Tour de France: Rennbericht 9. Etappe

Den ganzen Tag Lang von vorne

Foto zu dem Text "Den ganzen Tag Lang von vorne"

Sebastian Lang

Foto: Team Gerolsteiner

13.07.2008  |  170 Fahrer machten sich um 11:20 Uhr auf die 224 Kilometer lange erste Pyrenäenetappe der 95. Tour de France von Toulouse nach Bagnères-de-Bigorre. Insgesamt sieben Bergwertungen warteten auf das Feld, wobei die letzten beiden des Tages zur 1. Kategorie zählten.

Nach fünf Kilometern gab es die erste Attacke: der Italiener Giampaolo Cheula (Barloworld), die beiden Franzose Freddy Bichot (Agritubel) und David Moncoutié (Cofidis) der Niederländer Stef Clement (Bouygues Telecom), der Berliner Björn Schröder (Milram) sowie der spanische Träger des Bergtrikots, David De la Fuente (Saunier Duval) gingen in die Offensive. Allerdings wurde das Sextett bereits schon beim Kilometer 14 wieder gestellt.

Acht Kilometer später bildete sich dann die Gruppe des Tages. Der Erfurter Sebastian Lang (Gerolsteiner) konnte sich gemeinsam mit dem Weißrussen Alexandr Kuchynski (Liquigas) und dem Franzosen Nicolas Jalabert (Agritubel) vom Feld absetzen und recht schnell einen Vorsprung von einer Minute herausfahren. Die erste Sprintwertung des Tages beim Kilometer 29,5 gewann Kuchynski vor Jalabert und Lang, das Peloton folgte 1:40 Minuten dahinter. Die erste Bergwertung des Tages beim Kilometer 42, der Côte de Saint-Pey (4. Kat), sicherte sich Lang vor Kuchynski und Jalabert. Der Vorsprung auf das Hauptfeld war innerhalb kurzer Zeit auf über sieben Minuten angewachsen.

An der zweiten Bergwertung, der Côte de Sainte-Quitterie (Kat. 4) betrug er bereits mehr als 13 Minuten. Wieder sicherte sich Lang die Punkte, diesmal vor Jalabert und Kuchynski. Den Maximalvorsprung von 14:20 Minuten erreichte das Trio nach 53 Kilometern. In der Folgezeit spannte sich jedoch das Euskaltel-Team vor das Feld und ließ den Vorsprung der drei Ausreißer nicht mehr anwachsen. Die Tempoarbeit der Basken machte sich recht schnell bemerkbar. Nach 65 Kilometern lagen noch 12:40 Minuten zwischen den Ausreißern und dem Feld, zwölf Kilometer später nur noch 10:40 Minuten.

Die dritte Bergwertung des Tages nach 91 Kilometern, die Côte de Mane (Kat. 4), sicherte sich erneut Lang vor Jalabert und Kuchynski. Bis zur Verpflegungszone beim Kilometer 118 - zuvor hatte sich Lang auch am Col de Buret, dem letzten Kat.4-Anstieg des Tages, die Maximalpunktzahl gesichert - pendelte sich der Vorsprung der drei Ausreißer bei elf Minuten ein.

Dann eine Schrecksekunde für den Tourfavoriten Cadel Evans und sein Silence-Lotto Team. Der Australier war böse gestürzt, musste sich am Wagen des Tourarztes behandeln lassen, konnte das Rennen trotz Wunden am Knie, Arm und Rücken fortsetzen.

Lang, der in der Ausreißergruppe den Großteil der Führungsarbeit übernahm, holte sich bei Kilometer 123,5 am Col des Ares (Kat. 3) die vier Bergpunkte vor Kuchynski und Jalabert. Kurz vor der Bergwertung griffen aus dem Feld Samuel Dumoulin (Cofidis) und Romain Feillu (Agritubel) an und versuchten davonzufahren. Die beiden Franzosen wurden aber schnell wieder gestellt.

Vorne ging unterdessen das Spitzentrio mit knapp zehn Minuten Vorsprung in den 13,2 km langen Anstieg zum Peyresourde. Im Feld beteiligten sich mittlerweile auch andere Mannschaften wie Caisse d’Epargne oder Fdjeux an der Verfolgungsarbeit. Aber es war wieder die Euskaltel-Mannschaft, die das nun kleiner werdende Feld im Peyresourde anführte. Bereits in der Hälfte des Anstiegs war der Vorsprung der Spitze auf unter 7:30 Minuten geschrumpft.

Als Jalabert in Schwierigkeiten geriet, warteten Lang und Kuchynski zunächst auf den 35-jährigen Franzosen, um dann aber doch als Duo weiterzufahren, als Jalabert schließlich das Tempo nicht mehr mitgehen konnte. Kurz darauf fand sich Sebastian Lang allein an der Spitze wieder, weil auch Kuchynski am Ende seiner Kräfte war. Als Solist überquerte der 28-jährige Thüringer den ersten Kat.1-Berg der diesjährigen Tour, rund 35 Sekunden vor dem Weißrussen.

