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26.01.2026 | (rsn) - Gravelrennen erfreuen sich nicht nur unter Ex-Straßenprofis immer größerer Beliebtheit, auch auf Jedermann-Niveau vollzieht sich eine vergleichbare Entwicklung. Als Urvater des Gravelrennsports in Deutschland gilt Björn Müller. Der CEO von 3Rides und sein Team wagten 2022 mit der Premiere des 3Rides in Aachen etwas Einzigartiges.
Der Radsportweltverband UCI hatte in jenem Jahr die UCI World Gravel Series, eine Rennserie von zunächst elf Veranstaltungen auf drei Kontinenten aus der Taufe gehoben - und Müller war fest entschlossen, in Deutschland möglichst zügig erstmals ein UCI-Gravelrennen auszurichten.
Daraus entstand schließlich die Veranstaltung 3Rides, ein Format mit Festivalcharakter, das an drei Tagen unterschiedlichste Radsportangebote zusammenbrachte. Darunter dann auch 2023 ein Qualifikationsrennen für die zweite Gravel-WM im italienischen Pieve de Soligo. Was sich zunächst wie ein mutiger Schritt anfühlte, sollte sich schnell als ein Event mit riesigem Potenzial entpuppen. Auch in Singen waren die Lobgesänge auf den Aachener 3Rides nicht zu überhören und schon ein Jahr später war mit dem Hegau Gravel ein zweites deutsches Qualifikationsrennen für die GravelWorlds geboren. ___STEADY_PAYWALL___
Marianne Vos, die Gravel-Weltmeisterin von 2024, bei den 3Rides in Aachen | Foto: 3Rides
Doch der 3Rides blieb trotz seiner erst kurzen Historie das Maß aller Dinge für internationale Gravelveranstaltungen in Deutschland und geht in diesem Juli in seine fünfte Austragung. Allerdings mit einigen Neuerungen sowie einem weiteren geplanten 3Rides Event im Nachbarland, wie Müller im Interview mit RSN verriet.
Herr Müller, als Ende des vergangenen Jahres von der UCI die Qualifikationsrennen für die diesjährige Gravel-WM in Australien vorgestellt wurden, vermisste man zunächst den 3Rides. Warum?
Björn Müller: “Die Vertragsgespräche mit der UCI haben sich für dieses Jahr etwas länger hingezogen als vermutet. Das kann schon mal vorkommen und ist keine Seltenheit, wenn unterschiedliche Interessen aufeinanderstoßen. Aber nun ist ja alles in trockenen Tüchern und die Gravel-Fans können sich auf den vierten 3Rides als WM-Qualifikationsrennen in Folge schon freuen.“
Waren die Lizenzgebühren, die Veranstalter von Quali-Rennen an die UCI zahlen müssen, ein Grund für die Verzögerungen?
Müller: “Auch, wenn ich an dieser Stelle natürlich keine Zahl nennen darf, reden wir dabei von für uns relevanten Gebühren, die an die UCI fließen. Nicht jeder Veranstalter ist gewillt, solche Summen mitzugehen. Natürlich bleibt das dann mit zusätzlichen Gebühren an den Nationalen Verband (German Cycling) eine kostspielige Angelegenheit. Aber diese UCI-Lizenz bringt auch einige Vorteile mit sich.“
Die da wären?
Müller: “Wenn wir den 3Rides als 'normale' Veranstaltung durchführen würden, hätten wir vermutlich weniger Strahlkraft und auch Aufmerksamkeit durch die Presse. Auch bei Sponsorengesprächen erfahren wir mit einer UCI-Veranstaltung ein deutlich höheres Interesse. Mit der UCI im Rücken haben wir auch bessere Vermarktungsmöglichkeiten, beispielsweise über deren Newsletter-Adressat.“
Die Adressen kaufen Sie also im Paket mit und können diese dann bespielen?
Müller: “Die Adressen selber erhalten wir aus Datenschutzgründen natürlich nicht. Die UCI versendet in ihrem Namen Newsletter und kommuniziert jeden einzelnen UCI Qualifier über Social Media. Und mit dieser breiten Streuung erzielen wir ein sehr hohes internationales Interesse, gepaart mit einer Beteiligung aus aller Herren Länder bei unseren Rennen. In Aachen hatten wir über 50 Nationen am Start. Natürlich machen immer noch Teilnehmer aus Deutschland, Holland und Belgien das Gros des Starterfeldes aus; aber Anmeldungen aus Südafrika, Israel oder Kanada, um nur einige andere Länder zu nennen, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.“
Wären auch die eigenen wirtschaftliche Interessen der 3Rides GmbH ohne einen UCI Status geschwächt?
