Erath: Nach dem Sturz folgte der wahre Horror | radsport-news.at
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Skandalöse medizinische Versorgung in England

Erath: Nach dem Sturz folgte der wahre Horror

Foto zu dem Text "Erath: Nach dem Sturz folgte der wahre Horror"
Tanja Erath (Team Tibco - SVB) im Trikot des Nationalteams | Foto: Cor Vos

10.10.2021  |  (rsn) - Eine gebrochene Rippe, ein Schlüsselbeinbruch, der operiert werden muss, zwei gebrochene Wirbel, davon einer instabil und Verdacht auf einen gebrochenen Finger: So lautete die Diagnose, die Tanja Erath (Tibco - SVB) nach ihrem schweren Sturz zum Auftakt der 7. Women`s Tour erhielt. Doch was die 32-Jährige im Nachhinein auf ihrem Instagram-Account zu berichten hatte, war ein alptraumhafter medizinischer Skandal.

"Bei meinem Sturz stauchte sich meine Wirbelsäule und ich bin heftig auf meinen Kopf gestürzt. Ich hatte unglaubliche Schmerzen und geriet in Panik, denn ich spürte, dass etwas mit meiner Brustwirbelsäule nicht stimmte", so Erath.

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Etwas Beruhigung habe ihr verschafft, dass sie ihre Beine spüren und bewegen konnte, aber vorsichtshalber habe sie den Rettungskräften gesagt, dass man sie "im Ganzen" anheben solle, um ihre Wirbelsäule zu schützen. "Zu meiner Überraschung haben sie mir nicht zugehört und meine Bitte nicht befolgt. So ließen sie mich zur Trage laufen", schrieb sie.

Doch damit noch nicht genug: Erath wurde von den medizinischen Betreuern einfach am Teamhotel abgesetzt, "ohne weitere Sicherheitsmaßnahmen mit Blick auf meine Wirbelsäule", so Erath, die dann vom Team in die Notaufnahme gebracht wurde und erst vier weitere Stunden später erstmals mit einem Arzt Kontakt hatte. Dem erzählte sie von ihren Befürchtungen. "Er nahm meine Sorgen ernst und veranlasste eine Röntgenaufnahme meiner Wirbelsäule", so Erath. Bei der Untersuchung wurden schließlich auch Brüche zweier Brustwirbel diagnostiziert.

Aber auch nach der Diagnose wurden keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. So musste Erath zum CT laufen und wurde anschließend in die Unfallchirurgie von Oxford überführt: "Komischerweise immer noch ohne weiteren Schutz für meine Wirbelsäule."

Erst in Oxford habe man den Ernst der Lage wohl tatsächlich erkannt und ihr untersagt, sich selbstständig zu bewegen. Stattdessen wurde sie von vier Personen in ein Bett gehoben. Zudem wurde hier auch festgestellt, dass ein Wirbel instabil sei und operiert werden müsse.

Wegen Benzinmangel in England kein Rückflug nach Deutschland möglich

Dieser Eingriff sollte aber in Deutschland durchgeführt werden. Mit der Unterstützung ihres Freundes, der SVL Sport GmbH und dem Teamarzt Dirk Tenner sollte sie nach Hause geflogen werden. Allerdings scheiterte der Plan an der Benzinknappheit in England - eine der Folgen des Brexit. "Ohne Witz. Wegen des Benzinmangels gab es keinen Krankenwagen, der mich zum Flughafen bringen konnte", schrieb Erath.

Ihren 32. Geburtstag am 7. Oktober verbrachte sie festgezurrt auf einer Pritsche mit einer Vakuummatratze in einem Krankenwagen, der aus Deutschland kam und sie in einer zwölfstündigen Fahrt wieder nach Hause brachte. "Das war das schönste Geburtstagsgeschenk überhaupt. So erleichtert habe ich mich noch nie gefühlt", so Erath, die einen Tag nach ihrem Geburtstag eine erfreuliche Nachricht erhielt.

Nachdem Spezialisten an der Uniklinik Köln sich nochmals das Ergebnis der CT-Untersuchung anschauten, wurde entschieden, dass der Bruch an der Wirbelsäule konservativ - begleitet von regelmäßigen Röntgenaufnahmen - behandelt werden kann. "Ich soll zwar Bettruhe halten, kann mich aber mit Hilfe eines Korsetts bewegen. Das ist der wohl beste Tag meines Lebens gewesen", berichtete Erath, die am Dienstag am Schlüsselbein operiert wird.

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