Down Under: Zweiter Sieg in Folge, Czapla behält Weiß

Wollaston ringt Rüegg im Bergaufsprint von Paracombe nieder

Von Felix Mattis

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Ally Wollaston (FDJ United - Suez) feiert ihren zweiten Etappensieg bei der Tour Down Under, diesmal vor Noemi Rüegg (EF Education - Oatly, links). | Foto: Cor Vos

18.01.2026  |  (rsn) – Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) hat auf der 2. Etappe der Tour Down Under Women (2.WWT) in Paracombe den Tagessieg nur knapp verpasst. Die Schweizer Titelverteidigerin musste sich im Bergaufsprint nach 130,7 Kilometern durch die Adelaide Hills nur der besten Sprinterin im Peloton des WorldTour-Auftakts geschlagen geben: Ally Wollaston (FDJ United – Suez) wiederholte ihren Auftakterfolg und verteidigte so auch das ockerfarbene Führungstrikot.

Allerdings musste sich die Neuseeländerin dabei in Paracombe, wo der Zielstrich nach drei leicht ansteigenden Kilometern auf einer 150 Meter langen und dann immerhin mit knapp sechs Prozent ansteigenden Zielgeraden lag, deutlich mehr strecken als beim überlegenen Sprinterfolg in Willunga 24 Stunden zuvor. Sie konnte Rüegg erst auf den letzten 50 Metern abfangen und hatte auch zuvor in den Hügeln immer wieder zu kämpfen. Eingangs der zwölf Kilometer langen Schlussrunde etwa fuhr sie am Ende des Feldes als Letzte über den Zielstrich.

"Ich bin so, so happy! Denn ich habe mich heute, ehrlich gesagt, wirklich nicht gut gefühlt und das auch den Mädels gesagt. Es muss sehr frustrierend für sie gewesen sein, heute mit mir zu fahren, weil es mir so schwer fiel, mich im Feld nach vorne zu bewegen", sagte Wollaston im Sieger-Interview. "Aber auf den letzten zehn Kilometern habe ich irgendwie den Schalter umgelegt. Wenn der Sprint näherkommt, passiert wohl irgendetwas im Gehirn und plötzlich fuhr ich auch vorne."

Dritte hinter der Neuseeländerin und der Schweizerin wurde die britische Auftaktzweite Josie Nelson (Picnic – PostNL), die damit auch den zweiten Gesamtrang hinter Wollaston behauptete. Etappenvierte wurde die Spanierin Paula Blasi (UAE Team ADQ) vor ihrer polnischen Teamkollegin Dominika Wlodarczyk und der im Finale der 1. Etappe noch gestürzten Ruby Roseman-Gannon (Liv – AlUla – Jayco) aus Australien.

Erst innerhalb des Schlusskilometers hatte das Peloton, angeführt zunächst von FDJ und im Finale dann vom EF-Team, ein starkes Ausreißerquintett um Chloe Dygert (Canyon – SRAM – zondacrypto) eingeholt, das sich eingangs der zwölf Kilometer langen Schlussrunde abgesetzt und bis zu 20 Sekunden Vorsprung herausgefahren hatte. "Die Gruppe war wirklich stark und gefährlich und es war unser Fehler, dass wir niemand dabei hatten. So mussten wir hinten die Verfolgung übernehmen und ich bin einfach froh, dass die Mädels das geschafft haben, während ich einfach abwarten durfte", kommentierte Wollaston das Finale.

In der Gesamtwertung der ersten WorldTour-Rundfahrt der Saison liegt Wollaston nach zwei von drei Etappen nun 14 Sekunden vor Nelson und 17 vor Rüegg. Gesamtvierte ist die Kanadierin Olivia Baril (Movistar / + 0:19) vor der Polin Marta Lach (SD Worx – Protime / + 0:22), der Kanadierin Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike / + 0:23) sowie Wlodarczyk, die mit 24 Sekunden Rückstand den großen Block jener Fahrerinnen anführt, die zwar beide Etappen ohne Zeitverlust beendeten, aber unterwegs auch keine Bonifikationen an Zwischen- oder Zielsprints einsammeln konnten.

Czapla behält Weiß, Wollaston vor Corkscrew wenig zuversichtlich

Teil dieses 21-köpfigen Blocks mit 24 Sekunden Rückstand sind auch die beiden Deutschen Ricarda Bauernfeind (Lidl - Trek) und Justyna Czapla (Canyon – SRAM – zondacrypto), so dass letztere ihr Weißes Trikot als beste Nachwuchsfahrerin behauptete. Die 21-Jährige ist weiterhin zeitgleich mit Rosita Reijnhout (Visma – Lease a Bike) und Paula Ostiz (Movistar) an der Spitze der Nachwuchswertung, hat mit Kletterass Marion Bunel (Visma – Lease a Bike) aber ihre nach Etappe 1 noch ärgste Verfolgerin um 20 Sekunden distanzieren können.