Müller: “Wir haben mit 3Rides eine klare Ausrichtung für die nächsten Jahre: Wir wollen uns dem Gravelsport ein Stück weit verpflichten und weitere 3Rides Veranstaltungen auf die Beine stellen. Das kostet natürlich Geld und ob zukünftige Events dann immer an ein UCI Status gekoppelt sein müssen, wird die Zeit zeigen.“
Apropos Starterzahlen, nach drei Jahren in Aachen haben sie sowohl die Location gewechselt als auch die Gravel World Series von der Gran Fondo World Series (Straße) entkoppelt. Was waren die Gründe dafür?
Müller: “Richtig, der vierte 3Rides findet für Gravel vom 17 bis 19. Juli 2026 in Winterberg/Sauerland statt und der dritte 3Rides Gran Fondo am 25. April 2026 im Rahmen des Traditionsrennens “Großer Preis der Südlichen Weinstrasse“. Für die Gravel-Veranstaltung war es uns einfach wichtig, Strecken zu finden, die einen höheren Offroad-Anteil als Aachen haben und weniger urban sind.“
Gravelrennen fahren heißt “Zunge raus und auf die Zähne beißen“ | Foto: 3Rides
Sie erwähnten German Cycling… . Wie beurteilen Sie die Rolle des deutschen Radsportverbandes hinsichtlich der Entwicklung des Sports in der Republik?
Müller: “Wir sind regelmäßig mit den Kollegen von German Cycling in Kontakt und sehen auf beiden Seiten, dass es in Deutschland noch viel Nachholbedarf gibt. Dadurch, dass es bislang so wenige Rennen in Deutschland gibt, existiert von Seiten des Verbandes auch noch kein Nachwuchsprogramm. Wenn wir mehr Rennen haben und dann unseren Kinderschuhen entwachsen sind, muss das riesige Potenzial an Nachwuchs, der bei den aktuellen Rennen nicht starten darf, abgeschöpft werden. Die Angebote zielen weltweit aktuell immer noch zu sehr auf den Erwachsenensport ab!“
Was muss sich aus Veranstaltersicht in den kommenden Jahren noch ändern, um den Boom im Gravelrennsport weiter voranzutreiben?
Müller: “Da spielt in meinen Augen der Faktor 'Sicherheit für die Teilnehmer auf der Strecke' eine zentrale Rolle. Die UCI hält ihre Regularien und damit auch Vorgaben für UCI-Gravelrennen recht locker - eine komplett vom Straßenverkehr abgesperrte Strecke ist kein MUSS! Das ist aber nicht unser Anspruch bei 3Rides. Wir stellen den Teilnehmern einen komplett abgesicherten Kurs zur Verfügung und unterscheiden uns damit noch von den Rennen der Deutschen Gravel League, bei denen das meines Wissens nicht gewährleistet wird. Wenn wir das Wachsen von Rennveranstaltungen im Gravel im deutschsprachigen Raum weiter vorantreiben wollen, müssen wir an der Schraube Sicherheit in der Zukunft schneller drehen. Aber unabhängig von diesem Thema, eines steht für mich fest: Gravel ist da, um zu bleiben – denn Gravel ist Action geladen!“
Was planen Sie mit 3Rides für die Zukunft?
Müller: “Neben unserem UCI-Rennen in Winterberg wird es dort ja auch erstmals ein 3Rides Gravel-Stage-Race geben. Solch ein Etappenrennen planen wir auch für den 4. bis 6. September 2026 in Ostbelgien und sind hier aktuell in guten Gesprächen mit der Region und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens. Darüber hinaus planen wir für 2027 ein oder zwei weitere Veranstaltungen in Deutschland und sind hierzu bereits im Austausch mit der ein oder anderen Region. Ich halte euch auf dem Laufenden, sobald es etwas Spruchreifes zu berichten gibt!“
Das erste Rennen der UCI World Gravel Series findet am 14. Februar in Nuwerust Farm (Südafrika) statt
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