RSNplusEntscheidung naht

Überlebenskampf bei Arkéa: Hubert braucht 25 Millionen

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Überlebenskampf bei Arkéa: Hubert braucht 25 Millionen"
Das Team Arkéa - B&B Hotels steht weiterhin vor unruhigen Tagen. Noch immer ist keine Entscheidung über die Zukunft des Teams gefallen. | Foto: Cor Vos

24.04.2025  |  (rsn) – “Die Nächte sind kurz und die Tage scheinen mir auch kürzer zu werden. Ich war noch nie so wenig zu Hause, weil ich viel Zeit mit der Suche verbringe." Das sind die Worte von Emmanuel Hubert, Teamchef von Arkèa – B&B Hotels, jüngst gesprochen in einem Interview mit LeParisien. Was der 54 Jahre alte Franzose sucht, ist Geld. Genauer gesagt 25 Millionen Euro, gerne mehr.

Schon seit Beginn des Jahres ist bekannt, dass sein WorldTeam mit ernsthaften Problemen zu kämpfen hat. Da ist einerseits die maue sportliche Situation, über die auch der zweite Platz von Kevin Vauquelin beim Flèche Wallonne nicht hinwegtäuschen kann. Obwohl sich der junge Franzose, trotz seiner nur 23 Jahre uneingeschränkter Teamkapitän, tapfer wehrt, so reichen seine Ergebnisse allein nicht aus, um die Mannschaft im Kampf um die WorldTour-Lizenz für die nächsten drei Jahre auf Kurs zu halten. 

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Zwar hat der Bretone, der damit eine besondere Verbindung zu dem Team hat, das ebenfalls aus der Region stammt, die Rundfahrten Etoile de Bessèges (2.1) und Region Pays de la Loire (2.1) gewonnen und sich auch bei Tirreno-Adriatico als Zwölfter gut verkauft. Doch neben Vauquelin gibt es keine weiteren verlässlichen Punktesammler im Team.

Die wenigen sportlichen Erfolge zahlen auch auf die finanzielle Situation der Mannschaft ein. Oder eben nicht. Die beiden Hauptsponsoren, die bretonische Bank Crédit Mutuel Arkéa sowie die Economy-Hotelkette B&B Hotels aus Brest, werden ihr Engagement zum Saisonende höchstwahrscheinlich auslaufen lassen. “Alle Verträge mit unseren Partnern werden Ende 2025 enden. Ich weiß nicht, ob unsere Partner mit uns weitermachen wollen oder nicht“, beschrieb Hubert die Situation. “Aber ich tue so, als ob sie sich dafür entscheiden, alles zu beenden.“

Immer noch keine Klarheit mit aktuellen Sponsoren

Die Crux: “Selbst wenn unsere Partner weitermachen würden, würden sie nicht mehr geben, als sie bisher gestellt haben. Und das wäre nicht genug. Also muss ich mich anderweitig umsehen.“ Die Budgets im Radsport steigen immer weiter. Während die Budgets der Topmannschaften jenseits der 50-Millionen-Euro-Marke liegen, rangieren die kleinen WorldTeams bei weniger als 20 Millionen. Von hinten drücken die ambitionierten ProTeams Q36.5 und Tudor aus der Schweiz mit potenten Geldgebern, auch die Norweger von Uno-X liegen dem Vernehmen nach über der Summe, mit der Hubert arbeiten kann.

“Wir dürfen nicht zögern. Mein Team ist in tödlicher Gefahr. Vor allem, wenn ich bis Mitte Juni noch nichts Konkretes habe“, sagte der Manager, der seit 2010 die Regie in den Strukturen des Rennstalls führt, der damals noch Bretagne Schuller hieß und auf Kontinental-Niveau unterwegs war. Die Mannschaft selbst existiert noch fünf Jahre länger, ist also gerade im 20. Jahr ihres Bestehens.

