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21.08.2015 | (rsn) - Innige Umarmungen und großer Jubel auf der einen, bedrückende Stille beim Ausfahren auf der Rolle auf der anderen Seite der Straße. Dieses Bild bot sich wenige Minuten nach dem Ende des Weltcup-Mannschaftszeitfahrens in Vargarda. Hier feierte Rabobank-Liv einen sensationell deutlichen Sieg über die mehrfachen Titelverteidigerinnen von Velocio-SRAM, und da saßen eben jene mit versteinerter Miene auf ihren Rädern und verarbeiteten die schmerzhafte Niederlage.
26 Sekunden nahmen die Niederländerinnen den Weltmeisterinnen aus Deutschland auf 42,5 Kilometern ab - beziehungsweise sogar 32 Sekunden auf den letzten 36 Kilometern, denn zunächst hatten Lisa Brennauer, Trixi Worrack, Mieke Kröger und Co. noch plangemäß in Führung gelegen. Doch am Ende musste Sportdirektor Ronny Lauke feststellen: "Es ist nicht rundgelaufen."
Tatsächlich sah der Zeitfahrzug der Titelverteidigerinnen weniger harmonisch aus, als man es Jahre lang gewöhnt war - schon früh im Rennen lastete ein Großteil der Arbeit auf den Schultern von Brennauer, Worrack und der Kanadierin Karol-Ann Canuel. Ganz anders Rabobank-Liv: Die Niederländerinnen flogen förmlich über den Kurs und konnten die Arbeit viel länger und besser verteilen. Deshalb feierten die vier Stärksten - Anna Van der Breggen, Lucinda Brand, Thalita De Jong und Shara Gillow - lautstark ihre Fünfte, Katarzyna Niewiadoma, als die 20-jährige Polin zum Team-Camper zurückkam.
"Die Mädels sind bis zum Schluss super gefahren, es war wirklich hart", sagte Van der Breggen radsport-news.com. "Aber wenn es hart ist, weißt Du, dass es ein gutes Zeitfahren ist." Besonders stolz war man bei Rabobank-Liv, weil sich die sechsköpfige Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr auf drei Positionen verändert hatte und man die Ausfälle von Marianne Vos (verletzt) und Annemiek Van Vleuten (zu Bigla gewechselt) auffangen konnte. "Mit einem neuen Team so ein Ergebnis einzufahren, macht uns wirklich glücklich. Velocio ist ein so großartiges Team, das sind die Weltmeisterinnen. Wir haben nicht erwartet, sie zu schlagen."
Doch auch die Weltmeister-Equipe, die seit ihrem Bestehen erst ein Mannschaftszeitfahren - bergauf beim Giro del Trentino 2013 als Zweiter hinter BePink - nicht gewonnen hatte, musste in diesem Jahr umbauen. Die Weltmeisterinnen Chantal Blaak, Evelyn Stevens (beide zu Boels-Dolmans) und Carmen Small (inzwischen Bigla) verließen das Team und wurden durch Kröger, Elise Delzenne sowie Alena Amialiusik ersetzt. Der Einbau funktionierte offensichtlich nicht so gut, wie bei Rabobank-Liv, das 2014 noch mit 1:21 Minute Rückstand Zweiter geworden war.
Mit diesem Rückstand wäre man in diesem Jahr gerade noch so eben auf Rang fünf gelandet. Denn nur drei Sekunden hinter Velocio-SRAM fuhr Boels-Dolmans mit Weltcup-Spitzenreiterin Elizabeth Armitstead, der Deutschen Romy Kasper und der Luxemburgerin Christine Majerus auf Rang drei. Und auch die Schweizer Bigla-Mannschaft brachte auf Rang vier nicht mehr als 49 Sekunden Rückstand mit ins Ziel, was Teamchef Thomas Campana "sehr zufrieden" stimmte. Schließlich hatte er auf seinen verletzten Zeitfahrmotor Annemiek Van Vleuten verzichten müssen.
Während Bigla kontinuierlich und langsam Zeit verlor, hatte Boels-Dolmans zu Beginn noch mit Rabobank-Liv mitgehalten und war lange zeitgleich. Doch am Ende schienen der zweiten niederländischen Equipe in ähnlicher Manier wie Velocio-SRAM die Kräfte auszugehen. "Zuerst wussten wir nichts, und dann haben wir irgendwann per Funk erfahren, dass wir die Schnellsten sind. Das war wirklich motivierend und unser Speed ist weiter nach oben gegangen", erklärte Giro-Siegerin Van der Breggen, dass es aber eben auch einfach die Ausgeglichenheit und Stärke des Siegerteams war, die das Rennen schließlich entschied.
In vier Wochen wollen Van der Breggen und Co. ihren Erfolg von Vargarda in Richmond wiederholen und Velocio-SRAM dort auch den WM-Titel abnehmen. Vier Wochen, in denen man sich bei den Weltmeisterinnen, aber auch bei Boels-Dolmans viele Gedanken machen wird, ob Positionsumstellungen innerhalb des aktuellen Sextetts oder gar Auswechslungen einiger Fahrerinnen nötig sind, um Rabobank-Liv dann wieder zu schlagen. Voraussichtlich wird es in Richmond jedenfalls ein Dreikampf ums Edelmetall, denn Bigla verzichtet wohl auf die teure US-Reise - und Wiggle-Honda war in Vargarda auf Rang fünf noch zu weit weg von den drei Top-Teams.
Ergebnis:
1. Rabobank-Liv 52:51
2. Velocio-SRAM + 0:26
3. Boels-Dolmans + 0:29
4. Bigla + 0:49
5. Wiggle-Honda + 1:31
6. Liv-Plantur + 2:10
7. BTC City Ljubljana + 2:55
8. Orica-AIS + 2:55
9. Hitec Products + 3:08
10. BePink-LaClassica + 3:39
Anna Van der Breggen im Gespräch mit radsport-News.com (Englisch):
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