Knapp 5:40 Minuten hinter Lang führte De La Fuente das deutlich kleiner gewordene Feld über den Pass. In den letzten Anstieg des Tages, den Col d’Aspin (Kat. 1), ging Lang sogar mit fast sechs Minuten Vorsprung auf das Feld, wo überraschenderweise sein Teamkollege Stefan Schumacher, der später aus der Favoritengruppe zurück fiel, mit seinem Antritt das Ausscheidungsfahren am Berg eröffnete. Attacke folgte auf Attacke, ohne dass sich zunächst eine Gruppe entscheidend absetzen konnte.

Die für den tapfer kämpfenden Lang absehbaren Folgen zeigten sich aber schnell: Fünf Kilometer vor dem Gipfel war sein Vorsprung auf vier Minuten geschmolzen. Es war schließlich der noch am Vortag gestürzte Riccardo Ricco (Saunier Duval), der sich mit einem explosivem Antritt aus der Favoritengruppe absetzen konnte, an allen vor ihm fahrenden Grüppchen vorbeizog und den Abstand auf Lang schnell auf eine Minute verringerte.

Das Feld, in dem nun Caisse d’Epargne das Kommando übernommen hatte, folgte eine weitere Minute dahinter. Gut einen Kilometer vor der Bergwertung war die imponierende Soloflucht von Sebastian Lang beendet. Ricco flog regelrecht an dem Gerolsteiner vorbei und überquerte den Col d’Aspin als Erster. Hinter Langs Teamkollegen Bernhard Kohl, der die Favoritengruppe mit einer Minute Rückstand als Dritter über den Gipfel führte, kam De La Fuente auf den vierten Rang, und konnte so sein Bergtrikot knapp vor Lang verteidigen.

Auf der anschließenden Abfahrt konnte Ricco seinen Vorsprung gegenüber dem Feld halten. 15 Kilometer vor dem Ziel – Lang war inzwischen vom Feld gestellt – hatte der Italiener noch immer 1:20 Minuten Vorsprung und fuhr seinem zweiten Tour-Etappensieg entgegen. Neun Kilometer vor dem Ziel lösten sich Sandy Casar (Fdjeux), Mikel Astarloza (Euskaltel) und Vladimir Efimkin (Ag2r) aus der uneinigen favoritengruppe. Während Casar und Astarloza von der ersten großen Gruppe wieder gestellt wurden, konnte Efimkin einen knapp Vorsprung auf die letzten Kilometer nehmen.

An Ricco, der souverän seinen zweiten Tour-Etappensieg feierte, kam Efimkin jedoch nicht mehr heran und musste sich mit Rang zwei begnügen. Sein Teamkollege Cyril Dessel gewann den Sprint der ersten Gruppe und belegte den dritten Rang.

Mehr Informationen zu diesem Thema

07.10.2009Stefan Schumacher fordert nachträglich Freispruch

(sid) - Nach den negativ ausgefallenen Nachkontrollen zur Tour de France 2008 fordert Stefan Schumacher nachträglich einen Freispruch für sich. "Stefan Schumacher fordert die AFLD auf, die ihm zugeo

07.10.2009Alle 17 Nachtests zur Tour 2008 negativ

Paris (dpa/rsn) - Das befürchtete Doping-Nachbeben zur Tour de France 2008 ist ausgeblieben. „Die 17 Nachkontrollen waren negativ“, sagte Pierre Bordry, der Chef der französischen Anti-Doping-A

06.10.2009Vasseur unterstützt Nachtests zur Tour 2008

(rsn) - Cédric Vasseur, der Präsident der Fahrervereinigung CPA, hat die erneute Prüfung von Dopingproben der Tour de France 2008 unterstützt. "Die Fahrer wissen, dass gemäß des WADA-Codes Dopin

05.10.2009Tour-Nachtests: Ergebnisse am 7. Oktober

Paris (dpa/rsn) - Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Doping-Nachtests zur Tour de France 2008 werden am 7. Oktober veröffentlicht. Man werde an diesem Tag um 10.00 Uhr den Bericht für das ve

04.10.2009Tour Nachtests 2008: Resultate werden im Oktober mitgeteilt

Hamburg (dpa/rsn) - Die Ergebnisse der Dopingnachtests von der Tour de France 2008 sollen nach einem Bericht der österreichischen Tageszeitung "Kurier" im Oktober bekannt gegeben werden."In ein bis z

20.02.2009Französischer Verband kürzt Gerolsteiner Tour-Preisgelder

Herrenberg (dpa) - Der französische Radsportverband hat den Fahrern des früheren Gerolsteiner-Teams rund ein halbes Jahr nach der Tour de France 2008 die eingefahrenen Preisgelder gekürzt.Wegen der

24.12.2008Sastres Gelbes Trikot für 15.000€ versteigert

(sid) - Das Gelbe Trikot von Toursieger Carlos Sastre ist bei einer Internet-Auktion für 15.000 Euro versteigert worden. Das Geld soll hilfsbedürftigen Kindern sowie einer Stiftung, die Krebs- und A

