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26.08.2025 | (rsn) – Anders als viele hoffnungsvolle deutsche Talente, die es in die WorldTour geschafft haben, hat Anton Schiffer (Bike Aid) den Radsport nicht von der Pike auf gelernt. In einer Zeit, in der es mittlerweile zur Normalität gehört, dass aus dem Juniorenalter auf direktem Weg in ein WorldTeam gewechselt wird, sticht Schiffer heraus. Nicht nur wegen seiner herausragenden Leistungen aus der aktuellen Saison - Zweiter der Tour of Hellas (2.1) und Etappensieger bei der Sibiu Cycling Tour (2.1), sondern vielmehr, weil der Ex-Triathlet erst im Alter von 22 Jahren zum Radsport fand.
Ob sein dritter Platz bei den Deutschen Straßenmeisterschaften in Linden, die Finalteilnahme bei der Zwift-Academy 2023 oder ein bislang unbekannter Umstand das Zünglein an der Waage für seinen rasanten Aufstieg gespielt haben – darüber sprach der 25-jährige Kletterspezialist, der ab dem 1. Oktober 2025 in Diensten von Visma – Lease a Bike stehen wird, nach Beendigung der Deutschland-Tour ausführlich mit RSN.
___STEADY_PAYWALL___RSN: Bevor wir zu den spektakulären Nachrichten der letzten Tage kommen – wie fällt Ihr Fazit der Deutschland Tour aus?
Anton Schiffer: Für das Team ist die Deutschland Tour ganz gut gelaufen, obwohl wir uns schon etwas mehr - wie ein Top-Ten-Resultat bei einer Etappe - erwartet hätten. Ich persönlich bin mit meiner Leistung bei der Rundfahrt nicht hundert Prozent zufrieden, wusste aber auch im Vorfeld, dass mir als Bergfahrer das flache Streckendesign nicht wirklich entgegenkommt. Aber die Stimmung an der Strecke war sehr gut und man hat gemerkt, dass durch den Lipowitz-Hype noch mal mehr los war.
RSN: Wie haben Sie emotional die letzten Tage mit Ihren Teamkollegen erlebt und wie würden Sie im Rückblick die Zeit bei Bike Aid bewerten?
Anton Schiffer: Ich habe probiert, diese Tage noch mal bestmöglich zu genießen. Auch meine Freiheiten als Konti-Fahrer, wo ich mich im Feld noch stressfreier und ohne großen Teamdruck bewegen konnte. Das wird in Zukunft mit der Erwartungshaltung in einem WorldTeam sicherlich anders sein. Mit vielen Teamkollegen fahre ich schon seit Beginn meiner Bike-Aid-Zeit, zum Beispiel Vinzent Dorn oder Oliver Mattheis. Da sind inzwischen Freundschaften entstanden und natürlich ist mir das Team auch ans Herz gewachsen. Rückblickend hatte ich insgesamt eine super Zeit bei Bike Aid. Dort habe ich quasi das Radfahren noch mal von der Pike auf gelernt und bin sehr dankbar, dass man mir damals überhaupt die Chance als ehemaliger Triathlet gegeben hat, in den Profi-Radsport reinzuschnuppern. Das war nicht selbstverständlich.
Noch im Trikot von Bike Aid – Schiffer (li.) bei der Tour of Antalya 2024
RSN: Nachdem schon nach Ihrem starken Auftritt bei den Deutschen Meisterschaften die Gerüchteküche brodelte - was hat den letzten Ausschlag zum Wechsel zu Visma gegeben?
Anton Schiffer: Das Ergebnis bei den Deutschen war sicherlich das finale Puzzleteil, um meine Verpflichtung endgültig in trockene Tücher zu bringen. Direkt in der Woche danach habe ich von Visma einen Vertrag bestätigt bekommen. Es gab auch unmittelbar nach Linden noch Angebote anderer Teams, deren Namen ich aber hier nicht nennen möchte. Mir war von Anfang an klar, dass ich unbedingt zu Visma wollte. Die ganze Struktur des Teams und wie das Thema Radsport dort angegangen wird – all das passt sehr gut zu mir, der ich ja auch ein etwas nerdiger Sportwissenschaftler bin. Nach meinem guten Resultat bei der Tour of Hellas im Frühjahr kam es in Person von Patrick Broe, dem Head of Strategy, zum ersten Kontakt mit dem Team. Der kennt wirklich alle Konti-Fahrer dieser Welt und hatte mich angeschrieben, ob er mal einen Blick in meine Daten bei Training Peaks werfen könne. Danach ging es dann relativ schnell. Es folgten ein paar Meetings mit der Führungsetage, bei denen auch Grischa Niermann und der Head of Performance, Mathieu Hejboer, anwesend waren. Bei diesen Treffen unterstützte mich Bastian Marks, der durch den Besenwagen-Podcast bekannt ist. Bastian ist jetzt nicht offiziell mein Manager, hat mir in dieser Zeit aber sehr hilfreich mit Rat und Tat zur Seite gestanden.
