Down Under: Vigilia 200 Meter vor Schluss gestellt

Auftaktsieg: Wollaston überwindet Angst, Druck und Erinnerung

Von Felix Mattis

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Überlegen: Ally Wollaston (FDJ United - Suez) gewinnt die 1. Etappe der Tour Down Under im Massensprint mit mehreren Radlängen Vorsprung vor Josie Nelson (Picnic - PostNL / links). | Foto: Cor Vos

17.01.2026  |  (rsn) – Ally Wollaston (FDJ United – Suez) ist ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und hat in Willunga die 1. Etappe der 10. Tour Down Under Women (2.WWT) im erwarteten Massensprint gewonnen. Die Neuseeländerin setzte sich nach 137,4 Kilometern auf der ansteigenden Zielgeraden am Fuß des berüchtigten Willunga Hill überlegen mit mehreren Radlängen Vorsprung vor der Britin Josie Nelson (Picnic – PostNL) und der Niederländerin Femke Gerritse (SD Worx – Protime) durch.

Die Schweizer Titelverteidigerin Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) schob ihr Vorderrad als Vierte über den Zielstrich und verpasste die begehrten Bonifikations-Sekunden für die Gesamtwertung am ersten WorldTour-Renntag der Saison knapp – nicht nur im Ziel, sondern vorher auch bereits am Zwischensprint, wo sie ebenfalls mit reinhielt, aber nicht ganz in die Top 3 kam.

"Ich wünschte ich könnte sprechen, aber ich bin ehrlich gesagt etwas geplättet. Der Sieg bedeutet mir sehr viel", strahlte Wollaston im ersten Sieger-Interview kurz nach dem Rennen, um dann aber doch noch deutlich mehr Wörter zu finden: "Ich habe mich im Rennen nicht besonders gut gefühlt, war recht ängstlich und hatte wirklich viel Druck. Ich hatte echt Probleme im Peloton, aber ich bin so froh über diese Mädels – sie haben mich zum Ziel gebracht und alles, was ich dann noch tun musste, war, es zu Ende zu bringen."

Am Ende nicht in den Top 10 der Etappe tauchte ein Name auf, der den Tag geprägt hatte: Alessia Vigilia (Uno-X Mobility) war 100 Kilometer lang allein an der Spitze des Rennens unterwegs und konnte am Ende sogar am Sieg schnuppern. Erst als auf der mit vier Prozent ansteigenden Zielgeraden der Sprint von Wollaston rund 200 Meter vor dem Strich eröffnet wurde, rauschte die Konkurrenz an der sich bis dahin noch rettenden Italienerin vorbei.

"Wir wollten keine Wiederholung des letzten Jahres", erinnerte Wollaston an den Auftakt 2025, als die Niederländerin Daniek Hengeveld für das deutsche Team Ceratizit in Snapper Point einen sensationellen Solosieg feierte, weil hinter ihr erst zu spät eine Verfolgung organisiert wurde. Wollaston war schon damals die Schnellste im Hauptfeld, musste sich aber mit Platz zwei begnügen.

"Deshalb haben wir Amber (Kraak) so früh an die Spitze geschickt und sie war unglaublich! Sie ist bestimmt 70 Kilometer von vorne gefahren – das war verrückt, so etwas habe ich noch nicht gesehen", freute sich die Neuseeländerin nun, dass es diesmal anders ausging – vor allem auch dank ihres Teams und speziell dank der Niederländerin Amber Kraak, die den Mammutanteil der Führungsarbeit im Hauptfeld verrichtete.

Vigilia und Czapla streifen die Wertungstrikots über

"Ich denke Alessia ist noch etwas mehr an der Spitze gefahren, als ich", gab sich die ehemalige Eisschnellläuferin Kraak anschließend bescheiden. "Ich habe viel an letztes Jahr gedacht, als Ally zu Platz zwei gesprintet ist, weil Daniek Hengeveld vorne einen tollen Solosieg gefeiert hat. Deshalb wollten wir keinen allzu großen Vorsprung zulassen, aber Alessia war wirklich stark! Als es irgendwann 3:30 Minuten waren musste ich härter in die Pedale treten, und das war nicht mehr ganz so angenehm. Wir hatten heute ein Ziel: 100 Prozent für Ally! Wir wollten die anderen Mädels fürs Finale schonen, also habe ich den Job gemacht. Und jetzt bin ich und sind wir glücklich!"

Durch den Sieg und die damit verbundenen zehn Bonussekunden übernahm Wollaston natürlich auch das Ockerfarbene Führungstrikot mit vier Sekunden Vorsprung vor der Tageszweiten Nelson (+ 0:04). Gesamtdritte ist aber nicht die Etappendritte Gerritse, sondern die Kanadierin Olivia Baril (Movistar / + 0:05), die an den beiden Zwischensprints des Tages fünf Sekunden einsammelte. Gerritse (+ 0:06) folgt auf Rang vier vor Marta Lach (SD Worx – Protime / + 0:08), Margaux Vigie (Visma – Lease a Bike / + 0:09), Loes Adegeest (Lidl – Trek / + 0:09) und Rüegg (+ 0:10), die als Etappenvierte jenen Block an Fahrerinnen anführt, die keine Bonifikationen ergattern konnten.