Wollaston führt auch in der Punktewertung, wobei Nelson als Zweitplatzierte stellvertretend das Blaue Trikot trägt. Das türkisfarbene Trikot der besten Bergfahrerin wechselte am Sonntag seine Besitzerin: Blasi eroberte es mit an den Bergpreisen sehr aktiver Fahrweise und hat mit 27 Punkten bereits 15 Zähler Vorsprung auf die Ausreißerin der 1. Etappe, Alessia Vigilia (Uno-X Mobility).

Am Montag steht die Schlussetappe der Tour Down Under Women an, die über 126,5 Kilometer von Norwood nach Campbelltown führen wird und auf den letzten 30 Kilometern zwei Mal den 2,4 Kilometer langen und 9,7 Prozent steilen Corkscrew-Anstieg beinhaltet. Nach der zweiten Überfahrt führen die letzten sechs Kilometer bergab ins Ziel. "Momentan denke ich lieber nicht an Corkscrew. Ich freue mich auf den Tag, denn es ist speziell, das Trikot zu tragen. Aber wenn man aufs Streckenprofil schaut, ist das nicht wirklich mein Kurs", gab sich Wollaston am Sonntag wenig zuversichtlich, ihr Führungstrikot bis zum Schluss behalten zu können.

So lief die 2. Etappe der Tour Down Under Women 2026:

Bei etwas mehr als 30 Grad begann das zweite Teilstück am Stadtrand von Adelaide in Magill mit einem knapp zehn Kilometer langen, aber nur moderat mit zwei bis drei Prozent ansteigenden Anstieg nach Ashton. Schon dort wurde immer wieder attackiert, aber niemand konnte sich absetzen und auf der Kuppe ersprintete Blasi die sieben Punkte für Platz 1 am Bergpreis der 2. Kategorie.

Anschließend dauerte es trotz erneut zahlreicher Angriffsversuche bis nach Kilometer 30, ehe sich mit Wilma Aintila (Canyon – SRAM – zondacrypto) eine Fahrerin absetzen konnte. Die Finnin fuhr rund anderthalb Minuten Vorsprung heraus und führte das Rennen knapp 50 Kilometer an, wurde dann aber auch wieder gestellt.

Immerhin: Sie gewann unterwegs beide Zwischensprints des Tages und auch den zweiten Bergpreis der 2. Kategorie, wo Blasi im Hauptfeld aber Zweite wurde und damit das Bergtrikot übernahm. An den Zwischensprints nahm jeweils Auftaktsiegerin Wollaston im Feld die zwei Bonussekunden für Rang zwei mit, dahinter wurde je einmal Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike) und Rüegg Dritte.

Das Streckenprofil der 2. Etappe. | Grafik: Tour Down Under

Geschlossen erreichte das Peloton die letzten 40 Kilometer nd damit auch den welligen, finalen Rundkurs um Paracombe. Auch dort wurde immer weiter attackiert, doch weiterhin konnte sich niemand absetzen. Besonders aktiv dabei: das Canyon-Team mit Czapla und Tiffany Cromwell. 24 Kilometer vor dem Ziel sprintete Blasi bei der dritten Zielpassage zum Gewinn des dritten Bergpreises und eine Runde später konterte sie einen Angriff von Weltmeisterin Magdeleine Vallieres (EF Education – Oatly), um ich auch den vierten Bergpreis noch zu sichern.

Dazwischen hatte sich die Australierin Josie Talbot (Liv – AlUla – Jayco) für einige Kilometer und bis auf zwölf Sekunden allein abgesetzt, doch während der ansteigenden drei letzten Kilometer der Runde wurde auch sie wieder gestellt. Eingangs der letzten 12-Kilometer-Runde war es dann Dygert, die mit einer Tempoverschärfung ein Ausreißerquintett initiierte – mit van Dam, Loes Adegeest (Lidl - Trek), Mireia Benito (AG Insurance – Soudal) und Julia Kopecky (SD Worx – Protime).

Obwohl die Tschechin Kopecky nicht zur Führungsarbeit beitrug, fuhr das Quintett knapp 20 Sekunden Vorsprung heraus, bis die letzten drei leicht ansteigenden Kilometer erreicht wurden. Dort schaute man sich kurz an und das Peloton kam wieder auf zehn Sekunden heran, bevor dann Dygert 2.500 Meter vor dem Ziel nochmal angriff. Die US-Amerikanerin konnte aber niemanden abschütteln und weil dann keine Einigkeit mehr in die Gruppe kam, rückte das von EF angeführte Hauptfeld Sekunde um Sekunde näher heran, bis 800 Meter vor Schluss alles wieder beisammen und der Sprint um den Tagessieg unvermeidbar war.

Den zog Weltmeisterin Vallieres für Rüegg an, bis die Schweizerin etwa 170 Meter vor dem Ziel um die letzte Rechtskurve herum auf der Innenbahn loslegte. Die Titelverteidigerin sprintete stark, doch hinter ihr saugte sich Wollaston heran und zog auf den letzten 50 Metern noch an Rüegg vorbei zum zweiten Sieg – nachdem sie eingangs der Schlussrunde noch an allerletzter Position im Hauptfeld gesessen hatte.

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