RSN: Ist Ihr Engagement bei Visma auch eine kleine Genugtuung in Richtung Alpecin – Deceuninck, konkret der Roodhooft-Brüder, als Sie im Jahr 2023 trotz bester Wattwerte aller Finalisten bei der Zwift Academy nicht ausgewählt wurdest?
Anton Schiffer: Diese Frage beziehungsweise Kommentare dazu habe ich in der letzten Zeit häufiger gehört. Aber nein, da empfinde ich keinerlei Genugtuung. Ganz im Gegenteil: Ich freue mich sehr darüber, dass nicht nur ich es danach doch noch mit einem Profivertrag geschafft habe, sondern der damalige dritte Finalist, Mattia Gaffuri, nun auch seit dem 1. August als Stagaire bei Polti - VisitMalta in der ProTour fährt.
RSN: Sie haben die Entscheidung damals offensichtlich nicht ganz verstehen können....
Anton Schiffer: Das Gespräch, das final mit mir ausgestrahlt wurde, wurde uns gegenüber im Vorfeld gar nicht als “Tag der Entscheidung“ kommuniziert. Das war schon ein bisschen überraschend… .
Natürlich war ich enttäuscht und konnte in dem Moment der Verkündung die Entscheidung auch nicht wirklich nachvollziehen. Als Begründung wurde mir meine nicht ausreichende Performance bei der Abfahrts-Challenge genannt. Und die Tatsache, dass ich bei den gemeinsamen Zwift-Rennen nicht ausreichend den Anweisungen von Christoph Roodhooft gefolgt wäre. Wobei an dieser Stelle meines Erachtens ein Kommunikationsproblem im Funk vorlag, den wir bei den Rennen im Ohr hatten.
RSN: Gab es nach der Academy schon Anfragen von beziehungsweise Gespräche von oder mit anderen Teams?
Anton Schiffer: Ja, konkret von Red Bull – Bora – hansgrohe und Unibet - Tietema Rockets. Da ich danach aber in der Saison auch die von mir erwünschten Ergebnisse nicht einfahren konnte, ist das dann im Sande verlaufen.
RSN: Die Verantwortlichen von Visma sind dafür bekannt, keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen und immer einen Plan vor Augen zu haben. Mit welcher Zielsetzung werden Sie antreten?
Anton Schiffer: Ich denke, sie haben mich an erster Stelle für den Kletter-Support geholt. Ansonsten wurde mir aber noch nicht detailliert mitgeteilt, welche konkreten Aufgaben ich in den Rennen übernehmen soll und wie mein Rennprogramm aussehen wird. Es muss sich sowieso erst mal zeigen, wie gut ich mich auf diesem höheren Niveau behaupten kann. Mir ist aber durchaus bewusst, dass ich in einem Team mit so starken Leadern zunächst überwiegend Helferdienste verrichten werde. Das sehe ich aber durchaus positiv! Dadurch kann ich mich physiologisch und mit meinen Fähigkeiten am Berg weiter verbessern und wer weiß, vielleicht reicht es ja dann auch mal für ein eigenes Ergebnis.
Schiffer, hier beim Prolog der Lidl Deutschland Tour, gilt als starker Bergfahrer
RSN: Sie haben sich als Fahrer mit guten Bergqualitäten in den letzten beiden Jahren schnell einen Namen gemacht. Wie realistisch sehen Sie Ihre Chancen, in der kommenden Saison Seite an Seite mit Stars wie Jonas Vingegaard, Wout van Aert und Simon Yates bei einer Grand Tour am Start zu stehen?
Anton Schiffer: Zunächst einmal bin ich niemand, der sich feste Ziele für bestimmte Rennen oder Platzierungen setzt. Vieles habe ich selbst nicht in der Hand, sodass ich mich primär immer darauf konzentriere, mich bestmöglich vorzubereiten und zudem ein besserer Rennfahrer zu werden. Zu was das dann reicht, werde ich sehen. Eine Nominierung für eine Grand Tour im kommenden Jahr ist angesichts der Stärke im Team sicher unrealistisch. Aber natürlich ist es ein Traum von mir, mal bei einer der drei großen Landesrundfahrten am Start zu stehen. Und mit meiner Verpflichtung bei Visma bin ich diesem Traum wieder ein Stück näher gerückt.
RSN: Vom Triathleten im heutzutage schon recht hohen Alter von 22 Jahren in den Radsport. Nach nun zwei Jahren bei Bike Aid zu einem der renommiertesten WorldTeams. Was vielen Talenten, die schon seit frühster Kindheit dem Radsport alles unterordnen, nicht gelingt, haben Sie innerhalb kurzer Zeit geschafft. Wie geht das?