Zu feiern gibt es logischerweise dennoch nichts. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es ihr letztes Jahr wird. Dennoch gibt sich Hubert weiter optimistisch. “Ich bin es jeden Morgen. Ich versetze Berge, ich verkaufe das Fett und die Seele der Mannschaft.“ Grund dafür sind laufende Gespräche. Bis Ende April soll es Klarheit geben, ob Arkéa und/oder B&B Hotels weitermachen. 

Parallel spricht Hubert aber auch mit weiteren Kandidaten, die durchaus vorhanden seien. An einer ersten möglichen Rettung ist er aber bereits vorbeigeschlittert. “Ich werde den Namen nicht nennen. Es war eine sehr große französische Firma. Es war eine knappe Sache. Und die internationale Situation hat nicht gerade dazu beigetragen“, verriet er nur.

“Vielleicht haben einige Fahrer schon woanders unterschrieben

150 Menschen arbeiten im Team. Im Gegensatz  zu Rennställen aus vielen anderen Ländern sind alle festangestellt. Das französische Recht lässt nichts anderes zu, während anderswo viele Fahrer und Mitarbeiter selbstständig sind. “So ist es besser für den Schutz von Männern und Frauen. Aber es kostet mehr als anderswo. Um zu existieren und zu funktionieren, braucht man also mindestens 25 Millionen Euro“, so Hubert.

So, wie auch die Verträge der Sponsoren enden, enden auch die des Personals. Speziell die der Fahrer. “Vielleicht haben einige schon woanders unterschrieben. Ich kann es ihnen nicht verdenken.“ Auch diese Unsicherheit macht die Verhandlungen mit neuen Sponsoren nicht leichter. “Ich bin es gewohnt, immer ein konformes Produkt zu verkaufen, und ich möchte nicht den Namen eines Fahrers nennen, wenn ich weiß, dass er bereits ein anderes Team gefunden hat.“

Ein Teufelskreis. Denn die schwierige Situation des Teams lässt auch die Profis nicht unbeschwert auftreten. "In letzter Zeit war es mental nicht einfach. Auch heute habe ich während des gesamten Rennens mit mir selbst gekämpft“, so Vauquelin, das Gesicht der Mannschaft, nach dem Flèche Wallonne. “Vielleicht macht mich dieses Ergebnis auch ein wenig stolz. Es ist wirklich gut für mich und vor allem für alle, die mir nahestehen, für das gesamte Team. Denn wir arbeiten alle zusammen und es gibt einige sehr schwierige Momente. Aber es gibt auch Momente wie heute, in denen wir uns freuen können."

Hubert würde auch mit Pro-Lizenz weitermachen

Es klingt nicht so, als sei Vauquelin einer der Fahrer, die schon anderswo untergekommen sind. Mit seinen aktuellen Leistungen dürfte er keine Probleme haben, ein neues Team zu finden, auch später im Saisonverlauf. Würde er – gesetzt, das Team kann sich retten – bleiben, müsste er aber aller Wahrscheinlichkeit nach künftig mit dem Pro-Status leben. Arkéa ist aktuell das schlechteste WorldTeam im Dreijahres-Ranking, eine Trendwende ist nicht in Sicht, auch nicht durch Vauquelins Flèche-Ergebnis.

Aber Hubert würde auch als ProTeam weitermachen. “Wir haben Vauquelin. Aber wir haben auch ganz viele wundervolle junge Fahrer hier in unserem Brutkasten, die nur darauf warten, zu schlüpfen.“ Das hauseigene Development-Team macht’s möglich. Aus der Devo-Mannschaft hat Arkéa den Großteil seiner Winterneuzugänge rekrutiert, doch der Sprung in die höchste Ebene ist dann doch zu groß.

Die zweite Liga wäre diesbezüglich sinnvoller. Doch auch dafür benötigt Hubert 25 Millionen Euro. “Da könnte man dann aber langsam wachsen. Es gibt genügend Beispiele, bei denen das funktioniert hat.“ Tudor und Uno-X zählte er auf. Die funktionieren so gut, dass sie seine eigene Mannschaft mittlerweile überholt haben.

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