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23.06.2012 | Grimma/Brüssel (dapd) - Es war nur ein kurzer Satz, den Johan Bruyneel am Freitagabend über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete. „Dieses Jahr werde ich nicht bei der Tour sein", war dort um 20.28 Uhr zu lesen.
Die Worte schreiben nicht nur die Geschichte über die Dopinganklage gegen den RadioShack-Teamchef und seinen Schützling Lance Armstrong fort. Sie stehen auch für Johan Bruyneels Kapitulation. Seit die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) in der vergangenen Woche den Belgier und fünf weiteren Personen in einer 15-seitigen Anklageschrift Besitz, Handel und Verabreichung von verbotenen Substanzen vorgeworfen hatte, war über ein mögliches Fernbleiben Bruyneels spekuliert worden.
Beim Tour-Organisator ASO war der 47-Jährige dem Vernehmen nach zur unerwünschten Person erklärt worden. Öffentlich hielten sich die Franzosen jedoch zurück. Womöglich auch, um dem stolzen Teamchef die Möglichkeit einzuräumen, von sich aus auf die Rundfahrt zu verzichten.
Diesen Schritt vollzog Bruyneel jetzt gut eine Woche vor dem Start in Lüttich. Auf seiner Internetseite erklärte er seine Entscheidung mit einer gehörigen Portion Pathos. „Die Geschichte der Tour sollte über die Leistungen ihrer Fahrer und die Spannung unseres großartigen Sports sein", schrieb Bruyneel, und weiter: „Ich wünschte, ich könnte da sein, aber meine Anwesenheit wäre im Zuge der jüngsten USADA-Anschuldigungen gegen mich eine unwillkommene Ablenkung für mein Team."
Die Anschuldigungen der US-Dopingjäger bezeichnete Bruyneel erneut als unbegründet und äußerte die Hoffnung, die Angelegenheit bald und ein für alle Mal zu klären. Eine zügige Abwicklung des Falls scheint jedoch utopisch, zumal der Verlierer wohl vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen wird.
Doch die Probleme des Ex-Profis, der als Teamchef Lance Armstrong zu sieben und Alberto Contador zu zwei Siegen bei der Tour führte, dürften bald noch größer werden. Denn im Team RadioShack-Nissan rumort es, viele Fahrer haben Probleme mit dem umstrittenen Teamchef und bereiten ihren Abgang vor. Die Brüder Andy und Frank Schleck sollen bereits ihre Anwälte beauftragt haben, Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Vertrag zu erörtern.
Spätestens seit einige Fahrer ihre Mai-Gehälter erst mit Verspätung erhalten haben sollen, war das Fass voll. Die Dopinganklage brachte es zum Überlaufen. „Es steckt viel mehr dahinter als das, was bereits zu lesen ist. Das ist nur die Spitze des Eisberges", sagte etwa Jakob Fuglsang. Der Däne war bei der Tour-Nominierung überraschend von Bruyneel übergangen worden. Andreas Klöden und Jens Voigt sind dagegen dabei. Routinier Voigt dürfte die Absage Bruyneels begrüßen, hatte er doch mit Blick auf die Tour schon empfindlich auf die Doping-Anschuldigungen reagiert: „Das ist Extra-Stress, den wir eigentlich nicht gebrauchen können."
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