Anton Schiffer: Ich kam ja nicht von null, als Triathlet konnte ich natürlich schon eine hohe kardiovaskuläre Fitness aufbauen. Ich hatte als 15-Jähriger in Leistungsdiagnostiken schon eine recht hohe VO2max von 75 ml/min/kg Körpergewicht. Und ich kann mich erinnern, dass ich im Jahr 2022 auch schon 6,8 Watt/kg über 20 Minuten gefahren bin. Als ich mich damals mit diesen Werten bei Konti-Teams beworben habe, dachten die wahrscheinlich, der Powermeter würde bei dem falsch messen. Da war also der Sprung zum reinen Radsport physiologisch gar nicht mehr so groß. Vielmehr musste ich mich erst mal an die deutlich höheren Trainingsumfänge gewöhnen, da ich im Triathlon überwiegend auf der Sprint-Distanz unterwegs war. Auch Soft-Skills wie im Feld positionieren oder simple Dinge wie am Auto Flaschen zu holen – das war eher die größere Challenge für mich.
RSN: Ihr Studium der Sportwissenschaft und Ihre Tätigkeit als Coach und Leistungsdiagnostiker – wie sehr haben Ihr Wissen rund um den Sport die eigene Leistungsfähigkeit gepusht?
Anton Schiffer: Wenn man sich die Rennergebnisse der letzten Monate anschaut, denkt man, dass ich noch mal einen Riesensprung gemacht haben muss. Physiologisch gesehen waren das tatsächlich aber nur ein paar Prozent. Vielmehr konnte ich noch an anderen Schrauben drehen. Das Thema “Fatigue Resistance“, also lange Rennen von Tag zu Tag besser tolerieren zu können und nicht mehr so schnell einzubrechen - das hat im Radsport in der letzten Zeit enorm an Bedeutung gewonnen und daran habe ich sehr gearbeitet. Als Leistungsdiagnostiker konnte ich in der Vergangenheit zudem an meiner Energieeffizienz arbeiten und diese durch wiederkehrende Tests engmaschig überwachen. Ich weiß nun viel genauer, wie viel Kalorien ich brauche, um meine Wattzahlen erzeugen zu können. Ich hatte zwar schon immer einen großen Motor, war in diesem Punkt aber früher viel ineffizienter und habe meine Energie unnötig herausgeschleudert. In diesem Bereich habe ich mich um 15-20% verbessert!
RSN: Sie sind in Ihrer Radkarriere noch kein einziges WorldTour Rennen gefahren. Was wird Ihrer Meinung nach die größte Umstellung sein?
Anton Schiffer: Die WorldTour-Rennen sind deutlich homogener in der Leistungsdichte – das sieht man schon bei Wettkämpfen wie der Deutschland Tour. Das sind wir zum Hermanns Denkmal über 5 Minuten mit nahezu 7 Watt/kg hochgefahren. Mit so einer Leistung hast du bei einem Rennen der Kategorie 1.1 oder 2.1. eventuell nur noch 15-20 Fahrer dabei. Bei einem WorldTour Rennen hingegen, hängst du mit so einer Watt/kg-Leistung keinen ab, oder wenn, nur sehr wenige. Die Leistungsdichte und auch die Positionskämpfe werden ungleich höher sein. Wobei ich mir erhoffe, dass man in einem Visma-Trikot mit den ganzen bekannten Team-Kollegen um sich herum im Feld möglicherweise einen etwas einfacheren Job hat – einfach, weil da mehr Respekt bei anderen Fahrern vorhanden ist, als im Trikot eines KT-Fahrers.
RSN: Der Druck auf Sie in einem WorldTeam wird unweigerlich wachsen. Haben Sie sich schon Strategien überlegt, um damit gesund umzugehen?
Anton Schiffer: Nein, eine spezielle Strategie noch nicht. Den größten Druck macht man sich aber intrinsisch selbst und nicht der Sportliche Leiter direkt vor einem Rennen. Am Ende des Tages ist es meine eigene Karriere, die auf dem Spiel steht. Mir ist bewusst, dass, wenn man für Rennen fahren bezahlt wird, auch eine Erwartungshaltung dahintersteht. Aber: Ich habe ein abgeschlossenes Studium und habe auch ohne einen Profivertrag mein Leben mit Diagnostiken und Coaching bisher gut finanzieren können. Selbst wenn ich nach zwei Jahren sehen sollte, dass mein Niveau für die WorldTour nicht ausreichen sollte, habe ich mit der Sportwissenschaft mein zweites Standbein. Das gibt mir eine gewisse Sicherheit.
RSN: Werden Sie in diesem Jahr für Ihren neuen Arbeitgeber schon Rennen fahren?
Anton Schiffer: Das steht noch nicht so ganz fest. Eventuell fahre ich für German Cycling in diesem Jahr noch die Europameisterschaften. Wenn ich dort nominiert werde, wird Mitte Oktober die Tour of Guangxi mein erstes Rennen für das Team sein. Ansonsten fahre ich vor China noch zwei bis drei italienische Eintagesrennen.
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