14.10.2008L´Equipe: Keine weitere positive Tour-Tests

(sid) - Die Radsportwelt muss vorerst keine weiteren Dopingfälle von der diesjährigen Tour de France befürchten. Bernhard Kohl war der siebte und letzte Fahrer, der bei den nachträglichen Analysen

10.10.2008Fofonow kommt mit Kurzzeitsperre davon

Hamburg (dpa) - Der Kasache Dimitri Fofonow ist nach seinem positiven Dopingtest während der Tour de France mit einer Kurzzeitsperre von drei Monaten davongekommen. Wegen «einer Fahrlässigkeit» ha

08.10.2008Prudhomme rechnet mit wenigen positiven Tests

(rsn) – Im Gegensatz zu Pierre Bordry, dem Vorsitzenden der Französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, rechnet Tour-Direktor Christian Prudhomme nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters ledig

08.10.2008AFLD auch den Eigenblutdopern auf der Spur

Mainz/Hamburg (dpa) - Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD erwartet nach Informationen des ZDF zweieinhalb Monate nach dem Ende der Tour de France weitere Doping-Enthüllungen. «Wir sind bereit

06.10.2008Noch keine Resultate bei Tour-Nachuntersuchungen

Paris (dpa) - Für die Doping-Nachuntersuchungen der diesjährigen Tour de France liegen bisher keine Ergebnisse vor. «Wir haben noch keine Resultate», sagte ein Sprecher der Französischen Anti-Dop

Weitere Radsportnachrichten

11.03.2026Ayuso strahlt in Gelb: “Gibt Selbstvertrauen auch für Barcelona“

(rsn) – Den Sieg hat Lidl – Trek im 23,5 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT) zwar um 2,5 Sekunden verpasst, trotzdem aber gab es im Lager des deutschen

10.03.2026Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel und Co.

(rsn) – Nach dem fulminanten Auftakt mit einem dritten und einem fünften Platz durch Max Walscheid und Jonathan Milan im topfebenen Einzelzeitfahren von Lido di Camaiore auf der 1. Etappe, hat der

10.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

10.03.2026Perfekt auf Schotter: Pellizzari in bestechender Frühform

(rsn) – Nach einer soliden Vorstellung kam Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico in der ersten Verfolgergruppe 17 Sekunden hinter Tagessieger Mathie

10.03.2026Highlight-Video der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico

(rsn) – Der routinierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat bei Tirreno-Adriatico die beiden Youngster Gesamtführende Isaac Del Toro (UAE Emirates – XRG) und Giulio Pellizzari (Re

10.03.2026Ineos im Teamzeitfahren knapp vor Lidl - Trek, Ayuso in Gelb

(rsn) – Es war enger als erwartet, doch am Ende hatten die Favoriten die Nase vorn. Ineos Grenadiers hat das Mannschaftzeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza für sich entschieden – es war d

10.03.2026Van der Poel schlägt im Bergaufsprint die junge Garde

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat die 2. Etappe von Tirreno – Adriatico (2.UWT) gewonnen. Nach 206 Kilometern von Camaiore nach San Gimignano war er im Dreiersprint berga

10.03.2026ASO zum Paris-Nizza-Auftakt: “Keine negativen Reaktionen erhalten“

(rsn) – Nach der 1. Etappe von Paris-Nizza hatte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) deutliche Kritik an der Strecke geäußert. “Ich fand die Route heute nicht besonders gut. Es war eines W

10.03.2026Van der Poel würde gerne zu Strade Bianche zurückkehren

(rsn) – Obwohl auch die diesjährige Strade Bianche mit ihren mehr als 3.500 Höhenmetern wieder extrem schwer und damit eine Angelegenheit für Kletterer wie den mittlerweile viermaligen Sieger Tad

10.03.2026“Doppelagentin” Klöser: “Sehe mich als eine der Top-Fahrerinnen“

(rsn) - Die Deutsche Gravelmeisterin Rosa Maria Klöser (Canyon - SRAM - zondacrypto) bezeichnet sich immer noch als Newcomerin im Radsport. Und das trotz prestigeträchtiger Erfolge wie dem Gewinn d

10.03.2026Fernduell zwischen Decathlon und UAE um Jungstar Seixas

(rsn) - Paul Seixas hat nach nicht erst seit seinem sensationellen Saisonstart offenbar das Interesse des weltbesten Teams geweckt. Wie Wielerflits berichtet, arbeite UAE – Emirates – XRG “hinte

10.03.2026Pedersen zu Mailand-Sanremo Start: “Wird schwierig“

(rsn) – Mehr als einen Monat nach seinem Sturz zum Auftakt der Valencia-Rundfahrt (2.Pro) ist fraglich, ob Mads Pedersen (Lidl – Trek) rechtzeitig bei Mailand-Sanremo (21. März) am Start stehen w