Unterstützung der anderen Fahrerinnen.
So konnten die beiden Spitzenreiterinnen schon früh auf der Zielpassage in Lüttich das Tempo herausnahmen, wobei sich Vollering konsequent am Hinterrad ihrer Konkurrentin hielt. Als Longo Borghini dann 150 Meter vor dem Ziel antrat, konterte die Siegerin von 2021 mühelos und sicherte sich souverän auch den dritten und letzten Ardennenklassiker. Rund 20 Sekunden später gewann Reusser ähnlich deutlich auch den Sprint der Verfolgerinnen und sorgte mit Rang drei für ihr bisher bestes Ergebnis bei Lüttich-Bastogne-Lüttich.
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