Vigilia rollte nach ihrer Einholung nur noch aus und wurde als Etappen-47. mit 21 Sekunden Rückstand gewertet. Ab Platz 46 nahm die UCI-Jury Abstände im Ergebnis auf, während aber einige zwei Kilometer vor Schluss bei noch komplett geschlossenem Peloton gestürzte Fahrerinnen aufgrund der 3-Kilometer-Regel mit der Siegerzeit gewertet wurden.

Während Wollaston als Etappensiegerin und Gesamtführende geehrt wurde, bekam Vigilia nicht nur den Preis der Kämpferischsten Fahrerin, sondern auch das Bergtrikot. Doch auch eine Deutsche durfte aufs Podium: Justyna Czapla (Canyon – SRAM – zondacrypto) war als Etappen-25. direkt vor der Französin Marion Bunel (Visma – Lease a Bike) die beste Nachwuchsfahrerin und bekam das Weiße Trikot.

So lief die 1. Etappe der Tour Down Under Women 2026:

Bei strahlendem Sonnenschein und 26 Grad präsentierte sich South Australia zum WorldTour-Auftakt mit perfektem Wetter. Zu Beginn der Etappe blieb das Peloton lange beisammen und so ging es geschlossen an die Küste zum ersten Zwischensprint in Aldinga Beach nach 17 Kilometern. Dort zogen SD Worx und Movistar nebeneinander zwei Leadouts auf und Lach eröffnete den Sprint, aber Baril war schneller und setzte sich im Kampf um die ersten drei Bonussekunden vor der Polin sowie Vigie durch.

Anschließend kehrte wieder Ruhe ein bis exakt 100 Kilometer vor dem Ziel Vigilia attackierte und sich allein absetzte. Zunächst wurde keine echte Verfolgung organisiert und so fuhr die Italienerin schnell zwei Minuten Vorsprung heraus, bevor FDJ United – Suez und Fenix – Premier Tech kurz vor der ersten Durchfahrt in Willunga die Kontrolle übernahmen.

Mit 2:40 Minuten Vorsprung passierte Vigilia den Zielstrich ein erstes Mal und sicherte sich dort den ersten Bergpreis. Aus dem Feld heraus sprintete Gaia Realini (Lidl – Trek) zu drei Bergpunkten für Rang zwei vor Paula Blasi (UAE Team ADQ). In der zweiten Runde über Aldinga Beach und die Weinregion McLaren Vale änderte sich an der Rennsituation wenig: Vigilia baute ihren Vorsprung bis auf 3:30 Minuten aus, doch dann begann das bis dahin hauptsächlich von Kraak angeführte Peloton konsequenter dagegenzuhalten.

Das Streckenprofil der 1. Etappe der Tour Down Under sieht auf den ersten Blick sehr schwer aus – bis man die Höhenmeterangaben auf der Y-Achse beachtet. | Grafik: Tour Down Under

Bei der zweiten Zielpassage gewann die Solo-Spitzenreiterin auch den zweiten und letzten Bergpreis, bei wieder etwa 2:40 Minuten Vorsprung, und sicherte sich so auch das Bergtrikot. Diesmal wurde Blasi vor UAE-Teamkollegin Alena Ivanchenko Zweite. Es ging anschließend wieder an die Küste und zum zweiten Zwischensprint in Aldinga Beach – und wieder war dort aus dem Feld heraus Baril die Schnellste, um sich bei noch 1:30 Minuten Rückstand zu Vigilia noch zwei Bonussekunden zu holen.

Auf den letzten 20 Kilometern verkürzte das Peloton den Rückstand zur Italienerin an der Spitze allmählich weiter und verschiedene Teams beteiligten sich an der Führungsarbeit. Trotzdem aber kam die Italienerin noch mit 30 Sekunden Vorsprung auf die letzten zwei Kilometer. Nun entstand Hektik im Feld und im Positionskampf kam es nach einer durch eine Movistar-Fahrerin in der Straßenmitte ausgelöste Kettenreaktion am linken Straßenrand zum Sturz von Katia Ragusa (Human Powered Health), mit der auch Ruby Roseman-Gannon und Georgia Baker (beide Liv – AlUla – Jayco) sowie Soraya Paladin (Canyon – SRAM – zondacrypto) zu Boden gingen. Ragusa gab das Rennen auf, der Rest fuhr noch ins Ziel und wurde ohne Zeitverlust gewertet.

Ungeachtet dessen gingen die Sprintvorbereitungen weiter und auf dem ansteigenden Schlusskilometer drückten FDJ, SD Worx und EF im Hauptfeld so richtig aufs Tempo, um Vigilia gerade noch rechtzeitig einholen zu können. Das geschah genau in dem Moment, als Wollaston an der 200-Meter-Marke ihren Sprint lancierte. Die Neuseeländerin hatte den eindeutig härtesten Punch, riss sofort eine große Lücke und spurtete einem überlegenen Sieg entgegen. Dahinter gab Titelverteidigerin Rüegg alles, um noch in die Top 3 zu kommen, doch Nelson war klar schneller und Gerritse etwas früher losgefahren, um sich am Ende noch knapp auf Platz drei zu retten.

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